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Periodical volume 27. Juni 1906

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1906

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auf dem gleichen Plan mit den Buchstaben Erholungsbedürftigen, welche gestützt auf eine 
c d h c (5 qm) umschriebene Fläche der von Empfehlung der Gemeindediakonisse oder des 
der Märkischen Baugesellschaft mit beschränkter Geistlichen eine Anmeldung einschicken; schließ­
Haftung erworbenen Parzelle 9 des ehemals lich auch anderen geeigneten Bewerbern ohne 
von Wartenbergschen Geländes — Band 203 Unterschied der Konfession, sofern sie die Haus­
Bl. Nr. 6884 des Grundbuchs — wird ge« ordnung anerkennen.
nehmigt. Hier ist allerdings das Beiwort „christliche" ausge­
2. Der Beschluß der Stadtverordnetenversammlung lassen. — Unter diesen Umständen war es für mich 
vom 6. Dezember 1905 Punkt 23 Nr. 3 wird unbedingt notwendig, mir ein Exemplar dieser christ­
aufgehoben.) lichen Hausordnung zu verschaffen. Darin ist von 
einer Abendandacht die Rede. Es geht nun aus dem 
Punkt 5 der Tagesordnung: Passus nicht klar hervor, ob die Insassen durch An­
erkennung der Hausordnung sich verpflichten müssen, 
Vorlage betr. den hiesigen Pferdemarkt. — an diesen Abendandachten teilzunehmen, oder ob die 
Drucksache 249. Teilnahme eine freiwillige ist.
Unter diesen Umständen halten es meine Freunde 
(Die Beratung wird eröffnet und geschlossen. und ich für angezeigt, die Beschlußfassung über die 
Die Versammlung beschließt nach dem Antrage des Vorlage vorläufig zu vertagen und den Magistrat zu 
Magistrats, wie folgt: ersuchen, uns darüber authentisch Auskunft zu er­
Für die Pflasterung des Königsdammes teilen. ob die Teilnahme an den Abendandachten in 
von der Weichbildgrenzc bis zum Pflastcranschluß dem Erholungsheim obligatorisch für die Insassen 
in der Gartenstraße vor der Strafanstalt ohne Unterschied der Konfession stattfindet, und ferner, 
Plötzensee werden 3100 M  aus dem Dis­ welche religiösen Tendenzen bei dem Verein und bei 
positionsfonds bewilligt.) seiner Tätigkeit maßgebend sind. Ich beantrage also 
die vorläufige Aussetzung der Beschlußfassung und 
Punkt 6 der Tagesordnung: bitte inzwischen um eine Information von seilen des 
Magistrats über die von mir erwähnten Punkte.
Vorlage betr. Bewilligung einer Beihilfe 
an den Verein zur Fürsorge für die weibliche Stadtrat Samter: Meine Herren, ich bin augen­
Jugend. — Drucksache 250. blicklich nicht in der Lage, die Auskunft zu erteilen. 
Der Magistrat wird die nötigen Ermittlungen an­
Stadtv. D r. Nöthig: Meine Herren, denjenigen stellen. Ich stelle anheim, die Sache zu vertagen; 
sozialen Bestrebungen des Vereins zur Fürsorge für ich werde dann darüber Auskunft geben.
die weibliche Jugend, die bezwecken, den Mädchen der 
erwerbenden Stände gute und billige Erholungsstätten (Die Beratung wird geschlossen. Die Versamm­
zu verschaffen, stehen meine Freunde und ich durch­ lung stimmt dem Antrag auf Vertagung der Beschluß­
aus sympathisch und wohlwollend gegenüber, und fassung zu.)
gern würden wir die Vorlage schon jetzt bewilligen, 
wenn wir absolute Klarheit darüber hätten, ob bei Vorsteher Roscnberg: Es ist folgende Anfrage 
der Tätigkeit des genannten Vereins nicht einseitig eingegangen:
konfessionelle Interessen und Tendenzen maßgebend Am 20. Dezember 1905 hat die Stadtverord­
sind. Nun heißt es allerdings in dem vorläufigen netenversammlung beschlossen, den Magistrat zu 
Entwurf zu dem neuen Eiholungsheim in Havelberg: ersuchen, mit ihr in gemischter Deputation zu 
Das Erholungsheim des Zweigvercins zur Für­ beraten, auf welche Weise das Terrain, welches 
sorge für die weibliche Jugend in Havelberg die Stadt durch Kauf eines Teiles der Jung­
gewährt Mädchen der erwerbenden Klaffen an­ fernheide sowie zur Ermöglichung des Bismarck- 
genehmen Aufenthalt. Aufnahme finden Ange­ straßen-Projektes vom Fiskus erworben hat. 
hörige jeder Konfession. gänzlich oder doch zu einem Teile für die Stadt 
Unmittelbar danach heißt es aber: „sofern sie die nutzbar gemacht werden kann, ohne daß es durch 
christliche Hausordnung anerkennen". Was heißt das Verkaufs aus städtischem in privaten Besitz 
nun: „christliche Hausordnung?" Meines Erachtens übergeht.
ist die Hervorkehrung eines spezifisch christlichen Stand­ Bis heute hat der Magistrat nicht mitge­
punktes bei einer Hausordnung zum mindesten über­ teilt, ob er diesem Beschluß beigetreten ist.
flüssig; sie wird aber direkt unverständlich, wenn es Die Unterzeichneten richten an den 
sich um eine Einrichtung handelt, die dem Wohle Magistrat die Anfrage, wann eine Beschluß­
aller Konfessionen dienen soll. Ich habe mich nun fassung des Magistrats über das Ersuchen der 
bemüht, privatim Informationen über die religiösen Stadtverordnetenversammlung zu erwarten ist.
Tendenzen des Vereins zu bekommen, rurd da habe Dr. Borchardt 
ich den Eindruck gewonnen, daß er auf streng ortho­ und mehr als 5 Unterschriften.
dox-evangelischem Standpunkte steht. Ich erlaube mir die Anfrage an den Magistrat, 
(Hört, hört!) ob er die Interpellation sofort beantworten will.
Das geht auch schon aus dem ersten Absätze in dem 
Statut des alten Erholungsheims Voßfeld hervor, Oberbürgermeister Schustehrus: Ich bitte, die 
welcher lautet: Angelegenheit wie gewöhnlich zu behandeln. Ich
DaS Erholungsheim des Vereins zur Für­ werde dem Magistrat darüber Vortrag halten und 
sorge für die weibliche Jugend zu Voßfeld in dann dem Herrn Stadlverordnetenvorsteher weitere 
Mecklenburg gewährt in erster Linie den Be­ Mitteilung machen.
wohnern des Marienheims und den Mitgliedern 
der evangelischen Jungfrauen- und Arbeiter­ Vorsteher Rosenberg: Ich werde so verfahren. — 
vereine Aufnahme, in zweiter Linie auch solchen Haben Sie ein besonderes Interesse, Herr Stadtv.
        
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