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Periodical volume 11. April 1906

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1906

liehe Leihemstalt in Anspruch nehmen. Ein Be­ Pfänder 1600, 1700, 1800 und darüber beträgt, 
dürfnis für Charlottenbnrg liegt meines Erachlens dagegen in den Monaten November, Dezember lio o , 
nicht vor. 1200, gelegentlich einmal 1400, kurz und gut also 
Der Magistrat hat in seinen Ausführungen im in den Wintermonaten regelmäßig gegenüber den 
übrigen den Nachweis erbracht, daß w ir es m it einer Sommermonaten zurückgeht, so werden Sie eine 
vollkommen veralteten Einrichtung zu tun haben. andere Lösung gar nicht finden können als die, die 
Wenn heute vom Herrn Kollegen Vogel darauf auf­ in jenem Bericht und in unserer Vorlage nieder­
merksam gemacht wird, daß" Anfang des vorigen gelegt ist.
Jahrhunderts selbst durch das Staatsministerium Nun hat der Herr Stadtv. Vogel auf das Wort 
die Kommunen aufgefordert worden sind, derartige „Wohltätigkeitsanstalt" ungeheuer viel Gewicht ge­
Anstalten einzurichten, so sind seidem doch auch fast legt und gesagt: eine Wohltätigkeitsanstalt soll natür­
hundert Jahre wieder ins Land gegangen, die ganzen lich das Leihhaus nicht sein. Er hat unter Wohl 
geschäftlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse haben tätigkeitsanstalt immer eine Anstalt verstanden, die 
sich wesentlich geändert, und die Einrichtungen, für m it dem Armenrecht in Beziehung steht, er hat das 
die damals ein notwendiges Bedürfnis vorlag, sind wörtlich zum Ausdruck gebracht. Meine Herren, 
heute nicht mehr an der Tagesordnung. Ich glaube, das ist natürlich absolut nicht gemeint. Eine Wohl­
daß es dem Magistrat auch gelungen ist, uns in tätigkeitsanstalt ist eine gemeinnützige Institution auf 
seinen ausführlichen Darlegungen das des Näheren rein sozialer Grundlage, die allerdings in der Haupt­
nachzuweisen. Im  übrigen wär cs m ir beim besten sache der minderbemittelten Bevölkerung zugute 
Willen nicht möglich, der Entgegnung des Herrn kommt. M it  dem Armenrecht hat das nichts zu tun.
Kollegen Vogel in allen Punkten zu folgen. W ir Herr Stadtv. Vogel hat dann auch —  ich muß 
werden ja Gelegenheit haben, in dem gedruckten Be­ zugeben, ganz habe auch ich nicht seinen Gründen 
richt die Rede noch nachzulesen und da uns Herr folgen können, weil sie teilweise nicht recht verständ­
Kollege Vogel in Aussicht gestellt hat, zu gelegener lich, jedenfalls nicht ganz logisch aufgebaut waren — 
Zeit auf die Angelegenheit wiederum zurückzukommen, er hat z. B. verglichen die Wochenpfänder auf den 
behalte ich auch m ir für diesen Zeitpunkt die weitere Leihämtern mit den Monatssparern an der Spar­
Entgegnung auf die Darlegungen des Kollegen kasse. Meine Herren, es liegt doch auf der Hand, 
Vogel vor. daß das gar nicht zu vergleichen ist Der Monats­
sparer an der Sparkasse handelt vielleicht unwirt­
Bürgermeister M a iling : Meine Herren, ich schaftlich, indem er nicht doch noch ein paar Pfennige 
möchte doch ein paar Bemerkungen zu den Aus­ Zinsen dadurch herausarbeitet, daß er sein Geld wo 
führungen des Herrn Stadtv. Vogel m ir erlauben. anders tageweise zinsbar anlegt, was er bei unserer 
Herr Stadtv. Vogel hat zunächst den ersten Teil Sparkasse nicht kann. Der Wochenverpfänder beim 
unserer Vorlage, die nicht aus Eigenem schöpft, Leihamt zahlt aber. wie Ihnen nachgewiesen worden 
sondern vor allen Dingen auf die Statistik zurück­ ist. ungefähr 500°/o Zinsen im Jahre bar auf den 
greift, die die Stadt Mainz aufgestellt hat, dadurch Tisch; selbst wenn sich aber so eklatante Fälle selten 
herabzusetzen gemeint, daß er von einem „gewissen ereignen sollten, jedenfalls zahlt er unverant­
G. Schmidt" spricht, der in der „Sozialen Praxis" wortliche Zinsen für die geringen Beträge, die er 
diesen Artikel geschrieben habe. Meine Herren, vom Leihamt entnimmt. Daß das etwas ganz 
dieser gewisse G. Schmidt ist eine im kommunalen anderes ist als das, was der Monatssparer tut, 
Leben und gerade auf dem Gebiete sozialer Tätig­ liegt doch auf der Hand. —  Ebenso sind die Ver­
keit durchaus anerkannte Persönlichkeit. Es ist der gleiche, die Herr Stadtv. Vogel mit den Kranken­
Beigeordnete Schmidt in Frankfurt a/M ., früher in kassen und Feuerversicherungen gezogen hat, gar 
Worms, der eigentlich allen Herren, die m it sozialen nicht stichhaltig. Daß hin und wieder bei den 
kommunalen Aufgaben sich befaßt haben, bekannt Krankenkassen ein S imulant vorkommt oder bei 
sein sollte. Wenigstens ist er m ir schon seit langer Feuerversicherungen ein unredlicher Mann sich eine 
Zeit als eine Autorität bekannt, und deshalb habe Prämie verschafft, ist doch gewissermaßen eine 
ich kein Bedenken getragen, die Ausführungen, die Ausnahme. Die Wochenpfänder aber bilden eine 
in der „Sozialen Praxis" unter seinem Namen er­ regelmäßige Erscheinung im Leihamtsverkehr. Auch 
schienen sind, als unbedingt verbürgt anzusehen. Im  sonst hinkt übrigens der Vergleich nach allen Rich­
übrigen, meine Herren, habe ich auch bei dem tungen.
weiteren Studium der Frage durchaus eine Be­ Ich w ill dann nur noch ein paar Bemerkungen 
stätigung alles dessen, was der Herr Beigeordnete auf die vom Herrn Stadtv. Vogel gegen unsere 
Schmidt seinerseits a« dem Mainzer Ins titu t an Vorlage gemachten Ausführungen mir erlauben. Er 
Erfahrungen gesammelt hat, gefunden. Allerdings hat gemeint, der Magistrat habe sich in einen gewissen 
ist die Frage, in welchem Maße die Leihhäuser unter Widerspruch verwickelt, indem er zuerst sagte, die 
Umständen zu Leichtsinn usw. mißbraucht werden, Benutzung unseres Leihamtes würde wahrscheinlich 
eine umstrittene. Aber Herr Stadtv. Vogel hat auch verhältnismäßig gering sein, und dann ausführte, 
nach seinem eigenen Material nur von einer ge­ w ir würden ein Kapital von 4 M illionen Mark auf­
wissen Übertreibung sprechen können. Ich erblicke wenden müssen, und es sei unter Umständen eine 
darin doch ein gewisses Zugeständnis. Wenn man Grenze gar nicht abzusehen. Da hat der Herr 
das Mainzer Material zur Hand nimmt und sich Stadtv. Vogel den Zwischensatz in der Vorlage über­
die Tabelle vergegenwärtigt, kann mann nicht daran lesen oder ausgelassen, wo gesagt worden ist: wenn 
zweifeln, daß das, was in diesen Tabellen und den w ir nach den Normen, die bei allen anderen Leih­
Ausführungen dazu niedergelegt ist, unbedingt zu­ ämlern üblich sind, verfahren und der Konkurrenz 
verlässig ist. Ich habe die Tabellen nicht auch noch der Privatleihämter nicht anders begegnen, dann 
anführen wollen, um Sie nicht m it allzu vielen werden allerdings auch w ir nicht viel mit unserem 
Zahlen zu belästigen; wenn man aber sieht, daß in Leihaml hier schaffen, dann hat es dieselbe Konkurrenz 
den drei Jahren, um die es sich handelt, in den der Privatleihämter auszustehen, und dieser wird es 
Monaten Juni, Ju li. August z. B. die Zahl der wahrscheinlich unterliegen wie überall; wenn wir
        
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