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Periodical volume 10. Januar 1906

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1906

dem Verhältnis der Stadtverordnetenversammlung auch wohl im Interesse der Stadt und der städtischen
zum Magistrat. Gewiß, meine Herren, wird cs bei Verhältnisse ausfechten müssen, einen anderen Charakter 
der Lösung dieser Aufgaben und Erledigung dieser tragen können als einen sachlichen. lind darin 
Arbeiten nicht ohne Meinungsverschiedenheiten ab­ stimme ich allerdings dem Herrn Oberbürgermeister 
gehen. es wird auch nicht ohne Kämpfe abgehen. vollkommen zu, daß das sehr envünscht fein muß, 
Es wäre gar nicht einmal gut, wenn bei unseren daß es in unserm eigenen Interesse liegt, daß es im 
Arbeiten die Kämpfe ausbleiben würden. Aber das Interesse des guten Einvernehmens zwischen den 
eine, meine verehrten Herren, gestatten Sie mir, beiden städtischen Körperschaften und zuletzt auch im 
heute Ihnen gegenüber zu betonen: wenn unsere Interesse der Stadt Charlottenburg selbst liegt.
Arbeiten gedeihlich sein sollen, so ist cs erforderlich, Noch einmal meine Herren, herzlich willkommen!
daß ein jeder an seinem Teile darauf achtet, daß 
diese Kämpfe immer nur sachliche Kämpfe bleiben, W ir fahren in unserer Tagesordnung fort mit 
daß sie niemals zu persönlichen Kämpfen ausarten, Punkt 3:
und daß die Gründe, die uns für unsere Ent­
schließungen leiten, immer Gründe sein müssen, die W ahl der Mitglieder des Vorstandes der 
aus der Sache und nicht aus persönlichen Rücksichten Ltadtvcrordnctenversammlnng (Vorsteher,
geschöpft sind. dessen Ltellvcrtretcr und 4 Beisitzer )
Und noch eins, meine Herren! Lassen Sie uns 
alle, die wir in diesem Saale zusammenarbeiten, Ich ersuche nunmehr den Altersvorsteher, Herrn 
daran denken, daß wir bei unseren Beratungen und Stadtverordneten Barnewitz, diese Stelle einzunehmen 
Erörterungen immer diejenigen Formen wahren, die und die Wahl eines Vorstehers dieser Versammlung 
den andern nicht verletzen, selbst in Momenten der zu leiten.
Erregung, die dann wohl auch einmal kommen 
können. Altcrsvorstehcr Barncwitz (den Vorsitz über­
Wenn wir mit freundwilligem Entgegenkommen, nehmend):
mit gegenseitigem Vertrauen und in sächlicher Er­ Meine Herren, wir haben ein arbeitsreiches 
ledigung unserer gemeinsamen Arbeiten die Aufgaben Geschäftsjahr hinter uns. Das vergangene Jahr hat 
erfüllen, die uns die Zeit bringen wird, dann können nicht nur durch die zahlreichen Vorlagen, sondern 
wir uns mit Gewißheit der Hoffnung hingeben, daß auch durch die großen festlichen Veranstaltungen die 
Ihnen und uns allen aus unserer Arbeit nicht nur Arbeitskraft des Vorstandes und der Mitglieder dieser 
eine hohe Freude erwachsen, sondern daß mit ihr Versammlung sehr in Anspruch genommen. Wir 
auch verbunden sein wird das Gedeihen der Stadt wollen hoffen, daß dieses Jahr ein ruhiges und 
Charlottenburg, für die zu arbeiten wir berufen sind. gesegnetes Geschäftsjahr für die Sradt Charlottenburg 
I n  dieser Hoffnung, meine verehrten Herren, werden wird.
begrüße ich Sie am heutigen Tage bei Ihrem Ein­ (Bravo!)
tritt in Ih r  Amt und verpflichte Sie auf gründ der Meine Herren, nach § 38 der Städteordnung 
gesetzlichen Bestimmungen durch Handschlag an Eides­ und § 1 unserer Geschäftsordnung haben wir in der 
statt auf treue und gewissenhafte Erfüllung Ihrer ersten Sitzung des neuen Jahres ken Vorstand zu 
Amtspflichten. Seien Sie uns allen in diesem Saale wählen. Die Wahl des Vorstehers und dessen Stell­
willkommen! vertreters hat durch Stimmzettel zu erfolgen.
(Der Handschlag erfolgt.) W ir kommen zunächst zurW ahl des Vorstehers.
Vorsteher Rosenbcrg: Meine sehr geehrten Herren! Ich bitte die Herren Bruns und Ruß, als Wahl- 
Nachdem der Herr Oberbürgermeister Sie auf Ih r  anfseher zu fungieren und die Stimmzettel zu ver­
neues Amt durch Handschlag verpflichtet hat, heißt teilen.
diese Versammlung Sie als neue Kollegen durch (Die Stimmzettel werden verteilt. Die Wahl 
mich herzlich willkommen. Diejenigen unter Ihnen, erfolgt. Das Ergebnis wird ermittelt.)
meine Herren, welche noch nicht in einer städtischen 
Verwaltung gestanden haben, werden bald erkennen, Es sind 65 Stimmzettel abgegeben worden; die 
wie interessant und anregend, wie bildend zugleich absolute Majorität ist demnach 33. Es haben er­
die Beschäftigung mit städtischen Angelegenheiten ist. halten: Herr Stadtv. Kaufmann 31 Stimmen, Herr 
G ilt das an und für sich wohl für jede Stadt, so Stadto. Rosenberg 28; 6 Zettel sind unbeschrieben. 
ist das bei Charlottenburg, diesem blühenden, mächtig Mithin ist die Wahl nicht entschieden; die absolute 
aufstrebenden Gemeinwesen in verstärktem Maße Majorität hat keiner der Herren bekommen. Wir 
der Fall. müssen nochmal wählen.
Der Herr Oberbürgermeister hat in seiner An­ (Unruhe. — Stadtv. Dr. Crügcr: Die weißen 
sprache an Sie. meine Herren, die Güte gehabt, Sie Zettel sind ungiltig! — Rufe: Zur Geschäftsordnung!)
zu ermahnen, bei den Debatten in den Formen sich 
recht freundlich zu begegnen. Für mich ist es Stadtv. Dr. Crügcr (zur Geschäftsordnung): 
zweifellos, daß Sie das tun werden. Denn wir, 65 Zettel sind abgegeben, darunter 6 unbeschriebene. 
die alten Kollegen — ich meine, der Anciennetät Die 6 unbeschriebenen gehen für die Feststellung der 
nach, denn wir halten uns alle noch nicht für alt — Mehrheit ab, bleiben 59.
ich sage: wir, die wir Sie heute als neue Kollegen (Lebhafter Widerspruch und andauernde Unruhe.)
herzlich begrüßen und in unsere Mitte aufnehmen, 
wir wissen, daß Sie alle mit uns eins und einig Stadtv. Otto (zur Geschäftsordnung): Meine 
sind in dem Bestreben, das kostbare Gut der Selbst­ Herren, unsere Geschäftsordnung enthält darüber, ob 
verwaltung zu kräftigen und zu fördern. Stehen weiße Zettel bei der Feststellung der Mehrheit der 
w ir aber auf diesem gemeinsamen Boden, so ist es abgegebenen Stimmen zu zählen sind, keine Be­
ganz ausgeschlossen, daß die Kämpfe, die wir unter stimmung. wir können uns also, falls wir heute nicht 
uns in der Zukunft auszufechten haben werden, und1einen besonderen'Beschluß soffen wollen, nur auf
        
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