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Periodical volume 28. März 1906

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1906

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a u f die S ach e  selbst e inzugehen. Z unächst möchte D a n n  w ürd e  H e rr  K ollege S ta d th a g e n  vielleicht auch 
ich mich ab e r m it den  A u s fü h ru n g e n  des letzten genügend  M u ß e  finden, sich e in m a l n ä h e r  ü b er die 
H e rrn  R e d n e rs  beschäftigen. F ra g e  des V erh ä ltn isses der B aukosten  z u r W o h n u n g s ­
D e n  V o rw u rf , d aß  die R ed en  zu m  F e n s te r  h in ­ m iete zu  in fo rm ie ren . Ic h  w ill d a ra u f  jetzt nicht 
a u s  g ehalten  w ord en  sind  ----- eingehen, sondern  ihm  n u r  sagen, d aß  d a rü b e r sehr 
eingehende U ntersuchungen in  den S ch rif ten  des V e r­
_ (V o rs teh er R o s e n b e r g :  D a s  ist b e re its  von m ir  e in s  fü r  S o z ia lp o litik  veröffentlicht sind, die unge­
g e rü g t;  kom m en S ie  b itte  nicht d a ra u f  zurück!) fä h r  gerade d a s  G egen te il von  dem  beweisen, w as 
er heute behau p tet h a t.
—  h a t  b e re its  der H e rr  V orsteh er g e rü g t, ich brauche H e rr  K ollege M it ta g  m ein te , die A rb e ite r  w ollen 
nicht d a ra u f  zurückzukom m en. E s  b leib t m ir  n u r  durch ih re  O rg a n is a tio n  möglichst a lle s  erreichen, ab er 
noch ü b rig , die eine B em erkung  des H e rrn  K ollegen sie gestehen dem  B a u u n te rn e h m e r n ichts zu. G ew iß , 
S ta d th a g e n  u n te r  die L upe zu  nehm en , d aß  w ir m eine H e rren , dazu  o rgan is ie ren  sich die A rb e ite r , 
m eh re re  ha lbstünd ige  R ed en  in  dieser S ach e  gehalten  u m  m öglichst a lle s  zu erreichen; aber d aß  sie dem 
h aben . Ic h  m u ß  sägen , es w u n d e rt mich, d aß  gerade B a u u n te rn e h m e r n ich ts zugestehen, d a s  triff t einfach 
H e rr  K ollege D r. S ta d th a g e n  u n s  d a s  V ielreden  nicht zu. W a s  dem  B a u u n te rn e h m e r u n d  w a s  dem  
v o rw irf t. A llzu  bescheiden in  seinen R eden  ist doch A rb e ite r zusteht —  n atü rlich  n u r, sow eit d a s  A r ­
H e rr  K ollege S ta d th a g e n  w a h rh a ftig  nicht. b e its v e rh ä ltn is  inbetrach t kom m t — , ist gerade 
(H eite rke it.) im  B au gew erb e  ganz  g en au  vertrag lich  geregelt. 
H e r r  K ollege S ta d th a g e n  sagte d an n , ich h ä tte  E in ­ M e in e  H e rren , a llzu  sehr haben  doch w ahrh aftig  
zelfälle  in  der bekann ten  sozialdem okratischen W eise die a rm e n  B a u u n te rn e h m e r  noch nicht u n te r  den 
v e ra llg em e in e rt W o h er H e r r  K ollege S ta d th a g e n  A nsprüchen  u n d  F o rd e ru n g e n  der A rb e ite r zu le id en ; 
seine K e n n tn is  von  der S o z ia ld e m o k ra tie  h a t, w eiß w en ig sten s beweist d a s  die Tatsache, d aß  es trotz der 
ich nicht. e rhöh ten  A nsprüche der M a u re r  den B a u u n te rn e h m e rn  
(Z u ru fe :  V om  B ru d e r!  —- G ro ß e  H eiterke it.) heute noch g anz  g u t geht.
I c h  w eiß  nicht, ob e r vielleicht durch seine v e rw a n d t­ H errK ö lleg e  M it ta g  sagte w eiter, die O rg a n is a tio n s ­
schaftlichen B ez ieh u n g en  e tw a s  n ä h e r in  die I n t e r n a  le ite r sollten d a s  gedeihliche V e rh ä l tn is  zwischen U n te r­
d er S o z ia ld e m o k ra tie  e in g ed ru n g en  ist. — n ehm er u n d  A rb e ite r lieber fö rd e rn , s ta tt  e s  durch 
(E rn e u te  Z u ru fe . H eiterkeit. Glocke des V o rs teh e rs .) solche A n trä g e  a u se in a n d e r  zu b rin g en . Ic h  w eiß  
nicht, ob H e r r  K ollege M it ta g  u n s , die w ir  den A n ­
Vorsteher Rosenberg (un terb rechend): A u f die tra g  gestellt haben , a ls  O rg a n is a tio n s le ite r  betrachtet. 
verw andtschaftlichen  B ez ieh u n g en  e ines  S ta d tv e r ­ W ir  sind d a s  nicht. W en n  e r ab e r v o n  dem  ge­
o rd n e te n  d ü rfe n  S i e  n u r  d a n n  eingehen, w enn  der deihlichen V e rh ä ltn is  zwischen A rb e ite r  u n d  U n te r­
betreffende V e rw a n d te  ein  M itg lie d  d e r V ersam m lu n g  nehm er spricht, so w ird  e r vielleicht w issen, d aß  solch 
o d er des M a g is t ra ts  ist. gedeihliches V e rh ä ltn is  heule tatsächlich nicht m ehr 
(H eiterkeit. Z u ru fe :  K a n n  er ja  n ich t!) besteht, u n d  d aß  es ganz zwecklos ist, d ieses gedeihliche 
V e rh ä ltn is  zu fö rd e rn . E s  g ib t eben Gegensätze 
S tad tv . Hirsch ( fo r lfa h re n d ):  E s  t u t  m ir  leid , zwischen A rb e ite r u n d  U n te rn eh m er, die nicht a u s  
d a ß  ich d a ra u f  nicht e ingehen  d a rf . —  Ic h  möchte d e r W e lt zu schaffen sind, u n d  es w äre  ganz  v erfeh lt, 
d a n n  n u r  H e rrn  K ollegen S ta d th a g e n  b itten , doch diese Gegensätze künstlich zu  überbrücken.
den  N achw eis zu  e rb rin g en , wo ich irgend  einen M e in e  H e rre n , ich h a tte  v o rh in , a ls  ich a u f die 
E in z e lfa ll  heule  v e ra llg em e in e rt habe. Ic h  habe mich F ra g e  der A kkordarbeit e ing ing , noch vergessen, e inen  
streng a n  den v o rliegenden  F a l l  gehalten , b in  auch F a l l  zu e rw äh n en , der vielleicht e in igen  d er anw esen ­
m it  keinem  W o rte  d av o n  abgewichen. den  H e rren  noch in  frischer E r in n e ru n g  ist: d a s  ist d a s  
H e rr  K ollege S ta d th a g e n  w ir f t  u n s  fe rn er die B auunglück , d a s  sich in  H alensee, w enn ich nicht irre , 
S te l lu n g  von  tendenziösen  A n trä g e n  v o r; er sag t: v o r 4  J a h r e n  ere ignet h a t. D a  ist bekanntich in ­
die T e n d e n z  des A n tra g e s  ist die H auptsache. N e in , folge schlechter V eran k eru ng  d a s  T re p p e n h a u s  e in g e­
m eine H e rren , in  der H auptsache kom m t es u n s  d a ­ s tü rz t, u n d  es sind verschiedene L eu te  d abei zu  T o d e  
r a u f  an . durch u n se rn  A n tra g  d a s  zu  erreichen, w a s  gekom m en. A u f diesem B a u  w aren  A kkordarbeiter 
w ir  u n s  a ls  Z ie l  gesteckt haben , u n d  d a s  geht I h n e n  beschäftigt. S o lc h e r F ä lle  ließen  sich eine ganze 
a llen  so. W ir  stellen keine A n trä g e , b loß  u m  R ed en  R eihe  an fü h re n , w o tatsächlich durch die schlechte 
zu h a lten , sondern  w ir  stellen A n trä g e , u m  auch A kkordarbeit U nglücksfälle h e rb e igefüh rt w ord en  sind.
wirklich P rak tisches zu  erzie len . M e in e  H e rren , es ivurdc m ir  von dem  H e rrn  
H e rr  K ollege S ta d th a g e n  w u n d e rt  sich d a rü b e r, K ollegen  D r . C rü g e r, g lau b e  ich, vo rgew orfen , daß  
d a ß  d a s  S tr e b e n  d er A rb e ite r  d a h in  gehe, m öglichst ich einseitig  vo rgegangen  sei. N u n , ich berufe mich 
w enig  zu a rb e iten  bei m öglichst hohem  L o h n . M e in e  ja  sonst nicht a u f d a s  Z e u g n is  d es jen ig en  H e rrn , 
H e rre n , d a s  ist ein S tr e b e n , d a s  nicht n u r  die A r­ m it dem  ich mich gerade au se inan d erse tze ; ab er in  
b e ite r kennzeichnet, so n d ern  d a s  auch noch andere  diesem F a lle  m öchte ich mich doch a u f  d a s  Z e u g n is  
S te rb lich e  kennzeichnen soll. des H e rrn  O b e rb ü rg erm e is te rs  zum  B ew eise d a fü r  
( S e h r  g u t!  u n d  H eite rke it.) b e ru fen , d aß  die B e h a u p tu n g , ich sei einseitig  v o rg e­
E s  g ib t so g ar L eu te , die d a r in  e inen  K u ltu r-  g ang en , ab so lu t u n rich tig  ist. W enn  ü b e rh a u p t 
fo rtschritt erblicken, w enn  m an  sich nicht b is  in  die jem an d  in  dieser S ach e  objektiv v o rg egan g en  ist. so­
späte  N acht h in e in  bei m öglichst kärglichem  L ohne w e it d a s  in  seinen  K rä f te n  steht, so b in  ich es. Ic h  
a u sb e u te n  lä ß t, sondern  w enn  m a n  die A rb e it e in ­ w a r  e s  ja , der dem  H e rrn  O b e rb ü rg erm e is te r d a s  
zuschränken sucht. Ic h  g laube. H e r r  K ollege S t a d t ­ M a te r ia l ,  d a s  m ir  zu geg an gen  ist. überreich t h a t;  ich 
hagen w ürd e  g a r  n ic h ts 'd a g e g e n  haben , w en n  seine w a r es, der den H e rrn  O b e rb ü rg erm e is te r  gebeten 
B e ru fs tä tig k e it  eingeschränkt w ürde, d a m it er m eh r h a t, sich m it  den  M a u re r n  ü b e r die S ach e  zu  u n te r ­
Z e it h ä tte , sich m it  kom m unalpolitischen  u n d  sonstigen h a lten , w o ra u f der H e rr  O b erb ü rg erm e is te r in  dank en s­
F ra g e n  zu  beschäftigen. w erte r W eise ohne w e ite res  e ingeg ang en  ist, u n d  ich 
(Heiterkeit.) w a r es, der nachher sich a n  die M a u r e r  g e w a n d t
        
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