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Periodical volume 28. März 1906

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1906

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Nach den A u sfüh rungen  des H e rrn  S ta d tv . Hirsch und  sonstigen U nternehm ungen  ausgeschlossen sind. 
könnte m an  annehm en, a ls  w enn die A rbeiter auf Also P o litik  und  R elig ion  dürfen  sie nicht in  ihren 
dem B a u  hinsichtlich der Schutzm aßregeln ganz der V ersam m lungen  treiben. Ich  möchte n u n  w eiter 
W illkür des U n ternehm ers überlassen seien. M eine sagen: w enn d as  a lles S oz ia ldem okra ten  w ären, die 
H erren , d a s  ist nicht der F a ll. W enn auf einem der freien  Gewerkschaft angehören, d an n  w ürden 
B a u  ein Unglück passiert, so h a t die G em einschaft diese V erhältnisse wahrscheinlich nicht e in tre ten . Ich  
d a fü r aufzukom m en, die einzelnen B auinteressen ten  glaube ganz bestim m t, daß  d ann  die F o rd erun gen  
haben zu  den Kosten, die dieser Unglücksfall v e ru r­ der A rbeiter m ehr respektiert w erden w ürden , a ls  
sacht, beizusteuern. D ie  Nordöstliche B erufsgenossen­ es heute geschieht. M a n  kann es den A rbeite rn  
schaft h a t ja  am  allerm eisten a ls  eigentlicher T räge r doch wirklich nicht verdenken, daß sie ihre K ra ft so 
dieser G esam theit der B au interessen ten  d a rü b e r 'z u  teuer zu M ark te  trag en  wie n u r  irgend  möglich. 
wachen, daß  die größtm ögliche S icherheit fü r die S o  gu t wie jeder U n ternehm er versucht, d as  h e ra u s­
A rbeiter gegeben ist. D a s  ist in  der Weise bewerk­ zuschlagen, w as irgend  möglich ist. ebenso tu n  es 
stelligt w orden, daß  au ß e r den p erm am en t gew ählten auch die A rbeiter, und  d a s  sollte m an  auch den 
V e rtra u e n sm än n e rn  der N ordöstlichen Baugew erks- A rbeitern  zugestehen, daß  sie ihre F o rd erun gen  vor 
Berufsgenossenschaft auch noch viele andere U n te r­ jederm ann  vertre ten . W eiter ist hier nichts gewesen.
nehm er, die hierzu von der Berufsgenossenschaft h eran ­ W enn  h ier gesagt w ird , d aß  wegen eines B e­
gezogen w erden, Bollm achten ausgestellt erha lten  und trunkenen die A rbeiter sich solidarisch erk lärt haben, 
die Aufgabe haben, au f ihren  Geschäftswegen die so glaube ich d a s  einfach nicht. Ich  habe auch 
betreffenden B a u te n  —  ich will nicht sagen: direkt gearbeitet, ich habe d arau f gehalten, pünktlich und  
zu kontrollieren, aber doch im  A uge zu behalten, fleißig zu sein, und  selbstverständlich habe ich m ir 
und  w enn ihnen  e tw as au ffällt, w as  nicht vorschrifts­ auch nichts gefallen lassen; w enn ich eine F o rd erun g  
m äßig  angeordnet oder nicht solide „ausgefüh rt ist. gestellt habe, so habe ich das in bescheidener F o rm  
kraft ih re r V ollm acht einzuschreiten. Über die V or- getan. • Ü nb d a s  geschieht auch heute von den L eitern. 
schriftsm äßigkeit einer R üstung  lä ß t sich sehr viel E s  w ird  an  keiner S te lle , am  allerw enigsten von 
stre iten ; es ist d a s  G efühl, d a s  ich habe, ob eine den L eitern  ein solches V orgehen gebilligt w erden. 
R üstung  solide oder unsolide gebaut ist. K raft der W en n  es heißt, es ist ein M a n n  wegen T runkenheit 
ihnen  erte ilten  V ollm acht haben sie d ann  die M ö g ­ oder sonst wegen F legeleien , w enn ich mich so a u s ­
lichkeit. einzuschreiten und  der N ordöstlichen B au- drücken soll, entlassen w orden, d ann  tre ten  die o r­
gewerks-Berufsgenossenschaft w eiter zu m elden. Ich  ganisierten  A rbeiter nicht fü r  den M a n n  ein. S o  
selbst befinde mich auch im  Besitze einer solchen V oll­ ist die Sache also nicht.
macht. N u n  ist aber nicht allein  die Nordöstliche D a s  ist ja  selbstverständlich, daß  der B a u ­
Baugew erks-B erufsgenossenschast die alleinige B e­ unternehm er, der M a u re rp o lie r  usw. ihre eigenen 
hörde, die eine K ontro lle  au sü b t. V on  Z e it zu Z e it In te re ssen  vertre ten . Ebenso geschieht es bei den 
w erden die B au ten  von den Königlichen B auinspek­ A rbeitern . Ich  glaube, es sind Fachleute h ier im  
tionen in  bezug au f die ganze A u sfüh run g  der B a u ­ S a a l ,  die w ohl unterscheiden können, daß, w enn 
arbeiten  und  auch hinsichtlich der S icherung  der ein A rbeiter 550— 600 S te in e  v erm au ert u nd  ein 
Schutzm aßregeln einer eingehenden K ontro lle  'un ter­ anderer, der im  Akkord arbeitet, v erm au ert 900 S te in e , 
worfen. Ic h  m eine daher, die A rbeiter haben sich die A rbeit des letzteren nicht so solide au sgefüh rt 
h ier an  eine ganz falsche Q uelle  gew andt. W enn sein kann. D a s  ist doch w ohl klar. W as die 
ihnen  die R üstungen  nicht stabil genug erschienen, so W iedereinstellung anbetrifft, so sollten, soweit ich 
hätten  sie sich entweder an  die Berufsgenossenschaft davon unterrich te t bin. die L ohnarbeite r an  die S te lle  
oder sonst an  irgend ein P o lize irev ier wenden sollen, gestellt w erden, >vo es d a rau f ankom m t, gute A rbeit 
und  es w äre umgehend ein B eam ter dagewesen. D ie  leisten zu müssen, w ährend  an  den übrigen  S te lle n  
B au un ternehm er stehen heute so u n te r  dem Drucke die Akkordarbeiter w eiter arbeiten  sollten. E s  ist 
der Königlichen Aufsichtsbehörde, daß eigentlich von ganz natürlich , und  d as  w ird  jeder einzelne verstehen, 
einer laufenden U nsolidität g a r keine Rede sein kann. daß, w enn zwei P a r te ie n  auf einem  B a u  arbeiten , 
D a s  B ild , w as u n s  hier heute en tro llt worden ist, d as  zu nichts G u tem  führen  kann.
w iederholt sich leider G o tte s  au f allen B au ten  in 
B erlin . E s  ist im m er dasselbe: die A rbeiter w ollen Stadtv. Dr. Eriiger: M eine H erren , w ir w erden 
durch ihre O rg an isa tio n  möglichst alles erreichen und nach den A u sfüh run gen  des H errn  O berbürgerm eisters 
dem B au un ternehm er nichts zugestehen. D adurch  ist jedenfalls die Ü berzeugung gew onnen haben, daß der 
ein V e rh ä ltn is  geschaffen w orden, w as au f die M ag is tra t sein M öglichstes getan  hat. um  K larheit 
D a u e r  nicht zu einer gedeihlichen Entwicklung führen in  diese D in ge  h ineinzubringen, und  daß  die U n ter­
kann. E s  w äre wohl angebracht, wenn die H erren  suchungen. die der H e rr  O berbürgerm eister veransta lte t 
Leiter dieser O rg an isa tio n  m ehr d arau f h inarbeiten  hat. m it der notw endigen  O b jek tiv itä t und  Vorsicht 
w ürden, d a s  gedeihliche V e rh ä ltn is  zwischen den geführt w orden sind. Ich  g laube nicht, daß  es dem 
U nternehm ern und  den A rbeitern  zu fördern , a ls  es H e rrn  O berbürgerm eister ähnlich gegangen ist wie 
durch solche A n träge  au se in and er zu bringen. dem H errn  Kollegen Hirsch, daß er sich m it der 
A n tw ort irgendeines der B eteilig ten  begnügt hat, 
Stadtv. Schornberg: M eine  H erren , H e rr  Kollege ohne sie sich näher anzusehen,
M itta g  führte a u s , es m üßten  andere V erhältnisse (O ho! bei den S ozia ldem okraten) 
e in tre ten , um  die H arm on ie  zwischen A rbeitern  und w ährend der H e rr Kollege Hirsch einen Z e tte l, ohne 
U nternehm ern  herbeizuführen. E r  und  seine F ra k tio n s ­ ihn, wie er selber sagt, näher zu besehen, dem H errn  
freunde w erden sich d a ran  erinnern , daß  schon in O berbürgerm eister zusteckt und  sich dann  heute ruh ig  
den dreißiger J a h re n  dieser Z w ist P la tz  gegriffen gefallen lassen m uß, daß  ihm  vorgehalten  w ird , daß 
hat. W enn  heute gesagt w ird, d as  seien sozial­ die D inge, die in  dem Z e tte l geschildert w aren, sich 
demokratische A rbeiter, so möchte ich feststellen, daß nicht vollständig m it dem decken, w as er heute h ier 
d as  S t a t u t  der M a u re r  lau te t, daß  alle religiösen v o rträg t. A n  seiner eigenen G laubw ürdigkeit zweifeln 
und  politischen F ra g e n  bei ihren  V erhandlungen w ir selbstverständlich nicht. D e r  H e rr Kollege Hirsch
        
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