Path:
Periodical volume 1. Februar 1905

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1905

M agistra t  —  nämlich den Weg, den S i e  (zum W enn S ie  es bestreiten, dann  werden S i e  wahrscheinlich 
S ia d iv .  Hirsch) gehen wollen, den wollen w i r  n ic h t  nicht so informiert sein wie ich. D a s  ist in öffent­
gehen, weil wir den für einen schlechten und ver­ lichen Versam mlungen  gesagt worden, meine Herren, 
derblichen Weg halten, den Weg der Sozialdemokratie . daß die Arbeit eingeschränkt werden soll, d am it  die 
(Lebhaftes B ravo.) Leute von der S t r a ß e  auch Beschäftigung finden sollen, 
W ir  sind durchaus M ä n n e r ,  die wissen, daß w ir  in und das  wird von H errn  Hirsch a ls  etwas zwei­
bewußtem Gegensatz zur Sozialdemokratie  und  zu den hundert J a h r e  Rückständiges bezeichnet, meine H e r r e n ! 
Wegen stehen? die die Herren Sozialdemokraten gang­ Und da sagt e r :  „W enn  S i e  den M u t  haben, das 
bar machen wollen in unserm S t a a t ,  und  die sie auch in  öffentlicher V ersam m lung  zu bekennen, d ann  
u ns  vorschreiben wollen, und es ist durchaus n o t­ sollen S i e  m a l  sehen, w as  dann  geschieht!" J a .  meine 
w endig ,  daß hier in d iesem Saale  endlich e in m a ld a s W o r l  Herren, den M u t  des H errn  Hirsch haben w ir  viel­
erschallt, daß die kleine M inderheit  nicht das  Recht leicht alle; bloß w ir  haben nicht die Abficht, im m er 
hat, u n s  zu drangsalieren, a ls  wenn wir nicht M ä n n e r  zum Fenster h in a u s  zu n b e n ,  wie dort (zu den S o ­
wären, wenn wir nicht das tun, w as  S ie ,  die S o ­ zialdemokraten) an  der S te lle  geschieht.
zialdemokraten, verlangen. (Glocke des Vorstehers.)
(Lebhaftes B ravo .)
Ich  betone ausdrücklich gegenüber diesen Anzapfungen Vorsteher Rosenberg: H err  S ta d tv .  D öbler ,  S i e  
von sozialdemokratischer Seite , daß die M itg lieder dürfen nicht sagen, daß ein S tad tv e ro rd ne te r  zum 
sowohl des M agis tra ts  wie der S tadtverordnetenver­ Fenster h inaus  rede. H e i r  S ta d tv .  Hirsch hat nicht 
sammlung M ä n n e r  sind, die genau wissen, w as  sie gesagt, daß er das  wolle; S i e  dürfen ihm  nicht e twas 
wollen, nämlich dem sozialpolitischen Fortschritt n a c h  unter stellen, zu dem er sich nicht bekannt hat.
i h r e m  e i g e n e n  v e r s t ä n d i g e n  U r t e i l  nachzugehen, 
aber n ic h t  die Wege zu wandeln, die die S o z ia l ­ S ta d tv .  D öblcr:  N u n ,  meine Herren. S i e  ver­
demokratie weist. stehen, w a s  ich damit meine.
(Lebhafter Beifall .) (G roße  Heiterkeit.)
Um die Debatte  nicht in  die Länge zu ziehen, 
S tadtv . Döblcr: M eine  Herren. H err  Kollege will ich I h n e n  n u r  sagen, daß ich wohl den M u t  
M ittag  hat bereits gesagt, daß w ir  beide vom B an -  gehabt habe, auszusprechen, wie es im Baugewerbe 
gewerbe die Ansicht vertreten haben, daß das, ivas zugeht, und das  habe ich eben anschließend an  die 
H err  S ta d tv .  Hirsch gemeint hatte, nicht der F a l l  A usführungen  meines Kollegen Bkittag, dem ich voll 
ist. H err  Kollege Hirsch hatte gemeint —  ich will und ganz beitrete, I h n e n  hiermit kundgegeben.
mich nicht noch einmal voll und  breit über die Sache a u s ­
lasten — , daß auch in der Zeit von neun S tu n d e n  S tad tv .  Hirsch: M eine  Herren, au f  die A u s ­
das  geleistet würde, w as  in  zehn S tu n d e n  geleistet führungen der H erren  Kollegen M i t ta g  und  D ö b le r  
wurde. D a s  ist eben ein Nonsens. E r  hat noch nie habe ich keine Veranlassung zu a n tw o r te n ;  ich habe 
in der P r a x i s  gestanden und kann über die Sache mich lediglich m it  der kurzen Erklärung  des H e r rn  
garnicht urteilen. W ir  aber, die wir in  der P a x is  Oberbürgerm eisters zu beschäftigen und  kann n u r  
gestanden haben, die w ir  schon einmal praktisch ge­ meine F reude  darüber ausdrücken, daß  der H err  
arbeitet haben und dann  selber Leute beschäftigt haben, Oberbürgermeister hier klipp und  klar erklärt, welche 
die gesehen haben, w as  in einer Neunstundenarbeits- S te l lun g  er u n s  gegenüber einnimmt. 
zeit und w as  in einer Zehnstundenarbeitszeit ge­ (Oberbürgermeister Schusteh rus:  D a s  haben S i e  noch 
leistet wird, können I h n e n  a u s  der P r a x i s  sagen, nicht gem ußt?  —  G roße  Heiterkeit.)
daß I h r e  Theorie nicht zutrifft. W ir  haben ‘ bei D e r  H err  Oberbürgermeister hat hier erklärt, daß er­
unserm Streik, der 1900 stattfand, wohl Zugeständ­ den Weg der Sozia ldem okra tie  nicht gehen will, weil 
nisse gemacht und sind zu einer V ere inbarung  ge­ er ihn  fü r  einen schlechten hält, und  ferner, daß  er 
kommen. Diese V ere inbarung hatte zur V o ra u s ­ in einem bewußten Gegensatz zur  Sozia ldem okra tie  
setzung. daß die Arbeitsleistung, die bis dahin erfolgt steht. D a m i t  hat sich der H e i r  O b e r b ü r g e r m e i s t e r  
war, auch weiter erfolgen würde. Aber kaum w ar v o n  C h a r l o t t e n b u r g  i n  e i n e n  b e w u ß t e n  G e g e n ­
unser S tre ik  zu Ende, meine Herren, da zeigte sich, 
daß die Arbeit durchaus nicht mehr in  dem M a ß e  satz g e s t e l l t  z u  d e r w e i t a u s  g r ö ß e r e n  M e h r z a h l  
geleistet wurde, wie sie vorher geleistet worden w ar ;  der B e v ö l k e r u n g  d e r  S t a d t  C h a r l o t t e n b u r g .
es kamen Klagen, daß die Arbeitsleistung sich b is  zu (Lebhafter Widerspruch.)
5 0 %  vermindert hatte; es sind statt 800 S te ine  —  —  M eine  H erren , S i e  werden doch die amtliche 
w ennw ir  immer wiederBeispiele herausgreifen müssen—  Wahlstalistik nicht auch anzweifeln! D a s .  w a s  w ir  
an  derselben Stelle bloß 400 S te ine  verarbeitet. D a  sonst ausführen , w as  w ir  sonst sagen, bestreiten S i e  
wurde die F rage  aufgeworfen: wohin soll das  fü h ren ?  ja  a l les ;  aber Zahlen  werden S i e  doch nicht zu be­
es wurde eine Kommission gewählt, und  w ir  gingen streiten wagen! S i e  werden doch nicht zu bestreiten 
vor das  E in igungsam t, und auf diesem E in ig u n g s­ wagen, daß  hier in  Charlo ttenburg  bei der letzten 
am t wurde ein gewisses Q u a n tu m  von Arbeit fest­ R eichstagsw ahl mehr a ls  die Hälfte aller abgegebenen 
gestellt, und dieses Q u a n tu m  von Arbeit sollte u n s  gütigen S t im m e n  auf  einen Sozia ldem okra ten  en t­
die Sicherheit geben, daß w ir  eine Kalkulation auf­ fallen sind!
stellen konnten. M eine Herren, das  ist aber nicht (Z u ru f :  Und die nicht abgegebenen?!)
möglich gewesen. E s  ist auch von diesem festge­ —  D ie  nicht abgegebenen sind j a  natürlich im m er für  
setzten geringen Q u a n tu m  noch ein D ri t te l  weniger S i e ;  das  ist eine alle Sache.
gearbeitet worden. W a ru m ?  Weil es gepredigt ist D er  H err  Oberbürgermeister hat m ir  vorge­
von den F ü h re rn :  arbeitet so wenig wie möglich, worfen, daß ich „olle Kamellen" vorbringe. E s  ist 
schafft künstliche Arbeiternot! D a s  predigen die nicht meine A rt ,  in denselben T on  zu verfallen.
Spatzen auf dem Dache; das  ist bekannt; S i e  werden (Lachen. —  R u fe :  N a !  N a ! )
eö am  besten wissen, daß es der F a l l  ist! W ürde  ich ebenso geschmacklos sein wie der H err  
(Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Oberbürgermeister, so würde ich ihm vielleicht auch
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.