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Periodical volume 1. Februar 1905

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1905

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Und d a s  h a t  sie schon g e t a n ,  ehe w i r  d a s  keine Thesaurierungspolitik, sondern das, was wir an 
Glück h a t t e n ,  di e S o z i a l d e m o k r a t i e  i n  u n ­ Geldern aufbringen, stammt aus den Steuern unse­
serer V e r s a m m l u n g  v e r t r e t e n  z u  sehen; rer Mitbürger; man kann hier durchaus nicht etwa 
(sehr richtig! und Heiterkeit» sagen, daß wir dem Kapitalismus huldigen. Wir 
es hat nicht der zarten und weniger zarten Anre­ sind allerdings stets bestrebt, bei den Ausgaben, die 
gungen gerade von jener Seite bedurft, um unser wir haben, auch m it unsern Einnahmen zu 
Gewissen zu schärfen, sondern die Mitglieder des rechnen, wie das ein sorgfältiger Familienvater 
Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung auch zu tun verpflichtet ist. Und ich wüßte nun 
sind' sich stets der Verantwortung auch nach dieser wirklich nicht, ob etwa die Herren von der sozial­
Richtung hin voll bewußt gewesen. Ich möchte mir demokratischen Partei die Verantwortung dafür über­
erlauben, nur auf einige ganz wichtige Momente die nehmen wollen, in  den Etat  Posten einzustellen, 
Aufmerksamkeit hinzulenken, und ich hoffe, daß auch fü r  die sie nicht auch ohne weiteres Deckung 
Ihre Presse (zu den Sozialdemokraten) dann davon zu schaffen in der Lage sind, oder bei denen sie 
Kenntnis nehmen wird, damit sie nicht allzu ein­ uns wenigstens darauf hinweisen, wie die Deckung 
seitig die Lage der Arbeiter schildert, herbeizuführen ist. Meine Herren, wenn man aller­
f  Meine Herren, die Arbeiter in der Kommune dings mit einer gewissen Unverantworllichkeit an die 
Charlottenburg haben ja freilich keinen rechtlichen Sache herangeht, dann kann man ja in jeder S it­
Anspruch auf die Pension und Fürsorge für die zung uns ein ganzes Bouquet von F o rd e ru n ­
Hinterbliebenen, aber doch eine» moralischen Anspruch, gen präsentieren, dann kann man sagen: das mag 
der in eine solch feste Form gefügt ist, daß man ja etliche hunterttausend Mark, vielleicht auch ein 
hier gar nicht oder nur schwer die Grenze ziehen paar Millionen kosten; w ir  sorderns, und eure 
kann zwischen dem moralischen Recht und dem ju­ Sache ist es. das Geld dafür zu beschaffen. In  
ristischen Anspruch. Es wird sich jedenfalls der gewissen Kreisen huldigt man ja heute auch diesem 
Magistrat, es werden sich die Betriebsverwaltungen System: die eine Seite forderts, und die andere 
schwer hüten, gegenüber diesen moralischen Seite hat die Verpflichtung, die Mittel aufzubringen, 
Ansprüchen der A rbe ite r irgendwie eineHärte um den von jener Seite gestellten Forderungen zur 
zu zeigen. Sie werden sich allzu leicht ins Unrecht Durchführung zu verhelfen. Das kann vielleicht in 
setzen, würden vor der Öffentlichkeit Rede und Ant­ der Privatindnstrie gemacht werden; aber w i r  in 
wort stehen müssen. Da nun Kollege Hirsch uns der Kommune, die wi r  doch nicht über das 
allen das soziale Empfinden abgesprochen hat, so Geld ans unserer eigenen Tasche zu verfügen 
wird es seine Sache jetzt sein, auch nur einen Fall haben — das ist ja ein ganz minimaler Beitrag, 
nachzuweisen, in dem nicht in vollster, loyalster Weise was viele von uns dazu aufbringen, und wenn wir 
die Pensionsansprüche bisher erfüllt worden sind. — nur daran denken, wäre es ja nicht sehr schivierig, 
Meine Herren, die Stadt Charlottenburg ist eine der die soziale Fürsorge bis in die alleräußerste Potenz 
ersten gewesen, die mit der U rlaubsbew illigung  hinein zu erstrecken. — »vir haben schließlich doch 
an die'Arbeiter vorgegangen ist, allerdings erst seit auch Rede und Antwort unsern Mitbürgern zu 
einem Jahr; aber es ist bereits durchgeführt, und ich stehen und dürfen natür l ich über deren Geld 
glaube nicht fehl zu gehen in  der Annahme, daß beutel nur  bis zu einen gewissen Grenze 
die Stad t  Char lo t tenburg  auch auf diesem verfügen. Wenn man unter Rücksichtnahme auf 
Gebiet wei ter fortschreiten wird  — wiederum die Verantwortung, die wir tragen, das beurteilt, 
ganz gewiß nicht gedrängt durch die Hirren von der was geleistet ist, dann heißt es tatsächlich die Ver­
sozialdemokratischen Partei, sondern nur  getreu hältnisse verkennen, dann heißt es in dem Kreise 
den T rad i t ionen ,  die bisher den Arbei tern der Arbeiter die Verhältnisse nicht richtig darstellen, 
in Charlottenbnrg gegenüber stets hoch ge­ wenn mit Bezug auf das, was die Kommune Char- 
halten worden sind. lottenburg bisher geleistet hat. gesagt w ird :  hier 
j. Meine Herren, ich glaube, daß, wenn wir von herrscht kein soziales Empfinden, »vir seien 
der Arbeiterfürsorge hier sprechen, wir auch nicht nicht zu haben für die Wünsche der Arbeiter! Ich 
einfach vorübergehen dürfen an all dem, was auf will nicht nur sagen: alle berechtigten Wünsche 
dem Gebiet des Schulwesens geleistet worden ist. der Arbeiter haben hier Befriedigung gefunden; nein, 
Denn was gerade für die Gemeindeschulen getan ist, ich streiche das Wort „berechtigte" weg. ich glaube, 
was da an Arbeit, an finanziellen Opfern hineinge­ behaupten zu dürfen, daß die Wünsche, die aus 
steckt worden ist. das kommt doch in erster Reihe Arbeitskreisen an die Kommune Charlottenburg her­
den arbeitenden Klassen zugute! Wollen die angetreten sind, in vol lstem Umfange ihre Be­
Herren von der sozialdemokratischen Partei vielleicht rücksichtigung gefunden haben. Wenn vielleicht 
auch behaupten, daß die Kommune Charlottenburg Herr Kollege Hirsch hier und da noch eine B e ­
auch auf diesem Gebiete rückständig ist, daß sie auch schwerde vorzubringen hat — meine Herren, Hunderte 
hier nur dem Kapitalismus huldigt? — Ich will von Arbeitern sind in unseren Betrieben beschäftigt —, 
mich auf die Hervorhebung dieser Zeichen von sozi­ und daß da auch mal Versehen vorkommen, daß 
alem Empfinden beschränken. Es würde jedenfalls vielleicht dieser oder jener Unter- oder Oberaufseher 
jedem von uns ein leichtes sein, das Programm, das in der Behandlung der Arbeiter nicht immer den 
durchgeführt ist, nach allen Richtungen hin erheblich richtigen Ton findet, ist erklärlich: w i l l  man dafür  
weiter auszuführen. die Kommune ve rantwort l ich  machen? I n  
Es klingt ja wunderschön, wenn gesagt wird: jedem größeren Betriebe kann mal gesündigt werden, 
die Kommune Charlottenburg hängt auch an und ich glaube auch nicht, daß die Herren von der 
dem Kap i ta l i smus,  wie all die andern Kommu­ sozialdemokratischen Fraktion geneigt sein werden, 
nen! Meine Herren, wenn das Wort Kapitalismus daraus irgendwelche nachteiligen Schlüsse auf das 
irgendwo ein Schlagwort ist, dann auf diesem Ge­ Verhalten der Kommune zu ziehen.
biet ! Wie eigentlich eine Kommune kapitalistisch ge­ Herr Kollege Hirsch hat uns nun eine ge­
sinnt sein soll, weiß ich nicht. W ir speichern doch schichtliche Darstel lung der Anträge seiner 
keine Güter hier auf, treiben doch in der Kommune Freunde gegeben, die vollkommen zutreffend war
        
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