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Periodical volume 1. Februar 1905

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1905

bleiben also nur bei 23 b. i. weniger als 50 Arbei­ du bist ja hier im militärischen Korps. Ich glaube 
tern bie Voraussetzungen bes Wahlrechtes bestellen. also, daß auch nach dieser Richtung hin der Ausspruch 
Auf bie Schwierigkeiten, bie bei beit geschilderten des Herrn Dr. Spiegel hier durchaus nicht am 
Verhältnissen entstehen, möchte ich jedenfalls noch Platze war.
einmal hingewiesen haben. Ich kann unter diesen Das war das, was ich zu bemerken hatte.
Umständen keinesfalls heute schon bie Erklärung ab­
geben, baß der Magistrat ohne weiteres dem Antrage Borsteher Roscnberg: Ich habe zu Ihren Worten. 
wirb zustimmen können. Herr Stadtv. Hildebrandt, zu bemerken, daß. wenn 
Was nun endlich den letzten Antrag betrifft, die Sie anderer Ansicht sind wie Herr Stadtv. Dr. Spie­
anderweitige Regulierung der Überstundenarbeit, so gel hinsichtlich der Verhältnisse, die Sie und er be­
möchte ich umgekehrt meinen, daß der Magistrat die­ rührt haben, es Ih r  Recht war, das hier auszuführen. 
sem Antrage gegenüber sich nicht wird ablehnend Das haben Sie auch in Ihren letzten Worten getan. 
verhalten, zumal wenn er in derselben M ajorität im Was aber den ersten Teil Ih re r Ausführungen betrifft, 
Plenum gefaßt wird, wie es im Ausschuß der Fall so muß ich bemerken, daß Herr Stadtv. Dr. Spiegel 
gewesen ist. Es läßt sich ja nicht leugnen, daß für die von der Ordnung, die in diesem Saal zu herrschen 
diejenigen Beurteiler und Kritiker, die unserer Ver­ hat. gezogenen Grenzen nicht Überschritten hat.
waltung fern stehen, oder die sie in ein ungünstiges 
Licht stellen wollen, es sehr leicht ist, zu erklären, w ir Stadtv. D r. Criiger: Meine Herren, die M it­
machten aus einem zehnstündigen Arbeitstag einen glieder des Ausschusses werden von der Rede des 
elsstündigen. Daß das nicht der Fa ll ist, das weiß Herrn Kollegen Hirsch wahrscheinlich nicht überrascht 
derjenige, der in unserer Verwaltung steht, ganz genau. gewesen sein; denn er hat bereits die Freundlichkeit 
Aber es wäre wohl möglich, daß unsere Bestimmungen gehabt, uns im Ausschuß darauf hinzuweisen, daß 
in dieser Weise ausgelegt werden, und das würde er die A rt und Weise, wie der Äusschuß zu der 
allein schon Grund genug für uns fein, die Be­ Magistratsvorlage Stellung genommen habe, benutzen 
stimmung, die sich nach unserer Auffassung allerdings wollte, um hier in der" öffentlichen Versammlung 
sonst recht gut bewährt, wieder preiszugeben, zumal einmal ein offenes Wort zu sprechen, dami t  die 
man ja mit anderen Bestimmungen vielleicht auch Öf fent l ichkei t  K e nn tn i s  davon bekommt, was 
ganz gut wird auskommen können. Hervorheben w i r  eigentl ich al le f ü r  rückständige Leute in  
möchte ich allerdings auch hier. daß es nicht ohne der Kommune C har lo t tenb u rg  sind; das sollte 
weiteres in der Weise, wie es der Ausschuß beschlos­ mal jetzt vor der Öffentlichkeit klargestellt werden, 
sen hat, wird gemacht werden können, sondern daß es wäre eine gute Gelegenheit, die Angelegenheit vor 
der Magistrat sich wird vorbehalten müssen, Aus- das Forum der Öffentlichkeit zu bringen. Nun. ich 
sühnlngsbeftimmungen zu erlaffen, wie sie z. B. auch muß gestehen, meine Herren, daß ich eigentlich außer­
in den Bestimmungen über die Anstellung und Ver­ ordentlich enttäuscht gewesen bin Über den Haupt­
sorgung der Arbeiter in Frankfurt a. M . enthalten schlag, den der Kollege Hirsch hier geführt hat. 
sind, wo es heißt: „Zeiträume bis zu einer Wenn er weiter nichts vorbringen kann, als die 
Viertelstunde werden hierbei nicht berechnet, solche alten, nun, sagen wir —  abgetanen Redewen­
von einer Viertel- bis zu einer halben Stunde als dungen, indem er hier behauptet, es fehle der 
eine halbe, von einer halben bis zu einer Stunde als Kommune und ihren Mitgliedern, der Stadtverord­
1 Stunde." — Selbstverständlich kann man unmög­ netenversammlung, dem Magistrat das nötige soziale 
lich, wenn um 5 ober 10 Minuten die Arbeitszeit Empfinden, sie haben für die Wünsche der Arbeiter 
überschritten wird, die Stunde voll bezahlen, zumal kein Verständnis: meine Herren, ich glaube — er 
noch mit einem Aufschlag von 25 °/0. Also derartige selbst natürlich glaubt es, sonst würde er es nicht 
Anssührnngsbestimmungen sind notwendig, und ich gesagt haben — , die Arbeiter in den städtischen Be­
möchte gleich ankündigen, daß der Magistrat solche trieben werden doch wahrscheinlich nur ein Lächeln 
unter allen Umständen erlassen wird. dafür haben, es sei denn, daß man von gewisser 
Sei te  die Unzuf r iedenhe i t  künstlich schürt.
Stadtv. Hildebrandt: Meine Herren, ich würde (Lachen bei den Sozialdemokraten.)
mich' kaum zum Worte gemeldet haben, wenn nicht Den Arbeitern gerade der Kommune Charlottenburg 
seitens des Herrn Stadtv. Dr. Spiegel eine Äußerung vorreden zu wollen, daß die Kommune kein soziales 
gefallen wäre, die diejenigen Herren, die aus dem Empfinden hat, —  da muß man tatsächlich die 
M ilitä r  kommen, tief verletzen mußte. Das war die D inge  aus den Kops stellen,
Äußerung, daß von dem Guten der militärischen (sehr gut!)
Organisation das Allerschlechteste und schlechter als man muß einfach alles das negieren, was im Laufe 
alles das Beschwerdewesen wäre. W ir haben hier der Jahre, ich kann wohl sagen: Jahrzehnte seitens 
in diesem Saal noch nicht ein einzigesmal irgend ein der Kommune geleistet worden ist! Herr Kollege 
Metier oder einen Berus beurteilt, w ir haben noch Hirsch hat allerdings gemeint, die Kommune 
nicht ein einzigesmal darüber ein Urteil gefällt, welche C ha r lo t le nb u rg  sei ebenso wen ig vorgeschr i t­
Fehler dieses oder jenes Metier oder dieser oder jener ten a ls  andere Kommunen !  Nun, damit hat er 
Berus hat. Es ist, glaube ich, hier durchaus nicht seinem Wissen kein glänzendes Zeugnis ausgestellt. 
üblich gewesen, daß Über irgend ein Metier abfällig Denn wenn er sich mehr mit dieser Materie be­
geurteilt worden ist, und das hat Herr D r. Spiegel schäftigt hätte — angeblich hat er sich ja viel damit 
in ziemlich starkem Maße getan. beschäftigt — , so müßte er doch wissen, daß nach 
Ganz abgesehen davon aber, meine Herren, manchen Richtungen die Arbeiter gerade hier in 
glaube ich. daß, wenn die Feuerwehrleute hier hören, Charlotlenburg Vergünstigungen genießen, auf die 
daß ihre Beschwerde», da sie ein militärisches Korps die Arbeiter anderer Kommunen wahrscheinlich mit 
oder nach militärischer A rt ausgebildet sind, sehr ganz erheblichem Neid blicken. Ich  dar f  wohl  be­
schwer anzubringen seien, sie das nur gegen ihren haupten, daß die S ta d t  C ha r lo t le n b u rg  in 
jetzigen Berus einnehmen kann: sie werden sich von erster Reihe gerade auf  dem Gebiete der 
vornherein sagen: du wirst ja nie Recht bekommen. sozialen Fürsorge fü r  die A r b e i t e r  marschiert.
        
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