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Periodical volume 20. Dezember 1905

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1905

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in diesem Falle sofort Gebrauch machen. Ich bebouve, von Berlin in der Ausschußsitzung vom 6. Dezember
von diesem Standpunkt nicht abgehen zu können. — Protokoll liegt bei den Akten — angestellt hat. 
Auch damals hatten wir uns gesagt: es kann natür­
Bürgermeister Matting: Meine Herren, ich möchte lich nicht schematisch verteilt werden, cs muß indivi­
zuuöchst mit einigen Worten auf einen Vorgang ein­ dualisiert werden, und da wir diese Auffassung in 
gehen, der dem größten Teile von Ihnen nicht mehr den V e ,Handlungen des Ausschusses in Berlin vom 
bekannt ist, weil er in das Jahr 1899 zurückreicht. 6. Dezember wiederfanden, so war uns das natür­
Im  Jahre 1899 hatte die Stadtverordnetenversammlung lich eine willkommene Feststellung, und in diesem 
— es war unmittelbar vor dem Ablauf der damaligen Sinne haben wir auf die Verhandlungen von Berlin 
Revisionsperiode, und es waren aus Kreisen der Be­ bezug genommen. Daß in so kurzer Zeit nachher 
amten eine Reihe Petitionen an die Stadtverordneten­ in Berlin diese Gesichtspunkte ausgegeben wurden, 
versammlung ergangen, des Inhalts, daß ihre Ge­ macht allerdings nunmehr unsere Bezugnahme aus 
hälter nicht mehr zureichten — damals hatte die Berlin in formalem Sinne hinfällig, kann aber nichts 
Stadtverordnetenversammlung dem Magistrat bei der daran ändern, daß diese Erwägungen, die der Ma­
Etatsberatung eine Summe von 15 000 Jl zur Ver­ gistrat damals angestellt hatte wie jetzt Betlin, als 
teilung an die Beamten zur Verfügung gestellt. Es die richtigen anerkannt werden müssen.
war also auch eine Art Notfiandszulaae. Der Nun werden Sie sagen: individualisieren können 
Magistrat hat, da ihm irgendwelche Grundsätze für wir nicht, wir wollen aber helfen, infolgedessen 
die Verteilung nicht gegeben worden waren, in mög­ müssen wir es so machen, wie wir vorschlagen Da 
lichst gründlicher Weise vorzugehen versucht; er hat müssen wir uns aber fragen: ist wirklich Hilfe so 
einen Fragebogen aufgestellt, der bis ins kleinste Detail diingcud nötig, daß man sie erkaufen muß selbst unter 
die Verhältnisse der Beamten zu ergründen suchte, Preisgabe der Gebote einer gesunden Logik?
hat diesen Fragebogen an alle Beamten, die für die Zur Beantwortung dieser Frage werde ich mir 
Verteilung dieser Summe etwa in Frage kommen erlaube», einige Zahlen anzuführen, die der Heir 
konnten, — 251 — hinausgeschickt, hat auch die Sladtv. v. Liszt deshalb in den Ausführungen des 
sämtlichen Fragebogen sehr sorgfältig beantwortet Herrn Oberbürgermeisters vermißt hat, weil mir ihre 
zurückbekommen, hat dann auf Grund dieser Frage­ Darlegung zufallen sollte.
bogen an 165 Beamte Zulagen in Höhe von 50 bis Meine Herren, Herr Stadtv. Dr. v. Liszt und 
100 ,'fC verteilt und glaubte in der Tat, mit dieser in der vorigen Sitzung schon Herr Sladtv. Kauf­
Verteilung der 15 OOÖ Jl im Sinne der Stadverord- mann Haben ganz besonders auf die Verhältnisse 
netenversammlung Gutes getan zu haben; er hatte unserer Assistenten hingewiesen und gemeint, diese — 
zur sorgfältigen Bearbeitung einen besonderen Aus­ im übiigen auch durch ihre große Anzahl ziemlich 
schußeingesetzt ; die Vorbereitungen nahmen eine geraume in die Wagschcile fallende — Gruppe von Beamten 
Zeit in Anspruch, durften sie auch, da man die Ver­ sei ganz besonders der Unterstützung bedürftig. Meine 
teilung vor den Sommerfellen vermeiden und die Herren, ich glaube, Herr Stadtv. v. Liszt ist hier 
Ausschüttung vor Weihnachten vorzunehmen wünschte, nicht ganz richtig berichtet gewesen. Er hat ziemlich
in der Erwägung, daß dann insbesondere auch Heiz­ — oberflächlich darf ich nicht sagen —
mittel noch zu beschaffen seien; so hoffte man den wirt­ (Heiterkeit)
schaftlichen Bedürfnissen der Beamten am besten ent­ ziemlich na, also ohne weitere Prüfung die
gegenzukommen̂  In  der Voi standssitzung des Bureaus Zahlen des Normaletats hingenommen, ohne eine 
der Stadtverordnetenversammlung im Dezember des ganze Reihe von Momenten zu berücksichtigen, die 
Jahres 1899 war daher der Magistrat in hohem erst zur Beleuchtung dieser Zahlen dienen können. 
Maße überrascht, durch den Mund des ehemaligen Zutrifft allerdings, daß das Endgehalt unserer 
Herrn Stadtverordnetenvorstehers Ströhler zu erfahren, Assistenten mit 3700 Jl nicht unbeträchtlich, nämlich 
daß eine große Anzahl von Beamten sich an ihn mit 500 M  zurücksteht hinter dem Endgehalt der 
gewendet und Beschwerde geführt habe über die Art Assistenten in Berlin. Ich möchte aber meinen, da 
und Weife, wie der Magistrat diese Summe von Herr Stadtv. Dr. v. Liszt sich ja selbst beschränken 
15 000 Jl verteilt Hatte. will auf die Gehälter bis zu 3000 Jl, daß im 
Meine Herren, damals hat. der Magistrat eigent­ Augenblick viel mehr die Ansangsgehälter als die 
lich schon gesagt: so bald lassen wir uns auf eine Endgehälter in Frage kommen, und das Anfangs­
derartige Sache nicht wieder ein; denn cs gelingt gehalt unserer Assistenten mit 2000 Jl steht von 
uns nicht, eine solche Summe — sei es von 15 000 jz? oder vornherein schon um 100 JC höher als dasjenige 
von 100 000 Jl, es kommt natürlich darauf nicht der Berliner Assistenten. Um die beiderseitigen 
an — so zu verteilen, daß durchweg Befriedigung Verhältnisse weiter beurteilen und richtig würdigen 
erzielt wird; derjenige, der etwas bekommt, ist viel­ zu können, müssen Sie aber den Berufsgang der 
leicht nur relativ zufrieden, und wer nichts bekommt, Assistenten in Berlin vergleichen mit demjenigen der 
ist sicher unzufrieden, meine Herren! Und wie immer Assistenten hier in Charlottenburg. Unsere Assistenten 
Sie auch jetzt die 100 O oo Jl verteilen, sei cs nach beziehen das Gehalt von 2000 Jl vom ersten Tage 
dem neuen heutigen Antrage oder nach dem ursprüng­ ihres Eintritts in den Charlottenburger Dienst. In  
lichen Antrage in der vorigen Sitzung, so können Sie Berlin sind die Verhältnisse folgendermaßen: der so­
ganz sicher sein, daß die Beamten mit über 3000 M  genannte Bureauanwärter auf Probe tritt ein in 
Gehalt, die nichts bekommen, unzufrieden sind und eine sechsmonatige Probezeit gegen Diäten von mo­
unter den anderen auch noch ein Teil. Das ist also natlich 75 e'Ä;'itoch dieser Probezeit erfolgt seine 
eine Wahrnehmung gewesen ans jener Zeit, die dem Anstellung als Beamter auf Vorbereitung mit der 
Magistrat doch noch in ziemlich unvergessener Erinne­ Bezeichnung „Bureauanwärter" gegen ein Gehalt 
rung geblieben war, und die jetzt von neuem erwacht ist. von 1200 Jl, das allerdingsLfür Verheiratete von 
Nun, meine Herren, fand der Magistrat einen Anfang an schon aus 1410 Jl bemessen werden kann; 
.großen Teil der Erwägungen, die er schon damals in dieser Stellung muß er nun in spätestens, wenn 
angestellt hatte, in denjenigen Verhandlungen wieder, ich nicht irre, drei Jahren das Assistentenexamen ab­
die der Ausschuß der Stadtverordnetenversammlung legen. Nach abgelegtem Assistentenexamen bezieht
        
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