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Periodical volume 20. Dezember 1905

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1905

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D a s  sind alles  keine Wahlbeeinslussungen im lockungen der Sozia ldem okra tie .  E in e  P a r te i ,  
S i n n e  des W ahlprüfungsausschusses!  D a s  weiden die die W a h ru n g  der In teressen  des M i t te l ­
auch keine Wahlbeeinflussungen im S i n n e  der S ta d t -  standes au f  ihre F a h n e  schreibt und sich dabei 
verordnetenmehrheit  sein! D e n n  diese W ahlbeein ­ in den D iens t  der Konservativen  stellt, ist nicht 
flussungen find ja  der M e hrhe it  zugute gekommen mehr ernst zu nehmen, denn sie leistet denjenigen 
M e in e r  M e in u n g  nach m üßten  alle diese S t im m e n  Leuten Handlangerdienste, die sowohl Fleischnot, 
fü r  ungültig  erklärt  werden; denn sie sind nicht a u s  a ls  die im allgemeinen verteuerte Lebensha ltung  
freiem Ermessen abgegeben worden, sondern cs ist durch ihre agrischen Bestrebungen verschuldet 
ein E in f lu ß  au f  die W äh le r  ausgeüb t worden. A lle r ­ haben. W i r  hegen zu dem gesunden S i n n  der 
d ings  kann m a n  nicht in jedem einzelnen F a l le  fest­ städtischen Beam ten  soviel V e rt rau en ,  daß  sie 
stellen. ob der betreffende W äh ler  sich tatsächlich hat sowohl anerkennen, w a s  die liberale V ert re tun g  
beeinflussen lassen, oder ob er nicht von vornherein unserer S t a d t  im allgemeinen fü r  die soziale 
entschlossen gewesen w ar, doch fü r  den Gegner der H ebung  der M inderbem itte l ten  getan hat, a l s  
S oz ia ldem ok ia l ie  zu stimmen. D a s  w ürde sich n u r  auch, d aß  sie insbesondere bem üht gewesen ist. 
dann  ermöglichen lasse», wenn w ir  in der Lage wären, die S te l lu n g  der städtischen B eam ten  nach M ö g ­
die einzelnen W äh ler  eidlich zu vernehm en; dazu aber lichkeit zu fördern.
haben w ir  kein Recht. W i r  er lauben  u n s  daher, an  die H e rren  
M e in e  H erren , in  dem Bericht des W ah lp rü su n g s -  Beam ten  das  dringende
autzschusses ist gesagt worden, daß  ja  fü r  die bürger­ —  fettgedruckt! —
lichen P a r te i e n  eine beträchtliche A nzah l  von S t im m e n  Ersuchen zu richten, sich ihrerseits auch ihrer  B ü r g e r ­
mehr abgegeben worben sei a l s  für  die Sozia ldem okra tie ,  pflichten bewußt zu sein und unter  keinen Umständen
und d aß  selbst, wenn m a n  alle die S t im m e n  der Beam ten  —  wieder fettgedruckt! —
abzieht, doch noch eine M ehrhe it  fü r  die bürgerlichen durch S t im m e n th a l tu n g  die Erfolge der S o z ia l ­
K and ida ten  herauskomm t. D a s  stimmt nicht ganz. demokratie zu unterstützen.
I c h  habe h ier beispielsweise eine Aufste llung über I n d e m  w ir  aus  beifolgendem S tim m z e t te l  
d a s  R e su l ta t  der W a h l  im  2. Bezirk. I m  2. Bezirk  die N a m e n  der liberalerseits aufgestellten K a n ­
betrug die D ifferenz  zwischen den sozialdemokratischen didaten zur K e n n tn is  bringen, geben w ir  a n ­
S t i m m e n  un d  der S u m m e  der bürgerlichen S t i m m e n  heim, fü r  dieselben zu stimmen.
bei der H a u p tw a h l  1 5 8 ;  bei der S t ich w ah l  hatte  brr E s  folgen die Unterschriften, d a ru n te r :  B ra u n e ,  
bürgerliche K a n d id a t  164  S t i m m e n  m ehr a l s  die S ta d tv e ro rd n e te r ;  Dr. Frentzel, S ta d tv e ro rd n e te r ;  
sozialdemokratischen. D ie  Z a h l  der abhäng igen  W ähle r  K a u fm a n n ,  S la d tv e io rd n e te r ;  v. L iszt,  S t a d t v e r ­
in  unserem S i n n e  beträgt in  diesem Bezirk 1 0 5 4 :  ordneter;  M a r c u s ,  S ta d tv e ro rd n e te r ;  Dr. P enzig ,  
von  diesen haben 29 3  ü b e rh a u p t  nicht gew äh lt ;  am  S ta d tv e ro rd n e te r ;  R u ß ,  S ta d lv e ro d n e te r ;  Dr. S piegel ,  
6. u n d  23 .  N ovem ber , also bei der H a n p tw a h l  und  S ta d tv e ro rd n e te r ;  Dr. de G ruy te r ,  S ta d tv e ro rd n e te r ;  
der S t ic h w ah l ,  haben 4 9 7  gewählt ,  u n d  die Z a h l  M ünch, S tad tve ro rdn e te r .
derjenigen, die in der H a n p lw a h l  von  ih rem  S t i m m ­ Selbstverständlich habur die S tad tve ro rdn e ten  
recht nicht G ebrauch  gemacht haben, w ohl aber  in ohne weiteres d as  Recht, W ah lau frufe  zu erlassen, 
der S t ic h w ah l  u n d  z w a r  in  ih re r  überw ält igenden  soviel sie w o l le n ; dies Stecht wird  ihnen von keinem 
M eh rh e i t  f ü r  die bürgerlichen K a n d id a ten  gestimmt Menschen au f  der W elt bestritten werden können. 
haben, beläuft sich au f  nicht w eniger a l s  205. E s  frag t  sich n u r ,  ob sic d as  Stecht haben, a n  die 
S i e  sehen also, d aß  die Wahlbeeiuslussungen H erren  M a g iü ra ts b e a m te n  derjenigen S ta d t ,  in  der 
tatsächlich einen ganz ungeheuren Erfolg  gehabt haben. sie ihre Funkiioneu  a ls  S tad tve rordnete  ausüben , 
Und im I n n e r n  I h r e s  H erzens  sind S i e  alle ja  auch einen W a h la u f ru f  zu erlassen und  un te r  diesem A u f­
davon  überzeugt, daß  in  der Hauptsache dadurch, daß  ru f  ihren N a m e n  und  ihren Charakter  a ls  S t a d t ­
m a n  die ganzen kleinen B eam ten  —  S i e  werden verordnete zu setzen. D ie  H erren  von der liberalen 
sagen: mobil gemacht hat, w ir  sagen: beeinflußt hat, F rak t ion  —  es handelt sich lediglich um  Liberale, 
und  zw ar  in einem ungesetzlichen S i n n e  beeinflußt die ihren N a m en  daruntergesetzt haben — , werden j a  
hat, ihre S t i m m e  abzugeben, —  daß n u r  davon  die sagen, daß  sie das  Recht dazu  haben. Aber a u s  den 
Erfolge der bürgerlichen P a r te ie n  herrühren. V o rverhand lungen  —  ich bin darüber unterrichtet — , 
M ein e  H erren ,  wenn S i e  aber ganz davon  ab ­ steht fest, daß  auch bei I h n e n  Bedenken darüb er  lau t  
sehen, wenn S i e  davon absehen, festzustellen, wie es geworden sind, ob m a n  die Bezeichnung „ S t a d t v e r ­
d a s  O berwaltungsgericht verlangt, inwiefern die W ahl-  ordneter"  unter  den A u f r u f  setzen sollte, und  eine 
beeinflussungen tatsächlich ihren  Zweck erreicht haben, ganze Reihe von Kollegen, die I h r e r  F ra k t io n  ange­
u n d  inwiefern dadurch d as  Resulta t  ein anderes ge­ hören, haben mir  erklärt, daß  sie das  Vorgehen ihrer  
worden ist, a l s  es sonst gewesen wäre, so m üßten  Kollegen nicht billigen, w enn sie auch einen gesetzlichen 
S i e  doch meiner M e in u n g  nach u nd  nach der Ansicht G r u n d  zu r  Anfechtung der W ah l  d a r in  nicht erblicken.
m einer  F re u n d e  dazu  kommen, die fünf von m ir  ( S t a d l v .  D r .  v. L is z t :  E b e n !)
genannten  W ahlen  fü r  nngilt ig  zu erklären, und  zw ar J a ,  meine H erren ,  das  ist der Unterschied zwischen 
wegen des F lu g b la t te s ,  d as  von einer Reihe von S t a d t ­ u n s :  w ir  erblicken d a r in  einen g e s e tz l i c h e n  G r u n d  
verordneten an  die H erren  M agis tra tsbeam ten  erlassen ist. zu r  Anfechtung der W ah l ,  u nd  wenn S i e  konsequent 
I c h  werde m i r  gestatten, dieses F lu g b la t t  vorzulesen: wären, d ann  m üßten  S i e  es auch. S i e  haben v o r­
A n  die hin durch den M u n d  des H e r rn  Kollegen D r .  Frentzel 
H erren  M a g is tra tsbeam ten  erfreulicherweise erklären lassen, daß  S i e  in der 
C harlo t tenburgs . W a r n u n g  eines Vorgesetzten an  die A rbeite r  v o r  dem 
D ie  „Deutsche M it le ls tandsverein igung"  Besuch einer V ersam m lung  eine Beein trächtigung des 
wendet sich in einem a u s  A n laß  der bevorstehen­ Koalilionsrechtes erblicken. S i e  m ü ß ten  n u n  auch 
den S ta d tve ro rdn e ten w ah len  erlassenen F lu g b la t t  konsequenterweife sagen, d aß  S i e  in  dem dringenden 
auch an  die Beam ten , a l s  deren Schntzgeist sie Ersuchen a n  die B eam ten  seitens einer A n z a h l  von 
sich aufzuspielen versucht. Diesen V erheißungen S ta d tve ro rdn e ten
ist ebenso wenig W e r t  beizulegen, a l s  den V e r ­ ( Z u r u f :  Nicht Vorgesetzten!)
        
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