Path:
Periodical volume 20. Dezember 1905

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1905

427
Stadtbaurat Bratring: Meine Herren, ich danke teiligen. und daß drohender und immer drohender 
dem Herrn Vorsteher ganz besonders für seine ein Monopol für die Müllabfuhr seitens einer Be- 
liebenswürdigen Worte, die er eben an mich gerichtet triebsgesellfchaft drvhle — ein Monopol, das zunächst 
hat. Ich danke aber auch der Versammlung, die sich zu äußern drohte und auch zum Teil schon 
gleichzeitig mit dem Magistrat mich zum Stadt­ äußerte in einer Heraufsetzung der Preise, das aber 
ältesten erwählt hat. Ich darf wohl sagen, daß diese auch die ferneren Übelstände einer derartigen Monopol­
Auszeichnung eine sehr hohe ist, und ich werde mir wirtschaft in Aussicht stellte. Es ist nun allerdings 
Mühe geben, ihr immer gerecht zu werden. gellend gemacht worden, daß wohl durch Einrichtung 
Der Herr Vorsteher hat bereits ermähnt, er einer städtischen Müllverladehalle diese Gefahr be­
wünsche, daß ich auch ferner noch, soweit es möglich seitigt werden könnte. Das ist aber sicherlich nicht 
ist, der Verwaltung erhalten bleibe. Ich spreche in dem Maße der Fall. Denn wenn der Betrieb 
hiermit meinerseits ganz ausdrücklich meine Bereit­ in einer solchen Halle ordnungsmäßig vor sich gehen 
willigkeit dazu aus. Sie werden vielleicht Gelegen­ soll, so kann man natürlich auch nicht eine unbe­
heit haben, mich in die eine oder die andere Depu­ schränkte Anzahl von Unternehmern zulassen, sondern 
tation als Bürgerdeputierten hineinzuschicken, und ich wird Vereinbarungen mit einer beschränkten Anzahl 
erkläre Ihnen hiermit feierlichst, daß ich das sehr treffen müssen. Dann ist gemeint worden, daß ja 
gern annehmen und mich freuen werde, auch ferner ein solches städtisches Unternehmen, wie eö hier ge­
in Ihrem Kreise wirken zu dürfen. plant ist, auch ein Monopol darstelle. Wenn das 
Ich schließe mit dem Wunsche, daß unsere schöne auch in gewissem Sinne richtig sein mag, io j f l  doch 
große Stadt Charlottenburg ferner blühe und gedeihe! unbedingt zuzugeben, daß, sobald es die Stadt in 
(Bravo!) Händen hat. die Nachteile einer Monopolwiitschaft 
in Fortfall kommen. Vor allen Dingen wird die 
Vorsteher Roscnberg: Punkt 6 der Tagesordnung: Vergütung für die Abfuhr ein für alle M al oder 
wenigstens für längere Zeit festgesetzt, und die Ver­
Bericht des Ausschusses über die Borlage teilung derselben erfolgt nach einem bestimmten Maß­
betr. Verstadtlichung der M ü llab fuhr. — stabe, fodajz eine Überteuerung der Interessenten aus­
Drucksachen 231, 344, 461. geschlossen ist.
Kurz und gut, die Vorteile einer solchen Ver­
Berichterstatter Stabtu. Dr. Spiegel: Meine stadtlichung sind so in die Augen springend, die Not­
Herren, als diese Vorlage uns zuletzt am 27. Sep­ wendigkeit ist von so vielen Seilen anerkannt, daß 
tember hier in der Versammlung beschäftigte, konnte der Ausschuß mit ziemlich beträchtlicher Mehrheit sich 
der damalige Referent, wie er sich ausdrückte, nur dafür entschieden hat.
mit sehr geteilten Gefühlen die Beschlüsse des Aus­ Uber das Drciteilungsverfahren ist hier auch 
schusses zur Annahme empfehlen. Ich konstatiere viel gesprochen worden. Es wird wohl kaum von 
dem gegenüber, daß ich in der angenehmen Lage einer Seite bestritten, daß. wenn es regelrecht durch­
bin, die Beschlüsse Ihnen von ganzem Herzen geführt werden kann, es außerordentlich viele sanitäre 
empfehlen zu können. Die Vorlage ist an den Aus­ und wirtschaftliche Vorteile bietet. Die Frage war, 
schuß zurückverwiesen, in erster Linie wohl deshalb, ob es durchführbar ist. und cs ist hier das vorige 
weil über die geplante Gebührenordnung die Meinun­ Mal unter anderem eine Petition vorgelegt worden, 
gen sehr auseinandergingen und eine Petition der die sich gegen die Durchführbarkeit aüssprach. Ich 
Haus- und Grundbesitzervereine uns veranlaßte, noch will deshalb nicht unerwähnt lassen, daß neuerdings 
einmal die Frage zu erörtern. Es sind ferner hier eine Petition eingelaufen ist von den Besitzern von 
Bedenken geltend gemacht worden gegen die Zulassung im ganzen 253 Häusern, die in diesen Häusern das 
des Dreiteilungsverfahrens, wie auch gegen die Ver­ System durchgeführt habeii_unb sich unbedingt dahin 
stadtlichung überhaupt, und schließlich sind Wünsche aussprechen, daß dieses System eingeführt werden 
in bezug auf die Arbeiterfürsorge hier ausgesprochen sollte. Es wird von den Besitzern dieser Häuser als 
worden. durchaus leicht durchführbar auch für unsere Ver­
Der Ausschuß hat sich mit diesen vier Fragen hältnisse bezeichnet. Vor allen Dingen aber machte 
beschäftigt, und zwar in erster Linie mit der Frage, sich der Ausschuß klar, daß die Vorlage, wie sie jetzt 
ob überhaupt eine Verstadtlichung eintreten solle. ist, nicht die E in füh rung  des Dreiieilungssystems 
Die Gründe hierfür sind wiederholt auch an dieser bedeute, daß vielmehr, wenn dieses System eingeführt 
Stelle besprochen worden, und ich kann mich wohl in werden soll, uns eine besondere Vorlage gemacht 
Anbetracht der reichlichen Tagesordnung und der werden würde. Das wird geschehen, nachdem die 
Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit kurz darüber Angebote eingelaufen sind. Dann wird cs sich ja 
fassen. Zunächst ist eine solche Verstadtlichung zeigen, ob in der Tat infolge der besseren Verwertung 
prinzipiell zu wünschen, weil die Müllabfuhr eine der Abfälle diejenige Gesellschaft, welche die Dreiteilung 
Einrichtung im öffentlichen Interesse ist, deren ge­ vornimmt, soviel günstigere Anerbietungen machen 
regelter Vorgang im Interesse der öffentliche» Gesund­ kann, daß die Grundbesitzer, die ja den Vorteil von 
heit zu fordernstst. Es hat sich ferner gezeigt, daß den geringeren Zahlungen haben, kleine Unbequem­
bei dem bisherigen System, wo die Abfuhr gänzlich lichkeiten eventuell mit in den Kauf nehmen können. 
in den Händen von Privatunternehmungen lag, große Die Zulassung des Dreileilungsverfahrens ist des­
Gefahren und Unzulräglichkeiten sich herausstellten, halb auch, wenn ich mich recht erinnere, einstimmig 
daß Streikbewegungen, wie sie vorgekommen sind, die vom Ausschuß Ihnen empfohlen norden.
die Abfuhr vollständig gefährdeten und außerordentlich Der Hauplstreilpunkt war und blieb die Ge­
ungünstige sanitäre Verhältnisse herbeiführen können. bührenordnung. der Vorschlag des Magistrats, die 
Dazu kam, daß. nachdem durch Bundesratsbeschluß Gebühren nach dem Nutzungswert der Gebäude ein­
besondere Vorschriften über die Hinausbeförderung des zuziehen. Demgegenüber haben sich viele und nament­
M ülls — u. a. die Einrichtung fester Verladehallen — lich die Hausbesitzeroereine dahin geäußert, daß es 
festgesetzt waren, kleinere Unternehmer nicht mehr in sich empfehle, bei dem bisherigen System zu bleiben, 
der Lage waren, sich an diesem Vorgänge zu be­ bei dem ja nach der Anzahl der Kästen die Gebühr
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.