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Periodical volume 6. Dezember 1905

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1905

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Herr Oberbürgermeister gesagt hat und wie unsere jenigen Künstler, die m it den Entwürfen beschäftigt 
Vorlage es sagt, zu beschließen. werden, dar als ein Zuschuß, der diesen Bauunter- 
nehmen, gezahlt werden soll fü r die Aufführung 
Stnbtti. D r . Borchardt: Meine Herren, ich bin ihrer privaten Bauten.
dem Herrn Oberbürgermeister außerordentlich dankbar W ir, meine Herren, können diesen Weg nicht 
fü r seine vorzüglichen Ausführungen, die in  ganz für richtig halten. W ir  haben bei mehrfachen Ge­
schlagender Weise die Gemeingefährlichkeit des privaten legenheiten daraufhingewiesen, wie dringend wünschens­
Besitzes an Grund und Boden nachweisen. wert es wäie, daß das Gelände in anderer Weise 
(Lachen.) fü r die Stadt nutzbar gemacht w ird, als durch Ver­
Meine Herren, der Herr Oberbürgermeister führte kauf und damit Übergang in privaten Grundbesitz. 
aus, daß, wenn 10 Häuser nebeneinander aufgeführt W ir werden ja auch in der nächsten Sitzung uns 
werden, der Erbauer des einen sich um den des m it einem diesbezüglichen, von uns gestellten Antrag 
andern in  gar keiner Weise kümmert, daß jeder seine zu beschäftigen haben. Bei dem Gelände ober,_ das 
Fassade so ausführt, wie er sie eben ausführen w ill, S ie nunmehr verkauft haben, das in private» Händen 
ohne jede Rücksichtnahme auf andere, obne jede Rück­ sich besindel, können w ir eine Veranlassung, nun noch 
sichtnahme auf das Ganze, ohne jede Rücksichtnahme den Herren darüber hinaus Zuwendungen zu machen, 
auf die etwaige Übereinstimmung der Fassaden der nicht erblicken.
Nachbargrundstucke, also ohne Rücksicht auch auf das 
Straßenbild. Ja, meine Herren, wenn sie nun aber Vorsteher Stellv. Kaufmann: Ich  möchte Herrn 
durchaus den privaten Besitz an Grund und Boden Kollegen B r. Borchardt darauf aufmerksam machen, 
festhalten wollen, dann müssen Sie feine Übelstände daß der Ausdruck „Schacherobjekl" kein parlamen­
eben auch m it in Kauf nehmen. tarischer Ausdruck ist.
W ir  haben seine!zeit vergeblich uns dagegen 
gewehrt, daß dieses Terrain an Herrn Schrobsdorff Oberbürgermeister Schuftet,rus: Meine Herren, 
ausgeliefert wird, daß dieses Terrain, das die Stadt die Ausführungen des Herrn B r. Borchardt treffen 
besaß, auch wiederum der privaten Spekulation aus­ die Sache doch nicht ganz richtig. Zunächst hat die 
geliefert wird. S ie haben es beschlossen und wollen Stadt das Gelände nie besessen, sondern es ist gekauft 
nunmehr die Schäden, die damit unverweidlich ver­ worden von Herrn Schrobsdorff durch unsere Ver­
bunden sind, nicht m it in Kauf nehmen. Weil die mittelung in einem Enteignungsprozeß gegen die 
Schäden eben unvermeidlich m it dem privaten Grund­ Wartenbergscheu Erben; aber die S tadt selbst ist 
besitz verbunden sind, werden Sie sie ohne eine Radikal­ Eigentümerin dieses Geländes nie gewesen.
kur nicht beseitigen können. Wenn Sie hier 15 ooo 
ausgeben wollen, um diese Schäden nicht so stark Sodann ist es auch nicht richtig, daß die Bau­
hervortreten zu lassen, so ist das ja durchaus keine herren nun vom Magistrat eine Geldzuwendung be­
Beseitigung. Der Herr Oberbürgermeister hat ja kommen sollen, wie Herr B r. Borchardt ausführt. 
auch etwas elegisch darauf hingewiesen, daß es ihm W ir müssen doch unterscheiden, meine Herren, zwischen 
zweifelhaft erscheine, ob der Versuch, den der denjenigen Bauherren, die ihre Entwürfe bereits 
Magistrat hier m it Aufwendung von 15 000 M  unter­ fertig haben und bauen, und den anderen, die noch 
nehmen w ill, gelingen wird. W ir sind der Meinung, nicht so weit sind. Diejenigen, die bereits bauen und 
der Versuch wird nicht gelingen. die Entwürfe fertig haben, müßten ja nach unseren 
Es scheinen m ir auch einige Widersprüche in den Vorschlägen ihre Zeichnungen abändern, und die Ab­
Ausführungen des Herrn Oberbürgermeisters zu sein änderung der Zeichnungen kostet Geld. D ie Bau­
insofern, als er meint, die schönere Ausgestaltung kosten der Fassaden an sich sind nicht teurer; alle 
der Fassaden sei m it Kosten nicht verbunden, und unsere Vorschläge gehen dahin, daß eine Verteuerung 
-alsdann fordert, daß trotzdem die Stadt, um eine der Baukosten der Fassaden nicht eintritt. Hier 
solche schönere Ausgestaltung zu erreichen, Kosten handelt es sich nur um die Kosten, die die A n ferti­
aufwenden soll. Meine Herren, wenn die Tinge so gung der Zeichnungen verursacht, und da wollen w ir 
liegen würden, daß keine Kosten dadurch entliehen, denjenigen Herren entgegenkommen, welche ihre P ro ­
daß die Fassaden schöner ausgestaltet werden, dann jekte umzeichnen lassen müssen, wollen diese Kosten 
braucht jg auch die Stadt keine Kosten aufzuwenden. zum Teil übernehmen, und denjenigen, die noch nicht 
Es liegt eben nicht so; schönere Dinge kosten eben gebaut haben, möchten mir, um unserem Gedanken 
mehr Geld, und weil den Herren Privatbesitzern, Nachdruck zu verleihen, bereits fertige Fassaden vor­
den Herren Bauunternehmern ja schließlich an der legen. so daß sie gar nicht mehr auf die falschen 
Ausgestaltung garnichts gelegen ist —  denn der Wege geraten, damit sie gleich von vornherein das 
Grund und Boden ist eben ein Schacherobjekl, er ist nehmen, was ihnen angeboten wird, was gut ist. und 
aus der Hand des Herrn Schrobsdorff übergegangen hier allerdings, meine Herren, würden die Herren 
in  die Hände anderer Bauunternehmer und wird insofern etwas ersparen, als sie nicht geeignete Zeich­
aus deren Händen wiederum übergehen in die Hände nungen nicht anfertigen zu lassen brauchen; diese E r­
anderer, und die Herren, welche die Bauten auf­ sparung soll eben das Lockmittel fein, um sie geneigter 
führen, hohen kein dauerndes Interesse daran, sondern zu machen, auf unsere Vorschläge einzugehen.
sie haben nur ein Interesse daran, bei etwaigem Ver­ Nun bat Herr B r. Borchardt gemeint, ich hätte 
kauf einen möglichst hohen Preis zu erzielen, ohne im elegischen Tone gesagt, ich wüßte nicht, ob w ir 
doch ihrerseits hohe Kosten aufzuwenden, —  eben Erfolg'haben würden. Elegisch bin ich nicht gewesen; 
weil alle -diese Herren das Interesse nicht habe», ich habe mich nur praktisch verhallen. Ich  sehe die 
fehlt die Rücksicht auf das Ganze; sie kann nur er­ Sache nicht durchaus rosig an; kein Baum fä llt auf 
möglicht werden durch Aufwendung von Kosten, und den ersten Schlag; man muß versuchen, man mutz 
diese Kosten w ill der Magistrat übernehmen. Diese den Weg erst betreten, dann wird man dabei lernen. 
15 000 stellen sich aber, ganz gleichgiltig, ob sie Daß nun gleich alles entzückt ist, das verspreche ich 
unmittelbar an die Herren bezahlt werden, oder ob m ir nicht; aber es ist ein Anfang zum Guten, und 
sie nicht unmittelbar an sie fließen, sondern an die­ der ist fü r verhältnismäßig billiges Geld hier zu
        
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