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Periodical volume 15. November 1905

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1905

eine elwas bessere Fassade hineingehört. Alle anderen gesetzt hätte, um mit den vorhandenen Mitteln zu­
Abweichungen von dem bisherigen Plan bitle ich Sie, züglich ihrer 60 ooo M  auszukommen. Die Schiller 
meine Herren, abzulehnen. theatergesellschaft ist nach ihren Erklärungen imstande, 
mit den bewilligten Mitteln ihr Programm durch­
Stadtv. Kaufmann: Meine Herren, ich hätte zuführen; sie wird aber beschränkt sein in manchen 
heute zu dieser Sache nicht gesprochen, wenn nicht großartigen Inszenierungen. Es wäre sehr wünschens­
von seiten des Herrn Kollegen Döbler beantragt wert — als notwendig ist es nicht bezeichnet worden —, 
wäre, die Vorlage abzulehnen. Ich hatte geglaubt, diejenigen Streichungen wieder zu ersetzen, die mau 
die Sache würde an einen Ausschuß gehen und dort an bühncntechnischen Einrichtungen vorgenommen 
mit größerer Gründlichkeit behandelt werden, als sie hat Dazu gehören verschiedene Dinge, auf die ich 
hier verhandelt werden kann. Herr Kollege Döbler hier nicht im Detail eingehen will; denn wir werden 
beklagt sich darüber, daß die Vorlage ihm so spät uns im Ausschuß darüber näher unterhalten Die 
zugegangen sei; sie ist uns allen wohl nicht früher Summe beziffert sich aus etwa 76 ooo J(, die der 
zugegangen. Vielleicht ist deswegen Herr Kollege Magistrat unter dem ersten Punkt seiner Vorlage 
Döbler — und das nehme ich ihm garnicht übel — bei uns beantragt.
nicht so in die Materie eingedrungen, wie es die Die von uns geführten»Verhandlungen haben 
Materie verlangte. Ich glaube, daß viel mehr dar- uns dann auch auf den Gedanken gebracht, der- ja 
Über zu sage» ist. Ich werde mir gestatten, etwas auch in der vielleicht etwas allzu schwarzen Voraus­
gründlicher auf die ganze Vorlage einzugehen. setzung des Herrn Kollegen Döbler zum Ausdruck 
Die von der Stadtverordnetenversammlung be­ kommt, indem er fragte, was denn nun würde, wenn 
willigte Summe von 2 150 000 M  für Errichtung der Gesellschaft einmal die Puste ausginge. Wir 
eines Schillertheaters oder eines Theaters der Stadt­ haben uns aber, da das Theater Eigentum der Stadt- 
gemeinde. das au die Schillertheatergesellschaft ver­ gemeinde ist, sagen müssen: wenn aus irgendwelchen 
pachtet werden sollte, war limitiert, und bei den Ver- nicht vorherzusehendeii Umständen einmal das Ver­
Handlungen, die die von ihnen eingesetzte Deputation tragsverhältnis mit der Schillerthcatergesellschast auf­
mit der Schillertheater-A.-G. geführt hatte, ist es hören sollte, dann wäre die Stadt im Besitze eines 
dazu gekommen, schließlich einen Bauausschuß einzu­ Theaters, das nicht vollständig diejenigen Ein­
setzen, der namens dieser Deputation den Bauherrn richtungen hat, die ausreichen, um bei Vermietung 
für die künftige Unternehmung darzustellen hätte. an einen anderen Unternehmer eine sickere Pachtsnmme 
Dieser Bauausschuß besieht aus vier Mitgliedern der zu gewährleisten. Die Verhältnisse der Schiller- 
städtischen Verwaltung und vier Mitgliedern der theatergesellschaft liegen durch ihre doppelten Unter­
Schillertheater-A.-G. Der Bauausschuß hat mit der nehmungen in Berlin und hier derartig, daß sie 
Firma Littmann & Heilmann in München, die den nicht so große Requisiten- und Kulissenräume gebraucht, 
Preis für das Theater bekommen hatte, einen Bau­ wie ein Theater haben muß, das selbständig für sich 
vertrag vereinbart, und zwar auf gründ eines Kosten- allein gedacht ist. Als eventuelle zukünftige Besitzer 
-iischlages, der um zirka 60 ooo M  die von uns und Wiederverpächter dieses Hauses haben wir nun 
bewilligten Mittel überstieg. Laut Vertrag hatte die geglaubt, für eine spätere Zeit Vorsorgen zu müssen, 
Schillertheatergesellschaft damals ein Rücktrittsrecht, und kamen dabei naturgemäß auf den Gedanken, 
wenn sie diese' Mehrsumme nicht übernehmen wollte. daß, da bei einem Verkauf des zwischen der Schiller 
Sie hat Don diesem Rücktrittsrecht keinen Gebrauch und Bismarckstraße liegenden sehr tiefen Geländes 
gemacht, und der Vertrag ist auf gründ der Uber- ein beträchtliches Hinterland übrig bleiben würde, 
nahmeverpflichtung der Schillertheatergesellschaft zur die Stadtgemeinde aus alle Fälle, ob wir nun hier 
Deckung der Überschreitung in Höhe von 60 000 J i der Magistratsvorlage zustimmen oder nicht, sich dies 
zustandegekommen. Damit ist das Unternehmen, so­ Hinterland reservieren müßte, um, wenn die Selbst­
weit es unsererseits gedacht war. vollkommen ein­ verwaltung des Theaters eintreten sollte, genügend 
wandfrei bereits in der Ausführung begriffen. Raum für etwaige Ergänzungen zu haben. Es 
In  diesem Stadium haben sich die Mitglieder würde da eine Zone von' ungefähr 66 Ruthen liegen 
des Bauausschusses, soweit sie der Stadtgemeinde an­ bleiben müssen ohne jeden Ertrag für die Gemeinde, 
gehören, die Frage vorlegen müssen: reicht denn das­ eine neutrale Zone, wenn ich das so bezeichnen darf.
jenige, was wir nun in einem zusammengestrichenen, Jetzt haben die Verhandlungen dazu geführt, 
auf' gründ der limitierten Mittel festgesetzten Bau- daß, wenn man die technischen Verbesserungen, denen 
programm bewilligt haben, für alle Zeiten aus, oder ja auch Herr Kollege Döbler nicht feindlich gegen­
haben wir nicht die Pflicht, gründlich die Angelegen­ übersteht, anbringen will, man die Büreauräume, 
heit nochmals durchzuprüfen? Zuerst kam — und die wegen der beschränkten Mittel innerhalb des 
das ist ja auch seitens der beiden Herren Vorredner Theaters vorgesehen sind, beseitigen müßte. — Ich 
absolut nicht beanstandet worden — die äußere Aus­ muß hier ein Detail anführen. Um einen sog. Bühnen 
stattung der Fassade in Betracht. M it dieser Fassade wagen herzurichten — das ist eine Vorrichtung, um 
hängt eine äußere Ausgestaltung der Umfassungs­ die szenischen Veränderungen rasch vornehmen zu 
mauern zusammen. Wir dürfen doch nicht vergessen, können, um, während auf der vorhandenen Szene 
daß das Gebäude Eigentum der Stadtgcmeinde ist, gespielt wird, eine neue Szene vorbereiten und dann 
daß es in einer hervorragenden Straße liegt, in mittelst Rollen vorschieben zu können — um diesen 
einer Straße, deren Entwickelung wir uns großartig Wagen herzurichten, wofür nebenbeigesagt nur 1500 
vorstellen, und in deren Anfangsteil es gerade liegt, Mark vorgesehen sind, wird es notwendig sein, die 
sodaß es wünschenswert ist, eine monumentalere Büreauräume aus dem Hause zu entfernen. Es 
Fassade, als sic der Putzbau ermöglicht, hin­ besteht die Möglichkeit, diese 66 Ruthen Bauland 
zustellen. Die Kosten hierfür betragen ungefähr für die Stadt nutzbar zu machen und gleichzeitig 
25 ooo JC, also für den rein äußerlichen Ersatz von dadurch die Ausführung der Verbesserungen zu er­
Putz durch Haustein. Wir kamen dann zu der weite­ möglichen. Man hat die Absicht, ein Gebäude für 
ren Erwägung, was denn schließlich die Schiffer- Büreauräume aus diesem noch hinzutretenden Ge­
theatergesellschaft von ihren Bühnenerfordernissen ab­ lände zu errichten. Für Büreauräume allein war
        
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