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Periodical volume 15. November 1905

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1905

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Stadtv. Döbler: Meine Herren, ich bin ganz Herr Oberbürgermeister, ich habe die Überzeugung, 
überrascht gewesen, als ich am Montag Abend in daß ivir das alles nicht vorhersehen können. Jeden­
unserer Fräktionssitzung eine Vorlage vorfand, die falls möchte ich unter allen Umständen warnend 
ich noch nicht bekommen hatte, und zwar eine Vor­ meine Stimme erheben, damit wir nicht ins Uferlose 
lage über die Vergrößerung des Schillertheaters. hineintreiben bei einem solchen Unternehmen. Das 
Ich wunderte mich sehr darüber, und c» wurde mir e> scheint mir zu gewagt, und wir haben außerdem 
gesagt, daß die anderen Herren bereits die Vorlage garnicht die Veranlassung dazu, wo wir nun schon 
bekommen hätten. Ich will das blos in Parenthese auf dem Theatergebiet unseren Bürgern etwas leisten 
einschalten; vielleicht ist das ein Mangel in der Be­ wollen, auch noch das Gebiet der Oper hier in Be­
stellung gewesen. tracht zu ziehen. Es soll, wie es scheint, eine Muster­
Aus der Vorlage ging hervor, daß eine Ver­ anstalt gemacht werden. Dazu haben wir aber nicht 
größerung des Schillertheaters in ganz bedeutendem die Erfahrungen, auch nicht die Pflicht und auch 
Maße vorgenommen werden sollte. Meine Herren, nicht das Geld. Lassen wir es bei unserm ursprüng­
dagegen mochte ich warnend meine Stimme erheben. lichen Programm, was uns schließlich allen schmack­
Sie wollen hier zu dem Schillertheater auch noch ein haft gemacht wo: den ist und auch sympathisch ge- 
Opernhaus haben, wollen also beides kombinieren. woiden ist, finden wir uns damit ab. befassen wir 
Das verträgt sich nach meiner Meinung doch sehr uns aber nicht noch mit der Bildung einer Oper usw.! 
schlecht. Es ist eine künstliche Pflanze, die hier er­ Ganz abgesehen von der Schwierigkeit, Künstler zu 
zeugt werden soll, und deren Erhaltung uns später bekommen — das ist ja eine Sache für sich, in dieser 
sehr viel Sorge machen wird. Das Opernhaus er­ Beziehung würden wir wohl schon geeignete Kräfte, 
fordert 99 Plätze für das Orchester. Man denke: haben, die das besorgen —, aber die Überzeugung 
erstensmal das Orchester zu bilden und zu erhalten, haben doch wohl schon viele der Kollegen, daß selbst 
wenn es notwendig ist. in den zwei Monaten! das Theater nicht imstande sein wird, diejenigen Ver­
Zweitens wird durch Anbau eine Vergrößerung, und pflichtungen zu erfüllen, die es erfüllen soll. Denn 
zwar durch Zunahme von 60 oder 70 Quadratruten die ganze Sache ist auf den Schultern eines einzelnen 
Land beabsichtigt. Nimmt man dazu noch die Mannes aufgebaut. Meine Hei reu, das wollen wir 
sonstigen Wünsche, die ausgesprochen sind, so bedeutet doch nicht vergessen! M it dem Augenblick, wo der 
das eine Vergrößerung des Objektes um über Mann dahingeht ober wo ihm die Puste ausgeht, 
300 ooo M. Meine Herren, glauben Sie doch nun stehen wir vor der Frage, wie das Unleinehmen von 
nicht, daß Sie durch eine Erweiterung des Ge­ neuem zu finanzieren und durchzuführen ist.
dankens der Schillertheatergesellschaft, durch eine Er­ Ich möchte also bitten, die Vergrößerung heute 
weiterung auf dem Gebiete der Oper eine so große abzulehnen. Dagen bin ich damit einverstanden, daß 
Zukunft haben werden. Es ist doch klar, wenn über­ wir vielleicht sonstige Verbesserungen vornehmen, die 
haupt Opern in Konkurrenz treten sollen mit den das Theater selbst betreffen: z. B. verbesserte Bütznen- 
Kräften unsrer königlichen Oper, sie doch garnicht aulagen, vielleicht auch eine bessere Fassade, was ich 
konkurrieren können. Wenn mittelmäßige Arbeit ge­ leider hier vermisse — sie wird wohl verlangt, aber 
liefert wird, dann wird sie auch schlecht bezahlt, und die Zeichnungen sind nicht vorgelegt.
schlecht Bezahltes können wir ja überall hören. (Oberbürgermeister Schustehrus: Ausschuß!)
Sollen sie aber was Gutes liefern, so muß es auch — Ja, ein Ausschuß wird wohl zustande kommen, 
sehr gut bezahlt werden, und dann sind diejenigen aber ich halte einen solchen garnicht für nötig. Ich 
nicht da, die das bezahlen wollen und bezahlen würde vorschlagen, daß wir die angeregte Erweiterung 
sollen; denn die nehmen nachher eben die bequeme ablehnen, aber uns eine Vorlage machen lassen, welche 
Untergrundbahn, fahren nach Berlin und sehen sich Verbesserungen des Theaters selbst betrifft. Dem 
dort eine wirkliche Musteroper an. Von diesem Ge­ bitte ich Sie zuzustimmen.
sichtspunkt aus habe ich gegen eine Erweiterung Be­
denken. Stadtv. Stein: Meine Herren, Sie kennen meinen 
Jetzt wird gesagt: die Oper ist bloß für die Standpunkt vom vorigen Jahre. Wir waren nur 
zwei Monate im Sommer gedacht. Ja, meine Herren, sehr wenige, die mir gegen das Theater gestimmt 
sollen denn in den zwei Monaten die Mehrkosten, haben, und leider sind von diesen einige nicht mehr 
die erforderlich werden, herausgewirtschaftet werden? in der Versammlung, wie z. B. mein früherer Nach­
Das ist doch ein Ding der Unmöglichkeit! Wenn bar Gleim. W ir sind aber überstimmt worden, das 
w ir nicht hohe Preise ' nehmen, kommen wir nicht Theater wird also gebaut. Ich hatte in der gemischten 
zurecht. Nehmen wir niedrige Preise, dann be­ Deputation, der ich eine Zeitlang angehörte, daraus 
kommen wir keine Künstler. Wie Sie es also aufmerksam gemacht, daß das Geld, welches von 
machen, so ist es falsch. Wir haben den Theater­ uns verlangt wird, nicht ausreichen würde. Ich 
gedanken aufgenommen, haben ihn verarbeitet und sagte damals, es kommen sicher noch andere An­
haben schließlich Ja und Amen gesagt, aber viele forderungen hinzu. Darauf erwiderte mir der Herr 
mit schwerem Herzen. Jetzt wird nun noch der Ge­ Oberbürgermeister: mehr wird nicht verlangt. Ich 
danke einer Erweiterung hineingebracht, und noch sagte: wenigstens werden doch ein paar Feuerwehr­
dazu auf so schlüpfriger Bahn, die von vornherein leute für die Wache verlangt, nach den jetzigen Grund­
uns nicht die Möglichkeit bietet, daß daraus etwas sätzen über Sicherung gegen Feuersgefahr wäre das 
wird! Das. meine ich, dürfen wir nicht machen. doch das Mindeste. Auch das wurde mir bestritten; 
Wenn hier gesagt wird: wir müssen für die Zukunft es hieß: nein, cs wird nichts mehr verlangt! Heute 
vorsetzen — ja. dann können Sie überhaupt nicht werden über 300 000 J l verlangt! Meine Herren, 
arbeiten! Wenn Sie auf die Zukunft sehen wollen, ich muß offen gestehen, ich bewundere den Mut des 
dann wird auch das, was Sie jetzt machen wollen, Magistrats, uns jetzt mit Meier Forderung zu kommen, 
falsch sein. Sie wissen garnicht, was für Anforderungen, und ich kann durchaus meinem Freunde Döbler bei­
wenn einmal der Vertrag mit Herrn Löwenseld zu stimmen, daß ich wohl für eine Verbesserung der 
Ende sein wird, in dieser Beziehung gestellt werden Fassade wäre, weil das Haus zufällig in die Bis­
können. — Wenn Sie auch mit der Hand winken, marckstraße hineinsieht und in diese vornehme Straße
        
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