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Periodical volume 1. November 1905

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1905

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die von unserer Seite angestrengt wird, nicht mit bahn auf entschädigungelose Benutzung der Strecke 
dem in der Berliner Angelegenheit ergangenen über­ Knie—Wilhelmtzplatz an. Meine Herren, daß die 
einstimmt. W ir werden uns über diese Frage ja im Untergrundbahn sich bereit erklärt, die 4000 M  jähr­
Ausschuß zu unterhalten haben. lich zu zahlen, ist von ihrem Standpunkt ans -leicht 
Nun, meine Herren, am 10. April — Sie sehen, erklärlich. Der Gesellschaft lag eben daran, daß der 
wie lange die Verhandlungen gedauert haben — konnle Bau auf alle Fälle und sobald als möglich zu stände 
sich endlich die Tiefbaudcpulation wieder einmal mit kommt. Aber wir als Stadtverwaltung haben uns 
der Vorlage befassen, und ich halle es für nötig, auch zu fragen, welche Konsequenzen diese Bewilligung 
Ihnen anzuführen, wie der damalige Stand der Ver­ nach sich zieht. Ich habe bereits auf die Bedenken 
handlungen war. Selbstverständlich übergehe ich dabei hingewiesen, und ich betone nochmals, daß mir ge­
alle nebensächlichen Punkte und führe nur die aller- rade dieser Artikel äußerst bedenklich erscheint, und 
wichtigsten an. daß wir alle Veranlassung haben, im Ausschuß eine 
Die Stadtverordnetenversammlung hatte bekannt­ genaue Prüfung aller der Vorgänge eintreten zu 
lich einen Verkehr nördlich der Spree in Abständen lassen, die zu dem Beschlusse des Magistrats geführt 
von 15 Minuten gefordert. Die Straßenbahn- haben.
gesellschaft halte diese Forderung damals unbedingt Die andern Zugeständnisse, die der Gesellschaft 
abgelehnt und für den Sommer einen Verkehr in gemacht sind, will ich hier übergehen, um Sie nicht 
Abständen von 30 Minuten, für den Winter in zu ermüden. Ich betone nur. daß auch jetzt noch 
Abständen von 60 Minuten zugestanden, d. h. jede die Gesellschaft immer weitere Vorteile herauszu­
Stunde sollte ein Wagen gehen, wie der Herr Re­ schlagen suchte. So will sie z. B. die Heranführung 
ferent bereits ausgeführt hat. Die Tiefbaudeputation der ins zur Osnabrückerstraße geführten Linie Bahn­
hat ihren Standpunkt aufrecht erhalten; ich bemerke hof Friedrichstraße — Kaiserin Augusta Allee an den 
im voraus, daß der Magistrat allen Beschlüssen der Bahnhof Jungfernheide abhängig machen von der 
Tiefbaudeputation in allen Punkten nachher beige» Erzielung bestimmter Brutto-Eirrnahmen auf den 
treten ist. Die Forderung bezüglich der Durchführung Strecken nördlich des Bahnhofes Jungfernheidc, 
der Linie durch die Bismarcküraße (Wilmersdorfer- zwei Dinge, die absolut nichts miteinander zu tun 
slraße—Schlvßstraße) hat die Straßenbahngesellschaft haben. Man sieht aber daraus, wie die Straßen­
abgelehnt, und auch die Tiefbaudeputation und später bahngesellschaft stets und ständig darauf bedacht ist, 
der Magistrat hat die Gründe der Gesellschaft, als nur ja möglichst viel herauszuschlagen, während ihr 
berechtigt anerkannt; wir werden uns im Ausschuß die Befriedigung des Verkehrsbedürfnisses nicht ganz 
darüber zu unterhalten haben, vb wirklich die Gründe so am Herzen liegt. M it vollern Recht hat der 
der Gesellschaft beiechtigt sind. Meiner Meinung Magistrat diese Forderung abgelehnt. Auch in andern 
nach sind sie es nicht. Die Forderung des ^ /» -M i- Punkten blieb der Magistrat auf feinem Standpunkt 
nilteii-Verkehrs wurde abgelehnt, und hier kommt 
wiederum die Tiefbaudeputation im Verein m it dem stehen.
Magistrat der Straßenbahngesellschaft entgegen: der Meine Herren, die wesentlichen Änderungen, die 
Verkehr soll geregelt werden nach dem Plane, der der jetzige Vertrag gegenüber dem Vertrage, den die 
Ihnen vorgelegt ist. Danach haben wir allerdings Stadtverordnetenversammlung beschlossen hat. auf­
in dein größten Teil Charlottenburgs — ich nehme weist, sind ja in der Vorlage übersichtlich zusammen­
das Gebiet jenseits der Spree aus, für das ja andere gestellt, und auch der Herr Referent hat diese Ände­
Vereinbarungen'getroffen.swaren — einen 7^/,-M i- rungen angeführt, sodaß ich sie nicht zu wiederholen • 
nuten-Verkehr. Aber cs bleiben noch immer Linien brauche. Es ist nicht zu verkennen, daß der Magi­
übrig, wo dieser Verkehr nicht ei reicht ist Wir strat bei allen Verhandlungen einen überaus schweren 
werden auch lfm über im Ausschuß zu reden und Stand hatte. Einmal waren ihm durch frühere 
genau zu prüfen haben, ob wir nicht streng an der Verträge die Hände gebunden; dann kommt dazu, 
Forderung, die wir.'vor zwei Jahren erhoben haben, daß wir cs hier mit überaus kapitalkräftigen Gesell­
festhalten^ sollen. Meinerj Meinung nach müßten schaften zu tun haben, die sich der Unterstützung ein­
wir sogar noch darüber hinausgehen; denn der jetzige flußreicher Regierungskreise erfreuen; und drittens — 
Verkehr selbst in Abständen, wie er vor zwei Jahren dieses Anerkenntnis kann man den Straßenbahn- 
gefordert ist. genügt den gesteigerten Verkehrsbedürf- gesellschaften nicht versagen — haben sie sehr geschickte 
niffen Charlottenburgs in keiner Beziehung. Unterhändler; der Magistrat muß sehr auf dem 
Was den Widerspruch und die Entschädigungs­ Posten sein, um die Interessen der Stadt gegenüber 
ansprüche betrifft, so wollte die Gesellschaft ihre Bereit­ denen der Gesellschaften wirklich zu wahren. Gerade 
willigkeit nur erklären, falls ihr eine Betriebsabgaben, mit Rücksicht auf die Schwierigkeit der Unterhand­
freiheit bis zur Verzinsung mit 4 % eingeräumt wird. lungen mit den Gesellschaften ist es aber doppelt 
Die Tiefbaudeputation hat diesen Vorschlag der Ge­ I  Pflicht der Stadtverordnetenversammlung, die Vor­
sellschaft erfreulicherweise abgelehnt; gleichzeitig aber lage noch einmal sehr genau zu prüfen.
hat sie von der Klage Abstand genoiiünen. Ich hoffe, Ich hoffe, daß wir uns im Ausschuß auch ein­
daß uns die Gründe, aus detun von der beschlossenen mal mit einer Frage beschäftigen, die bereits vor 
Klage abgesehen ist. im Ausschuß mitgeteilt werden. Jahren hier irr der Stadtverordnetenversammlung 
Ich sagte bereits, daß der Magistrat dem Be­ angeregt ist: mit der Frage der Einsetzung einer 
schluß der Tiefbaudeputation in allen Punkten zuge­ Verke'hrsdeputation. Alle Verkehrsfragen unter­
stimmt hat. Es bestanden also, da bisher keine liegen heute der Tiefbaudeputation. Ruit weiß jeder 
Einigung erzielt war, noch immer eine Reihe von von Ihnen, daß unsere Tiefbaudeputation überlastet 
Differenzpunklen, die neue Verhandlungen notwendig ist; ich glaube nicht fehlzugehen, wenn ich sage, daß 
machten. Diese Verhandlungen führt eit nun dazu, kaum eine Deputation so ungeheuer viel zu arbeiten 
daß die Untergrundbahn sich bereit ei klärte, ihre hat wie gerade die Tiefbaudeputation. Da würde 
Abgabe bis 1919 um 4000 M  zu erhöhen, und im es sich schon aus rein praktischen Gründen empfehlen, 
foloedeffeii erkannte die Berlin • Charlottenburger daß wir die Verkehrsangelegenheiten von der Tief­
Straßenbahngesellschast das Recht der Untergrund- baudeputation trennen und eine besondere Verkehrs-
        
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