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Periodical volume 11. Oktober 1905

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1905

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Verhältnis in den anderen Wintermonaten, und nur w ir m it der Platzfrage so engherzig zu rechnen 
in  den Sommermonaten gleicht sich das etwas aus. brauchen, der Platz steht uns zur Verfügung. Im  
Woran das liegt, w ird  man bei näherer Betrachtung übrigen tr if f t  die Platzersparnis durchaus nicht bei 
auch wohl finden. D ie Zunahme der Anschlüsse be­ allen Turbinen zu. Es stehen heute zwei Turbinen 
ruht doch zu einem sehr wesentlichen Teile daraus, in Frage, die Parsons- und die Zöllp-Turbine. D ie 
daß in  den modernen Häusern überall gleich Anlagen erstere nimmt fast genau soviel Raum in Anspruch 
fü r elektrisches Licht geschaffen werden,' daß auch in wie die Dampfmaschine. Was die Betriebssicherheit 
sehr vielen derartigen Wohnungen dann elektrische anbetrifft, so sind doch beim Betrieb m it Turbinen 
Beleuchtung vorgesehen wird, also Anschlüsse fü r so auch bis in  die neueste Zeit hinein soviele Betriebs­
und so viel Lampen. Nun weiß aber Jeder, daß störungen vorgekommen, daß man es nicht gut ver­
diese Lampen regelmäßig nur zum allergeringsten antworten könnte, sich der Gefahr einer Betriebs­
Teile benutzt werden. Deshalb muß gerade in  den unterbrechung. deren Unannehmlichkeit gerade Herr 
Wintermonaten, wo die Beleuchtung eine wesentliche Stadtv. Spiegel vorhin dargelegt hat, auszusetzen. 
Rolle spielt und ein sehr großes Ansteigen des W ir  müssen in  erster Reihe darauf bedacht sein, ein 
Stromverbrauchs überhaupt bedingt, der Unterschied absolut betriebssicheres Werk zu haben.
in der Zunahme des Stromverbrauchs gegenüber der Nun sagt Herr Stadtv. Dr. Spiegel: jetzt 
Zunahme der Anschlüsse bedeutend sein. Meine könnte man den Versuch machen, die neue Maschine 
Herren, das ist aber sehr wesentlich, daß gerade in  wäre eine Reserve. E in  völliger I r r tu m !  W ir
den Zeiten des starken Verbrauchs die Zunahme der haben keine Reserve von 3000 PS, wenn w ir die 
Anschlüsse uns kein B ild  von der Zunahme des Maschine aufgestellt haben, sondern w ir haben viel­
Stromverbrauchs gewährt. Deshalb müßte zur K la r­ leicht dann eine Reserve von 1600 bis 2000 PS. 
stellung der Sachlage uns vor allen Dingen ein Wenn also diese große Maschine versagen würde, 
Aufschluß über die Entwickelung des Werkes in Be­ dann müßte alles andere in  Gang gesetzt werden,
zug auf den Stromverbrauch gegeben werden. und nur j n i t  äußerster Anspannung wäre der zu 
Es wäre mir sehr angenehm, wenn die Auf­
schlüsse, die ich hier vermißt habe, schon heute in liefernde S trom  zu beschaffen.
der Versammlung gegeben werden sollten. Dann Herr Stadtv. D r. Spiegel meint sodann: die 
würde sich ja eine Überweisung an einen Ausschuß Zahl der angeschlossenen Glühlampen gibt keinen 
erübrigen. Wenn das nicht möglich sein sollte, Maßstab fü r die Menge des Stromverbrauchs. Nein, 
müßte ich mir einen Antrag auf Ausschußberatung gewiß nicht; wohl aber fü r die Marimalabgabe! 
vorbehalten. W ir müssen unser Erempel so aufstellen: wenn w ir 
200 000 angeschlossene Glühlampen haben, so ist nach 
Stadtrat D r. Ja ffö : Um m it dem Letzten zu den Erfahrungen, die w ir hier gesammelt haben, ein 
beginnen, w ill ich gleich bemerken, daß ich gegen eine Glcichzeitigkeitsfaktor von etwa 28 %  zu berechnen; 
Ausschußberatung nichts einzuwenden haben würde. d. h. es brennen gleichzeitig an den Tagen der Höchst­
D ie Zeit drängt nicht so, daß w ir nicht noch Zeit belastung 56000 'Lampen bezw. deren Anschlußwert. 
fänden, die ganze sehr wichtige Vorlage in  einem F ü r dieses Quantum angeschlossener Lampen muß
Ausschuß durchzuberaten. Ich würde es sogar für der S trom  geschaffen werden. Daß natürlich nicht
vollständig richtig halten, daß eine Vorlage, die sämtliche Lampen auf einmal brennen werden —  
M itte l im  Betrage von l  700 000 M  erfordert, nicht darunter sind ja auch die Kraftanschlüsse — , daß 
kurzer Hand zur Annahme gelangt, sondern im nicht alles gleichzeitig im  Gange ist, das ist ja klar. 
Ausschuß geprüft wird. I n  diesem Ausschuß werden Wenn das der F a ll wäre, müßten w ir ein Werk 
auch die verschiedenen Fragen, die Herr D r. Spiegel haben, das viermal so groß wäre, wie das jetzige. 
eben angeregt hat, einer genaueren Prüfung unter­ —  Also nur auf dieser Grundlage läßt sich der Be­
zogen werden Trotzdem möchte ich aber nicht unter­ darf des Werkes festsetzen. M an  kann demnach 
lassen, auf seine Einwendungen jetzt schon einiges sagen: soundsoviel Lampen brennen gleichzeitig, die 
zu erwidern. Lampe braucht also Pro Stunde soundsoviel W a tt; 
Was zunächst die Turbinen betrifft, so w ird die folglich müssen w ir in  der Lage sein, soundsoviel 
Frage bei uns seit Jahr und Tag eifrig studiert und K ilow att zu erzeugen, dafür muß die Maschinenkraft 
verfolgt, und nicht bloß von uns, sondern auch von usw. vorhanden sein.
der F irm a Lahmeper, die ja das größte Interesse Herr Stadtv. D r. Spiegel hat noch aus die 
daran hat, das Werk so herzustellen^ daß es mög­ Fundamente hingewiesen. Auch das ist nicht zutreffend, 
lichst gut, sicher und ökonomisch arbeitet. W ir haben was er sagte. Heutzutage beanspruchen die Lieferanten 
uns seit Jahr und Tag m it der Frage beschäftigt und von Turbinen eine Fundamentierung reichlich so 
haben uns Werke angesehen, in denen Turbinen auf­ stark wie bei den Dampfmaschinen. H err Oberinge­
gestellt waren, u. a. hier bei der Allgenieinen Elektri­ nieur Marggrap, der vielleicht selber nachher darüber 
zitätsgesellschaft, bei Siemens-Schuckert, und w ir sind Auskunft geben kann, ist jetzt gerade in  Cöln ge­
nach reiflicher Erwägung aller Vorteile und Nachteile wesen und hat dort die Aufstellung einer Turbine 
im Einverständnis m it Lahmeper zu der Überzeugung ' m it angesehen, bei der Träger von ganz kolossalen 
gekommen, daß es sich nicht empfiehlt, zunächst eine Dimensionen von der Turbinenfabrik beansprucht 
Dampfturbine aufzustellen. D ie Verhältnisse liegen wurden, weil sie sonst fü r glatten Betrieb nicht gut­
fü r die verschiedenen Werke nicht gleich. Wenn ein sagen konnte. Also auch nach der Richtung hin hat 
Werk im In ne rn  der S tad t angelegt ist und m it sich die Sache geändert.
Platzmangel zu kämpfen hat, w ird es wohl besser Nun w ird  den Turbinen weiter nachgerühmt, 
tun, eine Turbine aufzustellen, als zur Aufstellung daß sie leichter zu beaufsichtigen sind. N a *  den 
einer stehenden Dampfmaschine zu schreiten, wie Ermittelungen, die w ir auf dem Werk angestellt 
solche ja auch in  Rücksicht auf Raumersparnis viel­ haben, würde Arbeitskraft nicht gespart werden. 
fach Aufstellung gefunden haben, deren Betrieb aber E in  einziger Aufseher beaufsichtigt heute die 6 D am pf­
ein sehr schwieriger, unangenehmer und unsicherer maschinen, welche im  Gange sind. E r hat natürlich 
ist. Bei uns liegen die Verhältnisse nicht so. daß das nötige Hilfspersonal zur Hand; aber an dem
        
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