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Periodical volume 6. September 1905

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1905

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w aren  bei u n s  sehr teu er  w aren . D a  w a r  eine Ersatz ihrer  aufgebrauchten K ra f t  gebrauchen, können 
praktische B e r l in e r  D a m e ,  F r a u  L in a  M orgenste rn ,  nicht zu viel Fleisch essen. W en n  es also h e iß t:  es 
die n a h m  die S ache  in  die H a n d  und  g ründete  den wird zu viel Fleisch gegessen, d ann  sollen die 
B e r l in e r  H ausf ra u e n v e re in .  D a m a l s  w urde auch A rbeiter  wieder h e ran !  I c h  habe dieser T age  ge­
d arüb er  r ä so n n ie r t  u n d  behauptete d a s  können w ir  lesen: in der S tad tv e ro rd n e ten v e rsam m lu n g  zu
nicht machen. A ber  die G r ü n d u n g  des B e r l in e r  S p a n d a u  hat sich ein Fachkollege von m i r  er­
H a u s f ra u e n v e re in s  bewirkte sofort ein F a l le n  der dreistet, so etwas zu sagen. I c h  weiß nicht, wie der 
K olon ia lw arenpreise!  E s  w ürde wohl g u t  sein, wenn M a n n  heißt;  viel E hre  hat er sich d am it  nicht
m ehrere  S t ä d t e  sag ten:  w ir  wollen die Fleischerei gemacht.
selbst in die H a n d  nehmen. (Heiterkeit.)
Nach allem kann ich mich m i t  dem A ntrage  I c h  möchte energisch V erw ah ru ng  dagegen einlegen, 
K a u fm a n n  und  G en .  durchaus einverstanden erklären, daß  m a n  d as  etwa a ls  Rechtfertigung bei der E r ­
besonders weil  er  sich au f  d a s  zu Erreichende zunächst höhung der Fleischprcise in s  F e ld  führt.
beschränkt, u nd  w enn  der M a g is t r a t  die kleine» A n ­ W a s  die gemischte D e p u ta t io n  an lang t ,  so
regungen, die ihm sonst gegeben sind, fü r  weitere möchte ich recht sehr bitten, d aß  m a n  die S ache  in 
Arbeiten  benutzt, u m  eine V erb ill igung  des Fleisches A ngriff  n im m t. Freilich, fü r  die jetzige N o t  werden 
herbeizuführen, so müssen w ir  d a m i t  wohl zunächst w ir  zu spät kommen; aber es gilt, einen Riegel v o r­
zufrieden sein. zuschieben der Habsucht der A g ra r ie r  fü r  spä te r;  w ir  
(B ra v o ! ) wollen u n s  schützen. E s  ist nicht d a s  erstemal, daß  
das  deutsche Volk ausgenützt w ürde un te r  dem V o r ­
S ta d tv .  D r .  Z e p te r :  M e in e  Herren , es hieße w and :  die na t iona le  A rbe it  soll geschützt werden; und  
wirklich E u len  nach A then tragen, wenn m a n  in es w ird  auch nickt d a s  letztemal sein. W er  soll ge­
dieser S ache  noch lange Reden halten wollte. E s  schützt w erden? Nicht die Arbeit, sondern die A u s ­
ist schon so furchtbar viel über diesen Gegenstand ge­ beutung der na tio na len  Arbeit!  D ie  nationale  
schrieben und  gesprochen worden, daß  m a n  füglich F au lh e i t  soll geschützt werden! Und w ü rd en  die 
wirklich nichts N e u e s  m ehr dazu sagen könnte. Und A usbeu ter  nicht Jtzenplitz und  Lüderitz heißen, so
v or  allen D in gen , darüb er  sind w ir  wohl alle ein ig : würde die na t iona le  Arbeit nicht geschützt werden. 
es nützt nichts, w ir  werden nicht gehört! D a  oben, W ürd en  die A u sb eu te r  Cohn  oder Schulze heißen,
die heimsen d a s  Geld ein und  lachen sich ins  
Fäustchen. W en n  m a n  n u n  noch mit A n trägen  so (Heiterkeit)
leise tr itt ,  wie H e r r  Kollege K a u f m a n n  es tut, ja, d ann  w ürde eS heißen: es ist eine Frechheit, d a s  zu 
dam it  werden w ir  noch viel weniger erreichen. verlangen! A ber w enn die Jtzenplitze und  Lüderitze 
W enn  m a n  zuletzt noch hört,  daß  H e rr  Kollege u nd  andere Lüderjahne d as  verlangen , da  geschieht 
K a u fm a n n  sich sogar de- und wehmütig  —  ich weiß a l les!  D a s  ist eine ungeheure Ungerechtigkeit. 
nicht, wie ich mich ausdrücken soll —  vor den S tu fe n  D e sh a lb  müssen w ir  u n s  dagegen schützen. D e sh a lb  
des T h ro n e s  niederwerfen und  u m  billiges Fleisch haben w ir  d a m a ls  bei der M ilchfrage auch bean tragt ,  
u nd  N a h ru n g s m i t te l  w ehmütig  winseln will, so kann eigene Kuhställe zu errichten, und  ich komme jetzt 
einem n u r  schlimm davor  werden. d a rau f  zurück. W i r  könnten eigene Vieh- und  
(G ro ß e  U nruhe . Glocke des Vorstehers.) Schweinezucht betreiben; besonders auch m it  Hilfe  
der Küchenabfälle können w ir  d as  machen bei der 
V rrs tcherRoscnbcrg  (unterbrechend): H e r r  S ta d tv .  D re i te i lun g  der M üllbeseit igung; da haben w ir  schon 
D r .  Zepler ,  ich m u ß  S i e  wegen dieses Ausdrucks eine Möglichkeit, diese Abfälle zu verwenden. W i r  
zu r  O r d n u n g  rufen. können sehr viel tun  und  den Leuten zeigen, w a s  die 
Glocke geschlagen hat!  Aber m it Leisetreten werden 
S ta d tv .  D r .  Zepter  ( fo rtfah rend):  D a  verliert w ir  nichts erreichen; da  werden w ir  n u r  ausgelacht 
m a n  jede Achtung vor  sich selbst. W enn  die Reichen von denen da oben.
noch reicher werden, d ann  soll m a n  noch de- und  (Heiterkeit.)
wehmütig  u m  G n ad e  betteln? Diesen T o n  können 
w ir  nicht mitsingen; w ir  sprechen anders. S ta d tv .  D r .  N ie l :  M e in e  H erren ,  nach den 
I c h  will mich a u f  einige kurze Bemerkungen witzvollcn A u sfü h ru n g e n  des H e rrn  V o rre d n e rs  bin 
beschränken, zunächst medizinischen, I n h a l t s .  E s  ist ich a l le rd ings  der Überzeugung, daß  es heißt E u le n  
in s  F e ld  geführt worden, daß  die Arzte der M e in u n g  nach A then  tragen , w enn m a n  zu dem A n trage ,  der 
sind, es w ürde im  allgemeinen viel zu  viel Fleisch au f  der T a g e so rd n u n g  steht, noch auch n u r  ein 
gegessen. D a s  ist in  gewissem S i n n e  richtig. Aber einziges W o r t  verliert. I c h  bitte deshalb  n u r ,  diesen 
von  den Reaktionären  wurde d as  ausgenutzt und A n tra g  anzunehm en.
falsch ausgelegt. W er  iß t  denn zu viel Fleisch? W a s  den sogenannten  A m cn d e m e n ts a n t ra g  be­
E tw a  die Arbeiter, die viel a rb e i te n ?_ D ie  nicht! trifft, so möchte auch ich sagen, daß  m a n  dieser 
D ie  Reichen essen zu viel Fleisch, die nicht arbeiten! Sache durchaus sympathisch gegenüberstehen kann. 
B i s  zum  Ekel essen sie zu viel Fleisch! N u r  bedaure ich, d aß  u n s  dieser A n t ra g  nicht f rüher 
(G ro ße  Heiterkeit.) m itge te ilt  w orden  ist; denn  im m e rh in  geht e r  so 
S e h e n  S i e  sie n u r  a n :  schon beim Kaffee essen sie weit, daß  er nicht ohne w eiteres  e iner  gemischten 
Schinken dazu, d an n  ein gutes  Frühstück usw. D e p u ta t io n  überwiesen werden kann, sondern daß  
(E rneu te  Heiterkeit.) w ir  alle erst in  die Lage versetzt werden müssen, u n s  
D a n n  kommen die langen D in e r s  b is  zum Erbrechen, durch p riv a te s  S t u d i u m  d a rüb er  klar zu w erden :  
wie die alten R ö m e r  es schon getan haben, die sich kann m a n  die S ache durchführen, wie soll m a n  sie 
den F in g e r  in den M u n d  steckten, u m  nach dem durchführen? —  und  w enn w ir  u n s  d a rü b e r  klar 
Erbrechen wieder von N euem  an fangen  zu können geworden sind, d a n n  zu einem Entschluß zu kommen, 
(S türmische Heiterkeit.) ob w ir  die S ache einer gemischten D e p u ta t io n  oder 
J a .  da  wird zu viel Fleisch gegessen! Aber die­ b loß einem Ausschuß überweisen sollen. I c h  bedaure, 
jenigen, die arbeiten müssen, die d a s  Fleisch zum weil ich mich vor den E u len  fürchte, nicht weitere
        
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