Path:
Periodical volume 28. Juni 1905

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1905

stimme dem Herrn Kollegen Dr. Zepler auch darin gebnis gekommen, daß das nach Lage der Gesetz­
vollständig bei, daß eine solche Unterstützung nicht als gebung eben nicht möglich ist, und deshalb habe ich 
Unterstützung im gewöhnlichen Sinne aufzufassen ist, mir erlaubt den Hinweis neulich zu machen, daß 
daß sic nicht aus Armenmitteln erfolgen darf. Meine die einzige Möglichkeit derartiger barer Zuwendungen 
Herren, wir geben in unseren Säuglmgsfürsorgestellen an Mittler gegeben sei auf dem Umwege durch einen 
das Surrogat den Bedürftigen umsonst, ohne daß diese zu diesem Zwecke zu gründenden Verein, den man 
Unterstützung als eine Armenunterstützung im gesetz­ nachher in einer Pauschalsumme mit städtischen 
lichen Sinne aufgefaßt werden soll, und ich meine, Mitteln unterstützt. Das ist nach wie vor auch 
diesen Grundsatz muß man auf die Gewährung des nach meiner Ansicht die einzige diskutable Möglich­
ursprünglichen guten Nahrungsmittels gleichfalls an­ keit, den Anträgen des Herrn Stadtv. Dr. Zepler 
wenden. entgegenzukommen.
Wenn wir trotzdem dem Antrag, wie er vorliegt, (Stadtv. Kaufmann: Sehr richtig!)
nicht zustimmen können, so hat die Motivierung dazu 
eigentlich Herr Kollege Dr. Zepler selbst gegeben. Ich meine daher, zur weiteren Vorbereitung 
Der Antrag ist eilig verfaßt ohne das nötige der Ausführungen des Herrn Stadtv. Dr. Zepler — 
statistische Material, ohne Vorschläge zu machen, in in gleichem Sinne hat ja auch Herr Stadtv. 
welcher Weise dieser Dienst an unseren unbemittelten Dr. Spiegel gesprochen —, ist zunächst eine Kom­
Mitbürgern organisiert werden soll. Diese Frage missionsberatung wohl entbehrlich. Darüber sind wir 
muß natürlich in erster Linie erledigt werden, und doch einig, daß wir der einzelnen Mutter von Stadt 
das geht auch nicht in der Form, daß wir einfach wegen kein bares Geld geben können ohne Anne in 
den Amrag Zepler einem Ausschuß überweisen: denn Unterstützung, und daß, wenn es geschehen soll, es 
in diesem Antrag ist schon ein bestimmter Geldbetrag nur geschehen kann auf dem Wege einer Vercins- 
gefordert. Dasteht nicht ohne weiteres. Es würde gründung, die wir unterstützen. Soweit ist die Frage 
vielmehr eines neuen Antrages bedürfen, in dem die meiner Ansicht nach vollständig geklärt. In  der 
Einsetzung eines Ausschusses zur Beratung derartiger Kommission werden wir kaum die Aufgabe auf uns 
Einrichtungen gefordert wird. nehmen können, nun etwa den Verein ins Leben zu 
Meine Herren, jedenfalls sind wir der Meinung, rufen, um derartige Fürsorge zu treffen. Meiner 
daß der Magistrat es sich angelegen sein lassen sollte, Ansicht nach dürfte der dazu geeignete Verein in 
gleichviel ob ein solcher Ausschuß eingesetzt wird erster Linie vielleicht schon in dem Verein gegen 
oder nicht, über die Sache und über die Organi­ Verarmung gegeben sein; denn immerhin muß doch 
sation ernsthaft nachzudenken und uns tunlichst schon in irgend 'einer Weise die Hilfsbedürftigkeit der be­
in den nächstjährigen Etat eine Summe einzusetzen treffenden Personen ermittelt werden. So wie es 
für Unterstützung an unbemittelte Mütter. Herr Stadtv. Dr. Zepler neulich dargestellt hat, daß wir es als eine soziale Pflicht ansehen müßten, den 
Stadtv. Sachs: Ich glaube wohl aussprechen zu Charakter der Wohltätigkeit, also jede Prüfung der 
dürfen, daß die Stadt Charlottenburg an der Spitze Hilfsbedürftigen zu vermeiden, bloß um überhaupt 
derjenigen Städte steht, welche für die soziale Für­ die betreffende Mutter zum Stillen zu veranlassen, 
sorge außerordentlich viel getan haben, und ich glaube, ihr ein Geldäquivalent dafür anzubieten — ja, meine 
es wird in der gesamten Stadtverordnetenversamm­ Herren, auf den Standpunkt wird sich doch wohl 
lung keinen geben, welcher nicht bestrebt bleibt, dieses die Mehrheit dieses Hauses nicht stellen können und 
System aufrechtzuerhalten, das Möglichste zu tun, um wollen.
die sozialen Verhältnisse zu bessern. Nun haben wir Also ich möchte doch meinen, daß zur Überweisung 
erst vor einiger Zeit die Fürsorgestellen für Säug­ an einen Ausschuß augenblicklich die Frage nicht ge­
linge eingerichtet. Ich glaube, daß diese Frage in eignet ist, obgleich ja jederzeit der Magistrat bereit 
innigem Zusammenhange steht mit dem Antrage, gewesen ist. auf diesem Gebiete, deren soziale Be­
welchen Herr Dr. Zepler eingebracht hat; sie ist deutung der Magistrat genau so anerkennt wie Sie, 
wenigstens sehr schwer davon zu trennen. Wir baben mit Ihnen zusammen zu arbeiten.
darin noch gar keine Erfahrungen gesammelt, und Erwidern möchte ich aber doch noch auf ein: 
wir meinen, es müßte auch auf diesem Gebiete ein Ausführung des Herrn Stadtv. Dr. Zepler, die mit 
nicht allzu rasches Tempo angeschlagen werden; sonst ganz besonders aufgefallen ist, indem er nämlich 
kommt man doch immerhin in gewisse Verlegenheiten, ausführte, daß die verschuldete Armut aus Faulheit 
oder es ist dann die Sache nicht in so klarer Weise oder aus übertriebenem Aufwand nur in den soge­
zur Ausführung zu bringen. Ich meine, und meine nannten Mittelständen vorhanden sei, die über ihren 
Freunde sind derselben Meinung, daß wir erst einige Etat lebten, aber um keinen Preis im Arbeiterstaude. 
Zeit diese Fürsorgestellen für Säuglinge arbeiten Meine Herren, das ist doch entschieden nicht richtig, 
lassen und sehen, in welcher Weise sie sich entwickeln. und wenn es richtig wäre, dann wäre es ja auch ein 
Dann können wir diesem Gedanken des Herrn Unrecht, dasjenige, was zum Lebensunterhalt nötig 
Dr. Zepler nähertreten, der ja auch bei uns eine ist — auch das wird allerdings Herr Dr. Zepter 
ganz wohlwollende Aufnahme dann finden wird. bejahen — nur im Wege der Armenunterftützimg 
Für heute möchte ich behaupten, daß der Antrag den Hilfsbedürftigen aus dem Arbeiterstaude zuzu­
etwas zu früh eingebracht ist und daß wir uns des­ wenden. Da das aber nun heute in unserer Gesell­
halb nicht gerade zustimmend dazu verhalten können. schaftsordnung doch einmal so ist, und da wir doch 
die stillende Mutter, selbst wenn sie unverschuldet in 
Bürgermeister Matting: Meine Herren, die Mittellosigkeit geraten ist, nicht anders behandeln 
Frage, ob es möglich und angängig ist, den stillenden können wie jeden andern, der in Not geraten ist und 
bezw. den schwangeren Müttern bare Mittel aus dem wir auch nur im Wege der Armenpflege helfen 
städtischen Fonds zu geben, ohne den Weg der können, so, meine ich, war dieser Hinweis des Herrn 
Armenunterstützung zu beschreiten, hat die gemischte Stadtv. Dr. Zepler — ganz abgesehen davon, daß 
Deputation, die Ihnen neulich Bericht erstattet hat, er objektiv unrichtig ist — auch nicht geeignet, diese 
bereits eingehend erörtert, und sie ist zu dem Er­ seine Ausführungen zu stützen.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.