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Periodical volume 28. Juni 1905

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1905

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Man kommt in einzelnen Straßen überhaupt nicht Einzige, was wir tun können, ist, daß wir fortgesetzt 
mehr vorwärts, weil die Straßen gedrängt voll sind und fortgesetzt in dieselbe Kerbe hauen wie der Herr 
von diesen Wagen. Die elektrische Bahn macht ein Polizeipräsident, der in seinem Schreiben auch wieder 
unerträgliches Geräusch, — gerade die Charlotten­ den Umstand berührt hat, daß wir zu wenig Schutz­
burger und die Berliner. In  anderen Städten ist leute haben!
das nicht der Fall; da fahren die elekrischen Wagen (Sehr richtig!)
ganz still durch die Straßen, ohne daß man sie Hort, Wir müssen dafür Sorge zu tragen suchen, daß die 
während sie bei uns einen Spektakel machen, der Regierung und das Abgeordnetenhaus dem Polizei­
nervenerschütternd ist und viele viel mehr belästigt präsidium die Mittel für diejenigen Schutzleute be­
als der Benzingeruch der Automobile. Kranke, die willigen. die wir hier brauchen. Die Sicherheit in 
in den Krankenhäusern und in den Wohnungen liegen, den Straßen ist ja durch die Rowdies in den Auto­
werden durch den starken Lärm empfindlich berührt mobilen gar nicht so sehr gefährdet wie durch die 
und angegriffen. Auch die Droschke, meine Herren Rowdies. die sonst auf der Straße sind. Alle 
führt viele Mißstände mit sich. So ist der Pferde Augenblicke lesen wir von Überfällen! Die Unsicher­
schmutz, den die Droschken und anderen Fuhrwerke heit auf den Charlottenburger Straßen ist ja all­
auf den Straßen zurücklassen, eine sehr böse Mitgift gemein bekant in Berlin, und zwar liegt das lediglich 
Und das möchte ich bitten, für die Automobile an daran, daß wir zu wenig Schutzleute haben. Nach 
führen zu dürfen, daß sie uns wenigstens den Pferde dem, was wir pro Kopf der Bevölkerung dem Staat 
schmutz auf den Straßen vermindern. Das ist doch zahlen, müßten wir viel mehr Schutzleute haben. 
auch ein V o rte il, den sie haben. Also das wird das Einzige sein. Herr Stadtv. Stein, 
Und, meine Herren, die meisten Unglücksfälle daß wir uns zusammenschließen und sagen: alle die 
werden, glaube ich, nicht durch die Automobile und Mißstände kommen daher, daß wir zu wenig Schutz­
die elektrischen Bahnen, sondern durch die Droschken leute haben, und sie werden erheblich eingeschränkt 
verursacht, wie die Zeitungsberichte dartun; die meisten werden, wenn der Staat uns mehr Schutzleute be­
Menschen, die überfahren werden, werden durch stellt. Ich glaube, daß etwas anderes kaum zu er­
Droschken überfahren, sie kommen dadurch zu schaden reichen sein wird. Den Kurfürstendamm sperren für 
daß die Kutscher nicht ordentlich fahren können. Der den Automobilverkehr, — das geht doch nicht, das 
Herr Referent hat schon angeführt, daß eine Fahr­ ist unmöglich.
schule für Droschkenkutscher errichtet werden sollte (Sehr richtig!)
Also, meine Herren, die Automobile sind nicht die Gegen die Plage des Staubes können wir uns 
einzigen Fahrzeuge, die gefährlich sind; die anderen dadurch helfen, daß wir noch mehr sprengen. Im  
sind es auch. letzten Frühjahr sind mehrere Beschwerden von An­
Trotzdem sollen wir bemüht sein, die Übelstände wohnern des Kurfürstendamms an uns gelangt über 
zu beseitigen. Wir müssen aber dabei zunächst auch die ungeheure Staubentwicklung; sie könnten die 
anerkennen, daß die Automobilindustrie selbst und die Fenster nicht mehr öffnen. Ich bin sofort mit dem 
Besitzer von Automobilen unausgesetzt bemüht sind, Dezernenten in Verbindung getreten, und dieser hat 
die llbelstände zu beseitigen, und zwar auch den llbel- angeordnet, daß drei- oder viermal mehr gesprengt 
stand des Schnellfahrens, der sehr viel geringer ge­ wird als sonst, damit der Kurfürstendamm immer 
worden ist als früher. Es ist auch anzuerkennen, derartig feucht ist, daß der Staub so weit, wie 
daß die Männer, die an der Spitze der Automobil­ möglich, zurückgehalten wird. Mehr können wir, 
kreise stehen, fortgesetzt bemüht sind, die Automobil­ glaube ich, nicht tun. Wir können hoffen, daß die 
fahrer darauf hinzuweisen: fahrt nicht zu rasch, damit Zeit es mit sich bringen wird, daß die heule beklagten 
ihr nicht euch selbst und andere in Gefahr bringt! Mißstände zur Zufriedenheit behoben werden.
Auch die Rechtsprechung, Herr Stadtv. Stein, ist 
darauf bedacht, diejenigen Leute zu fassen, die andere Stadtv. Dr. Borchardt: Meine Herren. Herr 
nur irgendwie schädigen. Noch kürzlich ist ein Reichs Stein sagte, als er die Anfrage an den 
gerichtserkenntnis ergangen, durch welches nicht nur Magistrat richtete, habe er sich ja auch bereits ein 
der Chauffeur bestraft wird, der zu rasch gefahren Bild gemacht, wie etwa eine Besserung der Zustände 
ist, sondern auch der Herr, der hinter ihm gesessen herbeigeführt werden könne, die er gerügt hat. und 
und zugelassen hat, daß der Chauffeur so rasch ge er hat auch einiges hier angedeutet. Ich habe mir 
fahren ist. Das ist ein Urteil, das erst kürzlich er­ nun über diese Sache noch kein ganz klares Bild 
gangen ist. Ich glaube also, meine Herren, die gemacht; ich bin noch nicht irgendwie klar darüber, 
Mißstände, über die wir heute mit Recht klagen, wie die hervorgehobenen Mängel gebessert werden 
werden binnen kurzem von selbst beseitigt werden. können. Der Weg. den Herr Kollege Stein andeutete, 
Weiter aber, Herr Stadtv. Stein, ist zu beachten, chien mir in seiner Konsequenz dahin zu gehen, daß 
daß wir nicht zuständig sind! Wir haben Polizei­ :ür Automobile innerhalb des Stadtgebietes eine Art 
sachen nicht zu regeln. Hier kommt auch nicht unser Schrittfahren vorgeschrieben werden müßte. Das 
Polizeipräsident in Frage, sondern die Behörde, die wäre aber ein Weg, auf dem ich nicht folgen könnte. 
die Polizeiverordnung erläßt, die das Automobilwesen Der Automobilverkehr dient nicht nur dem Sport, 
regelt, ist der Oberpräsident. Die Oberpräsidenten andern dem geschäftlichen Verkehr, und es gibt eine 
aller Provinzen haben Polizeiverordnungen über das ganze Menge von Lagen, in denen Leute, um schnell 
Fahren mit Automobilen erlassen; sie sind aber auch vorwärts zu kommen, um ihre Geschäfte zu erledigen, 
nur Menschen, konnten bei dem Erlaß jener Ver­ ein Automobil benutzen anstatt einer Droschke; ich 
ordnungen auch nicht alles voraussehen, und die stabe sehr viel Klagen darüber gehört, daß noch viel 
Kunst des Automobilfahrens ist ganz neu! Die zu wenig Automobildroschken da find, und daß man 
Herren haben sich redlich den Kopf zerbrochen, wie oft gezwungen ist, eine gewöhnliche Droschke zu 
der Automobilverkehr am besten zu regeln ist, und nehmen — oder die Elektrische, weil eine gewöhnliche 
zweifellos werden die Polizeiverordnungen an der Droschke zu langsam fährt —, lediglich deswegen, 
Hand der Erfahrungen auch noch verbessert werden, weil man Automobildroschken nicht findet. Also eine 
und es wird ein besserer Zustand eintreten. Das V o r s c h r i f t ,  den Verkehr noch besonders zu verlang-
        
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