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Periodical volume 28. Juni 1905

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1905

w ir es nicht einsehen, weshalb hiev noch Gelb bafür diese d ire k t zu den V e rkau fss tä nd en  bezrn. E in ­
ausgegeben werden soll, um Religionsunterricht z» ladestelle der Geschäftswagen geführt werden. E in  
erteilen. Ich  möchte Sie ersuchen, ebenfalls gegen v ie l e in facheres, schnelleres U m la d e v e rfa h re n  
diese Vorlage zu stimmen. als bisher projektiert, würde jedenfalls durch die
angegebene Einrichtung herbeigeführt, die ähnlich auch 
Stadtschulrat D r. Neufert: Meine Herren, es auf dem Görlitzer Bahnhöfe seitens der Postverwaltung 
sind die katholischen Eltern nicht verpflichtet, die in  Ausführung gebracht w ird. D ie Länge unseres 
Kinder nach der katholischen Konfessionsschule zu Markthallengrundstücks von 420 m läßt wohl die
schicken. Der Magistrat steht auf dem Standpunkte, Anlage eines 200 m langen Gleises zu, zwischen der 
daß ein jeder von unseren katholischen Bürgern sein durchzuführenden Krummestraße und der Leibniz- 
Kind nach einer Schule schicken kann, nach welcher straße ausführbar.
er w ill, imb ich bin erstaunt, daß ich gerade auf Der zweite Punkt, auf den ich besonders hin­
dieser Seite der Versammlung eine andere Meinung weisen möchte, wäre die E in r ic h tu n g  e in e r 
finde. Es handelt sich eben gerade um solche Bürger, S te u e r a m ts f i l ia le  auf dem Zentralmarkthallen­
welche nicht wollen, daß ihre Kinder in eine Kon­ grundstück. Es hat sich als sehr zeitraubend und 
fessionsschule gehen. Aber dieselben Bürger haben verlustbringend u. a. in  B erlin  gezeigt, daß die 
doch zumeist ein Interesse daran, daß ihre Kinder den Markthallen zugeführten Waren, u. a. besonders 
Religionsunterricht bekommen, und hätten sie es nicht, leicht verderbliches Öbst und Blumen aus Ita lie n  :c. 
so würden sie doch gezwungen werden, ihre Kinder erst über ein n ich t in  der Markthalle etabliertes 
m it Religionsunterricht zu versorgen; denn der Re­ Steueramt gehen müssen. Namentlich die aus­
ligionsunterricht ist bei uns ein obligatorischer Lchr- wärtigen Lieferanten und Produzenten erleiden viel­
gegenstand, und die Stadlgemeinde ist verpflichtet, fach dadurch Einbußen, daß sich in  B erlin  eine Klicke
für ausreichenden Religionsunterricht zu sorgen. von Händlern gebildet hat, die den Umstand, daß
W ir können gar nicht anders, w ir müssen auch die Früchte und Blumen ec. durch das Umständliche 
fü r katholischen Religionsunterricht sorgen, und w ir dieses Versteuerungsweges an Aussehen verlieren, 
wollen es auch den katholischen M itbürgern so bequem benutzen, um auf die Preise zu drücken, indem sie 
wie möglich machen. D a nun die genügende Zahl bei den Auktionen durch schlaue Manipulationen 
von Kindern vorhanden ist. wollen w ir in allen andere M itb ieter fernhalten, um die Waren zu 
Stadtteilen in einigen nicht konfessionellen Schulen Schundpreisen an sich zu bringen. Durch Einrichtung 
katholischen Religionsunterricht erteilen lasse». einer Steueramtsfiliale in  unserer Markthalle würden 
qu. Waren dem Verderben viel weniger ausgesetzt 
(D ie  Beratung w ird geschlossen. Die Ver­ sein, die Lieferanten vor Übervorteilung bewahrt 
sammlung beschließt nach dem Antrage des Magistrats, und veranlaßt werden, ih r Absatzgebiet in  unsere 
wie fo lg t: M a rk th a l le  zu ve rlegen . Welch eine Fülle von 
Die Etatsnummer Ord. I I I  —  1— 3 b f iir  Vorteilen erwüchse dieser hieraus der Berliner gegen­
1905 „Katholischer Religionsunterricht an den über durch die Zufuhr besserer, frischerer Waren fü r 
Gemeinde- und Hilfsschulen" ist um 645 J t unser auch kaufkräftigeres Publikum !
aus dem Dispositionsfonds zu verstärken.) D rittens möchte es sich empfehlen, n ich t auf 
eine über das M aß des Nötigen hinausgehende 
Vorsteher Rosenberg: Punkt 10 der Tagesordnung: A n le g u n g  von Detailbeständen Bedacht zu nehmen. 
D ie  Berliner Markthallenverwaltung hat große E n t­
Vorlage betr. Einsetzung einer Markthallen­ täuschungen erlebt: die Detailmarkthallenstände sind 
baudeputation. —  Drucksache 243. zum T e il oft nur zur Hälfte besetzt, einige Detail- 
markthallen sind wegen zu geringer Benutzung ge­
Stabtu. Braune: Meine Herren, vor E in tr itt in  schlossen, eine Markthalle ist speziell fü r den Blumen­
die Ferien, währenddem die laufenden Projekte durch handel eingerichtet. Unsere Ladengeschäfte liefern im 
den Magistrat weiter bearbeitet werden, glaube ich es Durchschnitt mindestens ebenso gute, oft bessere Waren 
m ir nicht versagen zu dürfen, auf 4 wesentliche zu ebenso billigen Preisen als die Markthallengeschäfte, 
Punkte zur Markthalienbaufrage bei dieser Gelegen­ Das Publikum w ird auch nirgends im  großen ganzen 
heit hinzuweisen, die, wenn sie jetzt nicht zum Aus­ so rücksichtslos behandelt wie in den Markthallen. 
druck gelangen, evtl. später berücksichtigt werden Es bekommt in  den Ladengeschäften, wenn es einmal 
müßten und dadurch teicht eine Verteuerung und ungeeignete Waren erhält, diese gern umgetauscht, 
Verzögerung des qu. Baues herbeigeführt werden während den Hausfrauen in  den Markthallen selbst 
könnte, dem ich vorbeugen möchte angesichts der bei berechtigten Beanstandungen Szenen bereitet 
dringenden Notwendigkeit der schleunigsten Fertig­ werden, die meistens sehr peinlich fü r dieselben sind.
stellung des Baues der Zentralmarkthalle. Leider Viertens möchte ich darauf hinweisen, daß der 
ging m ir erst heute das M ate ria l hierfür zu. Es T e il des Markthallengrundstückes, welcher vorläufig 
fehlte die Zeit zu einer Vorbesprechung m it meinen nicht bebaut wird, fü r Spielplätze eingerichtet werden 
Fraktionskollegen, weshalb ich diese M itteilungen fü r möchte. Meine Herren, am Sonntag ist auf Westend 
mich persönlich mache. ein schön verlaufenes Spielfest abgehalten worden, 
Der erste Punkt wäre der, daß zur Ersparung das jedenfalls bei den Teilnehmern, besonders 
der sehr hohen Kosten, die u. a. der Berliner Zentral­ auch bei den Vertretern der Behörden den 
markthallenverwaltung durch den kostspieligen Fahr­ Wunsch angeregt hat, daß die fü r unsere Jugend so 
stuhlbetrieb erwachsen^ und zur Vermeidung des Um­ wichtigen Turnspiele, m it denen so vorzügliche Erfolge 
ladens in Karren, die beladenen Eisenbahnwagen erzielt sind, weiter gefördert zu werden verdienen. 
vom Hauptgeleise durch eine 80pferdige elektrische A u f dem Markthallenplatz spielen zur Zeit 12 städ­
Lokomotive über ein ca. 200 m langes Rampen- tische Schulen, Vereine der Technischen Hochschule usw. 
gefälle von 1 :4 0  auf die Straßenhöhe der M arkt­ und ist es dringend nötig, da w ir in der ganzen 
halle herabgeführt und dann mittelst einer Schiebe­ Umgebung keinen entsprechenden Platz haben, daß 
bühne und Weiche auf Strahlengeleise geleitet, über dieser Platz, natürlich soweit er nicht zur Bebauung
        
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