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Periodical volume 21. Juni 1905

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1905

vertreten ja ein ganz bestimmtes Ressort und be vorlegt: wo wäre ich heute, wenn Herr Marcus nicht 
stimmte Beschäftigung: Herr Stadtrat Schmitt ist wäre? — dann würde er wahrscheinlich unterlassen, 
ein hervorragender Pädagoge und hat also Gelegen­ zu sagen, er lege Wert darauf, nicht als mein Ver­
heit, in pädagogischen Fragen im Magistrat sein wandter bezeichnet zu werden. Ich stehe, Gott sei 
Urteil abzugeben, Herr Dr. Waldschmidt vertritt Dank, so viel in der Öffentlichkeit, Herr Rechtsan­
den hygienischen Teil der Ausgäbet der Berwaltung, walt Buka, daß, wenn ich auch nicht über jene 
und Herr Stadtrat M o ll ist ein Mann, der dein forensische Beredsamkeit verfüge, deren Sie sich erst 
Herrn Kämmerer mit seinem vorzüglichen Rat und neulich in dem Prozeß des Kollegen Fink in so 
seinen Erfahrungen in Finanzsachen ganz außer­ überaus glücklicher Weise bedient haben, — so stehe 
ordentlich hilfreich zur Seite steht. Wen von diesen ich vor einem Manne, wie Sie es sind. noch alle 
Herren sollen w ir denn entfernen, um gerade Herrn Tage meinen M ann!
Buka hineinzunehmen, weil er es so wünscht? (Bravo! bei den Liberalen.)
Brauchen w ir denn noch einen Juristen im M agi­
strat? Abgesehen von Exzellenz Jebens —  hat denn Stadtv. Buka: Meine Heren, ich höre eben, Herr 
der Magistrat nicht selber ein halbes Dutzend Marcus hat erklärt, ich hätte noch vor 6 Jahren, 
Juristen? Wozu braucht man daher noch Herrn als ich hätte Stadtrat werden können, es abgelehnt, 
Buka? Weshalb sollen w ir ihn hineinwählen? Sie und zwar hätte ich ihm gegenüber das damit be­
sehen, es waren also rein sachliche Gründe, die mich gründet, daß ich aus Geschäftsrücksichten nicht Stadt 
veranlaßt haben, mich gegen seine Aufstellung aus­ rat werden wollte.
zusprechen. (Lebhafte Zurufe: Umgekehrt! —  Stadtv. Baake: 
Wenn nun Herr Buka für richtig hält, m ir Nur, wenn Sie Ih r  Geschäft fördern könnten, würden 
u. a. sogar altmodischen Haß und gar Rachsucht Sie Stadtrat werden!)
gegen ihn vorzuwerfen, so wird wohl jeder der — Daß ich nur Stadtrat würde, wenn ich mein 
Herren Kollegen, die meinen Charakter kennen, — Geschäft fördern könnte. Meine Herren, ich erkläre 
ich stehe ja Gott sei Dank auch in andern öffent­ das für eine aus den Fingern gesogene Unwahrheit. 
lichen Kreisen — darüber ein Urteil fällen können, Ich werde auch dafür Herrn Marcus Zeugen an­
ob er so etwas von m ir annehmen kann. führen, und hier stelle ich fest, daß er wissentlich die 
Meine Herren, bezüglich dessen, was Herr Buka Unwahrheit gesagt hat, und daß er ein Verleumder ist. 
für gut befunden h a t,' dem Herrn Vorst.-Stellv. (Glocke des Vorstehers.)
Kaufmann hier in einer geradezu ungualifizierbaren 
Weise aus Schicksalsschlägen vor 30 Jahren vorzu­ Vorsteher Rosenberg: Ich muß Sie, Herr Stadtv. 
werfen, könnte ich gar leicht viele Gegenmeldungen Buka, wegen dieses letzten Ausdrucks zur Ordnung 
Ihnen bringen; aber natürlicherweise unterlasse ich rufen.
so etwas.
Indessen doch eins w ill ich hiergegen hinzufügen, Stadtv. Buka (zur Geschäftsordnung): Meine 
und das muß ich allerdings ausdrücklich betonen. Herren, der § 187 des Strafgesetzbuches bezeichnet 
Bor ungefähr 6 Jahren, als w ir noch nicht den Beleidigungen, die wider besseres Wissen vorgebracht 
Gebrauch hatten, Herren, die nicht aus der Stadt­ sind. als verleumderische Beleidigungen, und derjenige,
verordnetenversammlung hervorgehen, zu Stadträten der sie vorgebracht h a t , --------
zu wählen, waren w ir in Verlegenheit, wen wir (Glocke des Vorstehers.)
wählen sollten. Ströhler sagte: „Buka, wollen Sie 
es nicht werden?" Buka kam zu m ir und sagte: Vorsteher Noseilberg (unterbrechend): Herr Stadtv. 
„S o ll ich das Amt als Stadtrat annehmen? Ich Buka, ich sehe nicht ein, weshalb Sie das vorbringen.
brauche nicht zu sagen, daß für mich das einzige 
Interesse ist, daß ich dadurch auch mein Geschäft Stadtv. Buka (fortfahrend): Ich habe im technisch­
fördere.' Darauf habe ich ihm gesagt: „Wenn das juristischen Sinne diesen Ausdruck gebraucht und
Deine Absicht ist, dann tust Du gescheiter, bleibe weiß nicht, weshalb der O rdnungsru f--------
Stadtverordneter; denn dann hast Du Gelegenheit, (Glocke des Vorstehers.)
Dein Licht leuchten zu lassen, und ziehst die Auf­
merksamkeit auf Dich; wenn Du aber in den M agi­ Vorsteher Roscubcrg (unterbrechend): Ich halte 
strat gehst, so ist D ir  diese Möglichkeit natürlich ge­ den Ordnungsruf aufrecht.
nommen." Das wollte ich doch gegenüber den M it ­ Jetzt hat das Wort Herr Stadtv. Dr. Spiegel.
teilungen, die Herr Buka vorhin gemacht hat, nicht 
unerwähnt lassen. Darauf hat er natürlich gesagt: Stadtv. D r . Spiegel: Meine Herren, ich habe 
„Ja, ivenn Du das meinst, dann werbe ich natürlich m ir gestaltet, vorhin eine Verhandlung mit Herrn 
unterlassen, in den Magistrat zu gehen." Buka vorzutragen
Aus allen diesen Gründen also war”  ich voll­ (lebhafte Rufe: Buka geht wieder hinaus!) 
ständig dagegen, daß ein Mann wie Buka, der in und diesem Herrn, der eben „der Aussprache lvieder 
den letzten anderthalb Jahren kaum das geringste entweicht, seine damalige Äußerung vorzuhalten. 
Interesse hier dokumentiert hat, und bei dem ich Meine Herren, ich habe nie einen Zweifel darüber 
absolut nicht einsehe, welche Stellung er im M agi­ gehabt, daß der betreffende Herr in dem Augenblick, 
strat ausfüllen kann. und bei dessen Wahl ich nicht ivo ihm die Äußerung unangenehm werden könnte, 
erkennen kann, welchen Mann er aus dem Magistrat sie ableugnen würde. Diesen Eindruck hatte ich aus 
ersetzen kann. zum Stadtrat gewählt wird. Meine seinem Verhalten bei den Verhandlungen schon, und 
Herren, das läßt sich sehr wohl erklären. deshalb haben meine Mitdelegierten und ich Wert 
Ich übrigen hat Herr Kollege Buka aberjt. a. darauf gelegt, noch an demselben Abend diese un- 
auch noch gesagt, er habe Wert darauf gelegt, von qualifizierbare Äußerung schriftlich festzulegen und 
m ir nicht als mein Verwandter bezeichnet zu werden. und dieses quasi Protokoll auch den Delegierten der 
Meine Herren, darauf w ill ich nur erwidern: wenn Fraktion Alt-Chartottenburg zuzustellen, sodaß 
er das seiner Frau mitteilt und sich' selber die Frage damals, als die Äußerungen noch in aller Gedächtnis
        
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