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Periodical volume 21. Juni 1905

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1905

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Borsteher Rosenbcrg (unterbrechend): Herr ©fabln, und häßlichen Worten tun, und wie kommt er über­
©ufa, Sie haben den V o rw urf der Ehrabschneiderei haupt zu diesem Ton! Ich  weise das m it vollster E n t­
offenbar gegen einen Stadtverordnelen erhöhen. schiedenheit zurück. Ich  beanspruche, mindestens ein 
(Stadtv. ©Ufa: Das wissen S ie  ja noch nicht! ebensolcher Ehrenmann zu sein wie der Herr Kollege 
—  Andauernde große Unruhe. —  Zurufe: Gegen wen Buka. M it  Recht ist ihm —  es ist ja  schmerzlich, 
denn?! —  Stadtv. M arcus: Sonst gehts uns ja daß es geschehen mußte —  von dieser ihm lieb ge­
hier nichts an!) wesenen Stelle aus zweimal in  seiner ganz kurzen 
Ich  muß S ie deswegen zur Ordnung rufen. Rede ein Ordnungsruf zu teil geworden.
Steine Herren, worum handelt es sich denn 
Stadtv. Buka (fortfahrend).- Den Ordnungsruf eigentlich? Ich  muß kurz auch auf diese persönliche 
muß ich entgegennehmen. Wie ich über derartige Seile eingehen. Der Kollege Buka behauptet, daß 
Sachen denke, werde ich später noch zu äußern Ge­ hinter verschlossenen Türen Ehrabschneiderei getrieben 
legenheit haben. worden wäre. Wenn der Herr Kollege Buka gewollt 
(S ladtv. M arcus: Sehr gleichgiltig!) hätte, daß die Sache in irgend einer Weise klar­
Ich bitte Sie, meine Herren, indem ich bloß noch gestellt wird, dann hätte er erstens längst Zeit und 
bemerke, daß Herr S ladtv. Marcus noch genügend Gelegenheit dazu gehabt, und zweitens hätte er 
Veranlassung haben wird, sich öffentlich zu äußern, wenigstens---------
(Stadtv. M arcus: Sehr angenehm!) (Stadtv. Buka: Verleumdung! —  Große Unruhe 
und daher gut tun wird, jetzt zu schweigen, —  ich und lebhafte Zurufe. Glocke des Vorstehers.)
bitte Sie dringend, meine Herren, taffen S ie  sich 
durch Repräsentationspflichten, die ja die beiden Vorsteher Rosenbcrg (unterbrechend): Herr Stadtv. 
Herren Bürgermeister natürlich in Anspruch nehmen, Buka, das Wort „Verleumdung" war eine gröbliche 
die aber fü r die Stadtverordnetenversammlung selber Beleidigung. Ich  rufe Sie zur Ordnung.
bei derartig wichtigen Sachen keine Rolle spielen, (Stadtv. B u fa : Is t m ir ganz gleich! —  Bewegung.
nicht hindern, die Sitzung fortzusetzen. Ich  bin Rufe: Unerhört!)
überzeugt, daß alle Ehrenmänner im Saale m ir Herr Stadtv. Buka, ich muß Sie daraus auf­
nachfühlen werden. merksam mache», daß. wenn Sie fortfahren, sich in 
(Andauernde große Unruhe. Glocke des Vorstehers.) diesem Tone zu bewegen, ich nicht mehr in  der Lage 
bin, die Ordnung in diesem Saale aufrecht zu er­
Vorsteher Rosenbcrg: Herr Stadtv. Buka. ich halten.
muß Sie wegen des letzten Ausdrucks ebenfalls zur (B ravo!)
Ordnung rufen. Der Ausdruck ist stark beleidigend. 
(Stadtv. Buka: Ich bitte zur Geschäftsordnung ums Stadtv. Holz (fortfahrend): Meine Herren,
W ort!) nachdem von dieser maßgebenven Stelle aus diese 
Das W ort Hat jetzt der Stadtv. D r. Zepler: persönliche Beleidigung gesühnt worden ist, möchte 
ich mich weiter zur Geschäftsordnung dahin äußern, 
Stadtv. I ) r .  Zepter: Meine Herren, ich muß mich daß mein Kollege D r. Frentzcl m it Recht darauf 
ebenfalls dagegen wenden, daß w ir aus Courtoisie hingewiesen hat, daß schließlich auch eine Pflicht der 
gegend irgend jemand unsere Pflichten vernachlässigen. Courtoisie uns zwingt, dem Antrage auf Vertagung 
Wenn w ir auf dem Festmahl durchaus vertreten sein stattzugeben. Hier sind w ir alle solidarisch, wenn 
müssen, so genügt es. wenn einer der Herren V o r­ unsere maßgebenden Vertreter des Magistrats und 
steher bei der Repräsentation zugegen ist. Ebenfalls der Stadtverordnetenversammlung an einer wichtigen 
ivird es genügen, wenn der Herr Oberbürgermeister Versammlung teilnehmen wollen, die gewissermaßen 
zugegen ist, der sich ja auch durch ein anderes M it ­ ethisch wirkend auch fü r unsere Kommune werden und 
glied des Magistrats hier vertreten lassen kann. jedenfalls fü r uns nicht gleichgültig sein kann. S ie 
Unsere Gäste, die Engländer, sind bekanntlich prak­ wissen, weshalb die Herren Engländer herüberge­
tische Leute. Sie haben sich schon über verschiedene kommen sind; es ist durchaus zweckmäßig und wün­
unserer Einrichtungen, wie ich aus den Zeitungen schenswert, wenn w ir m it diesen Herren in Verbindung 
ersehen habe, lobend geäußert: sie würden aber noch treten und durch Austausch der Meinungen unsere 
viel mehr loben, wenn sie hören würden, daß w ir Kommune fördern. Abgesehen von der Courtoisie, 
unsere Pflichten nicht vernachlässigt haben über einer die w ir hier üben sollen, müssen daher, glaube ich, 
Courtoisie. Vielleicht schon aus diesem Grunde ge­ auch die praktischen Erfahrungen, die unsere Ver­
bietet unsere Pflicht in erster Reihe, hier auszuhalten. treter dort sammeln können, uns dieselbe Verpflichtung 
Die Engländer würden jedenfalls nicht so handeln, auferlegen, dem geäußerten Wunsche auf Vertagung 
ivie es hier gewünscht worden ist. zu entlprechen. Und wenn hier gesagt worden ist: 
w ir haben eine große Tagesordnung zu erledigen, 
Stadtv Holz: Meine Herren, ich habe soeben w ir können auch ohne die Herren, die nach unserer 
von dem Stadtv. Buka. der die Ehre gehabt hat, ein Auffassung maßgebend sein sollen, verhandeln — , so 
Jahr oder noch länger Stadtv.-Vorstcher-Stellvertreter sage ich: das ist'nicht möglich; wenn der Herr Ober­
zu sein, zum ersten M a l und m it einem Tonfall, bürgermeister und die beiden Stadtverordnetenvorsteher 
der m ir auch ganz neu ist, gehört, daß Lachen ein erklären, sie halten es fü r wünschenswert, an der Be­
unparlamentarisches Verhalten sein soll. Herr Ko l­ ratung dieser wichtigen Gegenstände der Tagesordnung 
lege Buka hat sich dann in einer Weise in  die A u f­ teilzunehmen, so müssen w ir wiederum die Pflichten 
regung hineingeredet, daß ich m ir nicht erst das der Courtoisie verletzen, wenn w ir diesem Ersuchen 
Stenogramm vorzunehmen brauche, um ohne weiteres nicht Folge leisten wollten.
den Schluß zu ziehen: es ist ganz gut, daß er nicht Ich  bitte S ie alle, meine Herren, ohne jede 
mehr dort oben sitzt. Wie kann ein M ann. der so weitere Diskussion dem Antrage stattzugeben.
lange in  einer verantwortlichen Stellung gewesen ist, 
m it dunklen Gerüchten herumwerfen ohne Angabe Stadtv. ©lifo • Meine Herren, ich konstatiere 
von Tatsache», wie kann er das in solche» scharfen zunächst, daß ich vorhin zur Ordnung gerufen worden
        
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