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Periodical volume 18. Januar 1905

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1905

klagen: dann  verkünden w ir  der Regierung den S t r e i t ,  A n tw ort  n u r  einigermaßen. V orläufig  a lle rd ings  ist 
u nd  es ergeht eine Entscheidung darüber. N u n  hat die F ra g e  insofern nicht aktuell, a ls  kein F a l l  bekannt 
H e r r  D r .  C rüger  schon gejagt: w ir  bekommen im m er ist, in  dem sich jemand über die Schuldepu ta tion  zu 
n u r  eine Entscheidung, bei der im  T e n o r  nichts a u s ­ beschweren V eranlassung  hatte. E s  ist aber nicht 
drücklich drin steht, sondern n u r  in  den Entscheidungs­ ausgeschlossen, daß solche F ä l le  vorkommen und  u n s  
gründen. Ich  möchte demgegenüber d a rau f  hinweisen: beschäftigen werden, und wir werden dann  wünschen, 
bei den Entscheidungen des O berverwaltungsgerichtes daß der M ag is tra t  unseren S tand pu nk t  teilt.
arbeiten  jetzt gerade die J u r i s te n  der R eg ierung  nicht 
m i t  dem Tenor,  sondern m it  den Entscheidungs­ S tad tv .  B uka :  M eine  Herren, ich habe auch für 
g ründen. E ine  direkte Entscheidung des O b erve r­ meine Person, für die ich zunächst n u r  sprechen kann. 
waltungsgerichtes kann ja in  dieser F r a g e  gar  nicht bedauert, daß der M agis tra t  sich wahrscheinlich doch 
kommen, weil der Rechtsweg ausgeschlossen ist; in schweren Herzens hat entschließen m üssen, der 
den Entscheidungsgründen kommt aber manchmal Kgl. Regierung gegenüber auf  diesem Gebiete die 
e tw as  darüber  vor, und  so spielt die Entscheidung Waffen zu strecken. I n  V erbindung mit der V or  
vom 9. J a n u a r  löOO eine große Rolle, in welcher läge, die u n s  nachher beschäftigen wird, sehe ich in 
in  den Entscheidungsgründen nebenher das  Aufsichts­ diesem Vorgehen des H errn  M inis ters  d a s  Bestreben, 
recht der R egierung  zugesprochen ist über „die S chu l­ u ns ,  wie zunächst die städtische Selbstverwaltung  a u s ­
gebäude nebst Z ubehör" .  W enn  w ir  eine solche E n t ­ geschaltet ist au f  dem Gebiete des innern  S c h u l ­
scheidung bekommen, bei der in  den G rü n d e n  so wesens. nunm ehr  auch auszuschalten auf dem Gebiete 
etw as steht, dann  ist unsere S t e l lu n g  der Regierung des äußern  Schulwesens, wo w ir  zweifellos bisher a s  
gegenüber ungleich besser. Schuldeputa tion  und a ls  Verw altungsbehörde souve­
Ich  schließe damit,  daß  ich unsere volle Überein­ rän  gewesen sind.
stimm ung m it  dem Beschlusse des M a g is tra ts  a u s ­ I c h  stehe für  meine P erson  auch nicht auf dem 
spreche, zugleich aber die B i t te  an  den M a g is tra t  S tand pu nk t ,  den der H err  Oberbürgermeister ent­
richte, doch neben diesem aller Wahrscheinlichkeit nach wickelt hat, und  ln dessen Konsequenz ja  allerdings 
durchaus vergeblichen Widerspruch die positive D urch­ der M agis tra t  zu der S te l lun g  kommen mußte, die 
führung  unserer Rechtsanschauungen insoweit im er einnimm t, daß die Schulen, soweit es sich um  
Auge zu behalten, a ls  wir, wenn irgend möglich, die Zwecke handelt außerhalb  der Schulzwecke, unterstellt 
Sache irgendwie einmal zu r  gerichtlichen Entscheidung, sind der Schulaufsichtsbehörde. W ir  sind Eigen tüm erin  
sei es im  Zivilprozeß, sei es im Verw altungsw ege, der sämtlichen Schulgebäude u nd  aller ihrer 
bringen wollen. P er t inen l ien  und  haben n u r  die Schulen  der 
(B ravo!) Kgl. Regierung hergegeben zur  E rfü l lun g  der S c h u l­
zwecke, aber nicht über diese h in au s .  W ir  können 
S tad tv .  D r .  Borchardt: M eine  Herren, ich habe also, soweit die Schulzwecke erfüllt sind, und  soweit 
am  Schluffe der B eg ründung  meiner A nfrage dem den Zwecken nicht etwa durch die von u n s  geplante 
Wunsch Ausdruck gegeben, daß der M agis tra t  eine V erwendung entgegengearbeitet wird, auch frei über 
einigermaßen u n s  befriedigende A n tw ort  erteilen wöge, die Schulen  verfügen. A llerd ings  geschieht die V er­
und  ich kann n u n  hinzufügen, daß  die A ntw ort  uns  fügung nicht von u n s  in unserer Eigenschaft a ls  
e in igerm aßen  befriedigt, Schulbehörde, d. h. sie sollte nicht geschehen von der 
(Heiterkeit) Schuldepu ta tion , sondern sie sollte nach meiner A u f ­
nämlich insofern, a ls  der M ag is tra t  ja nun  einen fassung, dam it  auch bei dem H errn  M inister kein 
Beschluß gefaßt hat, in dem er klar und  deutlich I r r t u m  entstehen kann, erfolgen durch den M agis tra t .  
zum Ausdruck gebracht hat, daß  die V erfügung , um M eine  H erren, wenn m a n  sich auf diesen S tand pu nk t  
die es sich handelt, der rechtlichen G ru nd la ge  entbehrt, stellt, dann  hat eben die Schulbehörde nicht das  
und  daß der M agis tra t  nach wie vor  in Anspruch Recht, sich in die von u n s  geplante Verwendung 
n im m t, selbst über die V erwendung der Schu lränm e hineinzumischen; sie kann u n s  auch durch irgend 
zu entscheiden. Aber ganz befriedigt sind w ir  von eine ministerielle A nord nu ng ,  welche Rechtsmitteln 
der A n tw ort  insofern nicht, a ls  in  dem Beschluß des nicht unterliegt, nicht einfach ausschalten.
M ag is tra ts  festgelegt ist, daß es bei dem bisherigen J  Dieser S tand pu nk t  wird  —  und deswegen 
Zustand sein Bewenden haben solle, wonach die Schul- möchte ich beinahe sagen: der M ag is tra t  hat eigentlich 
deputalion bei Gesuchen um  Überlassung der Schul- zu früh  seine E rw ägungen  abgeschlossen —  von ver­
rä u m e  entscheiden solle, und  daß  der Kreisschul- schiedenen nam haften  V erw altungsjuris ten  geltend 
inspektor ja  bei der B era tung  der Schuldeputation  gemacht. E s  wird  gesagt, es sei hier zu unterscheiden 
die Gelegenheit hat, sich zu äußern  nach dem Wunsche zwischen dem Schulvermögen und  dem K o m m u n a l­
des H errn  Regierungspräsidenten. vermögen; die Schule bliebe im K om m unalverm ögen  
Vollständig befriedigt sind wir deshalb davon der S t a d t ,  soweit es sich nicht um  Schulzwecke 
nicht, weil w ir  der M einu ng  sind, daß gegenüber handelt. Diesen S tandpunk t  hat der M ag is tra t  zu­
einer etwaigen Entscheidung der Schuldeputa tion  den nächst aufgegeben. Aber cs ist ja im m erhin  möglich, 
betreffenden B ü rg e rn  oder Vereinen, die sich an  die daß er in Verfolg dieser, juristischen E rör terungen  
Schuldeputa tion  um  die Überlastung von Schul-  noch zu einer anderen Überzeugung kommt. I c h  
räum en  gewandt haben, ein Beschwerderecht weiterhin möchte n u r  noch hinzufügen: D t r  H err  O berbürger­
zusteht, an  den M agis tra t  und  die S tad tvero rdne ten ­ meister hat gesagt, es bleibe ja eigentlich olles beim 
versammlung, weil w ir  der M einu ng  sind, daß in  Alten dadurch, daß der H err  M inister seinen A r ­
letzter In s ta n z ,  wenn ein S t r e i t  sich ergibt, wenn spruch auf  vorgängige G enehmigung au f  die S chu l­
jem and zur Beschwerde G ru n d  zu haben glaubt, deputation übertragen hat.
nicht die Schuldeputa tion  zu verfügen hat, sondern (Oberbürgermeister S c h u s t e h r u s :  Tatsächlich!)
der M agis tra t  und  die S tad tverordne ten , die G e­ J a .  meine Herren, nach meiner Auffassung 
meindebehörden. Dieser P u n k t  kommt in dem bleibt nicht alles beim Alten. D e r  H err  M inister 
Beschlusse des M a g is tra ts  unseres Erachtens nicht hat die kleine Einschränkung hinzugefügt, er überträg t 
voll zur  Geltung, und deswegen befriedigt u n s  diese das von ihm in Anspruch genommene Recht der
        
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