Path:
Periodical volume 7. Juni 1905

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1905

226
Die Vorschläge des Wahlausschusses zu Punkt 20 spiel zur Nacheiferung seinen jüngeren M it ­
bis 23 der Tagesordnung liegen nebst den Akten aus bürgern vor Augen geführt würde?
und gelten als genehmigt, wenn bis zum Schluß der ' ' • Dr. Rose
öffentlichen Sitzung Widerspruch nicht erhoben ist. und noch vier Unterschriften. —  Ich erlaube mir die 
I n  der Verwaltungsstreitsache des Kaufmanns Anfrage an den Magistrat, ob er diese Anfrage viel­
Krotoschiner wider die Stadvcrordnetenvcrsammlung leicht gleich zu beantworten gedenkt.
hat der Herr Prozeßverlreter der Versammlung m ir 
mitgeteilt, daß das Oberverwaltungsgericht die Wahl Oberbürgermeister Schustehrus: Diese Anregung 
des'Stadtv. Fink für ungültig erklärt hat. Das Er- ist dem Magistrat durchaus sympathisch. Der M a­
kenntnis liegt noch nicht vor. Sobald ich es habe, gistrat ist derselben Ansicht gewesen, der hier Aus­
werde ich es der Versammlung zugänglich machen. druck gegeben ist und hat bereits beschlossen, eine der 
Eingegangen ist folgender Antrag: neueren Straßen, die angelegt werden, Philippistraße 
Die Unterzeichneten stellen den Antrag, zu nennen.
den § 8 der Geschäftsordnung dahin abzuändern, (Bravo!)
daß der Beginn der Stadlverordnetenverhand- Es ist anzunehmen, daß seitens der Polizeibehörde 
lungen statt um 5 Uhr erst um 6 Uhr statt­ ein Widerspruch dagegen nicht erfolgen wird, so« 
zufinden hat. daß dem Wunsche der Herren Petenten Rechnung 
C h a rlo tte n b u rg , den 5. Jun i 1905. getragen werden wird.
Marcus, Hubatsch, Hirsch, Pasche. Kaufmann.
Rackwitz. Vorsteher Rosenberg: Dam it ist wohl die An­
frage erledigt, Herr Kollege Rose?
Der Antrag wird auf die Tagesordnung der 
nächsten Sitzung gebracht werden. Stadtv. D r. Rose: Ich möchte nur noch darauf 
Dann ist eine Anfrage eingegangen: aufmerksam machen, daß es zwei Philippi gab, 
Beabsichtigt der Magistrat, der Stadtver­ Eunoin und Amandus Philippi. und daß es daher 
ordnetenversammlung demnächst eine Vorlage klarer wäre, wenn man der Straße den Namen 
behufs Errichtung eines städtischen Wohnungs­ Amandus-Philippi-Straße gäbe, ebenso wie ja auch 
amtes zu machen? in Wilmersdorf viele Straßen, anderwärts z. B. 
C h a rlo tte n b u rg , den 7. Jun i 1905. das Friedrich-Karl-Ufer und hier in Charlottenburg 
Holz, Marcus der Friedrich-Carl-Platz zwei Namen tragen.
und eine größere Anzahl von Unterschriften. —  Ich 
erlaube m ir die Anfrage an den Magistrat, ob Vorsteher Roscnbcrg: Ich habe Ihnen eine außer­
und wann er diese Anfrage zu beantworten gedenkt. ordentlich betrübende M itteilung zu machen.
(Die Versammlung erhebt sich.)
Oberbürgermeister Schustehrus: Ich bitte, die An­ Der Stadtverordnete D r. med. Oskar Schmidt ist 
gelegenheit wie gewöhnlich zu behandeln. im besten Mannesalter von 48 Jahren gestern, am 
6. Juni, gestorben. Durch sein liebenswürdiges 
Vorsteher Rosenberg: Das wird geschehen. Wesen hat er sich bei allen Kollegen beliebt gemacht. 
Es ist eine zweite Anfrage eingegangen: M it  größtem Eifer hat er sich stets den städtischen 
Die Stärkung des geschichtlichen Sinns in Geschäften gewidmet und darin auch gute Erfolge 
Charlottenburg durch die Jubiläumsfeier ver­ gezeitigt. Sein Andenken wird bei uns stets in 
anlaßt die folgende Anfrage: Ehren gehalten werden. —  Sie haben sich bereits, 
Fast ein Jahr (23. 7. 04) ist vergangen, wie ich hiermit konstatiere, zu Ehren des Andenkens 
seit einer unserer ersten Naturforscher und Ärzte des Dahingeschiedenen von den Sitzen erhoben.
weit entfernt von uns hingeschieden und bei Wegen der Beerdiqungsfeierlichkeit erhalten Sic 
seiner Bestattung von seinen neuen Landsleuten noch besondere schriftliche Nachricht. Ich gebe jetzt 
in einer Weife gefeiert wurde, wie das wohl schon Kenntnis davon, daß die Beerdigung morgen 
noch keinem Deutschen im Auslande zu teil um 6 Uhr abends von der Leichenhalle des Jerusalemer 
geworden ist. und Neuen Kirchhofs, Bergmannstraße 45 bis 47, aus 
W ir erinnern an Amandus Philipp!, den stattfindet.
Professor an der Universität Santiago in Chile, Dann habe ich noch bekannt zu geben, daß Herr 
den Direktor des berühmten Nationalmuseums, Stadtverordneter D r Crüger sein Amt im Ausschuß 
welches er dort gegründet Hot, den Senior der betr. die Wahl von 7 unbesoldeten Magistratsmit­
Deutschen in Chile, der hier in Charlottenburg vor gliedern und auch in dem anderen Ausschuß, betr. 
fast 100 Jahren (14. 9. 1808) geboren und die Ersatzwahl für das verstorbene Magistratsmit­
unter uns aufgewachsen, 1851 dorthin aus­ glied, niedergelegt hat. Es ivird vorgeschlagen, an 
wanderte. seiner Stelle Herrn Stadtverordneten Marcus zu 
Seit 1848 soll Berlin wegen der Prüge­ wählen. —  Ich höre keinen Widerspruch und darf 
leien auf unserer Berlinerstraße auf Rache sinnen, damit feststellen, daß Herr Stadtverordneter Marcus 
ist Ihnen jüngst ins Gedächtnis zurückgerufen in diese Ausschüsse gewählt ist.
worden. Berlin hat seinen berühmten „Rache­ W ir kommen nunmehr zur Tagesordnung. 
zug" jetzt bereits gegen Charlottenburg ausge­ Punkt 1 :
führt. indem es schon im vorigen Sommer des 
Charlottenburgers Andenken öffentlich in wissen­ M itteilung betr. Prüfung der städtischen 
schaftlichen Vereinen gefeiert hat. Seine Vater­ Kassen im M onat M a i  d. I .
stadt hat bisher geschwiegen.
Wäre es nicht an der Zeit, daß mit einer Berichterstatter Stadtv. Frantz: Am 22." M a i 
„Amandus-Philippi-Straße" seine Verdienste um hat eine ordentliche Prüfung der städtischen Kassen 
seine deutsche Heimat auch in seiner Vaterstadt stattgefunden über die Zeit vom 20. A pril 1905 bis 
anerkannt, sein Name als ein leuchtendes Bei­ 20. M ai 1905. Die M itteilung betr. Prüfung dieser
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.