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Periodical volume 12. April 1905

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1905

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Wenn die Zahl der von uns zu verschickenden zustimmen. D ie Waldschule hat den doppelten Zweck: 
Kinder zunächst auf 500 bemessen worden ist, so sic soll eine Schule sein und sie soll eine Heil- und 
war sich die Deputation dabei klar, daß diese Zahl Erholungsstätte für erholungsbedürftige Kinder sein. 
m ir gegriffen mar. M an bars aber bis ans weiteres F ü r solche Zwecke spielt die W itterung gar keine 
damit rechnen, daß die Ferienkolonien aus eigener Rolle. M ir  hat Brehmer-Görbersdors gesagt: bei 
Jn itia live  durch ihre Sammlungen und Veranstaltungen schlechter Witterung im schlechten Sommer macht 
noch beträchtliche M itte l aufbringen, die von der man die besten Kuren. Ich glaube, ich wäre nicht 
Hand zu weisen w ir gar keine Veranlassung haben; hier, wenn das bei m ir nicht zugetroffen hätte. Das 
die Ferienkolonien werden in diesem Jahre z. B. ist nicht blos bei Lungenkranken so, sondern auch in  
außer den 500 Kindern, die w ir entsenden, noch anderen Heilstätten; da weiß man sich in die W ittc- 
weitere 400 entsenden; das find schon 900 Kinder. rungsverhältnisse sehr gut zu fügen. Wenn also 
Sollte  sich wirklich herausstellen, daß ein Bedürfnis kein weiterer Grund als die ausnahmsweise günstige 
fü r eine größere Anzahl von Kindern vorhanden ist, W itterung vorhanden ist —  so ausnahmsweise schon 
so würde die Frage offen bleiben, daß die Ferien­ war sie eigentlich gar nicht — , dann hätte man nicht 
kolonien, wenn sie ihrerseits nicht weitere M itte l von einer sofortigen Erweiterung der Waldschule ab­
flüssig machen können, an die städtischen Körperschaften sehen sollen. E inmal müssen w ir doch in die Jung- 
herantreten und ihre weiteren Bedürfnisse darlegen. scrnheidc damit gehen, ob es noch zwei Jahre oder 
Das liegt ja auch schon in den Worten: „mindestens allenfalls drei Jahre dauern w ird. Der Grund der 
500 K inder" angedeutet. Nach den Erfahrungen W itterung ist m ir jedenfalls nicht maßgebend. D ie 
aber, die w ir  in den letzten Jahren gesammelt haben, Kinder sollen nicht in  der Waldschule verweichlicht, 
und unter der Voraussetzung, daß die Ferienkolonien sondern abgehärtet werden. Sie sollen bis Ende 
ihrerseits noch 400 Kinder entsenden können, haben Oktober da bleiben, sie sollen an jede W itterung ge­
die gemischte Deputation und der Magistrat gemeint, wöhnt werden, und immer schöne Witterung bis 
das den gerechten Ansprüchen der Fürsorge fü r die Ende Oktober —  solchen Sommer w ird es wohl 
Schulkinder in  den Ferienkolonien entsprochen ist nicht geben.
mit dem, was Ihnen zunächst vorgeschlagen ist, und Das ist ja nun einmal beschlossen worden: da­
damit möchte ich Sie auch meinerseits bitten sich zu m it ist aber nicht gesagt, daß man von der Über­
begnügen. nahme der Ferienkolonien in  städtische Regie absehen 
solle. Das bleibt immer noch das Ziel, wenn auch 
Stabtu. Vogel: D ie Auffassung, der mein Frak- eine Abnahme durch die Waldschule staitfindet.^ Des­
tionsgenosse D r. Borchardt über den Zweck der wegen möchte ich auch meinerseits bitten, daß Sie 
Ferienkolonien Ausdruck gegeben hat, ist meiner A n ­ dem Antrage, den Genosse Borchardt gestellt hat, die 
sicht nach nicht diejenige der Gründer der Ferien­ Frage der Übernahme der Ferienkolonien in städtische 
kolonien gewesen, und an diese müssen w ir uns Regie noch einmal in einen Ausschuß zu behandeln, 
halten. D ie Gründer der Ferienkolonien haben im zustimmen.
Auge gehabt, Erholung fü r schwächliche Kinder zu 
schaffen, und ich glaube, wenn die S tad t die Ferien­ Stabtu. Heiuzclmann: Meine Herren, die gegen­
kolonien in  eigene Regie übernimmt, so w ird sic wärtige Vorlage der gemischten Deputation bringt 
auch von dem Grundsatz ausgehen, daß sie schwächliche uns eine überaus glückliche und durchaus befriedigende 
und erholungsbedürftige Kinder aufnimmt und nicht Lösung der Frage der Ferienkolonien. Ich war 
jedes Kind. Dam it, glaube ich, fallen auch die Aus­ ganz erstaunt, als ich den Antrag des Herrn Kollegen 
führungen, die betreffs der Kosten fü r alle Kinder D r. Borchardt hier vernahm, der die nochmalige 
gemacht sind. Zurückweisung in  den Ausschuß betrifft. D ie  V e r­
(Bürgermeister M a ttin g : D ie habe ich ja nicht stadtlichung der Ferienkolonien hieße ja  die öffent­
verlangt!) liche Wohltätigkeit, die sich dieser Frage m it solcher 
Was die Waldschule betrifft, so habe ich in der Warmherzigkeit annimmt, vollständig ausscheiden. 
gemischten Deputation zunächst daraus hingewiesen, (Stadtv. Baake: S ie  haben sie ja  selber beantragt!)
daß eine Erweiterung der Waldschule eine große E r­ Aus allen diesen Gründen bin ich doch der 
leichterung fü r die Ferienkolonien sein würde. I n  Meinung, daß das, was uns die gemischte Deputation 
den Ferienkolonien können viele Kinder nicht die gebracht' hat, durchaus dem entsprechend ist, was im 
Heilung und die Pflege finden, die sie in der W ald­ Interesse des Vereins der Ferienkolonien einerseits 
schule haben können. I n  der Ferienkolonie können und auch im städtischen Interesse andererseits liegen 
die Kinder nur etwa vier Wochen bleiben, in der dürste. Ich bitte daher, diesen Antrag des Herrn 
Waldschule den ganzen Sommer, fünf, sechs Monate. Kollegen Borchardt nicht stattzugeben, sondern daraus 
F ü r viele Kinder werden allerdings die Ferienkolonien sich zu beschränken, daß w ir die Vorlage möglichst 
an der Sec besser sein, z. B . fü r Kinder, die an einstimmig annehmen.
Rhachitis, Scrophulose usw. erkrankt sind; andere 
wieder, langen- und Herzkranke, blutarme, werden Stabtu. D r. Borcharbt: Meine Herren, die 
die Arzte in die Waldschule schicken. Es wurde letzten Ausführungen des Herrn Stadtv. Heiuzclmann 
auch ausgeführt, daß nötigenfalls Einrichtungen ge­ waren ja einer überflüssigen Sorge gewidmet; denn 
troffen werden könnten, daß solche Kinder, die dessen angesichts der Stim m ung, die hier herrscht, habe ich 
bedürftig sind, in der Waldschule übernachten ja diesen Prinzipalantrag aus erneute Einsetzung 
können. einer gemischten Deputation garnicht aufrecht erhalten, 
D am it war eigentlich die Deputation ganz ein­ sondern vorhin bcreiis zuriickgezoaen und nur den 
verstanden, daß eine Erweiterung der Waldschule Antrag gestellt, die Frage einer erhöhten Aufwendung 
deshalb notwendig sei, und es hat mich sehr betroffen, von M itte ln  für mehr als 500 Kinder in  einem 
daß im Etatsausschuß davon abgesehen worben ist. Ausschüsse weiter zu prüfen, die Frage zu prüfen, 
Dem vom Magistrat angegebenen Grunde, daß man ob eben nicht jedes von der Schulverwaltung als 
nicht genug Vertrauen habe, daß die W itterung besonders erholungsbedürftig bezeichnete Kind der 
ausnahmsweise günstig gewesen wäre, kann ich nicht Wohltat der Ferienkolonie teilhastig werden soll,
        
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