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Periodical volume 12. April 1905

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1905

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sammlung beschließt nach dem Antrage des Magistrats, lassen und alles dafür tun wird, sobald Gründe für 
wie folgt: eine Erweiterung dieser Institution vorliegen. Ich 
Der Magistrat wird ermächtigt, einen kann es deswegen nur billigen, daß man vorläufig 
Nachtragsvertrag zwischen der Stadtgemeinde diesen Punkt des Programms der gemischten Depu­
Charlottenburg undderGroßenBerlinerStraßen­ tation so lange vertagt hat, bis man Näheres über 
bahn über den Bau der geplanten neuen die Resultate dieser Institution kennen wird.
Straßenbahnstrecke in der Straße 9 d (vert. Ebenso erledigt sich Punkt c, die Errichtung 
Kanlstraße) zwischen der Suarezstraße und der und Unterstützung von Walderholungsstätten, durch 
Ringbahn nach Maßgabe der vorgelegten Grund­ die Erklärungen, die wir auf Seite 259 finden, da 
sätze abzuschließen.) nämlich auf eine andere Weise für das Zustande­
kommen einer Institution gesorgt worden ist.
Vorsteher Rosenberg: Punkt 8 der Tagesordnung: Es käme also jetzt nur Punkt b zur Be­
sprechung und diejenigen Bemerkungen, die der
Vorlage betr. Bewilligung einer Beihilfe nn Magistrat dazu gemacht hat. Punkt b enthält im 
den Verein gegen Verarmung, Abteilung wesentlichen ein sehr glückliches Kompromiß zwischen 
Ferienkolonien, sowie Mitteilung über das dem Wunsch der Antragsteller und derjenigen, welche 
Ergebnis der Beratungen der gemischten meinten, man sollte den Verein gegen Verarmung 
Deputation über die Ausgestaltung der E r ­ nicht in dieser Weise beiseite setzen, sondern sich
richtung und Beschickung vou Ferienkolonien seiner Mitwirkung auch in Zukunft vergewissern. 
als Eemcindceinrichtung. — Drucksache 143. Die getroffene Einrichtung stellt sich jetzt im wesent­
lichen sod ar, daß die Stadt Charlottenburg ein
Berichterstatter Stabtu. Dr. Frcntzcl: Meine Recht hat, eine bestimmte Anzahl von Kindern, 
Herren, die Übernahme der Ferienkolonien in städtische nämlich mindestens 500, dem Verein für die Ferien­
Regie hat vor mehr als Jahresfrist diese Versamm­ kolonien übergeben zu können, und daß der Verein 
lung in eingehendster Weise beschäftigt, und zwar seinerseits die Pflicht übernimmt, diese 500 Kinder 
auf eine Anregung hin, die von einigen Mitgliedern auch tatsächlich in die Ferienkolonien aufzunehmen, 
dieser Versammlung gekommen ivar. Die damaligen daß ferner dafür Sorge getragen ist. daß städtischer- 
Antragsteller hatten den Wunsch, dieser so überaus seits die genügende Kontrolle und der genügende 
nützlichen und notwendigen Einrichtung der Ferien­ Einfluß auf die Auswahl der Kinder ausgeübt wird. 
kolonien durch Übernahme in städtische Verwaltung Die Auswahl soll erfolgen nach dem Gutachten der 
insofern ein festes Rückgrat und eine breitere Basis Schulärzte und unter Kontrolle eines besonderen 
zu geben, als sie sie finanziell von den doch immerhin Vertrauensarztes.
schwankenden Einnahmen der Privatwohltätigkeit Man hat von dem Abschluß eines Vertrages, 
unabhängig machen und ihr dasjenige Fundament wie ihn die gemischte Deputation vorgesehen hatte, 
geben wollten, welches nun mal einer städtischen Ein­ Abstand genommen, weil man sich gesagt hat, daß 
richtung zukommt und zukommen muß. auch schon ohne einen Vertrag genügende Garantie 
Indessen waren die Auftragsteller sich vollkommen gegeben wird, daß der Verein gegen Verarmung 
klar darüber, daß cs gleichsam ein Akt der Undank­ nach den gegebenen Direktiven handelt. Da möchte 
barkeit wäre, wenn man den Verein gegen Verar­ ich nun bemerken, daß aus dem Schreiben des 
mung, der in seiner Abteilung für die Ferienkolonien Vereins gegen Verarmung, das vom 12. Februar 
bis dahin so Ausgezeichnetes geleistet hatte, durch datiert ist, eines nicht ganz ersichtlich ist. Er über­
dieses Hinüberschlucken in städtische Verwaltung nimmt allerdings die Verpflichtung, mindestens 500 
gleichsam ausschalten wollte. Sie waren sich auch Kinder der Stadt Charlottenburg in die Ferien­
weiter bewußt, daß es durchaus nicht feststehe, ob kolonien aufzunehmen; es ist aber nicht zum Aus­
eine städtische Verwaltung in diesem Punkte besser druck gekommen, auf wie lange sich diese Ver­
arbeiten würde, als es der Verein gegen Verarmung pflichtung erstrecken soll, und ob sich eventuell der 
getan hatte unter seiner vorzüglichen Leitung, an Verein das Recht vorbehält, eine Änderung in dieser 
der ja einige Mitglieder unserer Versammlung in Verpflichtung eintreten zu lassen resp. sie zu kündigen. 
erster Linie beteiligt sind. In  Anerkennung dieser In  dem Vertragsentwurf — denn von einem solchen 
Gründe einigte mau sich schließlich darüber, zunächst kann ich nur reden; es ist ja nicht einmal der Be­
eine gemischte Deputation einzusetzen, um über diese ginn des Vertrages im Entwurf bezeichnet — ist 
Frage und ihre zweckmässige Lösung zu beraten. eine derartige Verpflichtung auch nicht ausgesprochen, 
Diese Deputation hat nun getagt. Ihre Be­ sondern es kommt nur das Obligo der Stadt Char­
schlüsse liegen Ihnen hier auf Seite 258 ff. vor. lottenburg zum Ausdruck, daß 500 Kinder dem 
Weiterhin hat sich der Magistrat mit den Beschlüssen Verein zu überweisen sind. Ich möchte bitten, daß 
dieser gemischten Deputation beschäftigt, und Sie sehen vielleicht vom Magistrat eine kurze Aufklärung 
das Resultat seiner Beratung ebenfalls hier gedruckt gegeben wird, obgleich ich glaube — und zwar ge­
vor sich liegen. Wenn ich gleich beide Resultate zu­ stützt auf das persönliche Moment des Leiters oder 
sammennehme. so hat der Magistrat von der Aus­ | der Leiter des genannten Vereins —, daß keine Be­
führung der unter a und c erwähnten Beschlüssen fürchtung vorliegt, daß an dieser Verpflichtung etwas 
der gemischten Deputation Abstand genommen. | geändert wird, solange die Stadt an ihrer Ver­
Punkt a betrifft den weiteren Ausbau der pflichtung festhält, 22 500 M, d. H. 45 M  pro Kind, 
Waldschule. Der Magistrat hat aus wohlerwogenen dem Verein zu zahlen.
Gründen, die auch uns im Etatsausschuß und hier Das wäre das, was ich über das Resultat der 
in der Versammlung bestimmt haben, beschlossen, den Beratungen der gemischten Deputation zu erwähnen 
weiteren Ausbau dieses Instituts zunächst zu ver­ hätte.
schieben, bis noch reichere und sicherere Erfahrungen Zweitens liegt nun der Antrag vor, eine Summe 
darüber vorliegen. Es ist durchaus anzunehmen, von oooo M  als einmalige Beihilfe zur Deckung 
daß die Stadt Charlvttenburg dieses ihr „liebstes eine» Fehlbetrages zu bewilligen Ursprünglich hatte 
Kind", möchte ich beinahe sagen, nicht im Stich die gemischte Deputation befürwortet, 15 000 Jt als
        
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