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Periodical volume 15. März 1905

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1905

69 --------- hätte, wie ich auch leugnen muß, daß der Verein da die Schwimmhalle bereits an sämtlichen Wochen' dazu da ist, um sozialdemokratische Propaganda zu tagen vollständig belegt sei, einerseits durch dre treiben. Da- ist auch gar nicht nötig; mir haben andere Vereine^ andererseits durch die Notwendigkeit genug andere Propaganda; die ganze Arbeiterbe­ der Reinigung, dann an dem letzten Tage, weil für wegung, die ganze Fabrikordnung ist Propaganda die Frauen die Schwimmhalle bis 'zum späten Abend für uns. Sie machen am meisten Propaganda für uns; geöffnet ist. Ich muß gestehen, es sind das Gründe, (Lachen) die sich immerhin hören lassen, wenn ein neuer auch heute haben Sic wieder Propaganda gemacht. Verein kommt und sagt: ich möchte auch die Schwimm­ Der Schwimmvercin will keine Propaganda machen; halle haben, und man ihm erwidert: Lieber Freund, seine Mitglieder wollen aber unter sich sein. Ich die Schwimmhalle ist bereits so besetzt, daß w ir sie muß dagegen protestieren, daß der Herr Oberbürger- nicht mehr vergeben können. meifter gesagt hat, das Schwimmen sei nur eine Aber das außerordentlich Verletzende in dem Maske. Das ist nicht der Fall; es handelt sich um Bescheide des Magistrats, ganz abgesehen davon, ehrliches Schwimmen. Aber die Leute wollen unter daß Herr Stadtrat Waldschmidt in seinen weiteren sich sein, so gut wie die Antisemiten unter sich sein Ausführungen bemerkte, daß diese Gründe, die allein wollen, die Offiziere unter sich sein wollen, die anerkannt werden könnten, nicht die maßgebenden Konservativen unter sich sein wollen usw. Von einer gewesen seien, — das außerordentlich Verletzende in Maske da zu sprechen, ist ganz unangebracht: das dem Bescheide des Magistrats für den betroffenen muß ich entschieden zurückweisen. Schwimmvercin lag in der Form, in der ihm ein­ fach mitgeteilt wurde, daß wir nicht in der Lage Stadtv. Dr. Borchardt: Meine Herren, mein sind, ihm die Schwimmhalle zu überlassen, daß ihm Freund und Kollege Dr. Zepler hat in einer völlig also wie soll ich sagen, beinahe möchte ich sagen: harmlosen Weise das Wort „sozialdemokratischer in diesem Unteroffizierston geantwortet wird. Wenn Schwimmverein" gebraucht, indem er eine Bezeichnung jemand sich petionierend mit einer höflichen Bitte anwandte, die von den anderen Klassen, von den an eine Behörde wendet, wobei er um etwas bittet, anderen Parteien stets auf einen Verein angewandt was zu verlangen ja nicht sein unbedingtes, ver­ wird, der aus Arbeitern besteht. brieftes Recht ist, sondern was er eben verlangen (Na, na! bei der Freien Vereinigung.) kann auf Grund der Billigkeit, iveil man derartige Sobald ein Arbeiterverein irgend etwas wünscht, wird Dinge den anderen Bürgern auch überläßt, so ist sofort gesagt: das ist ja ein sozialdemokratischer doch zu erwarten, daß eben ein höfliches Wort auch Verein. Dadurch ist die Bezeichnung „sozialdemo­ eine höfliche Statt findet, daß man auf eine höfliche kratischer Turnverein", „sozialdemokratischer Schwimm­ Anfrage auch eine höfliche Antwort erhält, und daß, verein", „sozialdemokratischer Radfahrerverein" und wenn man die Antwort bekommt: es geht nicht, wir was sonst alles für „sozialdemokratische" Vereine können diese Schwimmhalle euch nicht überlassen — einfach Sprachgebrauch geworden, — Sprachgebrauch, dann diese Antwort doch motiviert wird, daß einem der eigentlich au sich ein Sprachmißbrauch ist. Denn doch mitgeteilt wird, warum diese Halle nicht gegeben es ist natürlich ein innerer Widerspruch: sozialdemo­ werden kann. kratischer Sportverein: die Sozialdemokratie hat eben Ich bin überzeugt, wenn die Antwort so moti­ nicht Sport zu treiben und treibt keinen Sport, viert worden wäre, wie sie Herr Stadtrat Waldschmidt sondern ist eine sehr ernste politische Partei. hier zuerst motiviert hat, würde der Schwimm­ Wenn nun aber dieser Sprachmißbrauch dazu verein vielleicht — ich weiß es nicht — vielleicht bewegt, in harmloser Weise, diesem Sprachgebrauch sich gesagt haben: nun, dann müssen wir uns vor­ folgend, den Ausdruck „sozialdemokratischer Schwimm­ merken lassen, dann werden wir an den Magistrat verein" zu gebrauchen, so berechtigt das in keiner mit einer Bitte herantreten, im Falle die schon Weise Sie, meine Herren, nun zu sagen: dieser lange versprochene zweite Volksbadeanstalt gegründet Schwimmverein verfolgt sozialdemokratische Ziele. sein wird, uns da als den Ersten vorzumerken, und Dieser Schwimmverein fragt kein Mitglied nach seiner außerdem werden wir an den Magistrat vielleicht politischen Gesinnung! Dieser Schwimmverein ver­ mit der Bitte herantreten, einen bestimmten Turnus folgt die Ziele des Schwimmens. einzuführen, bei dem auch wir berücksichtigt werden (na, na! bei der Freien Bereinigung) können. Etwas Derartiges wäre doch durchaus die Ziele, die ein jeder Schwimmverein verfolgt. erklärlich gewesen. Daß in einem Schwimmverein, eben weil er ein Aber der Herr Stadtrat Waldschmidt und nach­ Sportverein ist, iveil er auch die Geselligkeit pflegt, her auch der Herr Oberbürgermeister haben direkt daß in einem solchen Verein Leute sich zusammen­ zugegeben, daß diese in der Natur der Sache finden, die zusammenpassen und mit einander liegenden eventuellen Gründe nicht maßgebend waren, harmonieren, das ist etwas außerordentlich Selbst­ sondern daß die maßgebenden waren: der Verein sei verständliches, etwas so Erklärliches, daß man darüber ein sozialdemokratischer Schwimmvercin. Ja, meine überhaupt kein Wort zu verlieren braucht und jedenfalls Herren, was heißt das anders — sozialdemokratischer nicht behaupten darf: die Ziele eines solchen Vereins Verein heißt heute garnichts anderes als: der Verein sind nicht die von ihm angegebenen sportlichen Ziele, ist ein Arbeiterverein. sondern sind die Ziele politischer Agitation. (Rufe: Oho! (Oberbürgermeister Schustehrus: Steht ja im ist ein Arbeiter-Schwimmverein! Und, meine Herren, Vorwärts drin!) täuschen Sie sich darüber nicht: in den weitesten Nun. meine Herren, hat dieser Schwimmverein Kreisen der Arbeiterschaft wird eine solche Antwort: sich an den Magistrat gewendet,, um Überlassung ein sozialdemokratischer Schwimmverein kann die einer Schwimmhalle zu seinen Übungen und um Halle nicht bekommen — garnicht anders aufgefaßt t.berlassung der Halle für einen besonderen Tag als dahin, daß ein Arbeiterverein die Schwimmhalle zum Schwimmfest. Der Herr Dezernent, Herr nicht bekommt. Ich nehme ja an, daß die Herren Stadtrat Waldschmidt, hat ausgeführt: bestimmte vom Magistrat sich wirklich vorstellen — die Herren Abende könnte man dem Verein nicht mehr zuwenden, verkehren wahrscheinlich in Arbeiterkreisen und mit
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