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Periodical volume 1. März 1905

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1905

leistungen nicht lediglich mechanische find", eine gegenteiligen Standpunkt gestellt. Ich möchte aber 
Resolution anzunehmen. Es ist das diejenige Beamten­ doch ausdrücklich konstatieren, daß die Mehrheit 
klaffe. für die der Normaleiaisausschuß in der ersten diesen ihren gegensätzlichen Standpunkt nicht so be­
Lesung eine Skala, die über die Vorschläge des gründet hat wie der Herr Berichterstatter.
Magistrats hinausging, beschlossen hatte, welcher Be­
schluß aber in der zweiten Lesung aufgehoben wurde. Stadtv. Heise: Meine Herren, ich glaube, unser 
Ich sehe leider keine Hoffnung, den Antrag, der Herr Berichterstatter Hai in seinen Ausführungen 
im Ausschuß von mir gestellt wurde, heute hier im etwas vergessen. Ich habe dem Ausschuß angehört. 
Plenum der Stadtverordnetenversammlung durchzn- Wir haben Vergleiche mit andern Industriezweigen 
bringen; vor allem bar f ich auch nach den Er­ angestellt, und da ist besonders betont worden, daß 
klärungen des Magistrats nicht annehmen, daß der in erster Linie unsere Arbeiter eine unkündbare 
Magistrat diesem Antrage ohne weiteres zustimmen Stellung haben und zweitens die Lieferung von Be­
würde. Ich sehe deshalb davon ab, den Antrag zu kleidungsstücken empfangen. Das ist doch nicht zu 
wiederholen, bitte Sie aber, eine Resolution, deren verkennen, daß alles das zum Wohle der Arbeiter 
Wortlaut ich dem Herrn Vorsteher bereits einge­ geschieht.
händigt habe, anzunehmen, des Inhalts, daß wir 
dem Magistrat die Bitte unterbreiten, den Bureau- (Die Beratung wird geschloffen).
gehilfen, die im Abschnitt B V an erster Stelle 
stehen, dieselben Urlaubsverhältniffe zu gewähren wie Berichterstatter Stadtv. Kaufmann (Schlußwort): 
den Assistenten. Nur wenige Worte, meine Herren!, Herr Kollege 
Ich weiß sehr wohl, daß die Materie streng­ Borchardt irrt sich: ich habe nicht als Norm für uns 
genommen nicht zum Nor maletat gehört; ich weiß aufgestellt, daß wir die Privatindustrie für uns 
ferner, daß die Regelung der Urlaubsverhältniffe gelten lassen sollen; ich habe nur angeführt, daß wir 
ausschließlich ein Ausfluß der Disziplinargewalt des bei der Festsetzung der Sätze, die unbedingt höher 
Magistrats ist; ich kleide deshalb meine Resolution sein müssen als in der Prtvatindustrie, eine gewisse 
nur in die Form einer Bitte, die ich dem Magistrat Rücksichtnahme aus jene Löhne wohl im Auge be­
zur wohlwollenden Prüfung empfehle. halten müssen. Ich gebe darin Herrn Kollegen 
Dr. 'Borchardt vollständig Recht, daß w ir solche 
Vorsteher Rosenbrrg: Der Antrag des Herrn Löhne zu zahlen haben, mit denen die Lebensbe­
Stadtv. Otto geht dahin: dürfnisse auskömmlich zu befriedigen sind. Ich kann 
Die Versammlung ersucht den Magistrat, in aber die Lohnsätze, wie sie hier beantragt sind, und 
Erwägung zu ziehen, den Bureaugehilfen die ich Ihnen im Vergleich zu Berlin und im Ver­
dieselben Urlaubsverhältnisse wie den Assistenten gleich zur Privatindnstrie ziffernmäßig vorgeführt 
zu gewähren. habe, nicht als solche bezeichnen, mit denen für unge­
lernte Arbeiter — um diese handelt es sich haupt­
Stadtv. D r. Borchardt: Meine Herren, ich sächlich — nicht ein auskömmliches Leben zu führen 
möchte, wenn ich auch nicht eine lange Diskussion wäre, weil diese Arbeiter sich ja zumeist in den 
hier heraufbeschwören möchte, doch eine Äußerung höheren Lohnstufen befinden. Die Anfangslohnsätze 
des Herrn Berichte, statters auf keinen Fall unwider­ sind von uns wesentlich höher normiert als anderswo. 
sprochen lassen. Der Herr Berichterstatter meinte Die Arbeiter beziehen alle, wenn Sie den Durchschnitt 
bei Besprechung der Revision auch der Löhne der herausrechnen würden, in den höheren Stufen ein 
Arbeiter, daß die Stadt unbedingt daran gebunden höheres Gehalt, als Herr Kollege Borchardt als 
sei, Rücksicht auf diejenigen Löhne zu nehmen, die Mindestlohn angesehen wissen will. Ich bin hier 
in Privatbetrieben gezahlt werden. Dieser Auffassung auf den Gesamtdurchschnitt von 3,68 unter Be­
möchte ich doch unbedingt widersprechen. Der Herr rücksichtigung derjenigen Arbeiter gekommen — deren 
Berichterstatter hat vorgeführt, daß von den Siemeus- eine ganze Anzahl ist; die Ziffer ist mir augen­
Schnckert-Werken ein Stundenlohn von 33 P f. bei blicklich nicht zur Hand, sonst würde ich sie anführen —, 
10 ständiger Arbeitszeit, also ein Lohn von 3.30 J i die bei wesentlich niedrigeren Lohnsätzen freie Station 
gezahlt werde, und hat dann bemerkt, daß schon mit haben, die also den relativen Durchschnitt ungünstig 
Rücksicht aus derartige Privatbetriebe, zumal solche beeinflussen. Wenn wir diese Kategorie ausscheiden, 
Löhne als gute zu bezeichnen seien, die Stadt auch würde dies wesentlich zugunsten unserer Besoldung 
nicht anders könne als ähnliche Löhne bezahlen. in die Erscheinung treten.
In  früheren Verhandlungen wurde ausdrücklich von Dem Herrn Kollegen Vogel möchte ich erwidern, 
der Mehrheit der Stadtverordnetenversammlung und daß die Annahme nicht richtig ist, daß wir nach 
auch vom Magistrat zugegeben, daß die Kommune obenhin die Gehälter mehr erhöht haben als die Ge­
sich nicht auf 'den Standpunkt stellen könne, solche hälter der Arbeiter und der Beamten der unteren 
Löhne zu bezahlen, die man bei Privatbetrieben als Kategorien. Ich habe vorhin ausgeführt, daß die 
Schundlöhne bezeichnet. Lohnerhöhung bei den Arbeitern 11,77 bis 15,66 °/0 
Ich „möchte ausdrücklich auch den vorhin ge­ betrügt, die durchschnittliche Erhöhung der Beamten 
fallenen Äußerungen widersprechen, daß die Rücksicht stellt'sich auf 9°/0. Die speziellen Löhne der Boten 
auf Privatbetriebe Hier irgendwie maßgebend sein und Pförtner — das ist mit die unterste Klasse 
kann, sondern für die Kommunen muß derjenige — sind aus 11,7 °/0 erhöht, während sich bei 
Betrag maßgebend sein, den man als notwendig an­ den Gemeiudeschullehrern und Hilfsschullehrern eine 
erkennen muß zur Befriedigung der vernünftigen Durchschnittserhöhung von 8,4 °/0, bei den mittleren 
Lebensbedürfnisse und darüber hinaus auch zur Ge­ Klassen der Lehrer aus 10,7 °/0 und der Lehrerinnen 
währung der Möglichkeit für die Arbeiter, am aus lo,5°/0 ergibt. Die Erhöhung der Magistrats- 
Kulturleben teilzunehmen. W ir halten, wie ja früher Mitglieder beträgt rund 8 °/0. Die Behauptung, daß 
eingehend diskutiert und erörtert worden ist, 4 M wir die höheren Gehälter prozentual bedeutend höher 
für einen Mindestbetrag, der dazu ausreicht. Die hätten steigen lassen, ist also nicht richtig.
Mehrheit hat sich ja zu unserm Bedauern auf einen Ich empfehle nochmals die Annahme des Aus-
        
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