Path:
Periodical volume 1. März 1905

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1905

120
allein, sondern einen guten Teil von Deutschland — fiskalische Ladestraße, um das Müll auf ganz primitive 
mit Trinkwasser versieht. Dieser Platz gehört uns. Weise in die Eisenbahnwagen hineinzubefördern, 
Es ist die sogenannte Oberförsterwiese. Er ist zu­ ohne eine Müllverladehalle. Die Einwohner an 
gänglich, indem man den Spandauerberg in die Höhe der Sophie Charlottenstraße haben sich schon an 
fährt, dann an den Kirchhöfen den neuen Fürsten­ den Anblick dieser Müllfuhren gewöhnt. Ungefähr 
brunner Weg entlang, dann wieder den Berg hin­ 200 in entfernt von dem heutigen Ilmladeplatz für 
unter, und dann ist man dort. Wenn wir nun an das Müll liegt der Schloßgarten — nicht allein der 
dieser Stelle eine Müllverladehalle errichten wollten, Schloßgarten, sondern das Mausoleum. Es ist bis 
dann wüßten wir Ihnen zunächst keinen Platz da­ heute noch keine Beschwerde eingegangen — weder 
für anzuweisen, auf dem die Müllverladehalle eine bei uns, noch, soviel ich weiß, bei der Eisenbahn­
längere Zeit hindurch bleiben könnte. Denn die direktion — über den Transport des Mülls. Die 
Wiese wird zum größten Teil nach den Entwürfen, Beschwerden, die bisher eingelaufen sind, sind zwar 
die ich auf der Eisenbahndircktion eingesehen habe, zahlreich, richten sich aber im allgemeinen gegen die 
für die Erweiterung des Güterbahnhofes Westend in Verstaubung und den Geruch beim Umladen. Hier 
Anspruch genommen. Wann die Erweiterung kommen wird das M üll aber ganz frei in der Luft umgeladen, 
ivird, weiß noch kein Mensch; jedenfalls wird diese ohne daß eine Müllverladehalle oder ein Dach oder 
Wiese in Zukunft von neu einzubauenden Eisen­ irgendwas zu Hilfe genommen wird.
bahngleisen in Anspruch genommen werden. Wenn Nach unserer Vorlage soll nun die Müllvcrlade- 
wir dort heute eine Müllverladehalle errichten wollten, halle weiter nach Norden errichtet werden, dort, wo 
so könnte es uns passieren, daß wir sie dann im die Sophie Charlottenstraße schon aufgehört hat, an 
Interesse der Erweiterung der Eisenbahnanlagen einem Parallelweg. welcher etwa als Verlängerung 
wieder beseitigen müßten. Aber das nur nebenher. der Sophie Charlottenstraße aufgefaßt werden kann. 
Dieser ißatz ist nur zugänglich, indem man den Dieser Platz liegt von dem äußersten Punkte der 
Spandauerberg mit einer Steigung von 1:27 in Badeanstalt 130 in entfernt; ich glaube, mich nicht 
die Höhe fährt. Man muß also mit den voll be­ zu irren; wir haben das Maß in der Ausschußsitzung 
ladenen Wagen — die Wagen selbst wiegen unge­ abgemessen. Die Müllwagen müssen nunmehr 
fähr 40 bis 50 Zentner, wenn nicht mehr, und allerdings an der Badeanstalt vorbeifahren. Aber 
haben eine Nutzlast zu tragen von eo Zentnern — die Badeanstalt ist gegen die Straße abgeschlossen, 
den Berg in die Höhe und kommt dann an dem und die Müllwagen kommen dabei den Badegästen 
Krankenhaus vorbei. Ich weiß nicht, was gefährlicher nicht in die Erscheinung.
ist: mit diesem Müll an dem Krankenhaus vorbei­ Wir wollen nunmehr das Müll in der M üll­
zufahren oder an der Badeanstalt oder an dem verladehalle in vollständig staubfreier Weise verladen. 
Bürgerhaus? Ich möchte mich doch dafür entscheiden, Es soll dies noch besser gemacht werden als in der 
daß es unzweifelhaft gefährlicher ist, mit dem Müll Beusselstraße. Den Herren wird bekannt sein, daß 
— für den Fall, daß die Müllwagen überhaupt in der Beusselstraße eine Müllverladehalle existiert. 
stäuben — am Krankenhaus vorbeizufahren. Sodann Dort werden die Abfuhrwagen hineingefahren in eine 
kommen wir an zwei sehr belebten Kirchhöfen vor­ Wellblechbude. Wir wollen einen zweiten Schutz her­
bei. Der Weg nach den Kirchhöfen — das wissen stellen. Bei uns wird ein vollständiges gemauertes 
wir alle — ist sehr besucht nicht allein von den Haus hergestellt, und innerhalb dieser Halle kommt 
Leichenfuhrwerken, sondern auch von den Besuchern noch einmal ein Schutz um die Müllwagen herum, 
der Kirchhöfe Die Müllwagen müßten also diesen sodaß also die Müllwagen zwar in der Müllverlade­
Weg passieren und an den Passanten, die sich nach halle stehen, aber innerhalb dieser Müllverladehalle 
den Kirchhöfen begeben, vorbei. Ja, von dort, wo eingeschlossen sind von einem besonderen Schutz. Sie 
die Müllverladestelle hergerichtet würde, wäre die werden mir zugeben, daß damit, wenn sonst das 
Entfernung zu dem Kirchhofseingang der Kaiser Geschäft des Müllumschlagens ordnungsmäßig be­
Wilhelm-Gedächtniskirche nicht allzu weit. Es würden trieben wird, die Staubsichcrheit noch viel mehr ge­
also in der Nähe dieses Eingangs zu dem Kirchhof währleistet wird.
der Kaiser Wilhelm-Gedächtniskirche die Müllwagen Diese Müllverladehalle liegt 130 in von der 
halten, so lange, bis sie in die Müllverladehalle Badeanstalt entfernt und mehr als 200 in vom 
hineinfahren können, und dabei doch nicht gerade Schloßgarten, und zwar von demjenigen Teil, welcher 
einen günstigen Eindruck auf diejenigen machen, die heute als Schloßgarten benutzt wird: aber dieser Teil, 
den Kirchhof betreten wollen. welcher 200 in von der neuen Müllverladehalle ent­
Schließlich kommt hinzu, daß gar nicht weit fernt liegt, bildet den äußersten Zipfel des Schloß- 
davon, wie ich schon erwähnte, die Selterswasserfabrik gartens, in welchen nur Leute hineinkommen, nach­
von Fürstenbrunn ist, welche reines Wasser zum dem sie den ganzen Schloßgartcn durchwandert haben. 
Trinken fabriziert. Das Mausoleum wird in ganz bedeutend größere 
Und endlich noch eins: diese Stelle liegt von Entfernung von unserer neuen Müllverladehalle gerückt.
der Badeanstalt von Görgs nur 200 in enfernt! Also, meine Herren, ich glaube, daß die M üll­
Wir haben das in dem Ausschüsse festgestellt. verladehalle an jener Stelle, wo ivir sie zu errichten 
Nun zurück zu unserem Vorschlage in der Vorlage! beabsichtigen, am günstigsten situiert ist. Das Ge­
Wir haben dort allerdings die Sophie Charlotten­ lände ist allerdings sumpfig; aber ich glaube, die 
straße und das Bürgerhaus zu passieren. Aber ich Befürchtungen, die Herr Dr. Bauer an die Müllver­
mache darauf aufmerksam, daß schon heute, und zwar ladung knüpft, werden in Wirklichkeit nicht zutreffen. 
seit langer Zeit, dort das gesamte Müllumladege- Ich habe in bezug auf das Verstäuben des Mülls 
schäft bewirkt wird, und zwar in einer Weise, die nach außen, nach außerhalb der Müllverladehalle, 
keineswegs staubfrei zu nennen ist. Geradeüber gar keine Befürchtung, namentlich da die Stadt die 
von unserem Bürgerhaus benutzen jetzt zwei Unter­ Hand darüber hat.
nehmer, und zwar Scheller und die Charloltenburger Ich möchte noch auf einen Punkt hinweisen, den 
Abfuhrgesellschaft — Scheller hat seit dem letzten ich vergessen habe anzuführen. Die Stelle, wo unsere 
Monat sein Geschäft aufgegeben —, die eisenbahn­ neue Müllverladehalle errichtet werden soll, hat für
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.