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Periodical volume 15. Februar 1905

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1905

hörigem Umfange —  h y p o th e tis c h  gestehe ich das wesentlich veränderten Verhältnissen. Indessen sind 
zn — w ir geben Rechte preis, von denen mir über­ nun einm al die W orte gefallen, und da soll m an sie 
zeugt s in d ,' durchdrungen sind. E s  sind aber doch wohlwollend deuten, soll sie deuten un ter B e ­
immer n u r Rechte wie Messer ohne Klingen. W ir rücksichtigung der Tatsache, daß eben seitdem die 
haben keinen Rechtsweg, auf dem mir diese Rechte Verhältnisse vollständig andere geworden sind.
zur G eltung bringen können. (S ehr richtig!)
(S e h r  gut! bei den Liberalen und der Freien Ich  möchte w eiter n u r an ein E inziges noch 
V ereinigung.) erinnern —  dann glaube ich, fertig zu sein. E ines 
Und handelt es sich um solche Ansprüche, daun sehe der schlimmsten W orte —  es waren freilich viele 
ich es nicht n u r a ls  mein Recht an, sondern sogar schlimme,
a ls  meine Pflicht und Schuldigkeit, daß ich tunlichst (Heiterkeit)
kompromittiere. die Herr Dr. Borchardt heute gesprochen hat, aber 
(B ravo! bei den Liberalen und der Freien eines nur möchte ich hervorheben, das war —  ich 
Vereinigung.) habe es mir notieren müssen, weil ich derartiges 
D an n  betrachte ich es a ls  meine Pflicht, wenigstens nicht behalten kann —
den noch erreichbaren N est zu rette», und höchstens (große Heiterkeit und B ravo!) 
sehe ich m ir noch den geforderten P re is  darauf hin er hat gesagt, w ir stellten u n s auf den S tan d p u n k t: 
an. ob ich ihn dafür anlegen darf und soll. M a c h t g e h t v o r  R ech t J a .  meine H erren, m an 
N un. meine Herren, besehen S ie  sich diesen kann keine schwerere Anklage gegen die Regierung 
P re is !  W ollen sie es „Geschäft", wollen S ie  es erheben, a ls  H err Dr. Borchardt sie dam it erhoben 
„K uhhandel" nennen, im m erhin! —  in den halb­ hat. H err Dr. Borchardt! ich weiß, sehr viele 
vertraulichen V erhandlungen des Ausschusses soll Sym path ien  habeir S ie  fü r die oberen Regionen 
einem M agistratsm itgliede dieser unglückliche A us­ überhaupt nicht übrig ;
druck über die Lippen gekommen sein, und ein S ta d t ­ (Heiterkeit)
verordneter hat es heute fü r angezeigt erachtet, ihm das haben S ie  neulich schon im  Ausschüsse bestätigt; 
diesen Ausdruck hier noch vorzuhalten: ich gebe ganz hierm it haben S ie  aber ein U nterm aß von meines 
anheim, ob das sehr schön von ihm w ar; wie m ir D afü rh altens vollends unverantwortlichem  Umfange 
gesagt ist, macht sich übrigens das M agistratsm itg lied geleistet. M eine H erren, bedenken S ie  doch nur. 
herzlich wenig aus diesem etwas unzarten  Ausspielen —  die Sache steht nicht etwa so, daß die Regierung 
(Heiterkeit) erklärt: ich m uß zugeben. I h r  habt Recht, aber ich 
aber, meine H erren, es stehe dam it wie es wolle, habe einm al die M acht und nu n  werde ich meine 
besehen S ie  sich einen Augenblick den P re is , den M acht gegen euer Recht ausspielen, —  nein, sondern 
S ie  zahlen sollen! D a s  ist im  wesentlichen der ich behaupte: die R egierung meint, ebensogut das 
gefürchtete schwarze M an n , der Geistliche. N un frage wahre Recht gefunden zu haben, wie w ir es ge­
ich S ie . meine H erren : w as bedeutet d as?  D er sunden zu haben m einen;
M ag istra t denkt nicht daran , seinerseits gerade W ert (S ta d tv . Dr. v. L iszt: Konsistorium!)
darauf zu legen, daß er den Geistlichen hereinbekomme. S ie  ist überzeugt von der Richtigkeit ihres rechtlichen 
Ich  persönlich sehe ihn ganz gern kommen: zw ar S tandpunktes. N u n  allerdings sagt sie —  und das 
will auch ich nicht die Schule geknechtet wissen von täte auch ich. wenn ich Regierung wäre — : meine 
der Kirche; aber ein bischen V ertretung —  das macht Ansicht ist nach reiflicher Erw ägung die und die, 
sich ganz schön. und nunm ehr erst spiele ich sie gegen eure Ansicht 
(S ta d tv . D r. v. L isz t: H ört, hört!) aus. da ich n e b e n h e r  die M acht habe. Also: auf 
D a s  ist aber ein persönlicher S tan d p u n k t: der S e ile  der Regierung steht nicht n u r und allein die 
M ag istra t würde, wenn er zu wählen hätte, glaube Macht. H err Dr. Borchardt, sondern es steht erst 
ich, lieber sagen: nein, ich brauche keinen Geistlichen, n e b e n  ihrer Rechtsüberzeugung, die ebensoviel wert 
ich habe bisher keinen gebraucht, —  obschon er doch ist wie Ih re  und unsere, noch die Macht.
bis vor wenigen Ja h re n  immer in dem K re is­ Ich  bitte S ie , meine H erren, lassen S ie  die 
inspektor M ü lle r einen Geistlichen in der Schul- Bedenken, die hier heute erhoben worden sind, selbst 
deputation gehabt hat. Aber der M agistra t fährt von einem so hervorragenden, wenigstens auf seinem 
fo rt: nun, viel schaden  kann der M an n  keinesfalls. Gebiete hervorragenden M anne wie H errn  v. L iszt 
M ehr sagt der M agistra t nicht: sch ad en  kann er erhoben worden sind,
nicht.,, lin d  n u r in solchem S in n e , glaube ich auch (Heiterkeit)
die Ä ußerungen, die in der S tad tverordnetenver­ lassen S ie  die Bedenken fallen! Lassen S ie  sich nicht 
sammlung in der V erhandlung vom Ja h re  1903 irre führen von ihm —  ja, meine H erren, es liegt 
gefallen sind, deuten zu dürfen. M eine H erren, in —  natürlich ein nicht gewalltes, H err Vorsteher, —  
dieser V erhandlung, die ein „R uhm esblatt" in  der es liegt aber doch ein Irre fü h re n  darin , wenn er 
nunm ehr bald zu feiernden großartigen, zweihundert- m ahnt: w ir sollen kein Titelchen unseres Rechtes 
jährigen V ergangenheit der S ta d t  C harlottenburg preisgeben. N ein, so n u r dann, wenn das Recht 
bilden soll —  ein R uhm esb latt! — . in dieser V er­ wirksam verfolgbar ist! I s t  es aber ein unver­
handlung ist m it einem und dem andern ein w en ig ' folgbares, daun soll m an es bei Zeiten preisgeben, 
allerdings, wie m ir scheint, die Zunge durchgegangen. wenn n u r der fü r den Rest zu entrichtende P re is  
(S e h r richtig! und Heiterkeit.) nicht ein gar zu hoher ist.
Ich  glaube, einige von den H erren würden gern (Lebhaftes Bravo. — S tadtv . Dr. v. Liszt: Vor 1898!)
jetzt sehen und hätten es vielleicht schon früher gern 
gesehen, wenn sie sich um  Einiges wertiger weit S tad tv . Baake: D er H err S ta d tra t Jebetts,
dam als vorgewagt hätten. J a ,  es wäre vielleicht dessen ausgezeichnete, ans Iro n ie , Witz und P a th o s  
einem oder dem anderen dam it leichter geworden, gemischte Beredsamkeit w ir alle schätzen, auch, wenn 
ein klein wenig nachher umzukehren, ein wenig ein­ sie u n s einm al wehe tut. hat —  ich beziehe das 
zulenken —  ich gebe zu: einzulenken bei inzwischen W ort von ihm — gegen seine M agistratskollegen den
        
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