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Periodical volume 15. Februar 1905

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1905

weitere Konzession nicht von der Königlichen R e­ sie sind gefallen, und  es wird sich Wesentliches an 
gierung gemacht werden wird. A n  sich möchte ich ihrer Lage nicht mehr ändern lassen, es mögen auch 
mich a lle rd ings  au f  den S ta n d p u n k t  des H errn  noch so viel gut gemeinte, vielleicht selbst inhaltlich 
S ta d tv .  O tto  stellen: w ir  wollen u n s  diese F rage  gute Worte von hier a u s  in den S a a l  h inausfla tte rn .
heute nicht vorlegen, w ir  müssen es der späteren E n t ­ W enn  ich gleichwohl noch das  W o r t  nehme, so 
wickelung überlassen. W ird 's  abgelehnt, —  nun . w ir  geschieht es, weil m ir  zu O h ren  gekommen ist, m an  
haben dann  nach bestem Ermessen unsere Pflicht und habe sich einigermaßen gewundert, daß ich, der ich 
Schuldigkeit getan. D a  aber H err  D r .  v. L iszt seit ungefähr I  V, J a h r e n  unausgesetzt dem M agis tra t  
anderer M e in u n g  zu sein scheint, erkläre ich es a ls  a ls  juristischer Beistand zur S e i te  gestanden habe in 
meine persönliche Überzeugung, daß  auch diesen neuen dieser Angelegenheit, daß ich nicht auch hier noch 
Zusätzen des Ausschusses die Königliche Regierung meine Rechtsansichten entwickle. Ich  habe einer ent­
ihre Bestätigung nicht versagen wird. sprechenden A nregung gegenüber gebeten, m an  möge 
H err  S ta d tv .  D r .  v. L iszt  hat dann  weiter ge­ mich von  der Beleuchtung der Rechtsfragen heute 
sagt, w ir  hätten dadurch, daß w ir  jetzt im Wege des dispensieren. M eine  H erren , meinen Appetit  zu 
Kompromisses u n s  bereit erklärten, einen Geistlichen R echtsausführungen  hat  jedenfalls H e r r  D r .  Borchardt 
in  die Schuldeputa tion  aufzunehmen, unseren früheren nicht gerade gereizt —  dies schon nach einer P robe , 
S ta n d p u n k t  verlassen und erkennen jetzt das  Recht die ich unlängst im  Ausschuß gemacht habe, und 
der Königlichen Regierung, einen solchen Geistlichen heute ist ihm das Reizen meines A ppetits  in dieser 
in  der Schuldeputa tion  zu verlangen, an. D a s  Richtung noch weniger gelungen. D a v o n  aber auch 
scheint m ir  doch zum  mindesten etwas weit gegangen. abgesehen —  hätte  m ir  wirklich ein anderer 
W ir  behalten u n s  ja  vor, un ter  bestimmten B o r a u s ­ juristischer, wenigstens in  seinen juristischen S tu d ie n  
setzungen diesen Gemeindebeschluß einfach unter den etwas iveiter a ls  H err  D r .  Borchardt bereits 
Tisch " z u  werfen und  die alte bisherige Z usam m en­ vorgerückter Redner gegenübergestanden —  H err  
setzung der Schuldeputa tion  wieder in K raft  treten D r .  Borchardt m u ß  noch in den A nfangsgründen  
zu lassen. E s  ist also zum mindesten ein sehr be­ stehen — . so würde ich doch Bedenken tragen, in  
dingtes Recht, d a s  w ir  der Königlichen Regierung dieser späten S tu n d e  und  vor dieser V ersammlung 
zuerkennen. noch die schwierigen Rechtsfragen zu entwickeln.
(S ta d tv .  D r .  v. L isz t :  P r inz ip ie ll  anerkannt!) ( S e h r  richtig! bei den Liberalen.)
P rinz ip ie l l  —  das  hat der H err  Oberbürgermeister Ich  teile die Rechtsanschauungen des H e r rn  
schon ausgesprochen —  kann von einem Rechte, das D r .  Borchardt nach keiner Richtung hin; aber ich 
obligatorisch erzwungen werden könnte, natürlich nicht begnüge mich dam it,  d a s  einfach zu konstatieren.
die Rede sein. D a  ich n u n  aber einmal, wenn auch wesentlich nur ,  u m  dies vor I h n e n  zu erklären, das  W ort  
(S ta d tv .  D r .  v. L i s z t : D a s  ist es!) habe, so lassen S i e  mich doch noch ein p a a r  W orte 
D e n n  dann  würde die Königliche Regierung sich nicht weiter h inzufügen; ich will ein ganz geringes M a ß  
in  Verhandlungen  mit u n s  eingelassen haben; dann nicht überschreiten.
würde m a n  u ns  1898 schon gar  nicht die erweiterten W a s  ich am  allerwenigsten verstehe, das  ist. daß 
Befugnisse geboten haben, sondern dann würde m an  hervorragende M ä n n e r ,  vor denen ich alle Achtung 
dekretiert haben: hier m uß  der Geistliche h inein! habe, hier solche Sätze ausspielen können wie die: 
Aber immerhin eine G rund lage  da fü r  ist in  der m an  könne es nicht verantworten  gegenüber seinen 
Ins truk t ion  von 1811 gegeben, und da w ir  u n s  jetzt W ählern, irgend etwas von Rechten preis zu geben, 
im  Wege des Kompromisses auseinandersetzen, konnten die m an  einmal zu haben voll .überzeugt sei. D a s  
w ir  uns , ,  der Konsequenz nicht entziehen, auch ein ist m ir  ganz unverständlich. J a ,  meine Herren, wenn 
gewisses Ä quivalent zu bieten für  das, w as  w ir  ver­ es noch heutzutage fü r  die Rechtsfragen, die u n s  hier 
langten —  beides auf  der G rund lage  der Instruktion. interessieren, in  B er l in  ein K a m m e r g e r i c h t  gäbe, 
M eine  Herren, ich glaube, nicht zu viel zu sagen: wie es vor etwa 100 J a h r e n  ein solches gab, d ann  
es ist dem M a g is tra t  wie hier der S tad tverordne ten­ würde auch ich sagen: ich opfere kein Titelchen von 
versammlung gegangen: leicht sind w ir  dazu nicht meinem guten Recht. Aber, meine H erren  —  da r in  
gekommen, I h n e n  die Vorlage zu machen; aber wir liegt fü r  "mich der Schwerpunkt: es gibt kein K am m er­
m ußten  schließlich den Gesichtspunkt verlassen, daß gericht in  B er l in  fü r  diese Angelegenheit.
wir u n s  hier in die Schanze schlagen sollen fü r  die ( S e h r  richtig!)
ganzen Selbs tverwaltungen der Monarchie. M eine W a s  gibt eS sonst e tw a?  E s  gibt neben dem R e ­
Herren, d as  können w ir  eben nicht, und  dazu sind gierungspräsidenten n u r  den Minister. N u n ,  meine 
w ir  auch, wie m an  sich überzeugen muß, nicht be­ Herren, ich will kein W ort  über den M inis ter  an  
rufen. W ir  können nicht das  W ohl der S t a d t  sich sprechen; aber S i e  alle müssen es herausempfunden 
Charlottenburg opfern, um  P ro p a g a n d a  zu machen haben —  selbst der Regierungspräsident deutele es 
fü r  eine spätere, zukünftige liberale Entwicklung der vielleicht hier und  da an  — er ist doch n u r  H an d  
Schulgesetzgebung. W ir  müssen anerkennen, daß das  in  H and  oder doch in F ü h lu n g  mit dem M inis te r  
Hemd u n s  näher sitzt a ls  der Rock, und wir müssen vorgegangen, und  daß wir beim M inister mit der 
danach auch im vorliegenden F a l le  verfahren. Ich  schönen Beschwerde, die seit l ‘/2 J a h r  en hier im 
möchte S i e  deshalb bitten, die Vorlage, wie sie vom Schubfach ruht. nichts erreichen, das  ist wahrlich 
Ausschuß an  S i e  gebracht ist, auch Ih re rse i ts  anzu­ sonnenklar, das  kann auch I h n e n  nicht entgehen.
nehmen. Und schließlich, meine Herren, bleibt I h n e n  n u r  
noch a ls  allerletzter Trost:  das  Abgeordnetenhaus! 
S t a d t r a t  I ) r .  J e b c n s :  M eine  Herren, ich fürchte N u n ,  lassen wir auch hierüber einen Schleier fallen.
oder ich hoffe —  jeder von I h n e n  mag wählen (B ravo!  und  S e h r  gut!)
zwischen diesen beiden Ausdrücken — , daß in diesem Gesetzt: wir gingen an  das  Abgeordnetenhaus, —  w as  
Augenblicke die W ürfel  bereits gefallen sind, wenn erreichten w ir  do r t?
sie auch noch vorläufig verhüllt werden von einem Also, meine Herren, w ir  haben ein Recht; sich 
geheimnisvollen Schleier. Ich  fürchte oder ich hoffe, j will zugestehen: w ir  geben Rechte pre is  in ganz ge-
        
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