Path:
Periodical volume 18. Mai 1904

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1904

hohem Maße Überstunden zu leisten gezwungen waren. andere Grund, den der Magistrat anfuhrt, ist. daß
Ich  w ill, um gar kein Mißverständnis aufkommen zu die Arbeiter unter Zuzählung der aus Reichsmitteln 
lassen, hier ausdrücklich betonen, daß w ir prinzip iell gezahlten Unterstützungen seiner Meinung nach, wenn 
auf dem Standpunkte stehen, daß auch die Beamten sie zu Übungen eingezogen sind, eine Einnahme haben, 
fü r ihre Überstunden eine Entschädigung zu erhalten die etwa dem gewöhnlichen Lohn gleichkommt. Diese 
haben. Und, meine Herren, inbezug auf höhere Be­ Berechnung stimmt nicht ganz. Es geht ja bereits 
amte und höhere Angestellte der S tad t kommt ja der ans der Berechnung des Magistrats selbst hervor, 
Magistrat unserem Standpunkte sehr nahe. Ich er- daß der Lohn nicht voll erreicht wird.. Nun meint 
crinncre daran, daß w ir wiederholt fü r besondere der Magistrat, die zu militärischen Übungen E in­
Leistungen, die Beamte zu erfüllen, hatten, —  und gezogenen hätten eigentlich noch Vorteile: sie bekämen 
im Grunde genommen sind ja die Überstunden auch freie Wohnung und freie Kost — nämlich in der 
nichts weiter als besondere Leistungen —  daß w ir Kaserne — , und die Frauen, die Familie, die zu 
wiederholt, wenn es sich um höhere Beamte handelte, Hause bleibe, habe neben dem halben Lohn noch die 
fü r besondere Leistungen auf Antrag des Magistrats Unterstützung ans Reichsmitteln. Es hat also den 
Extraentschädigungen bewilligt haben. Meine Fraktion Anschein —  wenigstens muß die Begründung des 
hat fast immer diesen Vorlagen zugestimmt, weil w ir Magistrats den Anschein erwecken —, als ob die A r­
eben nicht einseitig die Interessen der Arbeiter ver­ beiter, die zu einer militärischen erbring eingezogen 
treten, sondern weil w ir das, was w ir fü r die A r­ sind, sich dadurch noch besser stehen als sonst. Das 
beiter verlangen, auch genau so den Beamten zu­ ist doch tatsächlich nicht der Fall. Gewiß, die Familie 
gebilligt wissen wollen. D ie Einseitigkeit liegt aus bekommt den halben Lohn weiter, und sie bekommt 
seiten des Magistrats, der allerdings für höhere Be­ die Unterstützung aus Reichsmitteln; aber ihre Aus­
amte m it derartigen Vorlagen auf Entschädigung für gaben verringern sich nicht, der wichtigste Posten, der 
besondere Leistungen kommt, aber die Arbeiter fü r Posten für Miete, geht weiter, der Lebensunterhalt 
besondere Leistungen nicht höher honorieren w ill. ist auch nicht viel geringer, als wenn der Manu 
Meine Herren, weiter hat der M agistrat auch dabei ist. Mau muß bedenken, daß die Familien­
unseren Antrag auf Festsetzung des täglichen Mindest­ angehörigen den Manu, der mit seiner Löhnung als 
lohns der vollbeschäftigten Arbeiter aus 4 M  ab­ Soldat nicht auskommt, doch auch noch unterstützen. 
gelehnt, und zwar m it der M otivierung, daß er den Wer von Ihnen eine Übung als Reservist oder Laud- 
llkormaletat nicht durchbrechen w ill;  er w ill erst im wehrmann mitgemacht hat. wird ja wissen, daß die 
Jahre 1905 in  eine Revision des Normaletats ein­ horrende Löhnung, die man da bekommt, tatsächlich 
treten. Dieser Grund ließe sich hören, wenn über­ nicht zulangt, sondern daß die Angehörigen einen 
haupt nicht der Normaletat bereits durchbrochen wäre. immer noch unterstützen müssen. I n  Wirklichkeit 
I n  Wirklichkeit aber haben iv ir bereits Fälle, wo erhöht sich das Einkommen der Familie, wenn der 
über den Normaletat hinausgegangen ist. Deshalb Mattn zu einer Übung eingezogen ist, nicht, sondern 
kann ich diesen Grund als stichhaltig nicht an­ es verringert sich noch.
erkennen. Nun kommt aber hinzu, daß, seitdem der Meine Herren, finanziell würde ja für den 
Normalctat festgesetzt ist, die Lebensmittelpreise sowohl Magistrat die Durchführung unseres Antrages ganz 
als auch die Preise für Wohnungen so erheblich ge­ unbedeutend sein. Das gibt er selbst indirekt in 
stiegen sind, daß ein Teil der Arbeiter, bei den seinem ablehnenden Bescheid zu. Es wäre m ir lieber 
Löhnen, die er von der S tad t bekommt, nicht mehr gewesen, wenn der Magistrat sich nicht auf einen so 
imstande ist. die Kosten fü r den Lebensunterhalt zu ablehnenden Standpunkt gestellt, sondern das bewilligt 
erschwingen. Ich habe bei der ersten Lesung unserer hätte, was andere Gemeinden bereits seit längeren 
Anträge ja des Näheren an der Hand der M i t ­ Jahren bewilligt haben.
teilungen aus dem „Arbeitsm arkt" angeführt, wieviel D er wichtigste Punkt ist N r. l  unseres Antrages, 
nach den Berechnungen des Herrn S tadtrats O r. Jastrow nämlich die Forderung der Errichtung von Arbeiter­
zum Lebensunterhalt einer Fam ilie  in  Charlotten bürg ausschüssen fü r sämtliche städtischen Betriebe. Es 
notwendig ist, und ich habe nachgewiesen, daß bei­ könnte so scheinen, als ob der M agistrat uns in dieser 
spielsweise die Kämmereiarbeiter, die einen Anfangs» Beziehung ein Zugeständnis gemacht hat. Ich kann 
lohn von etwa 1020 M  im  Jahre beziehen, m it jedoch nicht anerkennen, daß hier ein Zugeständnis 
diesem Lohn den Lebensunterhalt nicht bestreiten vorliegt. Der M agistrat w ill in e inem  Betriebe, 
können. Die Verhältnisse haben sich, seitdem w ir nämlich bei der Straßenreinigung, einen ständigen 
den Antrag beraten haben, nicht geändert; auch nach Arbeiterausschuß einsetzen; aber es soll ein Arbeiter­
der neuesten Statistik, die im „Arbeitsm arkt" ver­ ausschuß sein, wie er bisher bereits bei der Ver­
öffentlicht ist, ist fü r Bestreitung des Lebensunter­ waltung der Gasanstalten besteht. Nun, meine Herren, 
haltes in  B e rlin  und Umgegend immerhin noch eine das. was w ir bei der Gasanstalt haben, hat allerdings 
Summe von 21 J t pro Woche nötig, svdaß also den Namen Arbeiterausschuß; aber in  Wirklichkeit ist 
ein T e il der Arbeiter tatsächlich nach dieser Berechnung es eine Ins titu tion , die gar nicht imstande ist, die 
m it dem Lohn nicht auskommen kann. Interessen der Arbeiter zu fördern und das zu erfüllen, 
Abgelehnt bat der Magistrat auch unseren Antrag, was man von einem Arbeiterausschuß verlangt, sondern 
daß den zu militärischen Übungen eingezogenen stän­ die lediglich ein gefügiges Werkzeug in  der Hand der 
digen Arbeitern der volle Lohn abzüglich der Unter­ Verwaltung werden muß. Es ist diesem Arbeiter- 
stützung aus Reichsmitteln zu zahlen ist. Der Magistrat ausschuß direkt vorgeschrieben, was er zu tun hat; 
führt hierfür zwei Gi linde an. Einmal hat er den es ist sogar vorgeschrieben, welche Angelegenheiten 
Antrag abgelehnt aus dem Gesichtspunkt der Einfach­ nicht zu seiner Kompetenz gehören. Es ist weiter 
heit. E ilt etwas sonderbarer Grund! Dieser Gesichts­ die Bestimmung aufgenommen, daß allen Sitzungen 
punkt kann doch wahrhaftig nicht maßgebend sein. des Arbeiterausschusses der D irektor oder ein von ihm 
Wenn ich envas für berechtigt, für innerlich begründet beauftragter Beamter der Gasanstalten m it beratender 
halte, daun habe ich dafür rüizuliete,,. gleichviel, ob Stim m e beiwohnt, und daß der D irektion deshalb 
die Verwaltung dadurch euvas kvmplizierrer oder die von jeder Sitzung vorher Anzeige zu machen ist. 
Berechnung dadurch etwas ctschimi wird. Der Die Tagesordnung für die Beratung, die vom Vor-
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.