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Periodical volume 18. Mai 1904

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1904

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zum Kritiker für die Leistungen anderer auswerfe, Herr Stadtv. Seibertz um so mehr mitwirken, als 
so glaubte ick doch, meine Pflicht zu verletzen, wenn auch er M itg lied  der Hochdaudcputation ist.
ich diese Faffadengeftallu»b als hinreichend durchge­ Ich  bitte Sie. meine Herren, diese Erklärung 
arbeitet und fü r die Ausführung geeignet bezeichnen entgegenzunehmen und die Vorlage, wie beantragt, 
wollte. Wenn auch zugestanden werden soll, daß die anzunehmen.
unkünstlerifche Darstellung den Wert des Ganzen 
wesentlich herabmindert, daß also das fertige Werk Vorsteher Rosenbcrg: Herr Kollege Seibertz, ich 
besser aussehen wird, als cs sich hier aus dem Papier nehme au. daß Sie die Überweisung der Vorlage an 
präsentiert, so sind aber doch so viele Ungereimlheilen einen Ausschuß von 9 M italiederu wünschen.
in der Skizze, daß ich dringend bitten mochte, im (Zustimmung des S ladtv. Seibertz.)
Detail eine recht sorgfältige Durcharbeitung des Gan­ Stadtv. B r . Pcnzig: Meine Herren, ich habe 
zen vorzunehmen. Zu bemängeln dürste namentlich nicht die Absicht, zu der Fassade zu sprechen, sondern 
die wenig schöne Ausbildung des Schulsaales, also ich möchte wieder einmal einen Wunsch dem Magistrat 
der Aula, im Äußer» sein, die m it ihren kühnen ans Herz legen, den ich vor vielen Jahren bereits 
Bogen und Psosteiiteilungen an eine Eisenbahnhalle ausgesprochen habe, der aber leider bisher noch gar 
erinnert. Dieses große M otiv , das bezüglich des keine Erfü llung gesunden hat. W ir haben seit der 
Widerlagers an der Ecke für das Auge ein statisches Zeit —  seit vier, fünf Jahren —  eine ganze Reihe 
Unbehagen erweckt, w ird m it dem Giebel des Risalits von Gemcindeschtileii gebaut und nicht daran gedacht, 
durch eine 13 m lange horizontale Galerie oben zu­ bei jeder G meindedoppelschule dasjenige einzurichten, 
sammengefaßt, was meines Erachtens nicht unbedenk­ was bei dem Anwachsen der großen Städte am aller- 
lich ist. Uber dem Ganzen erhebt sich ein Dachreiter, wünschenswertesten ist: nämlich Schulgäiten. Ich 
der. wie die perspektivische Skizze zeigt, einen recht habe über die Schulgartcnsrage schon öfter des brei­
dürftigen, in sich zusammengesunkenen Eindruck macht. teren gesprochen. Es handelt sich nicht um einen 
D ie Dächer erscheinen m ir als zu wenig steil. Bei botanischen Garten, wenn auch in steinet er Form , 
Bauteil m it gotischer Formengebung sollte die Neigung der den Gemeinde- und auch den höheren Schulen 
tunlichst nicht unter 60 Grad sein! Ich  selbst bin M ate ria l fü r den Nalurunterricht bietet, sondern es 
zwar Backsteingotiker. kann aber nicht leugnen, daß handelt sich um ein ganz kleines Stückchen Land, das 
cs langweilig ist, wenn fast alle Schulen und öffent- mit jeder Gemetndeschule verbunden ist, sei es ein 
Uche Bauten in dieser Stilrichtung errichtet werden. Randstreifen oder 50 bis 100 m im Quadrat, aus 
L>ie alle aber wissen, wie die Uniformierung der denen die Kinder die biologischen Vorgänge beobachten 
Berliner städtischen Bauten nach dem System Blanken­ können.
stein viele Jahrzehnte wie ein A lp  aus der künstlerischen I n  pädagogischen Kreisen ist man sich über die 
Gestaltung Berlins gelastet, und wie wohltätig der Notwendigkeit dieser Schulgärten längst klar geworden. 
seit einem Jahrzehnt eingetretene Wandel aus diesem W ir Charlottenburger, die w ir doch im Schulwesen 
Gebiete gewirkt hat._ Ich  warne, daß w ir durch zu vorangehen möchten, sollten in dieser Beziehung nicht 
viel gotisierende Backsreinbanten in Charlottenbnrg die rückständig bleiben. I n  Dresden, überhaupt im 
K ritik  der Architettenschast nicht ebenso herausfordern, Königreich Sackssen, sind 124 Gemeindeschulen bereits 
wie es siüher in Berlin  der F a ll gewesen ist. Ich m it solchen Schulgärten versehen, und eine ganze 
möchte noch die Anwendung des Haudstrichsteins als Reihe von andern Städten sind uns vorangegangen: 
einen Vorteil begrüßen; nur möchte ich dem Herrn Breslau bat 22, München 25.
Stadtbaurat anheimgeben, ob es nicht wünschenswert Eine große Verteurung unserer Plätze im ganzen 
wäre, das große Klostersormat anzuwenden statt kann das nicht Hervorrufen; denn, wie gesagt, es 
des kleineren Formats — , das vielfach jetzt auch in handelt sich um 100 bis 200 qm, die ausgespart 
Berlin  und anderen Orten,gebraucht wird, z. B . bei werden müssen, die zum Teil heute schon zu Schmnck- 
Postgebändkn. anlageii vorgesehen sind, und die dann nur gewisser­
Also ich beantrage die Annahme des Kosten­ maßen in die pädagogische Zweckbestimmung Hinein- 
anschlages, aber die etwas andere Gestaltung der genommen würden. Ich  w ill z. V . mitteilen, daß 
Fassade und die etwas reifere Durcharbeitung. Hannover gewöhnlich nur 60 bis 45 qm g ib t; in 
Dresden sind diese Schulgärten von 16 qm bis frei­
lich zu der gewaltigen Ausdehnung von 1500 qm 
Stadtbaurat B ra trjug: Ob das richtig ist, was groß. D ie weiteren Kosten sind ebenfalls ganz minimal. 
der Herr Referent ausgeführt hat, —  er hat ja selber Es w ird angenommen, daß der naturkundliche Lehrer 
gesagt: de gustibus non est disputandum —  muß der geborene Pfleger ist. daß die Kinder, wie das 
ich ihm überlassen. Ich  w ill nur das eine bemerken, nach allen Erfahrungen der F a ll ist, ihn dabei gern 
daß er selber gesagt hat. daß die Darstellung, die unterstützen. So stellen sich die Kosten auf eine ganz 
vorgelegt ist, keine vollkommene ist; es ist eben eine geringe Summe. I n  München haben z. B. die 
geometrische Zeichnung, und die wirkt nie so hübsch, Verwaltungskostcn jährlich 40 J C  betragen, die Unter­
als wenn man eine perspektivische macht. I m  übrigen haltungskosten 80 M .
.w ar bei der Skizze, die seinerzeit hier ausgehängt Ich  möchte also doch bitten, daß w ir diese Sache 
war und heute wieder aushängt, eine ganz ausführ­ im Auge behalten. Es ist ja  durch Erlaß des K u ltus­
liche perspektivische Zeichnung, iind diese zeigte genau ministeriums vom 29. November 1889 daraus hin­
dieselben Dimensionen, dieselbe Architektur, die jetzt gewiesen worden, daß fü r die höheren Lehranstalten 
ausgeführt ist. Auch da sind die Backsteine ver­ diese Frage wichtig ist. Meine Herren, was fü r die 
wendet, die in dem Referat des Herrn Sladtv. höheren Lehranstalten in  dieser Beziehung recht ist, 
Seibertz eine Rolle gespielt haben. Es ist ganz genau, ist um so mehr billig  fü r die Volksschüler, denen die 
denselben Dimensionen entsprechend, in der neuen Gelegenheit. N atur zu sehen, bei uns in immer 
Vorlage gemacht worden wie in der Skizze. Ich  höherem Maße verkümmert wird. Ich möchte also 
meinerseits bin gern bereit, die Verschönerung der den Herrn Stadtbaurat und den Herrn Stadtschulrat 
Fassade, soweit es innerhalb des Kostenanschlages dringend bitten, diese Angelegenheit im Auge zu 
möglich ist, noch zu bewirken. Dabei kann ja der behalten.
        
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