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Periodical volume 21. Dezember 1904

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1904

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von m ir nicht gekannten Wege auf den Herrn Heyne erwidern. Es haben sich tatsächlich —  ich kann das 
verfallen ist. Alles das möchte ich als Stadtver­ sagen, da ich ja als Mitglied der Versammlung 
ordneter wissen, und ich fühle mich verpflichtet der dieser Deputation angehört habe — keine geeigneten 
Bürgerschaft gegenüber, das zu wissen. Das kann Bewerber gefunden, und den Weg einer nochmalige 
nur im Ausschuß festgestellt werden; daher scheint Ausschreibung haben wir deshalb nicht beschütten, 
m ir die Ausschußberatung, um das notwendige weil er zu einem Fiasko der Stadt geführt haben 
Material heranzuschaffen. doch dringend geboten. würde. Denn wir würden wiederum keine geeigneten 
Der Pachtpreis ist anormal niedrig. Es ist gar Bewerber gefunden haben mit Rücksicht auf die harten 
nicht daran zu denken, ihn auch nur angemessen zu Bedingungen.
nennen. Es wird dem Pächter tatsächlich in den Ich möchte Herrn Kollegen Baake selbst nun 
ersten fünf Jahren nur eine Last von 5000 JC jähr­ die Frage vorlegen, wie es denn in dem Vereins- 
lich auferlegt. Stellen Sie sich nun das kolossale Hause m it dem Wein gehalten wird.
Geschäft vor, das im Rathause sich abspielen kann! (Stadtv. Hirsch: Da gibts keinen! Heiterkeit.) 
Ich bin durchaus nicht dafür, daß dem Mann das Sie trinken keine Weine.
Fell über die Ohren gezogen wird von der S tad t; (Zuruf bei den Sozialdemokraten: Nein!)
aber es hätte eine andere Grundlage geschaffen werden Aber der Mann nimmt auch seinen Verdienst, den 
müssen, damit der Eventualgewinn eines Einzelnen er haben muß, von den Getränken; denn von dem 
ausgeschaltet wird. Warum hat man nicht einen Verdienst von Speisen kann er nicht leben.
Vertrag gemacht, daß nach dem verschenkten Wein Die Jnventarbeschaffung ist der schwierigste Punkt 
und nach dem Bierabsatz sich der Pachtbetrag be­ des ganzen Vertrages gewesen, und deshalb mußten 
messen muß? Dann würde auch die Möglichkeit ge­ w ir nach fünfjährigem Vertrag eine Option zu einer 
geben sein, daß nian beiden Teilen gerecht werden erhöhten Miete von 15 ooo JC hineinsetzen. Ver­
würde. Wenn wirklich der Rathauskeller so schlecht gessen Sie nicht, meine Herren: der Mann schafft 
geht, daß nicht mehr 5000 JC Pacht herauskommen, ein Inventar an, das er seinerseits in fünf Jahren 
dann halte ich es für unbillig, wenn dem Mann verdienen muß; wir übernehmen dieses Inventar zu 
auch diese Pachtsumme abgenommen wird. einer so koulanten Bedingung, wie das vielleicht kein 
(Zuruf.) Mensch noch einmal unterschreiben würde: der Mann 
—  Aber, meine Herren, Sie vergessen doch die willigt ein, daß w ir für sein neubcschafftes Inventar, 
Wohnung! Die Wohnung muß der Mann so wie falls die Stadt in die Lage kommt, es zu übernehmen, 
so haben, und die Wohnung ist tatsächlich 2000 JC pro Jahr 10 %  abrechnen.
wert, da kommt tatsächlich so viel heraus, und es ist (Stadtv. Baake: Wie wird das gerechnet?)
kein Grund, warum er das erste Jahr mietsfrei Von 50 ooo JC werden jährlich 5000 Je als Ab­
sein soll. nutzung angesehen.
(Zuru f: Jnventarbeschaffung!) (Stadtv. Baake: So steht es nicht drin!)
— Die Jnventarbeschaffung muß er doch verteilen So steht es im Vertrage, wenn Sie ihn genau lesen 
auf eine ganze Reihe von Jahren. So geht das werden, deutlich drin: er hat zugestanden, für die 
also nicht zu machen. Es kommt darauf hinaus, Abnutzung uns eine Abrechnung von 10 %  3U ge­
daß weiter nichts geändert werden soll, als daß w ir währen, meine Herren, und das ist ein sehr wichtiger 
die eigene Kneipstube für uns hineinschreiben; dabei Punkt. Es muß im Vertrage stehen; denn es ist 
bleiben die anderen Bestimmungen stehen, daß für mir als Mitglied dieser Kommission in Erinnerung. 
die billigen Regieweine 50 °/0 Aufschlag genommen Im  Falle ein besonderes Inventar für die Festjäle 
werden muß, während die übrigen nur 33l/s°i0 Auf­ angeschafft werden soll, das weniger benutzt wird, so 
schlag zahlen. Da muß man ja warnen vor dem wird für dieses die Entschädigung auf 5 %  pro Jahr 
Genuß der Weine, die 2,25 JC kosten; denn soviel herabgesetzt.
beträgt der Ausschankpreis des Weines, der dem Stimme» Sie heute dem Vertrage zu!
Magistrat 1,50 JC kostet, da 50 °/0 Aufschlag hinzu­
kommen ; wenn der Magistrat aber Weine für 1,60 JC Oberbürgermeister Schustehrus: Was Herr Stadtv. 
liefert, darf der Mann bloß 331/,, %  Aufschlag fordern Kaufmann erwähnte, was Herr Stadtv. Baake bestritt, 
und muß folglich diesen Wein billiger verkaufen als finden Sie auf Seite 586 der Druckvorlage am 
den Wein für 1,50 JC, Ende des § 6, der m it dem Satze schließt:
(Heiterkeit) Bei der Übernahme ist als Preis für das 
d. H. man macht ein besseres Geschäft, wenn man Inventar der Anschaffungspreis abzüglich einer 
nicht den Wein für 2,25 JC., sondern den für jährlichen Abschreibung von 10 —  in Worten 
2,10 JC trinkt im Ratskeller. zehn — vom Hundert zu zahlen. Wird mit 
Im  übrigen hätte ich gewünscht, daß die Kom­ Genehmigung des Magistrats für die Festsäle 
mission für die Vermietung des Ratskellers uns durch besonderes, nur dort zu. benutzendes Inventar 
M itteilung der Ergebnisse ihres Studiums in den beschafft, so g ilt als Übernahmepreis dieses 
übrigen deutschen Rathauskellern einen wenigstens Inventars der Anschaffungspreis abzüglich einer 
ideellen Genuß verschafft hätte. jährlichen Abschreibung von 5 °/0 — in Worten 
(Heiterkeit.) fünf Prozent.
Ich möchte wissen, was der Berliner Rathaus­ Meine Herren, ich kann Sie versichern, daß der 
keller. der ja allerdings günstiger liegt als der Char­ Ratskeller als eine Goldgrube, wie ihn Herr Baake 
lottenburger, bringt. Ich warne davor, daß w ir uns ansieht, nicht angesehen wird von den Leuten, die 
auf 10 Jahre auf einen so niedrigen Pachtbetrag hier in Frage kommen. Es ist uns ungeheuer 
binden; bei diesen Geschäften werden die unglaublichsten schwer gefallen, überhaupt einen zahlungsfähigen 
Gewinne gemacht. Mieter für den Ratskeller zu erhalten. W ir haben 
die Pacht öffentlich ausgeschrieben, und da sind 
Stadtv. Kaufmann: Ich wollte eigentlich auf Meldungen von Leuten gekommen, die gar nicht in 
das Wort verzichten; aber da ich es einmal bekommen Frage kommen konnten, die sich die Bedingungen 
habe, möchte ich Herrn Kollegen Baake doch einiges nicht ordentlich durchgelesen hatten, und als sie
        
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