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Periodical volume 21. Dezember 1904

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1904

hältnissen richten. Gewiß. Die allgemeinen volks­ kann so nicht weiter gehen. Hier muß die politische 
wirtschaftlichen Verhältnisse lassen aber — das ist Gemeinde einschreiten, da die Kirchengemeinde ver­
wiederholt nachgewiesen — eine Verkürzung der sagt. Bei dem Bau der Kaiser Wilhelm-Gedächtnis­
Arbeitszeit sehr wohl zu. ohne daß darum der Volks­ kirche ist der Bezirk dieser Kirche der Berliner Stadt- 
wohlstand leidet. Und, meine Herren, vergessen wir synode einverleibt worden. Im  Jahre 1896 wurde 
doch eins nichl, daß wir als Kommune die Pflicht die Trinitatiskirche von der Luisenkirche abgezweigt 
haben, anderen Arbeitgebern mit gutem Beispiel und auch der Berliner Stadtsynode einverleibt. Bei 
voranzugehen. W ir dürfen nicht sagen: wir müssen dieser Abtrennung ist der Trinitatiskirchengemeinde 
die volkswirtschaftlichen Verhältnisse so sehr berück­ noch 6 Jahre laug das Beerdigungsrecht auf dem 
sichtigen. daß nur ja nicht die privaten Arbeitgeber Luisenkirchhof gewährt. Diese Tatsache war der 
einen Schaden leiden durch unser Vorgehen —, Stadtsyuode bekannt. Die Stadtsynode hat aber 
sondern im Gegenteil, w ir müssen die privaten Arbeit­ trotzdem nicht dafür gesorgt, daß die Trinitatiskirche 
geber zwingen, unserm Beispiel zu folgen. nach Ablauf dieser Frist einen Kirchhof bekommen 
Die Ausführungen des Herrn Kollegen Becker hat. Die Trinitatiskirche hat sich selbst viel Mühe 
über die Arbeiterausschüsse haben mich in höchstem gegeben, geeignete Terrains zu finden, sie hat auch 
Grade in Erstaunen gesetzt. Herr Kollege Becker ist verschiedene Vorschläge gemacht, z. V. für ein schönes 
für Arbeiterausschüsse, aber nicht ohne Einschränkung. Terrain hier ganz in der Nähe auf Westend, das 
Er meint, sie können gut wirken, wenn nicht der zu billigem Preise zu haben war; aber die Synode 
Geist der Agitation von auswärts in sie hinein­ hat dieses Terrain abgelehnt. I n  der Sitzung der 
getragen wird und wenn sie nicht durch Aufhetzung Stadlsynode wurde einfach der Kirchhof in Stahns­
verdorben werden. Nun, meine Herren, diese Be­ dorf beschlossen, das wäre der einzig richtige Ort. 
fürchtung hört man ja sehr oft; sie ist aber durch Jeder wird sich fragen: wo liegt Stahnsdorf, und 
nichts begründet. Gewundert habe ich mich haupt­ wie kommt man dahin? Stahnsdorf liegt hinter 
sächlich darüber, daß Herr Kollege Becker sich in Schöneberg, Teltow, und wenn man zu Fuß von 
seiner Beurteilung über die Arbeiterausschüsse in hier hingeht, hat man 3 Stunden zu gehen; will 
Widerspruch setzt zu den Worten, die sein oberster man fahren, muß man bis Wannsee mit der Bahn 
Kriegsherr einmal ausgesprochen hat. Der Kaiser fahren, und von da hat man auch noch lV 2 Stunden 
hat sich ganz uneingeschränkt im Jahre 1890 für zu gehen. Und was für Wege! Chausseen gibt es 
Arbeiterausschüsse ausgesprochen, damit den Arbeitern dort nicht, man muß Landwege gehen. Wenn jemand 
das Gefühl der Gleichberechtigung gewahrt wird. im Winter dorthin muß, dann möchte ich ihm raten, 
Herr Kollege Becker kann der neulichen Erklärung sich lieber gleich ein Paar Reservestiefel mitzunehmen; 
des Herrn Kiiegsministers von Einem zufolge von denn einen Stiefel verliert er mindestens in dem 
Glück sagen, daß er nicht mehr aktiver General ist; Schmutz, der bleibt ihm sicherlich stecken.
ich glaube, er würde nach dieser Rede sofort entlassen I n  der letzten Sitzung der Stadtsynode stand 
werden. die Beschlußfassung über die Kirchhofsfrage bei der 
(Heiterkeit) Trinitatisgemeinde auf der Tagesordnung. Meine 
Herren, die Trinitatisgemeinde hatte noch ein An­
(Die Beratung wird geschlossen. Die Ver­ gebot von der Dorotheenstädtischen Gemeinde, einen 
sammlung beschließt entsprechend dem Antrage des Kirchhof für eine Pachtsumme von 14 000 M  pro 
Stadtv. Gredy, die Mitteilung des Magistrats in den Jahr zu bekommen; die Pacht sollte auf kürzere 
Ausschuß zurückzuverweisen.) Zeit erfolgen oder als Erbpacht bis auf 99 Jahre 
ausgedehnt werden. Die von der Stadtsynode an­
Vorsteher Rosenberg: Es ist folgende Anfrage gestellten Berechnungen ergaben aber, daß es ohne 
eingegangen: einen kleinen Zuschuß ihrerseits nicht abgehen würde, 
Die Unterzeichneten fragen den Magistrat und das hat sie veranlaßt, das Angebot abzulehnen. 
an, nach welchen Gesichtspunkten bei der Auch die Lostrennnng von Berlin wurde in der 
Überlassung der Volksbadeanstalten an Schwimm­ Stadtsynode besprochen, und es wurde gesagt, daß es 
vereine behufs Veranstaltung von Schwimm­ Berlin nie einfallen würde, Charlottenburg wieder 
festen und Abhaltung von Übunqsstunden ver­ abzutrennen, denn das wäre ja eine melkende Kuh. 
fahren wird. Die Stadlsynode erhält jährlich einen Zuschuß an 
Dr. Zepter Kirchensteuern durch Charlottenburg von 400000 J i ,  
und noch 6 Unterschriften. und sie zahlt an die Trinilalisgemeinde vielleicht 
Ich erlaube mir die Anfrage an den Herrn 30 bis 35 000 M ,  sodaß ihr ein Nettoüberschuß aus 
Oberbürgermeister zu richten, ob und wann der Charlottenburg von 370 000 ,/ft ungefähr verbleibt.
Magistrat diese Anfrage zu beantworten gedenkt. Im  Jahre 1902 wurde die Kreissynode Friedrichs­
werder geteilt, und zwar in Friedrichswerder I  und II. 
Oberbürgermeister Schustehrus: Ich bitte, die Zu Fricdrichswerder I I  kamen die Trinitatiskirche, 
Sache den gewöhnlichen Weg gehen zu lassen. ebenso Schöneberg, Mariendorf, die Zwölf-Apostel- 
und die Lutherkirche. I n  der Sitzung der Stadt­
Vorsteher Rosenberg: Ich werde dementsprechend synode, wo über den Stahnsdorfer Kirchhof Beschluß 
verfahren. gefaßt werden sollte, wurde vorher noch ein be­
Punkt 4 der Tagesordnung: sonderer Kirchhof für die Christusgemeinde beschlossen. 
Diese hat also noch schnell einen Friedhof erhalten, 
Anfrage des Stadtv. Protze und Gen. betr. trotzdem die Stadtsynode gleich hinterher beschlossen 
Errichtung eines Gemeindefriedhofes. — hat. den Stahnsdorfer Kirchhof anzulegen und gleich 
Drucksache 493. bei der Polizei vorstellig zu werden, daß in einem 
Umkreis von so und so viel Metern von Berlin die 
Anfragesteller Stadtv. Protze: Meine Herren, Genehmigung für die Anlage eines neuen Friedhofs 
die Kirchhofsnot der Trinitatisgemeinde und im verweigert werden möchte. Meine Herren, was der 
nächsten Jahre auch die der Epiphaniasgemeinde Christusgemeinde kurz vorher zugestanden ist, das
        
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