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Periodical volume 7. Dezember 1904

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1904

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D e r  A n tra g  lau te t: ich weiß ja, daß  H e r r  D r .  Zepler und  seine F reun de  
D ie  S tadtverordnetenversam m lung  möge auf  dem S ta d p u n k t  stehen, daß  die S t a d t  alles in  
beschließen, den M agis tra t  zu ersuchen, ih r  bald­ Regie übernehmen soll. J a  die H erren gehen noch 
möglichst eine Vorlage zu unterbreiten betieffs weiter, sie wollen ja , daß  der S t a a t  überhaup t alles 
Übernahme des Betriebes der A bortanfta lten  m in eigene Regie n im m t. Aber meine Herren, w i r  
eigene Regie. stehen doch au f  einem anderen S ta n d p u n k t :  w ir  —  
der M agis tra t  m it  der großen M a jo r i t ä t  der S t a d t ­
Antragsteller Stadtv. Sellin: M eine  Herren, nach verordnetenversammlung —  stehen auf  dem S t a n d ­
meiner M einung  bedarf der A n tra g  keiner längeren punkt, daß die S t a d t  n u r  diejenigen Sachen  in 
B egründung . D e r  Ausschuß, der im  M ä r z  d. J s .  Regie nehmen soll, bei denen das  Interesse der A ll­
tagte, u m  den Kontrak t m it  Protz  zu verlängern, gemeinheit dies rötlich ei scheinen läßt. E in  solches 
hatte erwartet, schon dam als  von dem M agis tra t  eine Interesse sehe ich hier nicht, d as  ist auch nicht von 
Vorlage zu erhalten, betr. Übernahme der A b or t ­ dem H errn  Antragsteller oder H errn  D r .  Zepler 
anstalten in  eigene Regie. D e r  M ag is tra t  erklärte uns ,  nachgewiesen.
daß  es ihm in der kurzen Zeit nicht möglich wäre, ( S e h r  richtig! bei der F re ien  Verein igung.)
der S tadtverordne tenversam m lung  eine solche Vorlage D a s  P ub likum  befindet sich durchaus in  einer 
zu unterbreiten. I c h  habe infolgedessen den A ntrag  guten Lage, wenn der Betrieb so bestehen bleibt, wie 
so frühzeitig gestellt, dam it  der M ag is tra t  n u n  G e ­ er bisher gehandhabt worden ist. I c h  bitte S i e  
legenheit hat. und  er nicht wieder erklären kann, die daher, den A n trag  S e l l in  abzulehnen.
Zeit sei zu kurz, u n s  in  allernächster Zeit eine V o r ­
lage zu unterdi eiten betr. Übernahme des Betriebes 
der Abortanstalten in  eigene Regie. I c h  bitte S ie ,  Stadtv. Dr. Zep le r :  I c h  möchte noch einmal 
den A n trag  anzunehmen. betonen, daß  es sich hier um  das  W ohl der ange­stellten Arbeiter  handelt. Z u  gleicher Zeit  möchte 
Stadtv. D r .  Schmidt: Wie schon der H e r r  V o r ­ ich a u f  etw as aufmerksam machen —  ich sprach 
redner sagte, ist im M ä r z  eine A nfrage  wegen dieser vorhin  von dem Schicksal des Arbeiters  Schulze — : 
Angelegenheit gestellt worden. D a m a l s  hörten wir solche F ä l le  werden öfter vorkommen, w ir  haben 
von seiten des 'M a g is t ra ts ,  daß es sich u m  vieles öfter solche invaliden Leute zu beschäftigen, auch 
billiger stellen würde, wenn diese Anstalten von einem F ra u e n .  D a  hätten w ir  durch den eigenen Betrieb 
P r iva tu n te rn ehm er  in P ach t  genommen werden. Ich  der Abortanstalten Gelegenheit zu ihrer Beschäftigung. 
bedaure deshalb, daß die Verpachtung n u r  b is  zum  I c h  möchte also d a rau f  aufmerksam machen, wie es 
A p r il  n. J s .  erfolgt ist. E s  ist rechnerisch festgestellt, schließlich auch so zum allgemeinen W ohl führen 
daß die S t a d t ,  wenn sie diese Anstalten in eigenen kann, wenn die S t a d t  die Sache in eigene Regie 
Betrieb nähme, ungefähr 6 oder 7000  M k. mehr da­ übern im m t.
für  zahlen würde a l s  der Unternehmer. Diese G ründe, (D ie  B era tung  wird geschlossen.)
die u n s  d a m a ls  vom M agis tra t  mitgeteilt wurden, 
veranlassen u n s ,  den A n trag  des H e r rn  V orredners  Antragsteller S tadtv. S e llin  (S ch lu ßw o rt :)  D e r  
abzulehnen. Ausschuß, der im M ä r z  tagte, gab der E rw ar tun g  
Ausdruck, daß die Arbeitszeit eine glattere werden 
S ta d tv .  D r .  Z e p le r : M eine  Herren, der Kollege sollte. B i s  jetzt ist m ir  persönlich noch nichts zu 
H err  D r .  Schm idt betonte eben, daß der M agis t-a t  O hren  gekommen, ob etwas geändert worden ist.
bei Selbstübernahme des Betriebes um  etwa 7000  M k. M eine  H erren, der H e r r  Oberbürgermeister 
teurer wegkommen würde, a ls  bei dem Betriebe durch suchte S i e  dadurch vielleicht abzuschrecken, daß er 
den Unternehmer. M i r  scheint d a s  garnicht so wesent­ sagte: der Antragsteller und  seine F reun de  wollen 
lich zu sein in  Anbetracht der D inge , um  die es sich olles in  eigene Regie nehmen, sie wollen den S t a a t  
handelt. I c h  sehe nicht ein. daß selbst bei dieser E in ­ stürzen.
richtung noch ein P r o f i t  gemacht werden soll von (Heiterkeit.)
einem Priva tun te rnehm er .  D e r  P ro f i t  kann aber Ic h  meine, es ist vielleicht ganz gut, wenn m an  
n u r  gemacht werden durch zu  schlechte Bezahlung  der etw as frühzeitig einen Betrieb in eigene Regie über­
Arbeit der W äite r innen  und  zu lange Arbeitszeit der­ n im m t. I c h  erinnere an  die Vorlage, die u ns  heute 
selben. I c h  meine, d a s  ist der S t a d t  nicht würdig, noch beschäftigt, über die Wasserwerke; wenn die 
u m  ein p a a r  tausend M a rk  zu sparen, einen solchen e tw as  früher  in  unsere H ände übergeaangen wäre, 
Zustand bestehen zu lassen. E s  ist unsere Aufgabe, wäre es vielleicht besser gewesen. W enn  wirklich 
die S ache  so zu verwalten, wie es sich gehört. E in  nachgewiesen wäre, daß es 7000 M  teurer wird  —  
P io s t l  m uß  doch auch nicht bei allen D ingen  h e raus ­ bis  jetzt bestreite ich. daß es nachgewiesen worden 
kommen, noch dazu bei solchen dem Gem einwohl ist, in  dem Ausschuß, der im M ä r z  tagte, ist 
dienenden Einrichtungen, f re i l ich  wird  der Unter­ d as  durchaus nicht nachgewiesen; es ist von H errn  
nehmer ja  auch von solchem P ro f i t  sagen: n o n  olet. Kollegen Förstner  nachgewiesen, daß  der M a n n  das  
Aber es ist nicht der S t a d t  würdig, einen solchen und das  einnimmt, und  daß der S t a d t  es d a s  und  
Zustand bestehen zu lassen. Greifen  wir in den das  kosten würde — , aber wenn es wirklich nachge­
Siadtsäckel, zahlen wir die p a a r  tausend M ark ,  bessern wiesen werden sollte, dann  ist es imm er noch Zeit,  
w ir  die Gehälter  der a rm en  F r a u e n  auf, damit sie wenn der S tad tverordne tenversam m lung die Vorlage 
nicht auf  die Trinkgelder angewiesen sind und  12 bis vorliegt, sie abzulehnen. Aber ich möchte S i e  bitten, 
15 S tu n d e n  in  dieser Luft  zubringen müssen. D a n n  nicht vorzeitig schon den A n trag  abzulehnen, sondern 
werden wir einen würdigen Zustand  haben. ihn anzunehmen, dam it  w ir  die Vorlage bekommen, 
Ic h  bitte S ie ,  dem A n trag  zuzustimmen, daß damit w ir  Gelegenheit erhalten, u n s  mit der F ra g e  
wir  den Betrieb der Abortanfta lten in  städtische Regie zu beschäftigen, ob es wirklich teurer wird oder 
nehmen. nicht.
(D ie  Versammlung lehnt den Antrag des S tadtv. 
Oberbürgermeister Schnstrhrus: M eine Herren, S e llin  und G en. ab.)
        
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