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Periodical volume 23. November 1904

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1904

daß in  dem Ausschuß auch darüber abgestimmt wird. und Kassenbeamten fü r die städtische Verwaltung 
Es ist m ir unbegreiflich, daß das nicht geschehen ist. Charlottenburg in  § 6 denselben Satz haben; da 
Es muß doch auch im Ausschuß zur Sprache ge­ heißt cs: „Dem  Magistrat und den Supernumeraren 
bracht worden fein, daß hier ein derartiger Antrag steht jederzeit die Auflösung des Dienstverhältnisses 
gestellt worden ist. und wenn das der F a ll gewesen ohne Angabe von Gründen frei." Es ist doch ganz 
ist, dann muß doch darüber abgestimmt worden sein. natürlich, daß, wenn w ir Schülerinnen aufnehmen, 
die w ir sehr wenig kennen, w ir das Recht haben 
Berichterstatter Stadtv. D r. Rose: Ich  möchte müssen, sie, wenn sie ungeeignet sind, ohne großen 
zur Aufklärung der Sache folgendes bemerken. Herr Apparat zu entlassen. Öb das nun gerade ein 
Kollege Holz ist M itglied des Ausschusses gewesen, großer Vorzug ist, wenn w ir ihnen ein Attest aus­
war aber nicht in  der Sitzung anwesend. I m  Aus­ stellen, daß sie das und das pecctert haben? — Das, 
schuß habeich — da ich präsidierte, würde mich ja die meine ich. könnte ihrer Laufbahn noch mehr hinder­
Schuld treffen —  die Beratung in der Weise ge­ lich sein, als wenn sie ohne Angabe von Gründen 
leitet, daß w ir gerade im Gegensatz zu der kursorischen entlassen werden. Meine Herren, es handelt sich in  
Behandlung in  der Krankenhausdeputation einen dem von Herrn Stadtv. Holz berührten F a ll um 
Paragraphen nach dem anderen durchgenommen haben, Schülerinnen, die im ersten Jahre der Ausbildung 
wie die Herren sich erinnern werden, und da niemand stehen. Bei Schwestern haben S ie in  § 4 ein vo ll­
diesen Antrag aufgenommen und irgendwie verteidigt ständig geordnetes Verfahren, wonach Der Direktor 
hat, so ist er nicht akzeptiert worden. m it Zustimmung der Krankenhausdcputation die 
Was den Antrag selber betrifft, so möchte ich Schwester entlassen kann. Also sobald die Schwester 
bitten, von ihm Abstand zu nehmen, weil ich ihn eine beamlenähnliche Stellung einnimmt, ist ein ge­
fü r keine Verbesserung halte. Wäre er im  Ausschuß ordnetes Verfahren vorgesehen —  D irektor und 
aufgenommen worden, so würde ich wahrscheinlich Krankenhausdeputation — , und wenn sie länger als 
Herrn Kollegen Holz gebeten haben, ebenso wie ich 10 Jahre da ist, muß der Magistrat auch noch zu­
bei einem anderen Antrage Herrn Hirsch darum ge­ stimmen. Es ist in dieser Beziehung also jede V o r­
beten habe, seinen Antrag zurückzuziehen, weil ich sorge getroffen.
glaube, daß er nicht zweckmäßig ist. D ie Sachlage Ich  bitte S ie  daher, aus denselben Gründen, 
ist doch die, daß man heutzutage wesentlich eine Ver­ die der Herr Referent schon vorgetragen hat, den 
besserung der Stellung der Schwestern deshalb macht, Antrag des Herrn Stadtv. Holz abzulehnen.
weil man sie so sehr nötig hat. Es ist ja eine be­
kannte Tatsache, daß ein großer Mangel an Diako­ Stadtv. D r. Frcntzcl: Ich  vermute, daß Kollege 
nissinnen wie Schwestern in  den Krankenhäusern vor­ Holz seinen Antrag zurückziehen w ill. Dadurch wird 
handen ist. Aber die Verbesserung hat doch immer das, was ich zu sagen habe, gegenstandslos.
eine Grenze. Wer w ird denn ein junges Mädchen, 
das eben eingetreten ist, das man noch gar nicht Stadtv. D r. Holz: Nachdem ich die letzten
kennt, im ersten Jahre an die Lu ft setzen, wenn nicht Gründe des Herrn Referenten gehört habe, daß in 
sehr schwerwiegende Gründe vorliegen, wenn sich z. B., der Ta l Ereignisse eintreten können, die eine sofortige 
wie das in  Krankenhäusern vorgekommen ist, so ein Wegschaffung einer derartigen Person erheischen, ziehe 
Mädchen —  man kennt es doch nicht, wenn man ich meinen Antrag zurück.
es anstellt, trotz aller Atteste —  m it einem Kranken­
wärter in  das intimste Verhältnis einläßt und dabei Stadtv. Hirsch: Ich  möchte nun Herrn Kollegen 
abgefaßt w ird ! S ie werden m ir zugeben, daß das Holz bitten, nachdem er sich selbst überzeugt hat, 
fü r ein Krankenhaus noch schlimmer als fü r eine daß er im Unrecht war, sich nicht m it der Zurück­
Fam ilie  ist. und daß solch Weibstück nicht schnell ziehung seines Antrages zu begnügen, sondern auch 
genug aus dem Haus hinausgeworfen werden kann. die gegen die sozialdemokratische Fraktion erhobenen 
Wenn der Krankenhausdirektor erst die Krankenhaus- Vorwürfe zurückzunehmen.
deputation, die er vielleicht erst in  14 Tagen zn- (Heiterkeit.)
sammenbekommt, rufen muß. dann ist das ein A u f­
schub, unter dem die Anstalt leidet, und das würde Stadtv. Holz: Meine Herren, es lag m ir durch­
um so mehr der F a ll sein, als natürlich der Krankenhaus­ aus fern, gegen die sozialdemokratische Fraktion einen 
direktor die betreffende Person sofort außer Arbeit V orw urf zu erheben deshalb, weil sie anders ab­
stellen würde —  das versteht sich von selbst. Dann gestimmt hat, als ich vorgeschlagen habe, sondern nur 
hat diese Person nichts zu tun und lästert im  ganzen deshalb geschah es. weil, wie ich nach dem Bericht 
Hause herum und macht die Sache noch schlimmer. annehmen mußte, über meinen Antrag überhaupt 
Das sind die Gründe, die ich dagegen angeführt nicht verhandelt worden ist und kein M itg lied  der 
haben würde, wenn einer der übrigen Ausschuß- sozialdemokratischen Fraktion dafür gesprochen hat. 
Mitglieder diesen Antrag aufgenommen haben würde. Jetzt, nachdem ich die Gründe des Berichterstatters 
Ich glaube, die anderen Herren würden m ir bei­ gehört habe, besonders den letzten, liegt die Sache 
gestimmt haben. Gerade bei den Schülerinnen, die fü r mich ganz anders.
frisch eingetreten sind, und unter die doch alle mög­
lichen Leute aus Versehen hineingeraken können, (Die Beratung w ird geschlossen. D ie Ver­
muß man eine Handhabe haben, um sich erforder­ sammlung beschließt nach dem Antrage des Aus­
lichenfalls möglichst schnell von ihnen zu befreien. schusses wie folgt:
Das ist meine Meinung. Deshalb bitte ich Sie. im Den neuen Bestimmungen fü r die Anstellung
Interesse des Krankenhauses von dem Antrage des städtischer Schwestern im Krankenpflegedienst
Herrn Kollegen Holz Abstand zu nehmen. zu Charloltenburg w ird m it folgenden Abände­
rungen zugestimmt:
Stadtrat Voll: Meine Herren, ich möchte Sie § 2, Absatz 1, zweite und dritte Zeile:
darauf aufmerksam machen, daß w ir auch z. B . in D ie Worte „dreimonatlicher Kündigung zu 
den Bestimmungen fü r die Befähigung der Büreau- jedem Monatsersten" sind zu ersetzen durch
        
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