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Periodical volume 23. November 1904

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1904

Aus diesen Gründen werden wir für den Antrag für die künstlerische Ausschmückung des Rathauses 
stimmen! zu sorgen. Meine Herren, ober das Rathaus ist 
(Bravo!) jetzt noch nicht fertig; wir haben reichlich Zeit, uns 
darüber noch zu Unterbalten und eventuell Beschluß zu 
Stadtv. Gleim: Meine Herren, man kann ein fassen. Ich weiß auch gar nicht, weshalb wir hier 
sehr großer Verehrer und Freund der Kunst sein in dieser Frage die Initiative des Magistrats aus­
und doch die beiden Anträge, die hier gestellt sind, schließen sollen. Der Magistrat wird sicher kommen; 
für unannehmbar halten. Ich meinesteils habe eine die Erfahrung haben wir doch alle, daß der Magistrat 
sehr große Liebe zur Kunst; ich halte aber diese gerade nicht ängstlich vor Ausgaben zurückschreckt. 
beiden Anträge doch für unannehmbar. Im  Gegen­ (Widerspruch am Magistratstisch.)
satz zu den beiden Herren Vorrednern bin ich der Sie können also sicher sein, daß derartige An­
Ansicht, daß die Kommunen nicht die Aufgabe haben, träge kommen werden. Das ist meiner Ansicht nach 
die Kunst zu fördern. DaS gehört nicht prinzipiell die einzige Möglichkeit, seitens der Städte die Kunst 
zu ihren Pflichten und Aufgaben. Es gehört vor zu fördern. Aber cs geschieht meiner Ansicht nach 
allen Dingen nicht dazu die Pflicht, etiva für die weit besser, wenn wir es in jedem einzelnen Falle 
Ausbtlbxmg m bet Kunfi zu (oxgetv Diese Pflicht tun. wo sich ein derartiges Bedürfnis herausstellt, 
uttb auch bte _ anbete Pflicht, welche bte Kunv- als wenn wir von vornherein Mittel in Öen Etat 
förderung erheischt, liegen vielmehr dem Staate ob, einstellen, die wahrscheinlich fortlaufend werden 
und wir haben ja gerave in unterer Stadt die ver­ würden, und in denen ein Anerkenntnis gefunden 
schiedensten Akademien, die der Pflege der Kunst, der werden könnte, daß wir eine städtische Aufgabe darin 
Ausbildung für die Kunst gewidmet sind. Alio sehen, die Kunst durch prinzipiellen Ankauf von 
davon kann meiner Ansicht nach nicht die Rede sein. Kunstwerken zu unterstützen.
Der Antrag Nr. 1 ist so unbestimmt, daß er Was die spezielle Fassung der Anträge betrifft, 
auch hierauf sogar bezogen werden kann. Es heißt so sollen wir für das Rechnungsjahr 1905 einen 
da: es sollen 20 000 JC für Kunstzwecke bereit ge­ Betrag von 20 000 JC zur Verwendung für Kunst- 
stellt werden. Darunter kann man alles rechnen; zwecke einstellen. Ich habe vorhin schon erwähnt: 
man kann Stipendien darunter rechnen, kurzum alles, „für Kunstzwecke" ist ein ganz allgemeiner Ausdruck, 
was irgendwie die Kunst fördern kann. Ich meine, aus dem man nichts und alles machen kaun. ^Die 
diese Aufgabe ist vor allen Dingen ausgeschlossen. Herren, die den Antrag annehmen wollen, müssen 
Nun hat der Herr Antragsteller seinen Antrag meiner Ansicht nach dafür plädieren, daß diese 
dahin motiviert, er wolle dafür sorgen, daß in Worte „fü r Kunstzwecke" durch andere ersetzt werden, 
Charlottenburg eine Galerie für Kunstzwecke angebahnt damit zu ersehen ist, was eigentlich damit ge­
würde. Der Herr Antragsteller hat gesagt: nament­ wollt ist.
lich für den Ankauf von Kunstwerken soll die Summe Nun weiß ich nicht, weshalb der Herr Antrag­
bestimmt sein. Meine Herren, auch die Einrichtung steller, wenn er. wie er jetzt ausgeführt hat, diese 
derartiger Sammlungen ist meiner Ansicht nach nicht Summe verwendet wissen will zu einem Grundstock 
Aufgabe der Siädte. Ich weiß sehr wohl, daß ver­ für eine Galerie sowohl von Gemälden wie von 
schiedene Städte derartige Galerien haben; aber ich Skulpturen, nicht einen viel höheren Betrag ge­
bin fest überzeugt, wenn man der Sache auf den nommen hat. 20 000 JC sind dann gar nichts; 
Grund geht, so hat man da nicht etwa in An­ dafür müßte man schon einen weit größeren Betrag 
erkennung einer derartigen Pflicht diese Anstalten nehmen.
errichtet, sondern weil schon Ansätze dazu da waren, Der zweite Antrag geht nun dahin, daß eine 
vielleicht Stiftungen, wie es z. B. in Frankfurt a. M . Deputation für Kunstzwecke eingesetzt werden soll. 
der Fall ist. Die Herren, die in früherer Zeit in Auch diesen Antrag halte ich für vollständig unan­
Frankfurt a. M . gewesen sind, werden sich noch ent­ nehmbar. Was soll diese Deputation machen? Soll 
sinnen, daß die Sammlungen als das Städtische sie sich lediglich — und das glaube ich aus den 
Kunstinstiiut zu sehen waren; es war eine Stiftung Ausführungen des Herrn Antragstellers entnommen 
gemacht, diese ist aus die Stadt übergegangen, und zu haben — damit befassen, wo ein Kunstwerk für 
daran hat sich die Galerie dann geschlossen. Ich bin Charlottenburg angeschafft oder hergestellt werden 
fest überzeugt, daß auch anderwärts, wo ähnliche soll, ihr Gutachten abzugeben? So ist es begründet 
Galerien bestehen, sie in ähnlicher Weise veranlaßt worden.
worden sind. (Stadtv. Holz: Nur in der ästhetischen, in der 
Nun mag es ja sein, daß manche Städte sich eigentlichen Kunstfrage!)
gern den Luxus gönnen und auch imstande sind, Auch selbst dagegen habe ich große Bedenken. 
sich solche Kunstin st, tute zu schaffen. Das kann ich Eine Deputation, gewissermaßen ein Kunstgericht zu 
mir namentlich da denken, wo überhaupt keine der­ bilden, hat seine sehr großen Bedenken und Schatten­
artigen Kunstsammlungen bestehen. Wie mau aber seiten. Man weiß, daß sich in derartigen festen 
für Charlottenburg so etwas beantragen kann, das Organisationen oder festen Einrichtungen gar zu 
ist mir vollständig unbegreiflich. W ir grenzen an häufig Vorurteile bilden. W ir haben noch gar nicht 
Berlin; Berlin stellt die reichsten Sammlungen zu die Gewißheit, daß in dieser Deputation Leute sitzen, 
geböte, einmal für das Publikum, um sich daran die die nötigen Kunstkenntnisse haben, namentlich in 
künstlerisch zu erfreuen, und andernteils als Anregung Bezug auf das Technische und auf den nötigen Ge­
für Maler und Bildhauer. Wie unter diesen Um­ schmack. Es ist mit diesen Sachen ein gar eigenes 
ständen Charlottenburg zu einer solchen Sammlung Ding; es ist die Frage: wodurch wird das richtigste 
sich entschließen soll, verstehe ich nicht, und würde Urteil über die Bedeutung der einzelnen Kunstwerke 
es für einen großen Fehler halten, wenn wir dafür gewonnen. Man hat doch eigentümliche Erfahrungen 
Mittel bewilligen. Also ich bin, wie gesagt, der gemacht. Es ist z. B. — mir ist das wenigstens 
Anficht, daß die Anträge schon deshalb prinzipiell von verschiedenen Seiten gesagt worden — in Paris 
absolut unannehmbar sind. im Salon, in der periodisch wiederkehrenden Kunst­
Es könnte sich höchstens darum handeln, vielleicht ausstellung, für die Beurteilung der einzelnen Bilder
        
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