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Periodical volume 9. November 1904

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1904

Stabtu. Bogel: Herr ©tabtu. Spiegel hat eine gegeben sind, so daß w ir die Entwicklung ruhig ab­
Erweiterung der Magistratsvorlage beantragt; ich warten können.
möchte noch eine Erweiterung dieser Erweiterung be- 
antragen. I n  dieses Schwangeren- und Säuglings­ Stabtu. Dr. Schmidt: Meine Herren, als M it ­
heim kann nur eine sehr beschränkte Zahl aufge­ glied der Krankenhausdeputation kann ich mich mit 
nommen werden; die große Mehrzahl ist doch wohl den Ausführungen des Herrn Stadtrat Voll nur 
ausgeschlossen davon. Es gibt nun aber sehr viele einverstanden erklären. Herr Kollege D r. Spiegel hat 
Mütter, die ihre Kinder gern selbst stillen möchten, an den Magistrat eine Anfrage gestellt, ohne sich 
die auch eine Häuslichkeit haben, aber nicht dazu in vorher, wie ich vermute, das alte Krankenhaus an­
der Lage sind, weil sie nicht den Verdienst missen gesehen zu haben. Das alle Krankenhaus hat 
können. Sie dürfen ihre Fabrikarbeit nicht aufgeben 2 Pavillons zu je 24 Betten, die ausschließlich zu 
und müssen sich das Setbststillen abgewöhnen, und geburtshilflichen Zwecken bestimmt sind. —  Ter eine 
das ist doch in den meisten Fällen zum Schaden des Pavillon ist vollständig fertiggestellt, während in dem 
Kindes und auch der Mutter. Deshalb, glaube ich, andern Pavillon sich noch überall die Handwerker 
würde es eine sehr wohltätige Ergänzung der ge­ befinden, so daß der Betrieb erst in den nächsten 
planten Einrichtung sein, wenn solchen Müttern, die Wochen erfolgen saun.
nicht imstande sind, aus dem Verdienst ihres Mannes Was den ersten Teil der Anfrage betrifft, 
eine genügende Ernährung ihrer selbst und damit der Wöchnerinnen vor der Entbindung aufzunehmen —  
Kinder zu ermöglichen, eine Unterstützung, solange sie gewöhnlich bezeichnet matt diese als Schwangere — , 
die Kinder stillen, gewährt wird. Es ist mit der so geschieht das schon, seitdem die geburtshilfliche 
Frauenmilch nicht anders als mit der Kuhmilch; Anstalt in Betrieb gesetzt worden ist. Ich habe mich 
wenn eine Kuh gute Kindermilch geben >oll, muß sie selber davon überzeugt. Es sind ungefähr 19 Frauen 
gutes Futter haben, und wenn eine Mutter ihr Kind dort, unter diesen waren 1.6 Schwangere. Nach der 
gut ernähren soll, dornt muß sie auch eine gute Er­ Entbindung bleiben die Wöchnerinnen gewöhnlich 
nährung haben und nicht, wie es leider vielfach der 10 Tage in der Anstalt, vorausgesetzt, daß sie bis 
Fa ll ist, nur Kartoffeln und hin und wieder einen dahin gesund geworden sind. Ist das nicht der Fall, 
Hering. Deshalb halte ich gerade in solchen Fällen dann bleiben sie solange im Krankenhause, bis sie 
eine pekuniäre Unterstützung unter der nötige» Auf­ unbeschadet ihrer Gesundheit entlassen werden können.
sicht und Kontrolle für notwendig, für angebracht Jetzt haben w ir eben von Herrn Stadtrat 
und für segensreich und beantrage, daß auch dies Samter gehört, daß eine besondere Abteilung in der 
mit berücksichtigt werden möge. geburtshilflichen Anstalt zur Aufnahme und Pflege 
der Säuglinge dienen soll. Ich glaube, w ir können 
hiermit zufrieden sein, zumal wo jetzt noch das 
Stabtrat Samtcr: Meine Herren, der Magistrat Krankenhaus sehr wenig in Anspruch genommen 
hat sich seinerzeit mit der Frage, ob es zweckmäßig wird und die Räume im Erdgeschoß zur Unter­
sei, eilt Säuglingsheim einzurichten, sehr eingehend bringung der Säuglinge ausreichen. Steigert sich 
beschäftigt und hat zu seinen Beratungen auch hervor­ aber die Nachfrage nach den Betten, dann ist es nicht 
ragende Charlottenburger und Berliner Kinderärzte, mehr möglich, das Säuglingsheim in der geburts­
Dozenten der Kinderheilkunde, zugezogen. Das E r­ hilflichen Anstalt zu belassen, denn w ir haben durch 
gebnis seiner Beratungen ist. wie Ihnen bekannt sein Gemeindebeschluß festgesetzt, daß die beiden Pavillons 
dürfte, das gewesen, daß es nach dem heutigen im alten Krankenhause ausschließlich zur Aufnahme 
Stande der Kinderheilkunde nicht angezeigt ist, ein von Schwangeren, für Entbindungszwecke und für 
Säuglingsheim zu errichten, das heißt ein Heim, in die Wöchnerinnen dienen sollen. Stellt sich späterhin 
öem Säuglinge aufgenommen und ernährt werden, die Notwendigkeit heraus, ein Säuglingsheim zu er­
ohne daß gleichzeitig sich die Mutter in dem Heim richten, so möchte ich den Magistrat bitten, uns dann 
befindet. Die Gefahren der Ansteckung, der Über­ einen Vorschlag zu machen, wo das Säuglingsheim 
tragung von Krankheiten sind so groß, daß man ein dauernd untergebracht werden kann.
so ungeheuer großes Wartepersonal haben und so 
große Isolierungen vornehmen müßte, daß die Kosten Stabtu. D r. Mommscn: Meine Herren, die
unerschwinglich sein würden. Dagegen haben die letzten Ausführungen haben m ir eigentlich schon das, 
Herren sich dahin ausgesprochen, daß es dringend was ich sagen wollte, im wesentlichen vorweggenommen. 
wüuschenswett ist, daß die Wöchnerinnen m it den Aber ich muß doch auch meinerseits aussprechen, daß 
Säuglingen zusammen solange in einem Heim bleiben, ich die Anfrage mit unterzeichnet habe, weil ich es 
bis die Kinder unbedenklich in private Pflege. für außerordentlich notwendig halte, daß w ir auf 
Familienpflege, die für gesunde Säuglinge noch Ansicht diesem Gebiete, im weitesten Sinne Wöchnerinnen 
der Ärzte unter allen Umständen den Vorzug verdient, und Säuglinge betreffend, wirklich etwas vorwärts 
gegeben werden können. Der Magistrat ist diesem kommen und für die Frauen der Stadt bessere 
Rate gefolgt und hat in Aussicht genommen, wie gesundheitliche Fürsorge schaffen. Ich möchte hervor­
Herr Kollege Voll das bereits auseinandergesetzt hat, heben, daß das alte Krankenhaus in der heutigen 
in dem alten Krankenhause eine solche Wöchncrinne»- Einrichtung und Verwertung doch immerhin nur ein 
ftalion, verbunden mit einer Säuglingsstalion, zu Provisorium sein sollte, ein Provisorium, das so 
errichten. Wann die Säuglinge aus diesem Heim schnell als möglich jedenfalls beseitigt werden müßte. 
entlasse» werden können, wird nicht nur von dem Ich kann es nicht verschweigen, daß speziell in Ärzte- 
Zustande der Mutter, sondern auch von dem des kreisen nur eine Stimme des Staunens darüber be­
Säuglings abhängen; sie sollen solange dort ver­ steht. daß es möglich war. unter einem Dach. vor 
bleiben —  natürlich muß sich das erst im einzelnen allem unter einer ärztlichen Leitung die Abteilung 
entwickeln — , bis mau unbedenklich sagen kann: das für die Hautkrankheiten und Syphilitischen und zu­
Kind kann in Privatpflege gegeben werden Ich gleich eine solche für die Geburtshilfe zu vereinen.
glaube, daß alle Voraussetzungen für ein gedeihliches (Sehr richtig!)
Wirken dieses Wöchncrinnettheims im Krankenhaus Als ich am Anfang des Jahres in die Versammlung
        
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