Path:
Periodical volume 26. Oktober 1904

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1904

tisch schwer anzuw enden sind, sondern die vor allen bewußt sein und  die entsprechenden Vorkehrungen 
D in g e n  auch die gute Eigenschaft der Milch beein­ treffen soll. A u s  dem, w as  ich ausgeführt  habe, 
trächtigen. Durch dieses lange und  hohe Erhitzen werden S i e  schon ersehen haben, daß es nicht unsere 
werden ebenfalls wieder V eränderungen  in  den Milch- M e in u n g  ist, die S t a d t  solle sich bei der Errichtung  
bestandteilen herbeigeführt, die der Verdaulichkeit und einer S te r i l i s ie rungsans ta l t  genügen lassen, sondern 
; Nahrhaftigkeit der Milch E in t ra g  tun . M a n  be­ daß  unsere M e in u n g  dahin  geht, die S t a d t  solle die 
gnügt sich deshalb in  den meisten derartigen A n ­ geeigneten Vorkehrungen treffen, u m  ihren  S ä u g ­
stalten, die sogenannten vegetativen F o rm e n  der lingen eine gesunde gute Milch in  geeigneter M eng e  
Bakterien abzutöten, d as  heißt, die F o rm e n ,  die zuzuführen. E s  werden sich ferner im Anschluß an  
direkt vermehrungsfähig  sind und direkt die Milch diesen A n tra g  sicher noch mancherlei Anregungen  er­
zersetzen, w ährend die sogenannten  S p o re n ,  die Bak­ geben, die ebenfalls dasselbe Z ie l  verfolgen, die große 
terienformen, die erst un te r  günstigen Bedingungen  Säuglingssterblichkeit zu verm indern  Ich  glaube 
auskeimen müssen, in  der Milch erhalten  bleiben. daher, im S i n n e  dieser A u sfüh run gen  wird  es liegen, 
E ine  so behandelte Milch ist, wenn die weitere B e ­ wenn w ir  unseren A n trag  so ergänzen, wie ich es 
d ingung des K ü h lh a l te ns  erfüllt wird, vollständig I h n e n  jetzt vorschlage:
ha l tbar  und  für  den menschlichen G enuß , auch für D ie  V ersam m lung  ersucht den M agis tra t ,  m it  
den G en uß  der S ä u g l ing e ,  geeignet. ihr in  gemischter D e p u ta t io n  über den vor­
D era r t ig e  E inrichtungen sind n un  vielfach von liegenden A n tra g  sowie über weitere M aßre ge ln  
P r iv a te n ,  vielfach aber auch von S tä d te n  in  Angriff  ge­ zu r  Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit zu 
nom m en worden. D ie  sogenannten g o u t te s  de la i t  beraten.
in  Frankreich sind meistens in  P r iva th änd en ,  w ährend  
die entsprechenden Milchdepots in  E n g la n d  meist S ta d tv .  D r .  Z c p lc r : M eine  Herren, es w ar  ja  
un te r  der V erw a ltung  der städtischen Behörden  stehen. vorauszusehen, daß der H e r r  Referent, weil er doch 
E s  sind ferner verschiedene Wege beschriften der Antragsteller gewesen ist, sich m it  einem reich­
worden fü r  die V erte ilung  der Milch. I n  den meisten lichen M a te r ia l  versehen wird, das er I h n e n  hier 
derart igen  Anstalten  ist das  P u b l ik u m  genötigt, die vortrug , und es könnte überflüssig scheinen, wenn ich 
Milch a u s  der A nstalt  selbst abzuholen, und zwar noch einmal über dieselben Punkte  auch von meinem 
gibt m an  ihm entweder den G esam tvorra t  fü r  einen S ta n d p u n k t  a n s  hier sprechen würde. Indessen  
T ag  in einer Flasche, oder in  den sorgfältiger geleiteten doppelt hält besser, und  es läß t  sich vielleicht noch 
Anstalten  teilt m an  von vornherein die Milch in die manches hinzufügen, u m  S i e  zu überzeugen, daß 
einzelnen T agesport ionen  ein und  sterilisiert sie in  die hier vorgeschlagene M a ß n a h m e  durchaus  not­
den dazu bestimmten Flaschen, svdaß der Verbraucher wendig ist.
n u r  noch den S a u g h u t  aufzusetzen hat, u m  die Milch D e r  A n trag  ist unserer F rak t ion  a  p r io r i  selbst­
verwenden zu können. verständlich sympathisch, da w ir  der M einu ng  sind, 
Vielfach ist m a n  dazu übergegangen, die Milch daß jede M a ß n a h m e ,  welche hygienische und  andere 
auch so, wie es für  die verschiedenen Altersstufen Kulturintereffen fördert, Aufgabe der Allgemeinheit 
der S ä u g l in g e  zweckmäßig ist, zu verdünnen  und  speziell der K om m une ist. Diese F ra g e  ist sogar 
m it  Milchzucker und m it  F e t t  zu versetzen, u m  die speziell eine alte F ürso rge  unserer P a r t e i  gewesen. 
Gebrauchsfähigkeit zu erhöhen. Schon im J a h r e  1901 hat der sozialdemokratische 
Alle diese Einzelheiten werden natürlich Gegen­ S tad tvero rdne te  F reudenberg  in B er l in  die F ra g e  
stand sehr eingehender B era tu ng  sein müssen. E s  angeschnitten und  eine gemischte D epu ta t ion  beantragt, 
l äß t  sich sehr schwer ganz allgemein sagen, w as  für  die a llerd ings erst in  diesem J a h r e  tagte. I m  M a i  
die einzelnen Verhältnisse d as  Zweckmäßigste ist. dieses J a h r e s  hat in M ünchen  der sozialdemokratische 
ü bera ll  aber, wo inan derartige Einrichtungen ge­ M a g is tra ts ra t  Schm idt ebenfalls diese F ra g e  au fs  
schaffen hat. ist das  allgemeine Urteil  dahin  gegangen, T apet  gebracht und  in  weitgehender Weise seine A n ­
daß sie befriedigende Resulta te  aufzuweisen haben, träge gestellt. D e n  Antragstellern schwebte auch 
im m er un te r  der Voraussetzung, daß  die Milch speziell der F a l l  in H alle  vor;  auch dort sind —  
nach der B ehandlung  nicht in  unzweckmäßiger Weise der H err  Referent hat darüber nicht speziell ge­
von dem K onsum enten weiter behandelt wird. E s  sprochen —  mit dieser von der S t a d t  unternomm enen 
ist deshalb —  und d as  möchte ich zu r  Verm eidung  M a ß n a h m e  ganz befriedigende Resultate erzielt 
von Mißverständnissen betonen —  selbstverständlich worden, die al lerd ings zum  Teil daran  scheiterten, 
m it  der Einrichtung der S te r i l i s a t io nsans ta l t  allein daß die M aßre ge ln  nicht vollkommen genug waren, 
den großen Übelstanden nicht abgeholfen, sondern und daß ganz besonders das  P ub l ik um  fürchtete, es 
dazu ‘ ist auch eine ständige Kontrolle  der Aufbe­ könnte durch die Ina nsp ruc hn ahm e billiger hygienischer 
w ahrung  der Milch b is  zu dem Augenblick, wo sie Milch von der S t a d t  d a s  Wahlrecht ihm eingeschränkt 
in die H ände  des Konsumenten gelangt, und  eine werden. D a s  soll u n s  ein F ingerzeig  sein, daß  wir 
geeignete B elehrung  des Konsumenten fü r  die weitere bei allen derartigen M aßn ah m en ,  die von der S t a d t  
B ehandlung  erforderlich. ins  Leben gerufen werden, von vornherein d as  
N u n ,  meine H erren, könnte die F ra g e  aufge­ P r in z ip  wahren, daß die Sache nicht a ls  A rm e n ­
worfen werden, o b 'e s  eine Angelegenheit der S t a d t  unterstützung zu betrachten ist, selbst wenn die S t a d t  
ist, in  ein solches U nternehm en einzutreten. Nach aus  Gesundheitsrücksichten fü r  d as  allgemeine W ohl 
meiner Ansicht gehören zu den A ufgaben der S t a d t  sich die Sache etw as kosten läßt.
alle vorbeugenden M aßregeln ,  welche geeignet sind, Um n un  zu der Sache selbst zu kommen, so 
die Vvlksgesundheit zu fördern, fo gut wie die steht fü r  mich und  fü r  alle, die sich mit der F rage  
K analisa tion  und  die zentrale Wasserversorgung einigermaßen beschäftigt haben, außer  Zweifel, daß  
auch die zentrale Milchversorgung wenigstens für gerade von S t a d l  wegen etwas Wirkliches geschehen 
die S äu g l ing e ,  welche un te r  einer ungeeigneten Milch, m uß, und  ich möchte I h n e n  die Ansichten einiger 
wie ich I h n e n  dargelegt zu haben glaube, erheblich A utoritäten  auf  dem Gebiete der Hygiene vortragen.
zu leiden chaben. Ünser A n tra g  geht deshalb dahin , D e r  Professor D u n b a r  in  H am burg  spricht in  
daß die S t a d t  E harlo ttenburg  sich dieser Aufgabe einem Referat gelegentlich der M ilchansstelluug im
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.