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Periodical volume 7. September 1904

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1904

um die Gemeingefährlichkeit dieser Hausagrarier zu nur wenden gegen die Art. in der Herr Kollege 
kennzeichnen, und er hat weiter, meine Herren — Otto hier plötzlich seine liberalen Freunde als die 
und das ist das Bedenkliche bei der Sache —, daraus Vorkämpfer für alle sozialpolitischen Einrichtungen 
mir und meinen Freunden nachweisen wollen, daß anpreist. Zunächst gibt es keinen einzigen Liberalen 
in uns eine gewisse Wandlungsfähigkeit sich gezeigt hier in der Versammlung, der etwa irgendwelchen 
habe. Nun, Herr Kollege Hirsch, auch dieser Schluß Anteil hätte an dem Plan der Errichtung eines 
ist nicht durch besondere geistige Schärfe ausgezeichnet. Asyls für Obdachlose. Alle Herren, die die Ge­
(Heiterkeit.) schichte der Stadtverordnetenversammlung verfolgt 
Wir werden jederzeit die berechtigten Elemente haben, werden wissen, daß es Herr Kollege Buka 
des Hausbesitzerstandes als solche ansehen und werden gewesen ist — ein von den Liberalen vielleicht ebenso 
jederzeit gegen allerlei Übergriffe, gegen jedes Haus- gehaßter Mann wie ich —, der schon seit langen 
agrariertum irgendwelcher Art entschieden Front Jahren für die Errichtung eines Asyls für Obdach­
machen. Meine Herren, das haben wir nicht nur, lose eingetreten ist. Und in Bezug auf die Tätigkeit 
wie Herr Kollege Hirsch ja selbst die Güte hatte an­ des Herrn Stadtv.-Vorst.-Stellvertreters sow?it 
zuerkennen, in der Vergangenheit bewiesen, sondern sie sich auf die Errichtung von Ledigenheimen 
das haben wir auch in der eigensten Gegenwart be­ bezieht, habe ich nur das Eine zu erwidern, daß 
wiesen. Herr Kollege Kaufmann hier lediglich dieselbe 
(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Beispiele!) Stellung eingenommen hat wie wir, daß auch er sich 
— Die Beispiele kommen, warten Sie nur die Zeit bemüht hat, hierfür tätig zu sein.
ab! — Wenn Herr Kollege Hirsch hier eingeht auf (Zuruf.)
das Asyl für Obdachlose und auf das Ledigenheim, — Erlauben Sie, habe ich denn überhaupt — das 
so sollte er auch gerechterweise die Namen der Männer ist nicht mein Phantasiebild, sondern ein Phantasie­
nennen, die sich gerade um die Jnslebenrufung dieser bild des Herrn Kollegen Olto — habe ich denn 
Einrichtungen verdient gemacht haben. Und da sind überhaupt jemals gegen die Hausbesitzer irgend­
es liberale Hausbesitzer, die der Charlottenburger welche Angriffe gerichtet? Nein, meine Herren, 
Stadtverordnetenversammlung jetzt noch angehöre», meine Angriffe richten sich gegen das Hausagrarier- 
die an der Spitze dieser Unternehmen stehen. tum, und wenn Herr Kollege Otto das nicht unter­
(Zuruf: Wer?!) scheiden kann, so tut er mir leid.
— Ich nenne nur den Namen unseres stellvertretenden (Heiterkeit.)
Vorstehers. — Und dann sind es liberale Stadtver­ Ich will nicht in denselben Ton verfallen wie er, 
ordnete, die gegen die Resolution des Hausbesitzer­ sonst würde ich vielleicht darauf antworten, daß seine 
vereins, die Herr Kollege Hirsch ja nicht verlesen, geistigen Kräfte dazu nicht ausreichen, um diesen 
aber inhaltlich uns doch versetzt hat, auf das ent­ Unterschied zu erkennen. — Es wäre ja auch Wahn­
schiedenste Stellung genommen haben und jederzeit sinn von mir, wenn ich nicht zwischen Hausagrarier 
Stellung nehmen werden. W ir dürfen uns also im und Hausbesitzer unterscheiden und wenn ich in der 
Gegensatz zu Herrn Hirsch das Verdienst zuschreiben, Weise, wie Herr Kollege Otto mir das angedichtet 
daß ivir zu unterscheiden wissen zwischen berechtigten bat, Front machen würde gegen alle Hausbesitzer. 
Bestrebungen des Grundbesitzes und zwischen unbe­ Meine Herren, dann müßte' ich ja auch gegen die 
rechtigten Bestrebungen. Für Herrn Kollegen Hirsch sozialdemokratischen Hausbesitzer Front machen, und 
existieren nur Hausagrarier der gefährlichsten Art. die sozialdemokratischen Hausbesitzer haben doch bis­
Es ist das ein Phantasiebild, das er sich in seinem her stets gezeigt, daß sie keine hausagrarischen Ten­
Kopfe zurecht macht und mit dem er ausschließlich denzen verfolgen. Was ich gegen die Hausbesitzer 
operiert. W ir stellen uns auf den Boden der ge­ gesagt habe, ist lediglich, daß die bevorrechtete Stellung, 
rechten Beurteilung und sagen: kommen Übergriffe die ihnen die Städteordnung einräumt, durchaus un­
vor, so werden sie von uns bekämpft ohne Rücksicht begründet ist.
darauf, ob jemand Haus- oder Grundbesitzer- ist. (Sehr richtig!)
Aber das Berechtigte aus dieser Bewegung wollen Diesen Standpunkt muß jeder gerecht denkende 
wir nicht ohne weiteres ausscheiden. Und darum, Mensch einnehmen. Diesen Standpunkt — das er­
meine Herren, diese Fassung unseres Antrages, der kläre ich ausdrücklich — nehmen auch die Liberalen 
mir durch die Beleuchtung des Herrn Hirsch nicht anderswo ein. Selbst in Berlin ist die liberale 
unlieber geworden ist, und den ich immer noch für Fraktion noch nicht auf dem Standpunkte angelangt, 
das weitaus Bessere und Dienlichere halte in dieser auf dem Sie heute vielleicht infolge einiger Wahl­
Frage, als den Antrag des Ausschusses. siege angelangt sind.
Ich habe vorher gesagt, daß die liberale 
Stadtv. Hirsch: Meine Herren! Sobald mein Fraktion einmal Schulter an Schulter mit uns gegen 
Geist so geschärft ist, wie der de« Herrn Kollegen hausagrarische Bestrebungen gekämpft hat. Das hat 
Otto, wird es vielleicht auch mir einmal möglich auch Herr Kollege Otto nicht bestritten. Entschieden 
sein, mich zu einer solchen Auffassung in Bezug auf muß ich ober bestreiten, daß die Liberalen jetzt noch 
das Dreiklassenwahlsystem aufzuschwingen, wie es denselben Standpunkt einnehmen wie früher. Meine 
Herr Kollege Otto und seine Freunde tun. Vor­ Herren, das können Sie garnicht, nachdem Sie, die 
läufig bin ich froh, daß ich nicht in diesen Spuren Sie früher bei den Wahlen stets die Hausagrarier 
wandle. Denn, ganz offeil gesagt: der Antrag, den bekämpft haben, bei dm letzten Wahlen selbst Kan­
Sie gestellt haben, könnte ebensogut von irgend didaten aus dem Haus- und Grundbesitzerverein ge­
einem Erzkonservaliven ausgegangen'sein; schlimmer sucht und auch bekommen haben.
wäre er dann auch nicht. (Zuruf: Hausbesitzer!) 
Daß ich auf den Vorwurf der „schwarzen nachdem sich selbst in Ihrer Mitte hausagrarische 
Seele" erwidere, werden Sie wohl nicht verlangen. Bestrebungen geltend machen.
Einmal kann man das nicht genau feststellen, und PDho! bei den Liberalen.)
dann, glaube ich, hat das mit dem vorliegenden An­ — Ich erinnere nur an die vor einigen Monaten 
trag auch absolut nichts zu tun. Ich möchte mich eingereichte Interpellation, die sich richten sollte gegen
        
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