Path:
Periodical volume 15. Juni 1904

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1904

108
ausarbeiteten, hatten w ir ja noch keine Gewißheit, Der Antrag des Herrn Kollegen Schmidt kommt 
daß w ir die Jungfencheibe bekommen würden. unerwartet. Es wäre erwünscht gewesen, w ir hätten 
Mindestens wäre bei Wahl der Jungfernheide eine uns vorher darüber verständigen können, oder der 
Verzögerung entstanden, und ich glaube den Herrn Antrag wäre in etwas mäßigeren Grenzen gehalten. 
Stadtverordneten Vogel genug zu kennen, um sagen Aber ich persönlich habe keine Veranlassung, der 
zu können: das wünscht der Herr Stadtverordnete wohlmeinenden Absicht, die in  dem Antrage liegt, 
ganz gewiß nicht, daß w ir deshalb das Unternehmen, entgegenzutreten. Ich würde allerdings lieber fü r 
fü r das er sich auch erwärmt, auf längere Zeit ver­ eine Erhöhung von 50 auf lo o  JC stimmen als 
tagen sollten. für eine Erhöhung von 50 auf 200 JC, die m ir in 
diesem Augenblick, offen gestanden, etwas unver­
Stadtv. U r Schmidt: Meine Herren, in  der m itte lt kommt; aber diese Kleinigkeit kann uns nicht 
Magistratsvorlage ist vorgesehen worden, den Arzt, der auseinander bringen.
die Kinder in  der Waldschule ärztlich zu untersuchen hat, (Zurufe: lo o  JC\ —  Oberbürgermeister Schusteheus 
m it einem monatlichen Honorar von 50 M . auszu­ meldet sich zum W ort.)
statten. E r soll alle Woche die Kinder untersuchen. 
50 und mehr Kinder zu untersuchen, erfordert m in­ Vorsteher Roscnbcrg: Es hat ein Magistrats­
destens zwei bis drei S tunden; dazu kommt die Zeit, mitglied ums W ort gebeten; die Debatte ist wieder 
die der A rzt zur H in- und Rückfahrt gebraucht. eröffnet. Herr Stadtv. Schmidt, S ie  könnten 
Ferner w ird von ihm ein umfangreicher und ein­ vielleicht im  S inne der eben gehörten Anregung 
gehender Bericht über die Gesundheitsverhältnisse Ih re n  Antrag etwas modifizieren !
der Kinder verlangt, eine Arbeit, die er zu Hause 
noch zu machen hat. F ü r  diese große Müheleistung Oberbürgermeister Schnftchrus: Ich möchte Herrn 
ist ihm ein Honorar von 50 JC in  Aussicht gestellt. S tadtv. Schmidt bitten, seinen Antrag etwas zu 
Der Arzt, der diese Arbeit zu leisten hat, ist gewiß ändern und vielleicht zu sagen, nach seiner Meinung 
ein Schularzt, der sicher schon genügend in  seinen sei 50 M  nicht ein genügendes Äquivalent für 
sonstigen Obliegenheiten zu tun hat. Ich  halte diese den Arzt, der M agistrat möge in  Erwägung ziehen, 
Vergütung fü r zu niedrig und möchte Sie bitten, ob dieses Honorar nicht etwas zu erhöhen sei. Es 
das Honorar auf mindestens 200 JC zu erhöhen. w ird angemessen sein, daß w ir diese Zahlung m it 
(Sehr richtig! —  Zurufe.) der fü r Schulärzte und Armenärzte aus gleicher 
Stufe halten W ir  werden dann vielleicht auch zu 
Vorsteher Roscnbcrg: Stellen S ie einen Antrag, der Überzeugung kommen, daß 50 M  zu gering ist.
Herr Stadtv. Schmidt?
Stadtv. D r. Schmidt: Meinen Antrag ziehe ich 
Stadtv. D r .  Schmidt: Ja w o h l! Ich  stelle hier­ zurück und bitte, so zu beschließen, wie es der Herr- 
m it den Antrag, das Honorar fü r den A rz t von Oberbürgermeister empfohlen hat.
50 M  auf 200 JC zu erhöhen.
(Zurufe : M onatlich?!) Vorsteher Roscnbcrg: S ie  beantragen also, den 
— Ja, monatlich. Magistrat zu ersuchen, in Erwägung zu ziehen, ob 
(Widerspruch.) das Honorar von 50 JC zu erhöhen sei?
(S tadtv. Kaufmann: Z u  empfehlen, es zu erhöhen!
(Die Beratung wird geschlossen.) —  Zustimmung des Stadtv. D r. Schmidt.)
Also Herr Stadtv. Schmidt stellt den Antrag:
Berichterstatter Stadtv. Otto (Schlußwort): dem M agistrat zu empfehlen, zu erwägen, ob
Meine Herren, der Hauptgrund, der gegen die A n ­ das in  Aussicht gestellte Arzthonorar von 50 JC.
regung des Jpcrrn  Kollegen Vogel spricht, ist von zu erhöhen sei.
dein Herrn Stadtschulrat schon richtig erwähnt: w ir 
würden dadurch die Verwirklichung der ganzen E in -1 (D ie Beratung w ird wiederum geschlossen. Der 
Achtung verzögern: und, meine Herren, das wollen Berichterstatter verzichtet. D ie Versammlimg be­
w ir doch nicht. schließt einstimmig unter Annahme des Antrages 
Ich muß meine große Freude über die A n ­ des Stadtv. D r. Schmidt nach dem vom Bericht­
regung des Herrn Kollegen Stücklen aussprechen. erstatter Stadtv. O tto verlesenen Antrage des M a g i­
Ich  habe schon durch meine Ausführungen andeuten strats.)
wollen, daß die 4800 JC, nicht ganz eingehen wer­
den. Ich  freue mich. daß dies gerade von jener D am it ist die Tagesordnung der öffentlichen 
Seite ausdrücklich betont worden ist. Meine Freunde Sitzung erschöpft. Ich schließe sie.
stimmen den: ganz zu, daß möglichst milde verfahren 
w ird, damit der segensreiche Charakter der E in ­ (Schluß der Sitzung 7 Uhr 55 M inuten.)
richtung keine Einbuße erleidet.
Druck von A d o lf  Gertz, Charlottenburg.
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.