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Periodical volume 1. Juni 1904

Full text: Amtliche Berichte über die Verhandlungen der Charlottenburger Stadtverordneten-Versammlung in den öffentlichen Sitzungen Issue 1904

sich in einem sehr viel besseren Zustande befanden auch dadurch nicht gewinnt, daß man Zahlen daraus 
wie jetzt, sie besucht und muß leider zu meinem Schmerz entnimmt.
konstatieren, daß der Zustand ganz wie im alten 
S pita l kein erfreulicher ist. Ich bin in der Tat der (Die Besprechung wird geschlossen. Die Ver­
Meinung, daß unsere Stadt etwas mehr für die sammlung beschließt nach dem Antrage des M agi­
Instandhaltung ihrer Wohltäligkeilsaustalten insgesamt strats, wie folgt:
tun sollte! Dieses Famitienhaus insbesondere Nr. 1 
ist in hohem Grade abgenutzt, wie das nicht stattfinden 1. Der von dem Hochbauamt aufgestellte Bau­
dürste, wenn eine regelmäßige Instandhaltung vorge­ entwurf für den Ausbau der Familienhäuser 
nommen wäre, wie ich das bei jeder staatlichen Anstalt Sophie-Charlottenstraße 113 zu einem Asyl 
auch anderwärts unter sozialdemokratischer Regierung, für Obdachlose, abschließend m it einem Kosten- 
in jeder Diakonissenanstalt gesunden habe. Ich möchte auswande von isoooo  ,M, zu denen 1-2 000 M  
aber in bezug auf den ungünstigen Eindruck, den das für die innere Ausstattung hinzutreten, wird ge­
Familienhaus aus manchen macht, der dorthin kommt, nehmigt.
folgendes bemerken. Es drängen sich einem, wenn 2. Über den Zeitpunkt der Inangriffnahme des 
man dort die barfüßigen Kinder herumlaufen sieht, 
unwillkürlich zweierlei Gestalten aus: die einen sehen Baus bleibt die Beschlußfassung vorbehalten. 
frisch, wohl und munter aus-, sind freundlich und Die erforderlichen Baukosten von 162 000 M  
sauber, begrüßen einen, und wenn man in die Wohnung sind in der nächsten Anleihe m it vorzusehen.
hineinkommt, findet man alles in schönster Ordnung, jedoch m it der Maßgabe, daß unter Nr. 7 des Er­
wenn auch är mlich ausgestattet; daneben sindWohnungen, läuterungsberichtes —  Wirtschaftsräume —  vermerkt 
wo man noch nachmittags nicht mal das Bett geordnet w ird :
findet, die Kinder sehen schlumpig aus, sind ver­
wahrlost usw., sodaß man unwillkürlich den Eindruck „Der Zugang zur Bade- und Desinfektions­
hat. da sind zweierlei verarmte Leute: solche, die ohne einrichtung soll nicht von den Speiseräumen 
ihre Schuld verarmt sind, und solche, die allmählich aus erfolgen."
heruntergekommen sind und geistig ebenso wie mit und stimmt der vom Ausschuß empfohlenen Reso­
dem Geldbeutel sieh in Not befinden. Ich glaube lution zu:
daher nicht, daß ein Neubau hier sehr viel nutzen 
würde; denn auch in dem schönsten Neubau wird der Die Stadtverordnetenversammlung ersucht den 
Unterschied der beiden Gruppen ebenso fein. Im m er­ Magistrat, sich m it den Gemeindeverwaltungen 
hin hat es mich gefreut, zu sehen —  Herr Hirsch ist von Groß-Berlin behufs Errichtung eines ge­
ja selber Hausvater dieser neuen Familienhäuser ge­ meinschaftlichen Asyls für Obdachlose für Groß- 
worden — , daß zur Besserung der Sache etwas getan Berlin in Verbindung zu fetzen.)
wird; ich fand schon das Haus abgeputzt, die Dielen, 
die besonders schlecht waren, neu gemacht usw. Ich Borst.-Stellv. Kaufmann: Zu einer M itteilung 
finde es durchaus nicht notwendig, daß man so sehr des Magistrats hat der Herr Stadtsyndikus das 
auf den Erweiterungsbau drängt, zumal uns im Wort.
Ausschuß von Herrn Stadtrat Samter gesagt worden 
ist. daß jetzt ein großer Andrang zum Familienhaus Stadtsyiidikiis Dr. Maier: Meine Herren, ich 
garnicht vorhanden ist. kann Ihnen namens des Magistrats die Erklärung 
Aus diesem Grunde möchte ich Ihnen empfehlen, abgeben, daß der Magistrat die Zurverfügungstellung 
sowohl den Antrag des Magistrats als auch den des von der Stadtverordnetenversammlung stir das 
Antrag, der von Herrn Hirsch ausgegangen ist, das Schillertheater ausgewiesenen Geländeblocks an die 
Asyl für Obdachlose der Stadt Berlin zu unterstützen, Schillertheateraktiengesellschaft gleichfalls m it der 
anzunehmen. Maßgabe beschlossen hat, daß die Restfläche sofort zu angemessenem Preise veräußert werden soll, sodaß 
Wenn der Antrag in dem Ausschuß nicht ein­ w ir nicht etwa dauernd im Besitze dieser Restfläche 
stimmig angenommen ist, so lag es daran, daß bei verbleiben. Ich möchte bitten, daß die Herren sich 
dieser Resolution eine Verhandlung m it Groß-Berlin vielleicht gleich m it dieser Maßnahme einverstanden 
gemeint ist, das in Wirkliches! doch noch nicht existiert, erklären, damit w ir in  die weiteren Verhandlungen 
während es vielleicht zweckmäßiger gewesen wäre, m it dem Schillertheater eintreten können.
man hätteMich bereit erklärt, dieses Asyl auch von 
hier aus zu unterstützen, z. B. durch einen beim Borst.-Stellv. Kaufmann: Ich würde Ihnen vor­
Etat vielleicht zu beschließenden größeren Beitrag. schlagen nach dieser M itte ilung des Herrn S tadt­
Jedenfalls ist es wohl nicht zweckmäßig, mehrere syndikus, die unsern heutigen Beschluß als Gemeinde­
Asyle.^einzurichten, da erfahrungsmäßig feststeht, beschluß feststellt, gleich unserseits unsere Zustimmung 
welchen kolossalen Umfang in Großberlin der ge­ dazu zu erklären, daß die für Theaterzwecke nicht zu 
werbsmäßige Bettel jetzt so schon hat, und die Folge verwendenden, überschießenden Gelände nicht im 
würde doch sein, daß dann die Leute drei Tage in dauernden Besitz der Stadt bleiben, sondern zu an­
das seine? Asyl gehen, und, wenn die Zeit dort ab­ gemessenen Preisen verkauft werden sollen. Wenn 
gelaufen ist, die nächsten Tage in das andere. sich kein Widerspruch erhebt, bringe ich diesen Punkt, 
Aus allen diesen Gründen möchte ich empfehlen, obgleich er nicht auf der Tagesordnung steht, 
die Magistratsvorlagc ebenso wie die Resolution an­ nunmehr zur Abstimmung, indem ich feststelle, daß 
zunehmen. derselbe als dringlich erachtet wird.
Stadtv. I)r . Borchardt: Ich möchte bloß ganz (Die Versammlung beschließt demgemäß.)
kurz bemerken, daß das Wohnungsregister, das an 
sich eine zuverlässige Grundlage nicht bildet, diese Ich. stelle fest, daß das die große Mehrheit ist.
        
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