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Band Sitzung 6, 30. Januar 1930

Volltext: Stenographische Berichte über die öffentlichen Sitzungen der Stadtverordnetenversammlung der Haupt- und Residenzstadt Berlin (Public Domain) Ausgabe 1930 (Public Domain)

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Sitzung am 30 
Januar 1980. 
Nur man fragt sich: wo ist die Pinke? 
Die war im großen Topf, und aus dem ist sie 
weg ;dieinnereVerschuldung, von der 
der Herr Bürgermeister sprach, hat sie ver 
schlungen. Das sind unerhörte Zustände, das 
ist eine Verantwortungslosigkeit, die 
wir nicht dulden können. Wir wünschen, daß Herr 
Kämmerer Dr. Lange nicht wieder auf diesem 
Platz erscheint. 
(Sehr wahr! bei den Deutschnationalen.) 
Wir haben außer diesen grundsätzlichen poli 
tischen Forderungen, die wir zu stellen haben, 
uns aber auch dagegen zu sichern, daß man uns 
etwa freundliche Versprechungen macht, wie es 
der Herr Bürgermeister getan hat, der uns noch 
bei den Tarifverhandlungen gesagt hat, daß er 
sich gegen Steuererhöhungen wehren werde. Das 
Wehren hat nicht geholfen; die Notwendigkeit 
der Steuererhöhung war stärker als er. Dieses 
Versprechen konnte nicht gehalten werden. Wir 
haben es oft erlebt, daß von seiten der Etats 
parteien der Ruf erscholl, wir möchten mitmachen. 
Das wäre für uns natürlich viel bequemer und 
es' wäre auch aus anderen Gründen angenehmer 
gewesen, wir haben es aber nicht bei diesem und 
nicht bei früheren Etats getan. Aber wir haben 
doch bei manchen Geldforderungen leider — sage 
ich heute und ich sage es, der heute die Haupt 
rede hält, wo nunmehr ein bißchen anderer Wind 
weht als früher —, wir haben in einigen Etats 
punkten mal nachgegeben und haben mit Ihnen 
zusammen etwas getan, was uns heute leid tut, 
nicht wegen der finanziellen Auswirkungen, son 
dern weil Sie vielleicht glauben könnten, Sie 
könnten uns nun irgendwie politisch binden. Also 
wir verlangen Sicherungen — an Ver 
sprechungen glauben wir nicht mehr, dafür kauft 
sich kein Mensch etwas —, wir verlangen Siche 
rungen dafür, daß, wenn dieses Haus durch die 
linke Mehrheit oder durch die Sozialdemokraten, 
wenn sie der Mitte, die nicht .mitmachen mag, 
drohen, den Etat mit den Kommunisten zusammen 
zu machen, zu Beschlüssen kommt, die entgegen 
unserm Willen und entgegen unseren Grundforde 
rungen sind, daß dann der Magistrat sich da 
gegen stellt und solche Beschlüsse nicht geneh 
migt. Meine Damen und Herren! Die Sozial 
demokraten in Preußen und im Reich zielen mit 
großem Erfolg — ob sie im Reich innerhalb der 
Regierung sitzen und die Legislative haben, inter 
essiert sie nur sehr indirekt — darauf hinaus, 
und das ist ihr einziges Interesse, die Exekutive, 
das ist die Macht, in Preußen zu haben. Diese 
Exekutive halten sie mit eiserner Kraft fest. Sie 
haben von ihrem Standpunkt aus vollkommen 
recht. Sie werden mir erlauben, daß ich die 
Schlußfolgerung für uns in diesem Hause ziehe. 
Von beiden Körperschaften hat die reine Legis 
lative hier diese Versammlung. Sie könnte uns 
uninteressant sein, auch wenn Ihre Mehrheit 
etwas gegen uns beschließt, wenn wir in den ande 
ren städtischen Körperschaften, im Magistrat, die 
Macht hätten! — Daher meine Forderung 
nach weiteren acht Sitzen für uns im 
Magistrat ! — 
(Zuruf.) 
— Das ist keine Krippenjägerei, Herr Kollege 
Flatau; wir nehmen auch unbesoldete Stadträte, 
wir verzichten auch auf die Gehälter der unbesol 
deten Stadträte, wie ein Antrag von uns ausführt. 
Nein, das ist genau das, was Sie im Reich und in 
Preußen machen, das ist der Wille zur 
Macht, und nur wer die Macht hat, 
kann die Verantwortung tragen, ein 
anderer nicht. 
(Stadtv. Flatau: Endlich werden Sie vernünftig!) 
Der Zustand, daß im Magistrat von 24 Mitglie 
dern 12 Sozialdemokraten und Kommunisten sind, 
führt dahin, daß Sie jederzeit Beschlüsse fassen 
können, die gegen unseren Willen sind. Da können 
wir die Verantwortung nicht übernehmen; das 
glauben Sie alleine nicht. 
(Heiterkeit.) 
— Hören Sie nur zu. — 
Wenn Sie glauben, daß Sie bei der Tatsache, daß 
hier von den 225 Stadtverordnetensitzen die alte 
Etatsmehrheit njcht mehr vorhanden ist, daß nur 
dann eine Mehrheit mit zwei Stimmen Zustande 
kommen würde, also die absolute Mehrheit er 
reicht würde, wenn die drei Herren der christ 
lichen Richtung sich daran beteiligen und wenn 
alle anwesend sind, wenn Sie also glauben, auf 
Grund dieser Zweistimmenmehrheit den Etat in 
Zukunft ohne uns machen zu können, dann wün 
schen wir Ihnen auf dieser Reise allerbestes 
Glück und Wohlergehen. Wir wissen ganz genau, 
daß die Steuererhöhungen, wenn sie jetzt nicht 
kommen, dann durch den Zwangsetat kommen, 
oder sie kommen mit Ihrer Zustimmung im 
Jahre 1930. Ich erkläre Ihnen heute schon, daß die 
grundsätzliche Forderung politischer Art und die 
Frage nach der Macht im Magistrat für uns auch 
für den Etat 1930 maßgebend sein werden, und 
wir auch diesen Etat ablehnen werden, selbst wenn 
er kaputt geht. 
(Zurufe in der Mitte.) 
W i r erstreben die Auflösung, denn wir 
können davon nur gewinnen, weil die Bürgerschaft 
dann gelernt haben wird! — 
(Vorst. Haß: Herr Kollege, ich bitte, zum 
Schluß zu kommen!) 
Ich komme zum Schluß. Es handelt sich für 
uns hier nicht um die Einzelheiten des Nachtrags 
etatas, nicht darum, ob da 70 Millionen Defizit 
sind oder 13,1 Millionen Steuern bewilligt werden, 
oder ob 30 Millionen durch Streichungen ge 
wonnen werden, nicht darum, ob das Defizit 37, 
oder 47, oder 70 Millionen beträgt, ob es auf 1930 
oder 1931 übertragen wird, das ist alles für uns 
nicht der springende Punkt, es handelt sich 
für uns vielmehr darum, ob die Pri 
vatwirtschaft und ob das Privat 
kapital gestärkt werden soll durch die 
städtische Politik, oder ob sie durch kalte Soziali 
sierung vernichtet werden sollen! Es handelt 
sich für uns darum, ob die sozialistische 
internationale Allerweltschein 
kultur herrschen soll, oder ob die echte, 
christliche, nationale, deutsche 
Kultur herrschen soll. 
(Lebhaftes Bravo! und Händeklatschen bei 
den Deutschnationalen.) 
Da liegt für uns die Entscheidung. Wir sind uns 
unserer zahlenmäßig ausschlaggebenden Stellung 
in diesem Hause durchaus bewußt. Wir sind uns 
auch bewußt, daß wir die Verantwortung tragen, 
und die tragen wir sehr gern. Wir haben Ihnen 
geschildert, was wir wollen, und ich wiederhole 
Ihnen und sagen Ihnen eins: wir wollen aufs 
Ganzegehen,undsindüberzeugt, daß 
wir uns durchsetzen! 
(Lebhafter Beifall bei den Deutschnationalen.) 
Stadtbaurat Dr. Wagner: Meine sehr ver 
ehrten Damen und Herren! Herr Stadtverordneter
	        
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