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Volume Sitzung 13, 18. März 1926

Full text: Stenographische Berichte über die öffentlichen Sitzungen der Stadtverordnetenversammlung der Haupt- und Residenzstadt Berlin (Public Domain) Issue1926 (Public Domain)

Sitzung am 18 
Vertreter des Arbeitersportkartells. Sie posaunen hier 
in die Welt hinaus, es wäre ein Kommunist gewesen, 
der vor zwei Wochen oder vier Monaten gesagt habe, 
die Sportler legten keinen Wert daraus, daß das Schul- 
turnen in das Stadtaint für Leibesübungen hinein 
kommt. Erstens ist es ziemlich gleichgültig, was vor 
vier Monaten gewest» ist. 
(Lachen bei den Sozialdemokraten.) 
Herr Kollege Lohinann, es ist mir bekannt, daß Sie 
in vier Tagen mehrmals Ihre Ansicht wechseln. Ich 
luitt das auch nicht von vornherein verwerfe»; wenn 
Sie inzwischen etwas hinzugelernt haben, so entehrt 
das keineswegs. 
(Zuruf des Stadtv. Dr. Lohmann.) 
Inzwischen sind vier Monate vergangen, und selbst 
der Vertreter des Arbeitersportkartells, Herr Oehl- 
schläger, ist heute nicht mehr der Ansicht, die er vor vier 
Monaten gehabt hat. Daraus aber ihm oder dem Ar 
beitersportkartell oder der Kommunistischen Fraktion 
einen Vorwurf zu machen, ist lächerlich. 
Meine Damen und Herren! Aus rein sachlichen 
Erwägungen heraus komme ich zn dem Ergebnis, das 
der Herr Kollege Zobel ausgesprochen hat. 
(Zuruf bei den Sozialdemokraten: Neue Koalition!) 
(Stadtv. Zobel: Und wenn schon!) 
Ich bitte die Stadtverordnetenversammlung, der 
Satzung so, wie sie ans dem Ausschuß herausgekommen 
ist, zuzustimmen. 
(Stadtv. Zobel: Sehr richtig!) 
Danil ist all das drin, was das Stadtamt für Leibes 
übungen braucht.' Ich bin überzeugt, selbst die Sozial 
demokratische Partei wird das binnen kurzem einsehen; 
sie wird zu der besseren Einsicht kommen, und -sie lvird 
es uns danken, trotzdem sie uns heute beschimpft hat. 
(Stadtv. Dr. Lohmann: Wer schimpft denn?) 
Stadtv. Tresfcrt (Z.): Meine Damen und Herren! 
Man sieht aus der Debatte, wohin es führt, wenn 
man einen so einseitigen Beschluß faßt wie das letzte 
Mal, daß man das Arbeitersportkartell allein hinein 
bringt. Daran ist nämlich die ganze Sache gescheitert. 
Wenn in der zweiten Lesung nicht der Satz hinein 
gekommen wäre, nur das Arbeitersportkartell heran 
zuziehen. dann wäre das letzte Mal die Satzung ver 
abschiedet worden. Der Herr Stadtv. Zobel hat deshalb 
Einspruch erhoben und gesagt, nachdem der erwähnte 
Satz darin stand — wogegen ich mich auch in der 
Debatte gewandt habe —' habe er an der Satzung 
sein Interesse mehr. Ich habe gesagt, entweder müssen 
wir den Satz streichen oder wir müssen auch die anderen 
Sportkartelle bezw. Spitzenverbände heranziehen. Denn 
es geht nicht an, daß man nur die eine Seite berück 
sichtigt und die andere gänzlich ausschaltet. 
Ich glaube, nachdem wir das letzte Mal eingehend 
beraten und abgestimmt haben, kommen wir am wei 
testen, wenn wir heute abend ans die ganzen Anträge 
nicht mehr weiter eingehen. Es sind beinahe zwei Dutzend 
neue Anträge gestellt. Ich glaube, es werden wenige 
im Saale sein, die überhaupt wissen, worum es sich 
handelt. Einmal wird ein Satz gestrichen, dann wird 
ein Satz eingeschaltet, ein Wort wird geändert, und 
es kann überhaupt niemand mehr die Tragweite so 
schnell übersehen. Ich glaube, wir kommen am wei 
test eit, wenn wir die Beschlüsse der zweiten Lesung 
wiederherstellen, d. H. die Beschlüsse der letzten Ver 
sammlung aufrecht erhalten, 
(Zuruf links: Nein!) 
mit Ausnahme des einen Satzes in § 2: „unter .Heran 
ziehung der Vertreter der Arbeitersportkartelle". Wenn 
wir den Satz-dahin abändern, wie es die Demokraten 
heute beantragt haben, „insbesondere von Mitgliedern 
der Vereine, die dem Kartellverband für Sport und 
. Mär; 1926. 337 
Körperpflege, dem Deutschen Reichsausschnß oder der 
Deutschen Turnerschaft angeschlossen sind", dann kom 
men wir weiter. 
Ich beantrage also, die Beschlüsse der zweiten 
Lesnng aufrecht zu erhalten, mit Ausnahme des Zu 
satzes zu § 2 „unter Heranziehung der Vertreter der 
Arbeiterspvrtkartelle". An dessen Stelle ist der Antrag 
der Demokraten zu setzen. 
Vorst. Haß: Die Beratung ist geschlossen. Ich bitte, 
Platz zu nehmen. Ich bitte um Rithe und Aufmerk 
samkeit. Ich werde zunächst über die prinzipiellen An 
träge abstimmen lassen, und wemt sie keine Mehrheit 
finden, dann über die einzelnen Anträge. 
Wir haben es mit drei prinzipiellen Anträgen zu 
tun. Der eine ist der des Herrn Treffert, der be 
antragt, die Beschlüsse der zweiten Lesung wiederher 
zustellen mit Ausnahme der Streichung im § 2 Abs. 2 
„unter Heranziehung der Arbeitersportkartelle". 
Dann kommt der Antrag der Herren Lüdicke und 
Freiherr von Dalwigk: „Unter Zurückweisung aller 
Abänderungsanträge wird dem Entwurf einer Satzung 
für Leibesübungen nach der Ausschußvorlage zuge 
stimmt." Das ist also der Antrag, der unter Druck 
sache 214 vorliegt. Desgleichen die Zusätze zn § 2 Ziff. 8 
und 10 nach den Beschlüssen der zweiten Beratung. 
Zu Ziffer 8 ist eingefügt „Unterstützung solcher Kurse 
von Vereinen" und der neue Absatz 10 lautet: „Ein 
richtung von unentgeltlichen sportärztlichen Beratungs 
stellen in allen Bezirken." 
Dann der kommunistische Antrag, der will, daß 
die Ausschußbeschlüsse wieder hergestellt werden. 
Zur Abstimmung Herr Dr. Lohmann. 
Stadtv. Dr. Lohmann (S.) — (zur Abstimmung): 
Ich bin der-Meinung, wir müßten zunächst über die 
beiden Zusätze abstimmen, den des Herrn Freiherrn 
von Dalwigk, ob Ziffer 8 und 10 aufrecht erhalten 
werden sollen, und dem des Herrn Treffert, zn streichen 
„unter Heranziehung der Vertreter der Arbeitersport 
kartelle". Der Antrag Merten ist wohl der weiker- 
gehendste. 
Stadtv. Merten (D.) — (zur Abstimmung): Ich 
bin der Meinung, daß wir in folgender Form abzu 
stimmen haben: Wer für den Fall der Annahme des 
grundsätzlichen Antrages des Herrn von Dalwigk, näm 
lich Wiederherstellung der Beschlüsse des Ausschusses, 
die beiden in der zweiten Lesung gefaßten Zusatzanträge 
annehmen will, hat mit „Ja" zu stimmen, der andere 
mit „Nein". Dadurch entscheidet sich das Schicksal dieser 
Zusatzanträge, und.wenn über das Schicksal der Zusatz 
anträge entschieden ist, erst dann kann über das Schicksal 
der Vorlage, so wie sie ans dein Ausschuß gekommen 
ist, entschieden werden. 
(Zuruf links: Richtig!) 
(Stadtv. Dr. Lohmann: Ich schließe mich dem an!) 
Vorst. Haß: Also dann würde der Antrag des 
Herrn von Dalwigk in vollem Umfange meist zur 
Abstimmung kommen: 
„Unter Zurückweisung aller Abänderungsanträge 
wird dem Entwurf einer Satzung für Leibesübungen 
nach der Ausschußvorlage zugestimmt", desgleichen 
den Zusätzen zu § 2, Ziffer 8 und 10 nach den 
Beschlüssen der zweiten Beratung." 
tStadtv. Merten: Erst die Zusatzanträge einzeln!) 
Also dann stimmen wir ab über den Zusatzantrag — 
(Stadtv. Merten: „und Unterstützung solcher Kurse 
von Vereinen"! Es muß doch einzeln abgestimmt 
werden!) 
Ich darf es noch einmal erklären, es dreht sich um
	        
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