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Volume Sitzung 46, 18. Dezember 1924

Full text: Stenographische Berichte über die öffentlichen Sitzungen der Stadtverordnetenversammlung der Haupt- und Residenzstadt Berlin (Public Domain) Issue1924 (Public Domain)

Sitzung am 18. Dezember 1924. 283 
hineinfinden, und daß sie den Mut haben würden, diese 
kapitalistischen Ansichten als etwas zu verteidigen, was 
durchaus im Interesse der Straßenbahn-G. m. b. H. und 
schließlich der Stadt läge. 
(Links: Sehr richtig!) 
Ich glaube, mit aller Deutlichkeit für meine Fraktion 
erklären zu dürfen, daß Persönlichkeiten, die solchen 
Standpunkt einnehmen, keinerler Unterstützung von uns 
erwarten können. 
(Hört, hört!) 
Vielleicht ist dies klar genug, um eine Umkehr ans 
diesem falschen Wege zu erreichen. 
(Zurufe: Na, na: Das wird Ihnen nicht gelingen!) 
Meine Damen und Herren! Diese Neversangelegen- 
heit lvird endgültig zu behandeln sein, mm der Ausschuß 
wieder getagt haben wird. Aber ich glaube, toas ich gesagt 
habe, dürfte genügen, um zu zeigen, daß in der Geschäfts- 
gcbahrung der Straßenbahn ein ganz anderes Verfahren 
eingeschlagen werden muß. Wir würden es tttts sonst 
zu überlegen haben, ob und unter welchen Umständen 
es bann vielleicht besser wäre, die ganze G. m. b. H. 
wieder auszulösen, 
(Zurufe von der Tribüne: Sehr richtig!) 
wettn sich hier etwas etablieren sollte, das nichts anderes 
ist als der rein kapitalistische Geist, den tvir eben in 
dieser Gesellschaft nicht haben wollen. Wir haben keine 
Gesellschaft gründen wollen, damit einzelne führende 
Persönlichkeiten und leitende Angestellte zeigen konnten, 
daß sie noch „kapitalistische r" sind als vielleicht 
Herr von Borsig und die von uns bekämpften „K ü h n e - 
manne r". 
(Bravo!) 
Wir haben die G. m. b. H. gegründet, um sie als 
Verkehrunternehmen beweglich zu erhalten und dazu ge 
hört auch, daß, eine vernünftige Personalpolitik einge 
schlagen wird. 
(Links: Sehr richtig!) 
Aber hierzu gehört ferner auch, daß die Leiter und Direk 
toren, ijie für die Gesamtpolitik verantwortlich sind, 
Verständnis für die Arbeitnehmersorgen behalten und sich 
nicht beeinflussen lassen von untergeordneten Organen, 
die leider auch bei einigen Aufsichtsratsmitgliedern Unter 
stützung gefunden haben sollen. 
Meine Damen und Herren! Vor allen: muß man 
sich aber auch dagegen wenden, daß man, während wir 
immer wieder Klagerufe ausstoßen deswegen, weil ein 
großer Teil der Arbeitnehmer, die früher bei der städti 
schen Straßenbahn beschäftigt waren, noch ohne Arbeit 
sind, dazu übergegangen ist, fremde Er beit ne h nt e x 
in diesen Betrieb aufzunehmen. 
(Links: Sehr wahr!) 
Wir werden ja sehen, wie weit die Liste, die wir 
mit unserem Antrage fordern, der hoffentlich angenommen 
werdet: wird, wirklich stichhaltiges Material gibt. Wir 
sind ja in bezug ans das Material — was tvir auch 
einmal sagen wollet: — etwas skeptisch geworden, weil 
wir die Persönlichkeiten zum Teil kennen, die für die 
Zusammenstellung solchen Materials technisch verantwort 
lich sind. 
(Links: Sehr richtig!) 
Wir werden aber die Prüfungen sehr tief gehen lassen, 
um endlich einmal klaret: Gnmd zu schaffen. Es ist ja 
von einem Vertreter der Straßenbahn sehr liebenswürdig 
gewesen, sich heute hier ans das Urteil seines Betriebs 
rates zu berufen. Der Betriebsrat hat, tuen:: ich den Ver 
treter der Straßenbahn recht verstandet: habe, in bezug 
aus den Revers eine Stellung eingenommen, die ich als 
unhaltbar bezeichnen muß. Er hat gesagt, daß nach 
den Vervollständigungen, die die Reverse erfahren haben, 
er seinerseits in den Entlassungen und Kündigungen im 
Sinne des Betriebsrütegesetzes nicht mehr eine un 
billige Härte erblicken könne. Nun, meine ver 
ehrten Damen und Herren, ich sage zu dieser besonderen 
Angelegenheit: Jeder Betriebsrat hat die Direktion, die 
er verdient, 
(Links: Sehr richtig!) 
und ein Betriebsrat, der wirklich etwas derartiges als 
Meinung eines Arbeitnehmers von sich gibt, verdient die 
Direktion, die die Straßenbahn gegenwärtig eben hat. 
(Links: Bravo!) 
Was wir noch aus dem Herzen haben in bezug auf 
diese Zustünde — und das ist noch eine ganze Menge —, 
das werden wir eventuell dann noch zu sagen haben, 
wem: der Ausschuß abschließend seine Arbeiten beendet 
haben tvird. 
(Beifall bei den Sozialdemokraten.) 
Stadtkämmercr Dr. Karding: Meine Damen und 
Herren! Ich habe. den Eindruck, als ob der Antrag, 
welcher das Haus heute beschäftigt, gewissermaßen bet: 
Anlaß dazu geben soll, einer allgemeinen Unzufrieden 
heit mit der Straßenbahn und ihrer gegenwärtigen 
Leitung Ausdruck zu geben. Ich würbe das bedauern. 
Tie Straßenbahn hat ein Jahr der Arbeit hinter sich, 
für das, glaube ich, wir alle und die Oeffentlichkeit 
Veranlassung, haben, den leitenden Männern, welche in 
diesen: Jahre an der Spitze des Unternehmens gestandet: 
haben, allen Dank anzusprechen. 
(Stabtu™ Dr. Wehl: Nanu! Darüber gibt es auch 
eine andere Meinung!) 
Ich wiederhole, wir haben Veranlassung, ihnen alten 
Tank anszusprechen. 
(Stabtu. Dr. Wehl: Nach "Ihrer Ansicht!) 
(Links: Bravo!) 
Ich stehe hier, mir meine Ansicht zu äußern, Herr 
Dr. Wehl. Ich nehme an, daß Sie uns Ihre Ansicht 
nicht vorenthalten werden. 
(Stabtu. Dr. Weist: Das hat ja unser Sprecher mit 
aller Deutlichkeit gesagt!) 
Die Straßenbahn hat in dem Jahre, das hinter uns 
liegt, eine Entwickelung durchgemacht, wie wir sie kaum 
bei einem anderen städtischen Unternehmen haben wahr 
nehmen können. Sie hat im September vorigen Jahres 
nicht nur vor dein sondern irrt! Zusammenbruch sich be 
funden und sie hat. sicherlick: unterstützt durch die allge 
meine wirtschaftliche Entwickelung, aber sicherlich auch 
hervorragend beeinflußt durch die Tüchtigkeit der Männer, 
welche in dieser Zeit in der Straßenbahn tätig gewesen 
sind, einen Aufstieg genommen, den wir vor einem Jahre 
niemals erwartet hätten. 
(Zuruf links: Nur die Arbeiter nicht!) 
Meine Damen und Herren! Wenn esheute so 
ist, daß im Straßenbahnbet'iebe wieder eine größere An 
zahl von Personen beschäftigt werden kann als vor 
iJahren und ein Vielfaches der Zahl, tue vor einem 
Jahre, als die damalige städtische Straßenbahn so elend 
zusammenbrechen mußte, noch im Betriebe war. und wenn 
die Leistungen der Straßenbahn heute weit hinausgehen 
über das, was tvir vor Jahren bei der Straßenbahn zu 
Zeiten gesehen - haben, wo tvir sie noch für blühend 
hielten, so ist das, glaube ich, eine Entwickelung, für die 
die Oeffentlichkeit und die städtischen Körperschaften alle 
Ursackie haben, dankbar zu sein. 
'Meine Damen und Herren! Die Frage, welche hier 
in: besonderen Gegenstand der heutigen Besprechung ist, 
ist in: Aufsichtsrat der Straßenbahn sehr eingehend ver 
handelt worden. Ich stehe nicht an. zu erklären, daß! 
die Form, in welcher der Revers seiner Zeit den Be 
teiligten vorgelegt worden ist, uns nicht glücklich erschien. 
(Links: Sehr richtig!) 
(Zuruf: Das hat aber lange gedauert!) 
Die Erkenntnis, Herr Kollege, ist nicht von heute. 
Ich darf vielleicht zu Ihrer persönlichen Orientierung 
hinzufügen, daß ich selber ein Erhebliches dazu getan habe, 
(Links: Stimmt!) 
um ans dieser unglücklichen Form, in der uns zuerst 
diese Angelegenheit beschäftigte, zu einer verständigeren 
und klareren Fassung zu gelangen. 
(Stadtv. Dr. Lohmann: Aber der Revers ist 
geblieben!) 
Meine Damen und Herren! Der Revers, fccp jetzt 
noch vorliegt, ist doch ein ganz anderer als der, der 
seiner Zeit zuerst entworfen worden war. und ich spreche 
nur von dem Revers, der heute, noch vorliegt und von 
deM tvir einig sind, daß er für alle Beteiligten, auch 
für die Unterzeichner der ersten Fassung, gilt. Bei 
diesem heute vorliegenden Revers handelt es sich für
	        
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