Path:
Volume No. 10, 19.03.1914

Full text: Stenographische Berichte über die öffentlichen Sitzungen der Stadtverordnetenversammlung der Haupt- und Residenzstadt Berlin (Public Domain) Issue41.1914 (Public Domain)

141 Stadtv.-vc-rs. Sitzm schuldig ist , bitten , doch ihre Pflicht uach der Richtuug hin zu tun, die Direktiouen anzuweisen , hinfichtlich der Quantität und der Qnalität der Speisen es a nichts fehlen zu lassen . Zwar weiß ich auch , daß neuerding, was den Herrn Kämmerer interessieren wird, von mauchen Aerzten Fasten- kuren eingeführt werden , die ia bei solchen Kranken , die durch zu vieles Essen Schaden erlitten haben , sehr gnte Wirkung ansüben ; aber bei den Krauken, die nnsere Krankeuhäuser in Anspruch nehmen, sind solche Fastenkuren wahrhaftig nicht angebracht . Ich bitte also die Krankenhau sverwaltnng zur Beruhigung der Bevölkerung , die anf die Inanspruchnahme unserer städtischen Krankenhäuser augewiesen ist , doch um eine Erklärung, daß die Direktionen angewiesen werden, nur im Interesse der Krankeu die Beköstigung so zu ge- stalten , wie es den ärztlichen Auffassungeu eutspricht, und ich bitte weite, wenn die Reformkommission eine wirklich ersprießliche Tätigkeit ausüben will, daß sie sich ergänzt durch Hiuzuziehung eines Arztes ; meines Wissens gehört der Reform- kommiss on der Herr Stadtmedizinalrat nicht au . Es kann doch bei diesen Fragen sich nicht daru m handeln, daß man mit dem Rechenstift streicht und wieder streicht, sondern es sollten auch ärztliche Rücksichten eine Rolle spielen . Deshalb würde ich die Krankenhausverwaltung bitten, uns nicht nur eine beruhigende Erklärung abzugeben , sondern auch dafür zu sorgen , daß die Direktionen der Krankenhäuser nach dieser Erklärung auch das Wohl der Kranken für das Höchste halten und nach diesem Grundsatz handeln . (Bravo ! ) Stadtrat Selberg : Meine Herren, ich möchte zuerst bemerken , daß der Reformkommission zwei Aerzte angehören : Herr Geheimrat Straßmann und meines Wissens auch Herr Geheimrat Weber . Klagen über das Essen in den Krankenhäusern sind immer laut geworden , solange die Krankenhäuser bestehen, und das hat darin seinen Grund , daß die Kranken außer- ordentlich empfindlich sind . Jeder einzelnen Klage wird übrigens nachgegangen ; es wird geprüft, ob das , was der Kranke sagt, richtig ist , oder ob das Essen doch etwa gut ist . Was mm die Herabsetzung des Durchschnittskostsatzes betrifft, so möchte ich bemerken, daß es keineswegs beabsichtigt ist , die Kost der Kranken oder Beamten in irgend einer Weise zu verschlechtern. Es dreht sich bei deu Herabsetzungen, wie Sie gesehen haben, doch immer nur um Pfennige. Das macht allerdings auf das Ganze eine größere Summe. Aber es ist auch der erste Tisch herabgese t, und das, um was der erste Tisch herabgesetzt ist, k mt au der andern Seite wieder den Kranken zu gute . Neuerer Standpunkt ist ferner, daß uan die allzu starke Fleischuahrung mehr und mehr herab- zusetzen versucht. In allen ärztlichen Zeitschriften und auch in anderen Zeitungen ist davon die Rede gewesen , daß zu viel Fleisch genossen wird . Man will es versuchen , vielleicht etwas weniger Fleisch zu geben . Versuche find damit schon . gemacht worden ; aber die Versicherung kann ich im Namen der Krankeuhansdeputation abgeben , daß eine Verschlechterung der Kost weder für Kranke noch für Beamte eintritt . Jeden- falls , wenn eine Klage käme, würde sie in jedem Einzelfalle geprüft werden . Stadtverordneter Dr. Weyl : Meine Herreu, nur wenige Bemerkungen ! Daß Aerzte der Reformkommission angehören, höre ich hier zum erstenmal . Ich erfahre jeden- falls eben von einem der ärztlichen Mitglieder, die hier ge- nannt worden sind , daß dieser Herr selber davon nichts we iß . Die wesentlichste Tätigkeit in der Reforukommission übt der Herr Revisor aus . Der macht diese Versuche in den Krankenhäusern, indem er den Direktioneu gewisse Auf- träge erteilt . Um nun dem Revisor Eintritt in die Kranken- häuser zu gewähren, dazu gehört die Unterschrift eines Ma- gistratsmitgliedes, und wenn das zufällig mal ei Arzt ist , will ich das gelten lassen ; aber dabei, was der Revisor auf Grund seiner Kenntnisse aus anderen Anstalten den Kranken - hausdirektionen zu Versuchszwecken anordnet, ist ein Arzt in verantwortlicher Mitarbeit nicht tätig . Im übrigen erkenn e ich die Erklärungen des Herrn Stadtrats Selberg loyal au und will hoffen, daß ihnen nachgehandelt wird ; denn unsere Palienten werden in Zukunft mit doppelter Aufmerksamkeit und Vorsicht das, was ihnen geboten wird, betrachten . Ich will hoffen , daß keine Klage nach dieser Richtung hin wird .kommen Stadtrat Dr- Straßmann : Meine Herren, ich möchte am 10 . Mrz 1914 . deu letzteu Asführungen gegenüber bemerken , daß der e r Revisor keine Bestimmungen zu treffen hat. Der Herr Re visor macht seine Beobachtungen, bringt sie zu Papier, un sie gehen dann an die Re ormkommission ; die Reform kommission zieht sie in Betra t und fragt dann auch darauf hin, weun sie Verbesserungen oder andere Vorschläge z machen hat, bei den Direktionen an , wie sie sich zu diese Vorschlägen stellen. Im übrigeu, meine Herren, möchte ich doch erwähnen da ß von einer Verschlechterun der Ernährnng absolut kein Rede ist . Herr Kollege Weyl cheint übersehen zu haben, da namentlich die Reduktionen, die im Etat Platz gegriffel haben es handelt sich im Durchschnitt um 10 ,d fü jedes Krankenhaus -- sich anf den ersten Tisch beziehen und da die Verpflegugskosten einheitlich für 'edes Kranken haus bestimut werden, ist in dieser Gesamt umme die Re duktion derjeigen Ausgaben, die sich auf den ersten Tiscl be iehen , einbegriffen . Darum stellt sich die Sache um 10 . iger . Wir haben allerdings Veranlassung gehabt, debi ersten Tisch zu verändern ; es ist ein erheblicher Luxus in Fleischgenuß getrieben vorden . Aus diesen Gesichtspunkte haben wir einen fleischfreien Tag eingeführt und eine ander Ernährung auch Platz greifen lassen, namentlich durch Hin zufügen von Eiern und Eierspeisen. Von diesem Gesichts punkte aus ist eine Verbilligung eingetreten . Bürgerueister Dr. Reicke : Der Herr Vorredne hat einen Teil der Berichtigung Ihnen schon vorgetragen, di ich auch machen wollte. Ich kann nur hinzufügen : die Re formkommission macht nur Vor sch läge , ihre Vorschläg werden im Magistrat geprüft, und nichts geht ohne Prüfun des Herrn Kämmerers und ohne meine Prüfung und Unter schrift hinaus . Also ist es in unserer Stadtverwaltung docl nicht so, daß ein Bureaubeamter, und sei es der tüchtigst Revisor, allgemeine Anordnungen in der Verwaltung treffe könnte. Stadtverordneter Sonneuseld : Meine Herren , de Magistrat hat beantragt, die Zahl der Assistenten beim Rudol Virchowkrankenhaus in der Abteilung für Geschlechtskrank um zwei zu vermehren . Meine Frennde halten es fü wünschenswert , diese beiden Assistenten abzulehnen, und zwa insbesondere mit Rücksicht auf die Begründung, die diese Forderung beigegeben ist . Es handelt sich um eine doppelte Begründung . Einma meint der Magistrat, es habe sich die Arbeitslast der Assi stenzärzte in dieser Abteilung derart vermehrt, daß eine Ver mehrung der Assistenzärzte dieserhalb notwendig sei . Dem gegenüber frage ich den Magistrat ich bitte, mir dies Frage zu beantworten - -, ob es nicht richtig ist, daß Assi stenzärzte jener Abteilung gegenwärtig noch Zeit finden, an Nachmittag auf den Rettungswachen Dienst zu tun . Wem der Magistrat diese Frage bejahi -- und es ist mir gesag worden, er werde diese Frage bejahen müssen -- wird ma nicht gut behaupten können, daß eine Vermehrung der Zah der Assistenzärzte wegen Ueberlastung notwendig wäre . Nun kommt aber eine zweite Seite von grundsätzliche , wirdBetracht . das gehBedeutung Es benbsichtigtin auch aus dem eingehenden Vortrage des Herrn Referente das Ambulatorium erweitern .hervor Es sollzu) die dermatologische Abteilung des Krankenhauses eine vu' latorische Behandlung anschließen, und zwar insbesondere au der Erwägung heraus, daß viele Geschlechtskranke keine Anspruch aus Krankenhausbehaudlung haben , weil eine folch nicht nötg sei, daß es aber doch im Intere se der öffentliche Gesundheitspflege liege, eine Fülle dieser ) ranken noch wei terer Beobachtung zu unterziehen, wie fie in ambulatorische Behandlungsweise ersolgen könne . Dagegen ist vom Stand punkt der öffentlichen Hygiene nach meinem Dafürhalte nichts einzuwenden . Man muß anerkennen, daß es sich hie um die Bekämpfung einer Seuche handelt, und man muf zugeben, daß die Stadt ein wese ntliches Interesse und ei Recht darauf hat, in der Seuchenbekämpfung tätig zu sein Auf der anderen Seite, meine Herren, muß man prüfen ob ein Bedürfnis dafür wirklich vorhanden ist , und ins besondere ob nicht Interessen geschädigt werden, die doch aucl des Schutzes, wenigstens in negativer Richtung , bedürfen Daß diejenigen , welche eine Kra nkenhausbehandlung nich notwendig haben, auch nicht in das Krankenhaus gehören wird gar keinem Zweifel unterliegen, und ich will meinen daß die Verwaltung des Krankenhauses chre Pflicht nich richtig auffaßt, wenn e etwa Kranke im Krankenhaus weite-
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.