Amtlicher stenographischer Bericht
über die
Sitzung btt ®tnbtt)crorbiictcii=$crfnmmlmig am 8. November 1877.
W 34.
Herausgegeben vom
Einführung der Stadtv. Fritze und Wanke. — Geschäftliche Mittheilungen. —
1. Vorschläge des Ausschusses für die Wahlen unbesoldeter Gemeindebeamten
hinsichtlich der Neuwahl der Einschätzungs-Kommissions-Mitglieder. — 2. Fort
setzung der Berichterstattung Uber den Entwurf einer neuen Bauordnung für
Berlin. — 3. Entwurf zu der Deklaration des Stadthaushalts-Etats und der
zu demselben gehörigen Spezialetats für das 1. Quartal 1878. — 4. Vor
lage — zur Beschlußfassung —, betreffend die Prolongation des Vertrages
hinsichtlich der Einquartierungs-Verhältnisse der nicht kaseruirten hiesigen Trup-
pentheile. — 5. Vorlage — zur Kenntnißuahme —, betreffend den Geschäfts
betrieb der Sparkasse im 3. Quartal d. I. — 6. Antrag der Stadtverord
neten Gerth und Genossen, betreffend die Benutzung des Teutoburger Platzes
zur Abhaltung von Wochenmärkten. — 7. Vorlage — zur Beschlußfassung,
betreffend die speziellen Entwürfe und Anschläge zu den zunächst zu errichten
den Gebäuden für die städtische Schlachthaus- und Biehmarktsanlage. —
8. Vorlage — zur Beschlußfassung —, betreffend die Beschaffung einer zweiten
Dampsseuerspritze für die Feuerwehr.
Die Sitzung wird um 5 Uhr 40 Minuten durch den Stadtver
ordnetenvorsteher Dr. Straßmann eröffnet.
Am Magistratstische sind anwesend: Herr Kämmerer
Runge, Herr Stadtbaurath Blankenstein, Herr Stadlsyndikus Eberty,
die Herren Stadträthe Gilow, Dr. Stört, Kunz, Hagen, Stadthagen,
Streckfuß, Marggraff, Hermes, Matches, Wolfs, Meubrink und
Haack.
Vorsteher: Die Sitzung ist eröffnet.
3m Beginn der heutigen Sitzung hat zunächst die
Einführung der neugewählten Stadtverordneten Fritze
und Wanke
stattzufinden. — Ich ersuche die Kollegen Salewski, Marzahn, Krebs
und Jacobs, die neu gewählten Herren in den Saal zu geleiten.
(Zu den in den Saal getretenen Stadtverordneten Fritze
und Wanke gewendet:)
Vom Magistrat bin ich beauftragt, Sie in die Stadtverordneten-
Versammlung einzuführen. Indem ich diesem Auftrage nachkomme,
gebe ich Ihnen die Versicherung, daß wir in dem neuen Wirkungs
kreise, der sich Ihnen heute eröffnet, überall und jeder Zeit als treue
Kollegen Ihnen zur Seite sein werden. Wie sehr auch im einzelnen
Falle die Meinungen der Kollegen auseinander gehen über das, was
nothwendig und zweckmäßig ist, — das Ziel, welches wir vor Augen
haben, ist Allen gemeinsam, — und dieses Ziel ist: die Wohlfahrt
der Stadt Berlin. Diesem Ziel mit selbstloser Hingebung nach
zustreben, das ist der Inhalt unseres Amtes.
Ich bitte, meine Herren, mir durch Handschlag zu versichern,
daß Sie Ihre Amtspflichten gewissenhaft und pünktlich nach dem
Geiste der Städteordnung erfüllen werden.
(Die Stadtverordneten Fritze und Wanke leisten den Hand
schlag.)
Die neu eingetretenen Kollegen Fritze und Wanke sind an Stelle
der Kollegen Dr. Kosmann und Meyer der 3. Abtheilung zugetheilt.
Bevor wir weiter gehen in den Geschäften der heutigen Sitzung,
habe ich Ihnen Mittheilung zu machen von dem am i. d. M. er
folgten Ableben des Ehrenbürgers der «Ltadt Berlin, Seiner Excellenz
des Generalseldmarschalls Grafen von Wränget — Ich ersuche die
Versammlung, zum Zeichen ehrenden Andenkens an den Verewigten
sich zu erheben.
(Die Mitglieder erheben sich von den Sitzen.)
Zur Leichenfolge sind deputirt worden seitens der Versamm
lung die Kollegen Vollgold, Teichert, Liebermann, Zürst, Dr. Horwitz,
Scheiding, Grabe, Hartmann, — denen sich die beiden Vorsteher
der Versammlung angeschlossen haben.
In der Sitzung am 1. November hat die Versammlung nach
Magistrat zu Berlin.
dem Antrage der Kollegen Weber und Genossen beschlossen, einen
durch die Abtheilungen heute vor Beginn der Sitzung zu wählenden
Ausschuß von 15 Mitgliedern einzusetzen zur Vorberathung der von
der Königl Staatsregierung angekündigten Gesetzesvorlagen, betref
fend die Novelle zur 'Städteordnung und das Kommunalsteuergesetz.
Die Wahlen haben stattgefunden und es sind gewählt:
von der 1. Abth. die Stadtv. Dr. Straßmann, Misch, Liebermann,
- - 2. - - - Dr. Zimmermann, Schäfer, Dr. Kürten,
- - 3. - - - Weber, Scheiding, Nicolai,
- - 4. - - - Dr. Hermes, Bertheim, Salge,
- - 5. - - - Schmidt l., Wulfshein, Meyn.
Der Ausschuß hat sich konstituirt, mich zum Vorsitzenden, den
Kollegen Vorsteher-Stellvertreter zu meinem Stellvertreter gewählt und
die Schriftführung beut Büreau übertragen.
Ferner sollte die 4. Abtheilung an Stelle des verstorbenen Kol
legen Kleemann ein neues Mitglied in den Petitionsausschuß wäh
len; die Wahl hat getroffen den Kollegen Sols. Ebenso sollte die
4. Abtheilung einen neuen Schriftführer wählen; auch diese Wahl
ist auf Kollegen Sols gefallen.
M. H.! Seit Einführung der neuen Geschäftsordnung ist es
hier Brauch gewesen, daß zweimal im Jahre ein Verzeichniß der
jenigen Sachen abgedruckt wurde, die von der Versammlung noch
weiter verfolgt werden, resp. wegen derer noch eine Magistratsvor
lage erwartet wird. Mit den Vorlagen für diese Woche ist Ihnen
wiederum eine solche Zusammenstellung zugegangen; dieselbe schließt
ab mit dem 6. Oktober. Die Zusammenstellung hat dem Magistrat
vorgelegen und ist, mit sehr eingehenden Bemerkungen bezüglich des
Standes der Sachen versehen, wieder hierher gekommen. — Ich
mache die Kollegen darauf aufmerksam, damit sie Gelegenheit haben,
zu einzelnen Gegenständen, für die sie vielleicht eine schleunigere
Förderung wünschen, Anträge zu stellen oder sonstige nach der Ge
schäftsordnung zulässige Maßregeln in Anregung zu bringen.
Alsdann, m. H., sind mir eine Reihe von Anträgen zugegangen
aus der Mitte der Versammlung. Zunächst ein dringlicher An
trag von den Kollegen Dr. Langerhans, Gerth, Schmidt 1., Grabe,
Eger, Dr. Stryck, Dr. Kürten, Dr. Zimmermann und Nicolai:
Die Stadtverordneten-Versammlung wolle beschließen:
Die Versammlung ersucht den Magistrat, mit der Königl.
Staatsregierung in Verbindung zu treten, um es herbei
zuführen , daß" das projektirte Polytechnikum nicht in die
Nähe des Hippodroms, sondern in Berlin selbst errichtet
werde und ihr eine Vorlage zugehen zu lassen.
Ein solcher Antrag kann nach der Geschäftsordnung, ohne daß
er gedruckt vorliegt, in derselben Sitzung, in der er eingebracht ist,
berathen werden, wenn kein Widerspruch erhoben wird. '
Dann ist noch ein dringlicher Antrag eingegangen von den
Kollegen Gerth, Leddihn, Misch, Nicolai, Dr. Stryck:
Die Stadtverordneten-Versammlung wolle beschließen, die
Wahl der Mitglieder für die Staatsklaffen- und Gemeinde-
Einkornmensteuer-Einschätzungskommissionen von der heutigen
Tagesordnung abzusetzen und die vom Magistrat vorge
legten Vorschlagslisten vor der Wahl den recherchirenden
Bezirks-Stadtverordneten zur Begutachtung zu unterbreiten.
Zu derselben Sache aber ist von dem Ausschuß, dem ich die
Vorschlagslisten der Kommissionen übergeben habe, folgendes Pro
tokoll eingegangen:
Der Ausschuß für unbesoldete Kommunalbeamte empfiehlt
die in den beiliegenden Listen vorgeschlagenen Herren zu
Mitgliedern der Einschätzungs-Kommissionen pro 1. April
1878 bis 1. April 1881 zu wählen, jedoch die Listen aus
zulegen und die Vorschläge, gegen welche Widerspruch er
hoben wird, dem recherchirenden Stadtverordneten zur Be
gutachtung zu übersenden.