Path:
Periodical volume

Full text: Gleiche Gesundheit für Alle?! Issue 2015

2015
.

Gleiche Gesundheit für Alle?!

2 Gesundheits- und Sozialbericht

des Bezirks Tempelhof-Schöneberg

Vorzeitige Sterblichkeit je 100 000 EW

Impressum
Herausgebende Institution:

Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg von Berlin
Abteilung Gesundheit, Soziales und Stadtentwicklung
März 2016

Berichterstatterin:

Patrizia Paplinski

Für weitere Informationen
wenden Sie sich bitte an:

Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg
Planungs- und Koordinierungsstelle Gesundheit
Tempelhofer Damm 165, 12099 Berlin
Postanschrift: 10820 Berlin
Telefon: (030) 90277 7251 (Geschäftszimmer)
Email: planko@ba-ts.berlin.de

Kostenloser Download dieses Berichts und weiterer Berichte unter:
http://www.berlin.de/ba-tempelhof-schoeneberg/politik-und-verwaltung/service-undorganisationseinheiten/planungs-und-koordinierungsstelle-gesundheit/artikel.397294.php

Vorwort

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,
die vorliegenden Seiten stellen den zweiten Basisbericht des Bezirks Tempelhof-Schöneberg
dar, der neben allgemeinen gesamtbezirklichen Aussagen zur gesundheitlichen und sozialen
Lage auch die Sozialräume des Bezirks genauer in Augenschein nimmt. Damit wird es
möglich, Problemfelder zu identifizieren und Handlungsbedarfe aufzuzeigen.
Schon

1986

wurde

die

Ottawa-Charta

zur

Gesundheitsförderung

von

der

Weltgesundheitsorganisation verabschiedet. Das darin verankerte Schlüsselkonzept „Health
in all Policies“ (zu dt.: „gesundheitsfördernde Gesamtpolitik“) gilt auch für die kommunale
Ebene: nicht nur der Gesundheitssektor sondern auch die Rahmenbedingungen für Arbeit,
Wohnen und Freizeit haben Auswirkungen auf den Gesundheitszustand der Einzelnen.
Ein zentrales Thema des Berichts ist deshalb der Zusammenhang zwischen Armut und
Gesundheit. Hier wird besonders deutlich, wie wichtig Kooperationen zwischen einzelnen
politischen Verantwortungsfeldern sind, um allen Einwohner_innen die gleichen Chancen auf
ein gesundes Leben zu ermöglichen. Ein anderer Schwerpunkt des Berichts liegt auf dem
Thema Gender. So sterben beispielsweise Männer im Bezirk im Schnitt 9 Jahre früher als
Frauen. Frauen dagegen erkranken häufiger als Männer vor ihrem 65. Lebensjahr an Krebs.
Für zukünftige Berichte stehen wir vor der besonderen Herausforderung, die gesundheitliche
Lage von geflüchteten Menschen zu erfassen, um nicht nur die basismedizinische
Versorgung zu gewährleisten, sondern auch aus einer gesundheitsfördernden Perspektive
handeln zu können.
Vor diesem Hintergrund freue ich mich auf angeregte Diskussionen mit politisch
Verantwortlichen, der Verwaltung, den Trägern und den Bewohner_innen unseres Bezirks,
um Tempelhof-Schöneberg gemeinsam noch gesünder und lebenswerter zu machen.

Dr. Sibyll Klotz
Stadträtin für Gesundheit, Soziales, Stadtentwicklung

Inhaltsverzeichnis
Vorwort ...................................................................................................................................................................................... 1
1.

Einleitung.................................................................................................................................................... 3

2.

Der Bezirk und seine Einwohner_innen ...................................................................................................... 5
1.

Geografische Lage ................................................................................................................................. 5

2.

Bevölkerung ........................................................................................................................................... 5

3.

Bildung und Erwerbsleben ....................................................................................................................10

4.

Zusammenfassung................................................................................................................................13

3.

Faktoren sozialer Benachteiligung ........................................................................................................... 15
1.

Übersicht ...............................................................................................................................................15

2.

Transferleistungen ................................................................................................................................16

3.

Besondere Bevölkerungsgruppen .........................................................................................................21

4.

Zusammenfassung................................................................................................................................23

4.

Gesundheitliche Lage ............................................................................................................................... 26
1.

Lebenserwartung ..................................................................................................................................26

2.

Geburten ...............................................................................................................................................26

3.

Sterblichkeit ..........................................................................................................................................27

4.

Morbidität ..............................................................................................................................................33

5.

Pflegebedürftigkeit ................................................................................................................................41

6.

Gesundheitsverhalten ...........................................................................................................................42

7.

Kindergesundheit ..................................................................................................................................44

8.

Zusammenfassung................................................................................................................................44

5.

Raumbezogene Analysen ........................................................................................................................ 48
1.

Bezirksregionen ....................................................................................................................................48

2.

Planungsräume .....................................................................................................................................54

3.

Zusammenfassung................................................................................................................................60

6.

Ausgewählte Handlungsfelder und -empfehlungen .................................................................................. 66
1.

Demografischer Wandel........................................................................................................................66

2.

Armut und Gesundheit ..........................................................................................................................67

3.

Interkulturelle Aspekte...........................................................................................................................68

4.

Gender ..................................................................................................................................................69

5.

Ausgewählte Krankheitsbilder ...............................................................................................................70

6.

Sozialräumliche Orientierung ................................................................................................................71

7.

Quellen ..................................................................................................................................................... 73

8.

Anhang ..................................................................................................................................................... 74
1.

Anhang 1: Sozialindikatoren .................................................................................................................74

2.

Anhang 2: Lebensweltlich orientierte Räume (LOR) in Tempelhof-Schöneberg ...................................76

3.

Anhang 3a: Vorgehensweise der raumbezogenen Analyse ..................................................................77

4.

Anhang 3b: Cut-Off-Werte der raumbezogenen Analyse ......................................................................80

Vorwort
Nachdem 2011 der erste Basisbericht für den Bezirk Tempelhof-Schöneberg veröffentlicht
wurde, halten Sie nun den zweiten Bericht in den Händen, der die damals ausgewerteten
Daten fortschreibt und zum Teil ausweitet. Für eine genauere Auswertung von
bevölkerungsbezogenen Daten sei auf die Organisationseinheit Sozialraumorientierte
Planungskoordination verwiesen, die z.B. die sogenannten Bezirksregionenprofile erstellt1.
Detaillierte Auswertungen zu den Schuleingangsuntersuchungen finden Sie auf den Seiten
des Kinder- und Jugendgesundheitsdienstes2.
Im Bericht wird der sogenannte „Gender-Gap“ verwendet (z.B. Einwohner_innen). Er
verdeutlicht, dass mit der beschriebenen Personengruppe nicht nur zwei Geschlechter
abgebildet werden sollen, sondern alle Personen mitinbegriffen sind, die sich als trans-,
intersexuell oder gänzlich ohne Geschlechtszuschreibung identifizieren.
Im Bericht werden außerdem die Begriffe „Personen mit Migrationshintergrund“ und
„Personen mit Migrationsgeschichte“ verwendet3. Diese Beschreibung soll als statistisches
Konstrukt verstanden werden und nicht als Stempel mit vermeintlich negativ assoziierten
Merkmalen, der für eine einzelne Person gilt. Die Staatsangehörigkeit einer Person (oder
deren Elternteile) hat wenig Aussagekraft über deren individuelle soziale und gesundheitliche
Lage. Dennoch bietet der Indikator „Migrationshintergrund“ die Möglichkeit zu differenzieren
und auf mögliche Problemlagen im Sinne der Berichterstattung und Planung hinzuweisen.
Ein großer Dank geht an Hr. Binner (OE SPK) für die Generierung der kartografischen
Übersichten und an Hr. Dr. Völger (KJGD) für die Bereitstellung der Daten aus den ESU.

1

http://www.berlin.de/ba-tempelhof-schoeneberg/politik-und-verwaltung/service-und-

organisationseinheiten/sozialraumorientierte-planungskoordination/datenkoordination-296156.php
2

http://www.berlin.de/ba-tempelhof-schoeneberg/politik-und-verwaltung/aemter/gesundheitsamt/kinder-und-

jugendgesundheitsdienst/artikel.405380.php
3

In der Einwohnerregisterstatistik wird Migrationshintergrund folgendermaßen definiert: „Ausländer und Deutsche, wenn bei den

Deutschen eine der folgenden Bedingungen erfüllt ist: Geburtsland außerhalb Deutschlands; 2. Staatsangehörigkeit;
Einbürgerungskennzeichen; Optionskennzeichen; Personen im Alter unter 18 Jahren ohne eigene Migrationsmerkmale aber mit
Geburtsland außerhalb Deutschlands oder mit Einbürgerungskennzeichen zumindest eines Elternteils, wenn die Person an der
Adresse der Eltern/des Elternteils gemeldet ist.“

1

Abkürzungsverzeichnis
AfS: Amt für Statistik
BMI: Body-Mass-Index
eLb: erwerbsfähige Leistungsberechtigte
ESU: Einschulungsuntersuchung(en)
EW: Einwohner_innen
GdB: Grad der Behinderung
GruSi: Grundsicherung
KHStatV: Krankenhausstatistikverordnung
KID: Kernindikator
KJGD: Kinder- und Jugendgesundheitsdienst
LaGeSo: Landesamt für Gesundheit und Soziales
MH: Migrationshintergrund
MmB: Menschen mit Behinderung
nef: nicht erwerbsfähige Leistungsberechtigte
PLR: Planungsraum/Planungsräume
SenGesSoz: Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales
SGB: Sozialgesetzbuch
u15: unter 15 Jahre
ü65/u65: über/unter 65 Jahre

2

1. Einleitung
Wer oder was beeinflusst unsere Gesundheit? Lange Zeit wurde argumentiert, dass das
individuelle Verhalten bezüglich gesunder Ernährung, körperlicher Bewegung und dem
Konsum von Suchtmitteln maßgeblich dafür verantwortlich ist. Dementsprechend bestand
Gesundheitsförderung vornehmlich aus Gesundheitserziehung und der Vorstellung, dass
das Individuum selbst für seinen/ihren Gesundheitszustand verantwortlich ist.
Was ist aber mit den strukturellen Lebensbedingungen, in denen wir uns bewegen? Der
britische Gesundheitswissenschaftler Michael Marmot hat schon in den 1960er Jahren
herausgefunden, dass die Lebenserwartung eng mit der Stellung im Beruf zusammenhängt
und Personen, die sozial schlechter gestellt sind, anfälliger für (chronische) Krankheiten sind.
Das bedeutet, dass nicht nur das eigene Verhalten, sondern auch soziale und ökonomische
Lebensbedingungen großen Einfluss auf unseren Gesundheitszustand haben. Die Art und
Weise von Benachteiligung kann sehr unterschiedlich sein. Sie kann sich z.B. in niedriger
Schulbildung oder Arbeitslosigkeit äußern, aber auch in fehlender sozialer Unterstützung und
einem unsicheren Wohnumfeld (WHO, 2014). Abbildung 1 zeigt, welche sozialen
Determinanten Einfluss auf unseren Gesundheitszustand haben können.

Abbildung 1: Soziale Determinanten von Gesundheit. Quelle: fgoe.org

3

Ungünstige soziale Determinanten treffen bei bestimmten Bevölkerungsgruppen häufiger zu
und können über die gesamte Lebensspanne auftreten. Zudem wirken sie sich kumulativ auf
die jeweilige gesundheitliche Verfassung aus. Das heißt, je länger Personen unter
ungünstigen Umständen leben müssen, umso stärker fallen die negativen Konsequenzen für
ihren Gesundheitszustand aus.
Diese Erkenntnisse haben mehrere Folgen: zum einen verdeutlichen sie, dass Prävention
von Krankheiten und die Verminderung von frühzeitigen Todesfällen nicht nur in der
Verantwortung des Gesundheitssektors liegen kann. Zum anderen wird klar, dass nicht früh
genug mit Prävention begonnen werden kann. Je früher die sozial-ökonomischen und
gesundheitlichen Bedingungen verbessert werden, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit,
dass Menschen auch in Zukunft gesund und lange leben werden.
Während eines Lebens durchläuft man verschiedene Phasen, die positive oder negative
Auswirkungen auf die gesundheitliche, soziale oder ökonomische Lage haben können und
dementsprechend die weitere Zukunft beeinflussen. Diese Phasen beinhalten zum Beispiel
den Übergang von früher Kindheit zu Schule und Ausbildung, das Verlassen des
Elternhauses und die Gründung einer eigenen Familie, bis hin zum Eintritt ins Erwerbsleben
und möglicher Arbeitslosigkeit sowie den Übergang ins Rentenalter.
Es bietet sich deshalb an, in der Prävention ein besonderes Augenmerk auf Übergänge zu
haben, um eine vorausgegangene Benachteiligung nicht zu einer zukünftigen werden zu
lassen. Außerdem müssen bestimmte Personengruppen mehr als andere in den Fokus von
gesundheitspolitischen Überlegungen rücken. Mit besonderer Benachteiligung haben vor
allem Menschen mit schlechter Schul- und Berufsbildung sowie niedrigem Einkommen sowie
spezifische Zielgruppen wie zum Beispiel wohnungslose Menschen, drogenabhängige
Personen oder Menschen mit Behinderung zu kämpfen.
Ausgehend von diesen Überlegungen soll der vorliegende Gesundheits- und Sozialbericht zu
einem bereichsübergreifenden Problembewusstsein beitragen und Diskussionen über
Interventionsfelder und Handlungsmöglichkeiten anregen und fördern. Ziel soll es sein, die
sozialen und gesundheitlichen Ungleichheiten in Tempelhof-Schöneberg zu verringern und
allen Einwohner_innen ein gesundes Leben bis ins hohe Alter zu ermöglichen.

4

2. Der Bezirk und seine Einwohner_innen
1. Geografische Lage
Als einer der zwölf Bezirke Berlins dehnt sich Tempelhof-Schöneberg auf einer Fläche von
knapp 53m² aus, von der knapp 60% als Siedlungsfläche gelten und etwas mehr als ein
Viertel zu Grün-, Freizeit- und Erholungsflächen zählt. Der Bezirk ist unterteilt in sieben
Bezirksregionen, die mit Abstand zur Innenstadt tendenziell größer werden. Diese Regionen
wiederum sind in 34 Planungsräume gesplittet, in denen zwischen rund 2 200 und 23 000
Einwohner_innen leben.
Tempelhof-Schöneberg weist im Vergleich mit Berlin etwas weniger öffentliche Grünanlagen
auf (gemessen an qm je EW). Während in der Bezirksregion Tempelhof fast 50 qm
öffentliche Grünanlage je EW zur Verfügung stehen, sind es in Schöneberg-Nord,
Schöneberg-Süd, Friedenau und Lichtenrade jeweils unter 7 qm/EW.
2. Bevölkerung
Ende 2014 leben laut Einwohnerregister 335 767 Menschen in Tempelhof-Schöneberg. Das
entspricht ca. 4 000 Personen mehr als im Vorjahr und etwa 10% der Gesamtbevölkerung
Berlins. In der Bezirksregion Tempelhof leben die meisten Einwohner_innen (61 860
Personen), in Marienfelde am wenigsten (31 090 Personen).
Im Vergleich zu den Daten des letzten Basisberichts ist die Einwohner_innenzahl im Bezirk
um 2% gewachsen. Die Einwohner_innenzahl in Berlin ist über denselben Zeitraum mit 5,1%
mehr als doppelt so schnell gestiegen. Differenzierter betrachtet zeigt sich, dass es bei
Deutschen ohne Migrationshintergrund fast keine Entwicklung gegeben hat. Der Anteil der
Deutschen mit Migrationshintergrund ist dagegen um 1,5% angestiegen, der Anteil der
Ausländer_innen um 6,9%.
2014 beträgt das durchschnittliche Alter in Tempelhof-Schöneberg 43,7 Jahre. Im Jahr 2010
lag es bei 43,6 Jahren. Die Altersverteilung im Bezirk (vgl. Abbildung 2) zeichnet sich im
Vergleich zu Berlin durch einen leicht höheren Anteil an 55-80jährigen Bewohner_innen und
einem geringeren Anteil an 25-55jährigen aus. Der Anteil der über 55jährigen ist höher als
der der unter 25jährigen.

5

Altersverteilung
46,5
44,2

Berlin und Bezirk (12/2014)
50,0
40,0
35,0
30,0
25,0

Berlin

14,6
16,1

Tempelhof-Schöneberg
4,6
4,7

7,3
7,4

10,0

9,5
9,5

15,0

11,9
13,1

20,0

5,6
5,1

Anteil an allen EW in %

45,0

5,0

über 80
Jahre

65unter 80
Jahre

55unter
65Jahre

25unter 55
Jahre

18unter 25
Jahre

6- unter
18 Jahre

0- unter
6 Jahre

0,0

Abbildung 2: Altersverteilung in Berlin und in Tempelhof-Schöneberg in Prozent, Stand 12/2014. Quelle: AfS
Berlin-Brandenburg, Einwohnerregisterstatistik 2014. Eigene Berechnung, eigene Darstellung.

Der Altersdurchschnitt bei Deutschen ohne Migrationshintergrund hat sich seit 2010 von 47,2
Jahren auf 47,9 Jahren etwas angehoben und liegt im Vergleich der Bevölkerungsgruppen
am höchsten. Bei Personen mit Migrationsgeschichte ist der Durchschnitt dagegen
gesunken: bei Deutschen mit MH von 30,3 Jahre auf 28,9 Jahre und bei Ausländer_innen
von 41,2 Jahre auf 40,5 Jahre.
Abhängig von einer Migrationsgeschichte in der Biografie lassen sich teils deutliche
Unterschiede in der Altersverteilung der Bevölkerung feststellen (vgl. Abbildung 3). EW ohne
Migrationshintergrund haben besonders bei den Personen ab 55 Jahren sehr hohe Anteile
an der Gesamtbevölkerung. Deutsche mit Migrationsgeschichte haben den größten Anteil an
der Bevölkerung bei den unter 18jährigen. Der höchste Anteil an Ausländer_innen ist in der
Altersgruppe der 18- bis unter 55jährigen zu finden.

6

Altersverteilung nach Migrationshintergrund
Bezirk (12/2014)
0- unter 6 Jahre

47

6- unter 18 Jahre

48

44

8

42

11

18- unter 25 Jahre

63

15

22

Deutsche ohne MH

25- unter 55 Jahre

64

14

23

Deutsche mit MH

55- unter 65Jahre

75

65- unter 80 Jahre

11
86

über 80 Jahre

14
4

91

Ausländer_innen

10
3 6

Abbildung 3: Altersverteilung nach Migrationshintergrund in Tempelhof-Schöneberg in Prozent, Stand 12/2014.
Quelle: AfS Berlin-Brandenburg, Einwohnerregisterstatistik 2014. Eigene Berechnung, eigene Darstellung.

Während im jüngeren Alter das Geschlechterverhältnis im Bezirk nahezu ausgeglichen ist,
steigt der Frauenanteil in der Bevölkerung ab 55 Jahren stetig an: 7 von 10 über 80jährigen
sind Frauen. Bei Ausländer_innen sind die Unterschiede zwischen den Geschlechtern in den
höheren Altersgruppen geringer als in anderen Bevölkerungsgruppen.
Im Bezirk leben im Jahr 2014 insgesamt 61 598 Personen mit Behinderung, denen ein Grad
der Behinderung (GdB) von mindestens 20 zugesprochen wurde. Das bedeutet, dass 18,3%
der bezirklichen Bevölkerung eine amtlich registrierte Behinderung hat. Bei den männlichen
EW leben 19,6% mit einer Behinderung, bei den weiblichen EW sind es 17%.
Das durchschnittliche Alter von Menschen mit Behinderung, die einen deutschen Pass
besitzen, liegt bei 72 Jahren, bei Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit liegt es bei
58 Jahren. Mit zunehmendem Alter steigt der Anteil von Menschen mit Behinderung an der
Bevölkerung. Während bis zur Altersgruppe der 40jährigen nur 5,3% der EW eine
Behinderung anerkannt bekommen haben, ist es bei den über 75jährigen mehr als die Hälfte
der EW dieser Altersgruppe.
Fast

sieben

von

zehn

Menschen

mit

Behinderung

haben

eine

anerkannte

Schwerbehinderung, also einen GdB von 50 oder höher. Dies betrifft insgesamt 41 840
Personen. Auf die Gesamtbevölkerung bezogen bedeutet das, dass jede_r achte_r EW eine
anerkannte Schwerbehinderung hat. 90,2% der Personen mit einer Schwerbehinderung sind
50 Jahre oder älter. Nur 2,8% der Schwerbehinderten sind unter 25 Jahre alt.
7

Neben dem GdB kann Menschen mit Behinderung ein Merkzeichen zugesprochen werden,
das auf Funktionsstörungen aufgrund einer Behinderung hinweist und als Voraussetzung
dafür gilt, bestimmte Rechte und Nachteilsausgleiche in Anspruch zu nehmen. 43% der
Merkzeichen entfallen auf eine erhebliche Gehbehinderung (17 062 Fälle). Ca. ein Viertel der
Merkzeichen beziehen sich auf die Berechtigung zur Mitnahme einer Begleitperson. 11%
beinhalten die Ermäßigung oder Befreiung von der Rundfunkbeitragspflicht. Mehr als 2 300
Personen

(ca.

6%)

erhalten

ein

Merkzeichen

zur

Teilnahmeberechtigung

am

Sonderfahrdienst.
a. Migrationsgeschichte
32,2% der Einwohner_innen im Bezirk haben eine Migrationsgeschichte. Das entspricht
108 125 Personen. 16,7% aller EW, also 56 044 Personen, besitzen eine ausländische
Staatsbürgerschaft. Der Anteil von Deutschen mit MH ist etwas geringer.
Einwohner_innen

Tempelhof-Schönebergs

kommen

aus

über

100

verschiedenen

Herkunftsländern (vgl. Abbildung 4). Der Migrationshintergrund der meisten Personen
bezieht sich im Bezirk auf die Türkei, Polen, die russische Föderation, Serbien und Italien.
Bei 11 010 Personen ist der Migrationshintergrund nicht eindeutig zuzuordnen, ungeklärt,
ohne Angabe oder die Person ist staatenlos.

Ausgewählte Herkunftsländer
14000
12000
10000
8000
6000
4000
2000
0
Libanon

Vereinigte Staaten /
USA

Ukraine

Türkei

Serbien

Russische Föderation

Polen

Kroatien

Italien

Griechenland

Deutsche mit
Migrationshintergrund
Frankreich

Anzahl in absoluten Zahlen

Bezirk (12/2014)

Ausländer_innen

Abbildung 4: Ausgewählte Herkunftsländer der Menschen mit MH in Tempelhof-Schöneberg in absoluten Zahlen,
Stand 12/2014. Quelle: AfS Berlin-Brandenburg, Einwohnerregisterstatistik 2014. Eigene Berechnung, eigene
Grafik. Die Vergleichbarkeit der Daten zu den Herkunftsländern von Menschen mit Migrationshintergrund mit den
Ständen vor 2014 ist methodisch bedingt nur eingeschränkt möglich.

8

90% aller Menschen mit Behinderung im Bezirk besitzen die deutsche Staatsbürgerschaft,
rund

6

400

Personen

haben

einen

ausländischen

Pass.

Obwohl

die

meisten

Ausländer_innen mit Behinderung die türkische Staatsbürgerschaft besitzen, sind die
höchsten Anteile von Schwerbehinderten bei ukrainischen (74,8%), russischen (71,7%) und
serbischen Personen (69,9%) zu finden. Der Anteil von schwerbehinderten Menschen mit
deutschem Pass liegt bei 68,3%.
b. Familienstand und Privathaushalte
Der Großteil der Frauen und Männer im Bezirk ist ledig oder verheiratet. Ausländische
Männer und Frauen sind anteilig am häufigsten verheiratet (beide ca. 45%), Frauen und
Männer mit MH am wenigsten (beide ca. ein Drittel).
Der Anteil an eingetragenen Lebenspartnerschaften ist sehr gering (1,4%). Dennoch weist
Tempelhof-Schöneberg im Vergleich mit den anderen Bezirken die höchste Anzahl (2 339)
an eingetragenen Lebenspartnerschaften auf. Dabei bilden ausländische Männer den
höchsten (1,3%) und deutsche Frauen mit MH den geringsten Anteil (0,1%).
Über die Hälfte der Bevölkerung in Privathaushalten in Tempelhof-Schöneberg ist
alleinstehend. Knapp 30% der Familien bestehen aus Ehepaaren, 4 von 10 Ehepaaren
haben ledige Kinder. 8% der Familien sind alleinerziehende Elternteile. Das heißt, dass
15 000 Familien im Bezirk aus Alleinerziehenden mit ledigen Kindern bestehen. 83% der
Alleinerziehenden sind Frauen. Knapp 5% der Lebensformen bestehen aus nichtehelichen
Lebensgemeinschaften. Diese Zahlen entsprechen in etwa dem Berliner Durchschnitt. Den
größten Unterschied gibt es bei den nichtehelichen Lebensgemeinschaften, die in Berlin um
etwa 3% häufiger als im Bezirk vertreten sind.
Das Verhältnis der Lebensformen schlägt sich auch in der Größe der Privathaushalte nieder.
Über die Hälfte der privaten Haushalte wird von einer Person bewohnt. In knapp 3 von 10
Haushalten leben 2 Personen. Etwa 10% der Privathaushalte beherbergen 3 Personen und
in knapp 6% der Haushalte leben 4 Menschen. Im Vergleich mit Gesamtberlin zeigt sich,
dass

es

im

Bezirk

etwas

weniger

Einpersonenhaushalte

und

etwas

mehr

Zweipersonenhaushalte gibt.
Etwas mehr als ein Viertel der Haushalte (28%) wird von mindestens einer Person über 65
Jahren bewohnt, was 51 300 Haushalten entspricht. 29 400 Einpersonenhaushalte bestehen
9

aus einer Person im Rentenalter, was 30,5% aller Singlehaushalte gleichkommt. Zum
Vergleich: der Anteil von Personen über 65 Jahren an der Bevölkerung in TempelhofSchöneberg beträgt 20,1%.
3. Bildung und Erwerbsleben
a. Schulische Bildung
Der Großteil der Bevölkerung über 15 Jahren verfügt laut Mikrozensus 2013 über einen
(Fach-)Hochschulabschluss (42%). Ein Viertel der Einwohner_innen besitzt einen mittleren
Schulabschluss und 23% einen Haupt-/Volksschulabschluss.
Differenziert nach Altersgruppen zeigt sich, dass diese Anteile bei Personen über und unter
65 Jahren stark variieren. 49% der Einwohner_innen zwischen 15 und unter 65 Jahren
verfügen über einen (Fach-) Hochschulabschluss, 25% über einen mittleren Abschluss und
14% über einen Haupt-/Volksschulabschluss. Bei der Altersgruppe der über 65jährigen sind
die Anteile an den Abschlüssen genau gegenläufig verteilt: hier besitzen 52% einen
niedrigen, 23% einen mittleren und 20% einen hohen Schulabschluss.
Auch zwischen den Geschlechtern lassen sich Unterschiede feststellen. In der Altersgruppe
15 bis unter 65 Jahren sind die Anteile der mittleren und hohen Schulabschlüsse bei den
Frauen höher als bei den Männern. Bei Einwohner_innen über 65 Jahren zeigt sich, dass die
Anteile der niedrigen und mittleren Schulabschlüsse bei den Frauen um einiges höher liegen
als bei den Männern. Zahlen für Frauen über 65 Jahren, die die (Fach-)Hochschulreife
besitzen sind zu unsicher, um ausgewertet zu werden. Dagegen besitzen 41% der Männer
über 65 Jahren mit Schulabschluss die (Fach-)Hochschulreife.
4 von 10 Einwohner_innen mit Migrationshintergrund zwischen 15 und unter 65 Jahren, die
einen Abschluss besitzen, sind schulisch sehr gut ausgebildet (vgl. Abbildung 5). Etwa jede_r
Fünfte besitzt einen Haupt-/Volksschulabschluss.

10

Höchste Schulabschlüsse
Anteil an allen 15- bis unter 65jährigen der
jeweiligen Bevölkerungsgruppe in %

Bezirk (2013)
100%
90%
80%
70%

41,5

52,4

60%

Hoch-/Fachhochschulreife

50%

mittlerer Abschluss

40%
30%

19,4

Haupt-(Volks)schulabschluss

28,2

20%
10%

19,2

12,5

0%
ohne MH

mit MH

Abbildung 5: Höchster Schulabschluss nach Migrationshintergrund der Bevölkerung zwischen 15 und unter 65
Jahren in Tempelhof-Schöneberg in Prozent, Stand 2013. Quelle: AfS Berlin-Brandenburg, Mikrozensus 2013.
Eigene Berechnung, eigene Darstellung.

Bei Personen ohne Migrationsgeschichte sind die Anteile an den mittleren und hohen
Schulabschlüssen jeweils ca. 10% höher und an niedrigen Abschlüssen geringer als bei EW
mit MH.
b. Berufliche Ausbildung
Von den 18- bis unter 65jährigen Einwohner_innen besitzen bezirksweit 36% eine Lehr-/
Anlernausbildung und ca. 25% einen (Fach-)Hochschulabschluss. Knapp 3% haben eine
Fachschule abgeschlossen. Bei den über 65jährigen besitzt der Großteil (56%) eine Lehr/Anlernausbildung und 10% einen Hochschulabschluss.
Fast 3 von 10 Einwohner_innen zwischen 18 und unter 65 Jahren haben (noch) keinen
beruflichen Abschluss. Bei den über 65jährigen liegt dieser Anteil bei knapp einem Viertel. In
Berlin

haben nur 18% der über 65jährigen keinen beruflichen Abschluss. Die meisten

Personen ohne Abschluss in dieser Altersgruppe sind Frauen (11 000 Personen).
Für Einwohner_innen mit MH sind die meisten Zahlen zu unsicher, um sie genauer
auszuwerten. Es fällt aber auf, dass vor allem in der Altersgruppe der 24- bis unter
35jährigen 45% der Personen mit MH keinen beruflichen Abschluss haben (6 600
Personen), während es bei den EW ohne MH nur 21% sind (6000 Personen).

11

c. Erwerbsleben
68% aller 15- bis unter 65jährigen im Bezirk sind erwerbstätig4. Dieser Anteil liegt minimal
unter dem Berliner Durchschnitt.
Dabei unterscheidet sich der jeweilige Anteil von Frauen und Männern an der Quote: Die
Erwerbsquote bei Männern liegt bei 71%, die der Frauen bei 65%. Der Unterschied bei der
Erwerbslosenquote fällt nur gering aus: 10% der Männern und 9,7% der Frauen zählen als
erwerbslos. Personen mit MH im Erwerbsalter sind anteilig doppelt so häufig erwerbslos wie
Personen ohne MH (5,7% bzw. 11,6% der jeweiligen Bevölkerungsgruppe).
Der Anteil der Erwerbstätigen ohne Migrationshintergrund liegt bei allen Altersgruppen
zwischen 92% und 94% (vgl. Abbildung 6). Der Anteil von erwerbstätigen Personen mit
Migrationshintergrund liegt in allen Alterskategorien darunter. Am deutlichsten unterscheiden
sich die Anteile der erwerbstätigen Personen mit und ohne MH bei den 15- bis unter
24jährigen. Für Erwerbstätige mit MH zwischen 55 und unter 65 Jahren ist die Datenlage zu
unsicher.

Erwerbstätigkeit nach Altersgruppen und Migrationshintergrund

Anteil an Erwerbspersonen
mit bzw. ohne MH in %

Bezirk (2012)
100,0
90,0
80,0
70,0
60,0
50,0
40,0
30,0
20,0
10,0
0,0

Erwerbstätige ohne MH
Erwerbstätige mit MH

15 bis 24

25 bis 34

35 bis 44

45 bis 54

55 bis 64

Abbildung 6: Erwerbstätigkeit nach Altersgruppen und Migrationshintergrund in Tempelhof-Schöneberg in
Prozent, Stand 2012. Quelle: AfS Berlin-Brandenburg, Mikrozensus 2012. Eigene Berechnung, eigene
Darstellung.

4

Definition Erwerbstätige: Personen im Alter von 15 und mehr Jahren, die in der Berichtswoche wenigstens 1 Stunde für Lohn

oder sonstiges Entgelt irgendeiner beruflichen Tätigkeit nachgehen bzw. in einem Arbeitsverhältnis stehen (einschl. Soldaten
und Soldatinnen sowie mithelfende Familienangehörige), selbstständig ein Gewerbe oder eine Landwirtschaft betreiben oder
einen Freien Beruf ausüben. Die Ergebnisse der Erwerbstätigkeit beziehen sich auf die einzige oder Haupttätigkeit. Nach dem
ILO-Konzept gelten z.B. alle Personen mit einer „geringfügigen Beschäftigung“ im Sinne der Sozialversicherungsregelungen als
erwerbstätig.

12

Ca. zwei Drittel der Erwerbstätigen (102 500 Personen) arbeiten laut Mikrozensus 2013
normalerweise 36 und mehr Stunden pro Woche. Insgesamt liegen die durchschnittlich
geleisteten Arbeitsstunden pro Woche bei 36,1 Stunden. Männer arbeiten dabei
durchschnittlich länger (38,4 Stunden) als Frauen (33,7 Stunden).
4 von 10 Haupteinkommensbezieher_innen sind Frauen. Dabei liegt der Anteil bei Frauen
mit ausländischer Staatsangehörigkeit (35%) unter dem Anteil der Frauen mit deutschem
Pass (41%). In Berlin beträgt diese Differenz nur 2%.
Abbildung 7 stellt dar, wie die Höhe des monatlichen Haupteinkommens zwischen den
Geschlechtern variiert. Knapp die Hälfte der männlichen Haupteinkommensbezieher bezieht
ein Gehalt von 2600€ und mehr. Bei den Frauen sind es nur knapp 11%. Gleichzeitig zeigen
die Zahlen auf, dass die Schere zwischen männlichen Gering- und Vielverdienern sehr viel
ausgeprägter ist als bei den weiblichen Hauptverdienerinnen: die Anteile an den jeweiligen
Einkommensklassen unterscheiden sich bei Frauen um maximal 7% und bei den Männern
um maximal 41%.

Haupteinkommensbezug nach Geschlecht und Verdienst
50,0
45,0
40,0
35,0
30,0
25,0
20,0
15,0
10,0
5,0
0,0
2600 Euro und mehr

2000 bis unter 2600
Euro

1700 bis unter 2000
Euro

1500 bis unter 1700
Euro

1300 bis unter 1500
Euro

1100 bis unter 1300
Euro

900 bis unter 1100
Euro

700 bis unter 900
Euro

Männer
500 bis unter 700
Euro

Anteil an allen Frauen bzw. Männern über
15 Jahren in %

Bezirk (2013)

Frauen

Abbildung 7: Haupteinkommensbezieher_innen nach Geschlecht und Höhe des Einkommens in TempelhofSchöneberg 2013 in Prozent. Quelle: AfS Berlin-Brandenburg. Eigene Berechnung, eigene Darstellung.

4. Zusammenfassung
Der demografische Wandel lässt sich auch im Bezirk beobachten. Jede_r fünfte_r EW ist
über 65 Jahre alt, nur knapp jede_r Siebte ist unter 18 Jahre alt, das durchschnittliche Alter
der Einwohner_innen liegt bei über 40 Jahren. Mit der älteren Bevölkerungsgruppe sind
einige Besonderheiten zu beobachten: zum einen ist im Bezirk der Anteil von
13

Singlehaushalten von Personen über 65 Jahren höher als deren Anteil in der Bevölkerung.
Mit zunehmendem Alter steigt ebenso der Anteil von Schwerbehinderten. Der Großteil ist
über 50 Jahre alt.
Zudem lässt sich eine Feminisierung des Alters feststellen. 70% der über 80jährigen sind
Frauen. Mit einer höheren Lebenserwartung als Männer und einer geringeren vorzeitigen
Sterberate, auf die später genauer eingegangen wird, bedeutet dies, dass Frauen das Bild
im Alter zunehmend prägen und prägen werden. Gleichzeitig sind die sozioökonomischen
Grundlagen von älteren Frauen im Bezirk schlechter als die der Männer: sie haben geringere
Anteile an mittleren und hohen Schulabschlüssen als Männer und die Gruppe der über
65jährigen, die keinen beruflichen Abschluss besitzen, besteht hauptsächlich aus Frauen.
Unterhalb des Renteneintrittsalters lassen sich deutliche Unterschiede zwischen den
Geschlechtern in Bezug auf die Erwerbsarbeit feststellen: Frauen sind nach wie vor weniger
häufig erwerbstätig als Männer und arbeiten weniger Wochenstunden. Nichtsdestotrotz
gelten 4 von 10 Frauen als Haupteinkommensbezieherinnen. Deren Anteile in den höheren
Einkommensklassen liegen dennoch unter denen der Männer.
Bildung

spielt

eine

maßgebliche

Rolle

für

die

individuelle

Gesundheit.

Da

ein

Zusammenhang zwischen Bildungsabschlüssen und der späteren Position in der Arbeitswelt
besteht, hat Bildung indirekt Einfluss auf berufsbezogene Belastungen, Ressourcen und
nicht zuletzt auf die Höhe des Einkommens. Darüber hinaus beeinflusst Bildung
gesundheitsförderndes Wissen und Handlungskompetenzen, um Gesundheitsprobleme und
Belastungen zu bewältigen.
Hier zeigt sich, dass es nicht nur deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt,
sondern auch Menschen mit Migrationsgeschichte eine besondere Rolle einnehmen:
Personen mit MH machen circa ein Drittel der Einwohner_innen im Bezirk aus und haben
vorwiegend eine türkische oder polnische Migrationsgeschichte. Es lässt sich beobachten,
dass sie geringere Anteile an hohen und mittleren Schul- und Berufsabschlüssen haben und
doppelt so häufig erwerbslos sind als Menschen ohne Migrationshintergrund. Besonders bei
den unter 24jährigen fällt auf, dass junge Menschen mit MH deutlich weniger erwerbstätig
sind

als

diejenigen

ohne

MH.

Es

muss

Benachteiligungen eine Rolle dabei spielen.
14

gefragt

werden,

inwiefern

strukturelle

3. Faktoren sozialer Benachteiligung
1. Übersicht
Laut Regionalem Sozialbericht 2015 bewegen sich die Werte der Sozialindikatoren
Tempelhof-Schönebergs zum großen Teil im mittleren oder hinteren Feld (vgl. Tabelle 1).
Geht es aber um die Verteilung der Äquivalenzeinkommen5 fällt auf, dass diese im Bezirk
sehr ungleich verteilt sind. So belegt der Bezirk jeweils den zweiten Rang im Vergleich der
Gini-Koeffizienten

und

der

S80/S20-Quoten6

und

weist

die

dritthöchste

Armutsgefährdungslücke in Berlin auf. Das bedeutet, dass in Tempelhof-Schöneberg die
reichsten 20% der Bevölkerung um ein 4,5-fach höheres Äquivalenzeinkommen als die
ärmsten

20%

der

Äquivalenzeinkommen

Einwohner_innen
der

verfügen.

armutsgefährdeten

Zudem

Bevölkerung

liegt
12%

das

mittlere

unter

der

Armutsgefährdungsschwelle.
Tabelle 1: Sozialindikatoren (genaue Beschreibung s. Anhang 1) für Tempelhof-Schöneberg, Stand 2015. Quelle:
AfS Berlin-Brandenburg, Sozialbericht 2015. Eigene Darstellung.
Wert

Rang (im Bezirksvergleich)7

Armut

12,5

9

Niedriges Einkommen

21,3

9

Armutsgefährdungslücke

12,2

3

Einkommen alt zu jung

1,03

7

Gini-Koeffizient

0,31

2

S80/S20-Quote

4,5

2

Mindestsicherung

17,8

8

Niedrige Bildung

16,7

6

Haushalte ohne Erwerbstätige

12,9

9

Geringe Wohnfläche

8,7

6

5

Definition Äquivalenzeinkommen: Einkommen, das jedem Mitglied eines Haushalts einen gleichen Lebensstandard innerhalb

dieses Haushalts ermöglicht. Dafür wird die Summe des Gesamteinkommens eines Haushalts mit Hilfe einer Äquivalenzskala
gewichtet, die nach Anzahl und Alter der Haushaltsmitglieder ausgerichtet ist.
6

Definition siehe Anhang 1.

7

Höchster Wert = 1, niedrigster Wert = 12.

15

2. Transferleistungen
a. Arbeitslosigkeit
Im Jahr 2014 gelten 17 783 Personen im Bezirk als arbeitslos und erhalten
dementsprechend Leistungen nach SGB II und III, was einem Arbeitslosenanteil von 7,9%
an der Gesamtbevölkerung im erwerbsfähigen Alter entspricht. Ca. 81% der arbeitslos
gemeldeten Personen bekommen Leistungen nach SGB II.
Ein Drittel (33,5%) der Leistungsberechtigten gelten als langzeitarbeitslos, d.h. sie sind
länger als ein Jahr arbeitslos gemeldet. Etwas mehr Männer (56,3%) als Frauen erhalten
Leistungen nach SGB II und III. Der Anteil von Ausländer_innen liegt bei 28,2%. Dieser Wert
ist der einzige, bei dem der Bezirk 3% über dem Berliner Vergleichswert liegt. Bei allen
anderen Indikatoren sind die Berliner Zahlen sehr ähnlich.
b. Transferleistungen nach SGB II: Grundsicherung für Arbeitssuchende
Im Bezirk gelten im Jahr 2014 knapp 36 085 Personen zwischen 15 und unter 65 Jahren als
erwerbsfähige

Leistungsberechtigte8

[eLb],

was

16%

der

Einwohner_innen

dieser

Altersgruppe entspricht. Im Bezirksvergleich haben sieben Bezirke einen höheren Anteil an
eLb als Tempelhof-Schöneberg. Der Anteil der Personen, die einen Leistungsanspruch auf
eine Sozialgeld-Regelleistung haben (sogenannte nicht erwerbsfähige Leistungsberechtigte
[nef]9), liegt in Tempelhof-Schöneberg bei 3,8% (12 879 Personen). Nimmt man
erwerbsfähige und nichterwerbsfähige Leistungsberechtigte zusammen, empfängt knapp
jede_r fünfte Einwohner_in im Bezirk Leistungen nach SGB II (vgl. Abbildung 8).

8

Dieser Begriff löst seit April 2011 die Bezeichnung „erwerbsfähige Hilfebedürftige“ (EHB) ab, der im Basisbericht 2011

verwendet wird.
9

Als nef zählen „(a)lle Personen innerhalb einer Bedarfsgemeinschaft, die noch nicht im erwerbsfähigen Alter sind (unter 15

Jahren) oder aufgrund ihrer gesundheitlichen Leistungsfähigkeit und evt. rechtlicher Einschränkungen nicht in der Lage sind,
mindestens 3 Stunden täglich unter den üblichen Bedingungen des allgemeinen Arbeitsmarktes zu arbeiten“ (AfS 2014, S.7).

16

Empfänger_innen von Transferleistungen nach SGB II
26,2

28,5

25,3

23,1

21,5

19,5

18,4

22,5

13,7

13,4

Reinickendorf

Lichtenberg

MarzahnHellersdorf

Treptow-Köpenick

Neukölln

TempelhofSchöneberg

Steglitz-Zehlendorf

Spandau

9,7

CharlottenburgWilmersdorf

Pankow

11,3

FriedrichshainKreuzberg

30,0
25,0
20,0
15,0
10,0
5,0
0,0

Mitte

Anteil an EW unter 65 Jahren in %

Bezirke (12/2014)

Abbildung 8: Empfänger_innen von Transferleistungen nach SGB II an der Bevölkerung unter 65 Jahren in den
Bezirken in Prozent, Stand 12/2014. Entspricht KID D4. Quelle: Bundesagentur für Arbeit/AfS BerlinBrandenburg, Abgestimmter Datenpool. Eigene Darstellung.

Das Verhältnis von Männern zu Frauen an den eLb im Bezirk ist nahezu ausgeglichen. Wie
bei dem Großteil der anderen Bezirke machen Männer auch in Tempelhof-Schöneberg einen
etwas höheren Anteil an den eLb aus.
14 722 Personen mit ausländischem Pass zählen Ende 2014 zu den Personen nach SGB II,
was einem Drittel aller Leistungsempfänger_innen nach SGB II ausmacht und etwa dem
Berliner Durchschnitt entspricht. Bezieht man die Anteile von Leistungsempfänger_innen mit
deutschen und ausländischem Pass auf die Bevölkerung, fällt auf, dass der Anteil der
ausländischen SGB II-Berechtigten doppelt so hoch liegt wie der der deutschen (vgl.
Abbildung 9). Damit gehört das Verhältnis von Deutschen zu Ausländer_innen an
Leistungsempfänger_innen mit 1:2 zu den sehr ungleichen in Berlin. Nur Treptow-Köpenick
und Reinickendorf weisen ein gleiches oder höheres Verhältnis auf.

17

Empfänger_innen von Transferleistungen nach SGB II nach
Staatsangehörigkeit
40,1
19,0

30,3
18,0

21,9

12,9

24,5

39,5

40,2
29,7
15,8

Deutsche

Reinickendorf

Lichtenberg

Marzahn-Hellersdorf

Treptow-Köpenick

Neukölln

Ausländer_innen
TempelhofSchöneberg

Steglitz-Zehlendorf

8,7

15,4

22,5

Spandau

12,3
16,6

CharlottenburgWilmersdorf

11,2
12,6

Pankow

24,4

39,6
30,3
18,6

FriedrichshainKreuzberg

33,6
22,7

45,0
40,0
35,0
30,0
25,0
20,0
15,0
10,0
5,0
0,0

Mitte

Anteil an jeweils (nicht-)deutschen EW unter 65
Jahren in %

Bezirke (12/2014)

Abbildung 9: Empfänger_innen von Leistungen nach SGB II nach Staatsangehörigkeit in den Berliner Bezirken in
Prozent, Stand 2014. Quelle: Bundesagentur für Arbeit/AfS Berlin-Brandenburg, Abgestimmter Datenpool. Eigene
Berechnung, eigene Darstellung.

Der Anteil der über 55jährigen an den eLb liegt mit dem Anteil der unter 25jährigen mit
16,3% gleich auf. In Gesamtberlin liegt der Anteil der über 55jährigen knapp 2 Prozentpunkte
niedriger.
Unter den erwerbsfähigen Leistungsberechtigten gibt es 4 035 Alleinerziehende, was ca.
11% aller eLb entspricht. In Berlin liegt dieser Anteil bei 11,9%. 205 Personen davon sind
unter 25 Jahre alt. 6 497 Kinder, die unter 18 Jahre alt und ledig sind, wohnen im Haushalt
eines alleinerziehenden Elternteils, das Leistungen nach SGB II erhält.
Es besteht ein negativer Zusammenhang zwischen der Höhe des Schulabschlusses und der
Angewiesenheit auf SGB II-Leistungen. Der Anteil von Personen, die SGB II-Leistungen
erhalten und keinen Schulabschluss besitzen, liegt bei 11%. Der Großteil (22%) der
Leistungsempfänger_innen besitzt einen Hauptschulabschluss und 14% die (Fach-)
Hochschulreife. Allerdings äußert sich dieser Zusammenhang nicht so eindeutig und
gravierend wie das Gefälle zwischen Berufsabschluss und SGB II-Bezug (vgl. Abbildung 10).
Mit höherem Berufsabschluss sinkt der Anteil an SGB II-Bezieher_innen deutlich.

18

Erwerbsfähige Leistungsberechtigte nach höchstem Berufsabschluss
Bezirk (12/2014)
45,0

41,9

40,0
Anteil an eLb in %

35,0

ohne beruflichen Abschluss

30,0
25,0
20,0

mit betrieblicher/schulischer
Ausbildung

15,0

mit akademischer Ausbildung

10,0

20,4

5,5

5,0
0,0
Abbildung 10: Erwerbsfähige Leistungsberechtigte nach höchstem Berufsbildungs- bzw. Studienabschluss in
Tempelhof-Schöneberg in Prozent, Stand: 12/2014. Quelle: Bundesagentur für Arbeit/AfS Berlin-Brandenburg,
Abgestimmter Datenpool. Eigene Berechnung, eigene Darstellung.

Fast 9 von 10 der SGB II-Berechtigten im Bezirk (87%), die 2013 in die Statistik mit
einfließen, haben seit 2005 mindestens 2 Jahre oder länger (Bruttogesamtdauer) Leistungen
bezogen. Knapp 4% der Leistungsberechtigten im Bezirk waren in diesem Zeitraum für
weniger als ein halbes Jahr unter dem SGB II registriert. Diese Werte sind über die Bezirke
hinweg recht ähnlich.
c. Transferleistungen nach SGB XII, Kapitel 4: Grundsicherung im Alter und bei
Erwerbsminderung
Das SGB XII regelt seit 2005 die Vorschriften für Sozialhilfe. Die Grundsicherung im Alter (für
Menschen ab 65 Jahren) und bei Erwerbsminderung (für dauerhaft voll Erwerbsgeminderte
zwischen 18 und unter 65 Jahren) wird im Kapitel 4 des SGB XII geregelt.
Im Bezirk erhalten Ende 2014 insgesamt 8 049 Personen in und außerhalb von
Einrichtungen eine solche Grundsicherung [GruSi]. Knapp 5 000 Personen ab der
Rentenaltersgrenze erhalten GruSi, etwa 3 100 Personen erhalten sie aufgrund voller
Erwerbsminderung.
Das Durchschnittsalter der Leistungsempfänger_innen im Bezirk beträgt 64,4 Jahre. 60% der
Personen sind 65 Jahre oder älter. Das bedeutet, dass 7% aller Einwohner_innen des
Bezirks über 65 Jahre GruSi-Leistungen beziehen. In Berlin sind es 5,7%.

19

Das Verhältnis von Leistungsbezieher_innen über 65 Jahren mit und ohne deutschen Pass
liegt bei 1:4. Der Anteil von Ausländer_innen über 65 Jahren liegt bei 20%, bei Personen mit
deutscher Staatsangehörigkeit bei 5%. Beide Anteile sind in Berlin niedriger.
Frauen erhalten etwas öfter Leistungen der GruSi als Männer. Innerhalb von Einrichtungen
ist der Anteil der Männer etwas höher als der der Frauen, außerhalb von Einrichtungen dreht
sich dieses Verhältnis um.
Ausländische Empfänger_innen von GruSi wohnen zu einem sehr kleinen Teil innerhalb von
Einrichtungen (1,8%). Zum Vergleich: 9,1% der deutschen Leistungsempfänger_innen leben
innerhalb einer Pflege-, Alten- oder sonstigen Einrichtung.
d. Sozialleistungen nach SGB XII, Kapitel 5 bis 9: Hilfe in außergewöhnlichen
Notsituationen
Zu den Leistungen des 5. bis 9. Kapitels des SGB XII gehören Hilfen zur Gesundheit (5.
Kap.), Eingliederungshilfe für behinderte Menschen (6. Kap.), Hilfe zur Pflege (7.Kap.), Hilfe
zur Überwindung besonderer sozialer Schwierigkeiten (8. Kap.) und Hilfe in anderen
Lebenslagen (9. Kap.).
Ende 2014 empfangen insgesamt 5 486 Personen im Bezirk innerhalb und außerhalb von
Einrichtungen Leistungen nach den Kapiteln 5-9, SGB XII. Das durchschnittliche Alter der
Empfänger_innen beträgt 57,4 Jahre. Das Durchschnittsalter in Berlin ist niedriger und liegt
bei 55,1 Jahren. Etwa ein Drittel der Leistungsempfänger_innen lebt innerhalb einer
Einrichtung.
Die Hälfte aller Empfänger_innen bezieht Hilfe zur Pflege. Bei dieser Leistungsart ist der
Frauenanteil deutlich höher als der der Männer (37%). 4 von 10 Personen erhalten
Eingliederungshilfe für behinderte Menschen. Circa die Hälfte der Personen, die diese
beiden Leistungsarten beziehen, erhält gleichzeitig auch Leistungen der Grundsicherung (4.
Kapitel SGB XII).
Der Anteil von Personen, die Hilfe zur Überwindung besonderer sozialer Schwierigkeiten und
Hilfe in anderen Lebenslagen bekommen, liegt bei 12% (523 Personen) und besteht aus
einem etwas höheren Männeranteil (63%).

20

Die Anteile der einzelnen Leistungsarten unterscheiden sich nur leicht vom Berliner
Durchschnitt. Der größte Unterschied zeigt sich bei der Eingliederungshilfe für behinderte
Menschen, bei der der Berliner Wert knapp 8% höher als der bezirkliche ist.
Frauen, die Leistungen beziehen, sind im Durchschnitt älter als Männer. Besonders deutlich
tritt dieser Umstand bei der Hilfe zur Pflege zu Tage. Hier sind Frauen im Schnitt 77,6 Jahre
alt und Männer 69 Jahre.
3. Besondere Bevölkerungsgruppen
Im Folgenden wird auf besondere Bevölkerungsgruppen eingegangen, die potentiell stärker
sozialer und gesundheitlicher Benachteiligung ausgesetzt sind, als die Gesamtbevölkerung.
a. Kinder und Jugendliche mit Transferleistungsbezug
Mehr als 3 von 10 Kindern und Jugendlichen im Bezirk, die jünger als 15 Jahre alt sind,
leben in einer Bedarfsgemeinschaft mit SGB II-Leistungen (vgl. Abbildung 11). Vier Bezirke
weisen geringere Werte als Tempelhof-Schöneberg auf. In Steglitz-Zehlendorf beziehen am
wenigsten Kinder Transferleistungen nach SGB II, in Neukölln die meisten.

Nicht erwerbsfähige Empfänger_innen von Transferleistungen nach
SGB II unter 15 Jahren
50,2
40,8

40,6
30,1

MarzahnHellersdorf

Neukölln

TempelhofSchöneberg

SteglitzZehlendorf

Spandau

37,6

20,8

13,7

TreptowKöpenick

20,9

CharlottenburgWilmersdorf

Pankow

14,4

33,4

Reinickendorf

36,6

Lichtenberg

47,7

FriedrichshainKreuzberg

60,0
50,0
40,0
30,0
20,0
10,0
0,0

Mitte

Anteil an EW unter 15 Jahren in %

Bezirke (12/2014)

Abbildung 11: Anteil von nicht erwerbsfähigen Empfänger_innen von Transferleistungen nach SGB II unter 15
Jahren in den Berliner Bezirken in Prozent, Stand 12/2014. Entspricht KID D5. Quelle: Bundesagentur für
Arbeit/AfS Berlin-Brandenburg, Abgestimmter Datenpool. Eigene Darstellung.

Der Anteil von Kinder und Jugendlichen unter 21 Jahren, die Hilfen zur Erziehung erhalten,
liegt in den entsprechenden Altersgruppen über die Bezirksregionen hinweg im Schnitt bei
3,5%. Dieser Wert entspricht dem Berliner Durchschnitt.

21

b. Menschen mit Schwerbehinderung
Im Bezirk lebt etwa jede_r achte_r EW mit einer Schwerbehinderung, also einem GdB von
mindestens 50.
Knapp ein Drittel aller Schwerbehinderten leben mit einer Funktionsbeeinträchtigung der
inneren Organe, etwa jede_r Fünfte ist mit einer Querschnittslähmung, zerebralen
Störungen, geistig-seelischen Behinderungen oder einer Suchtkrankheit diagnostiziert. Der
drittgrößte Anteil an Schwerbehinderten ist an Funktionseinschränkungen der Wirbelsäule,
des Rumpfs oder einer Deformation des Brustkorbs erkrankt (vgl. Abbildung 12).

Schwerbehinderung nach Diagnosen und Geschlecht

Suchtkrankheiten

Neurosen, Persönlichkeitsund Verhaltensstörungen
Störungen der geistigen
Entwicklung

männlich
Psychosen

40,0
35,0
30,0
25,0
20,0
15,0
10,0
5,0
0,0

Beeinträchtigung innerer
Organe
Blindheit und
Sehbehinderung
Fkt.einschränkung d. WS,
Rumpf, Deform. Brustkorbs
Funktionseinschränkung von
Gliedmaßen
Querschnittl., zerebr. Störg.,
geist.-seel. Beh., Suchtkr.
Sonstige u. ungenügend
bezeichn. Behinderungen
Sprach- o. Sprechstörg.,
Taubheit, Schwerhörigk.,…
Verlust einer Brust/beider
Brüste, Entstellungen u.a.
(Teil-)Verlust von
Gliedmaßen

Anteil an jeweils allen männlichen/weiblichen
Schwerbehinderten in %

Bezirk (2013)

weiblich

Abbildung 12: Anteil Schwerbehinderter nach Diagnosen und Geschlecht im Bezirk in Prozent, Stand 12/2013.
Quelle: LaGeSo, Schwerbehindertenstatistik 2013. Eigene Berechnung, eigene Darstellung.

Je nach Diagnose sind die Anteile von Männern und Frauen sehr unterschiedlich. Am
interessantesten

erscheint

der

Unterschied

bei

der

Diagnosegruppe

Neurosen,

Persönlichkeit- und Verhaltensstörungen: nur ein Viertel der Schwerbehinderten mit dieser
Diagnose sind männlich. Knapp 2570 Personen sind Frauen.
c. Geflüchtete Menschen
Tempelhof-Schöneberg war im letzten Jahr und ist nach wie vor Anlaufstelle für eine Vielzahl
an geflüchteten Menschen. In rund zehn Einrichtungen leben Ende 2015 etwa 5 100
Personen, die einen Asylantrag gestellt haben. Momentan stehen keine Daten zur
Verfügung, die die gesundheitliche Lage dieser Bevölkerungsgruppe abbilden. Es ist
22

allerdings davon auszugehen, dass aufgrund der weitgehend ungünstigen sozialen und
gesundheitlichen Lage in den Herkunftsländern sowie den großen Belastungen während der
Flucht nicht nur körperliche Erkrankungen eine Rolle spielen, sondern auch psychische
Störungen (z.B. posttraumatische Belastungsstörungen) medizinisch/psycho-sozial versorgt
werden müssen.
4. Zusammenfassung
Obwohl die bezirklichen Daten in vielerlei Hinsicht dem Durchschnitt entsprechen, können
solche „mittlere“ Werte auch dadurch zustande kommen, dass die Werte für einzelne
Bevölkerungsgruppen sehr unterschiedlich ausfallen, zusammengenommen aber unauffällig
sind. Indikatoren wie die Armutsgefährdungslücke, der Gini-Koeffizient und die S80/S20Quote haben gezeigt, dass die Einkommen im Bezirk sehr ungleich verteilt sind. Es stellt sich
also die Frage, wer im Bezirk besonders von Armut betroffen sein kann.
Wie im vorangehenden Kapitel ausgeführt, ist bei älteren Frauen und Menschen mit
Migrationsgeschichte aufgrund geringerer Bildungs- und Erwerbschancen das Risiko erhöht,
in einer schwierigen sozialen Lage zu sein. Daraus können gesundheitliche Ungleichheiten
entstehen, die sich auf das Wissen über Gesundheitsverhalten, aber auch den Zugang und
die Qualität von gesundheitlicher Versorgung beziehen. In der Konsequenz bedeutet das,
dass das Risiko ernsthaft zu erkranken und frühzeitig zu versterben für Menschen mit einem
schlechteren sozialen Status doppelt so hoch ist als für diejenigen, die sozio-ökonomisch
besser gestellt sind.
Personen, die Transferleistungen beziehen, gehören zu den Gruppen, die am häufigsten
einen niedrigen sozialökonomischen Status aufweisen. Mehrere Faktoren spielen dabei eine
Rolle: zum einen sind die Leistungen der Mindestsicherungssysteme oftmals nicht
ausreichend, um einen Weg aus der Armut zu finden. Laut Armutsbericht liegt die
Armutsquote bei Hartz IV-Empfänger_innen bei 84% (Der paritätische Gesamtverband,
2016). Zum anderen scheint es schwer, der Arbeitslosigkeit schnell wieder zu entkommen:
87% aller momentanen Leistungsbezieher_innen nach SGB II erhalten die Unterstützung für
2 Jahre oder länger.
Wie wichtig es ist, optimale Bedingungen für eine gute Schul- und damit auch
Berufsausbildung zur Verfügung zu stellen, zeigt das negative Gefälle zwischen Art der
Berufsausbildung und Transferleistungsbezug: 4 von 10 Leistungsbezieher_innen nach SGB
23

II haben keinen beruflichen Abschluss, während es nur knapp 6% mit (Fach-)Hochschulreife
sind.
Einwohner_innen mit ausländischer Staatsbürgerschaft weisen im Vergleich besonders hohe
Anteile bei Transferleistungen wie SGB II und GruSi auf. Das Verhältnis von SGB IILeistungsbezieher_innen mit deutschem oder ausländischem Pass liegt bei 1:2 und gehört
damit zu den äußerst ungleichen in Berlin. Der Anteil von ausländischen GruSiEmpfänger_innen im Rentenalter ist fast viermal so hoch wie der von Personen mit
deutschem Pass. Diese Bevölkerungsgruppe ist damit potentiell einem höheren Risiko
ausgesetzt, in relativer Armut und Altersarmut zu leben. Zudem stellt sich die Frage, ob unter
anderem strukturelle Diskriminierungen eine Rolle dabei spielen.
Außerdem erhalten innerhalb von Einrichtungen anteilig sehr wenige Ausländer_innen
Leistungen der Grundsicherung. Es ist zu vermuten, dass sich die Pflege und Versorgung
von hilfebedürftigen Menschen in die (soziale) Familie verlagert hat oder Personen sehr
isoliert leben, da sie eigentlich nicht mehr in der Lage sind, ihren Alltag ohne Unterstützung
zu bewältigen.
Die Gesundheit im Erwachsenenalter wird maßgeblich von den Entwicklungsbedingungen im
Kindesalter und vor der Geburt beeinflusst. Eine schlechte soziale Lage von Kindern
beeinflusst nicht nur biologische, körperliche und emotionale Prozesse des Aufwachsens,
sondern erhöht auch das Risiko später mit einer chronischen Erkrankung diagnostiziert zu
werden oder frühzeitig zu sterben. 30% aller Kinder und Jugendlichen im Bezirk leben in
einer Bedarfsgemeinschaft mit SGB II-Anspruch, circa 6 500 Minderjährige leben bei einem
alleinerziehenden Elternteil, das SGB II-Leistungen bezieht. Wie die Analyse der
Einschulungsuntersuchungen 2014 gezeigt hat, hat der soziale Status des Elternhauses
einen sehr starken Einfluss auf die gesundheitlichen Parameter des Kindes (d.h. aus
Raucher_innenhaushalt

stammend,

sanierungsbedürftiges

Gebiss,

unvollständiger

Impfstatus, eigenes Fernsehgerät und über 2 Stunden täglicher Fernsehkonsum) und wirkt
sich zudem stark auf Entwicklungsauffälligkeiten auf.
Knapp 13% der Einwohner_innen im Bezirk haben eine anerkannte Schwerbehinderung.
Laut UN-Behindertenrechtskonvention ist „Menschen mit Behinderungen eine unentgeltliche
oder erschwingliche Gesundheitsversorgung in derselben Bandbreite, von derselben Qualität
24

und auf demselben Standard zu Verfügung [zu stellen] wie anderen Menschen (Beauftragte
der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen 2014, S.38). Für den Bezirk
können keine Aussagen zu Versorgungsstrukturen und zur Versorgungsqualität für
Menschen mit Behinderungen getroffen werden, da momentan keine ausreichenden Daten
vorliegen.
Gesundheit umfasst auch sichere Lebens-, Arbeits-, Wohn- und Freizeitbedingungen. Die
über 5 000 geflüchteten Menschen im Bezirk, die zumeist in Gemeinschaftsunterkünften
untergebracht sind, müssen meist in sehr beengten Räumlichkeiten mit wenig Privatsphäre
wohnen. Die Kombination aus beengtem Raum, sehr unterschiedlichen Menschen und
keiner Möglichkeit zur Erwerbstätigkeit können sich in Kombination mit der Unsicherheit über
den Aufenthaltsstatuts negativ auf die psychische und physische Gesundheit auswirken.

25

4. Gesundheitliche Lage
1. Lebenserwartung
Die mittlere Lebenserwartung im Bezirk beträgt 80,8 Jahre. Nur in drei anderen Bezirken
liegt die mittlere Lebenserwartung höher (vgl. Abbildung 13).

Mittlere Lebenserwartung
81,5
79,9

79,8

Treptow-Köpenick

Neukölln

TempelhofSchöneberg

78,9

Steglitz-Zehlendorf

Spandau

CharlottenburgWilmersdorf

79,0

Pankow

79,1

79,1

Reinickendorf

80,3

80,1

Lichtenberg

80,9

80,8

MarzahnHellersdorf

81,2

FriedrichshainKreuzberg

82,0
81,5
81,0
80,5
80,0
79,5
79,0
78,5
78,0
77,5

Mitte

in Jahren

Berliner Bezirke (2011-2013)

Abbildung 13: Mittlere Lebenserwartung in den Berliner Bezirken 2011-2013 (zusammengefasst) in Jahren.
Quelle: AfS Berlin-Brandenburg, eigene Darstellung.

Dabei variiert die mittlere Lebenserwartung je nach Geschlecht und Alter. Männliche Kinder,
die zwischen 2011 und 2013 geboren wurden, haben eine Lebenserwartung von
durchschnittlich 78,2 Jahren. In diesem Zeitraum geborene weibliche Säuglinge werden im
Durchschnitt 83,3 Jahre alt. Männer die im genannten Zeitraum 80 Jahre alt sind, haben im
Schnitt noch 8,4 Lebensjahre vor sich. Bei 80jährigen Frauen sind es noch 9,8 Jahre.
2. Geburten
Die Anzahl der Lebendgeborenen zwischen 1992 und 2013 hat im Bezirk abgenommen (vgl.
Abbildung 14). Damit entspricht diese Entwicklung einem deutschlandweiten Trend (RKI,
2004). Berlinweit ist dagegen eine Zunahme der Lebendgeborenen zu verzeichnen. Dieselbe
Entwicklung auf Bezirks-, Stadt- und Bundesebene gilt für die Lebendgeborenen mit einer
ausländischen Mutter. Sowohl im gesamten Berlin als auch im Bezirk hat sich der Anteil der
geborenen Kinder erhöht, deren Eltern nicht miteinander verheiratet sind.

26

Lebendgeborene
Bezirk (1991-2013)
Anzahl in absoluten Zahlen

4.000
Lebensgeborene insgesamt

3.500
3.000
2.500

ausländisch

2.000
1.500

Eltern nicht miteinander
verheiratet

1.000
500

mit ausländischer Mutter

2013

2011

2009

2007

2005

2003

2001

1999

1997

1995

1993

1991

-

Abbildung 14: Lebendgeborene in Tempelhof-Schöneberg 1991 bis 2012 in absoluten Zahlen. Quelle: AfS BerlinBrandenburg. Eigene Darstellung.

Die Geburtenziffer10 ist seit 1991 leicht von 9,7 auf 9,2 im Jahr 2013 gesunken. Dabei gibt es
große Unterschiede zwischen deutschen und ausländischen Einwohner_innen: bei
Deutschen gibt es eine leichte Erhöhung um 1,0 auf 9,7. Bei Ausländer_innen ist die
Geburtenziffer dagegen drastisch von 17,2 auf 6,1 im Jahr 2013 gesunken. Eine ähnliche
Entwicklung lässt sich bei der Fruchtbarkeitsziffer11 beobachten, bei der sich die Werte von
deutschen12 und ausländischen13 Frauen 2013 angenähert haben. Sie liegt insgesamt bei
48,0, allerdings hat ein Anstieg der Fruchtbarkeitsziffer nur bei deutschen Frauen
stattgefunden. Von 1992 bis 2013 gab es eine Erhöhung auf 44,8 (+6,0). Bei den
ausländischen Frauen ist die Fruchtbarkeitsziffer von 68,8 auf 60,4 abgesunken.
3. Sterblichkeit
Das durchschnittliche Sterbealter im Jahr 2012 liegt insgesamt bei 77,3 Jahren und damit
höher als der Berliner Durchschnitt mit 76,5 Jahren. 2010 lag es noch bei 76,8 Jahren. Fünf
Berliner Bezirke haben ein höheres mittleres Sterbealter als Tempelhof-Schöneberg (vgl.
Abbildung 15). Männer sterben deutlich früher als Frauen: Männer sind 2012 im Schnitt mit

10

Geburtenziffer: Lebendgeborene je 1 000 EW der durchschnittlichen Bevölkerung.

11

Fruchtbarkeitsziffer: Lebendgeborene je 1 000 15-44jährige Frauen.

12

Lebendgeborene mit deutschen Müttern je 1 000 15-44jährige deutsche Frauen.

13

Lebendgeborene mit ausländischen Müttern je 1 000 15-44jährige Ausländerinnen.

27

72,5 Jahren verstorben, Frauen dagegen erst mit 81,6 Jahren. Die Differenz von 9,1 Jahren
zwischen dem Sterbealter von Männern und Frauen ist die größte in ganz Berlin.

Durchschnittliches Sterbealter
79,9
76,9

77,8

77,4

77,3

76,8

74,9

74,8

75,8

77,0

Reinickendorf

Lichtenberg

Marzahn Hellersdorf

Treptow-Köpenick

Neukölln

Tempelhof-Schöneberg

Steglitz-Zehlendorf

Spandau

CharlottenburgWilmersdorf

72,9

Pankow

73,9

FriedrichshainKreuzberg

82
80
78
76
74
72
70
68

Mitte

in Jahren

Berliner Bezirke (2012)

Abbildung 15: Durchschnittliches Sterbealter in den Berliner Bezirken in Jahren, Stand 2012. Quelle: AfS BerlinBrandenburg, Todesursachenstatistik. Eigene Darstellung.

2012 sind im Bezirk 3 075 Personen verstorben, was einem Wert von 959,4 je 100 000 EW
der durchschnittlichen Bevölkerung entspricht. Diese Sterberate liegt sehr nahe am Berliner
Durchschnitt.
Die Sterberaten steigen ab 50 Jahren deutlich an (vgl. Abbildung 16). Interessant ist, dass
die allgemeine Sterberate je 10 000 EW der durchschnittlichen Bevölkerung bei Frauen zwar
höher ist als bei Männern (98,1 zu 93,6). Dieser höhere Wert ist allerdings nur auf die hohe
Sterberate der über 80jährigen Frauen zurückzuführen (933,6 zu 887,8). In allen jüngeren
Altersgruppen liegen die Sterberaten teilweise um mehr als die Hälfte unter denen der
Männer.

28

Sterberate nach Alter und Geschlecht
887,8
933,6
322,0
196,7

80 und älter

150,2
66,0

60-70

männlich
weiblich

70-80

51,9
28,3

50-60

9,1
2,7

30-40

19,0
8,0

4,7
0,7

15-30

40-50

3,4
2,0

unter 15

93,6
98,1

1000,0
900,0
800,0
700,0
600,0
500,0
400,0
300,0
200,0
100,0
0,0

Gestorbene
insgesamt

je 10 000 EW der durchschnittlichen
Bevölkerung

Bezirk (2012)

Abbildung 16: Sterberate nach Altersgruppen und Geschlecht in Tempelhof-Schöneberg je 10 000 EW der
durchschnittlichen Bevölkerung, Stand 2012. Quelle: AfS Berlin-Brandenburg. Eigene Darstellung.

a. Todesursachen
Die meisten Personen je 100 000 EW der durchschnittlichen Bevölkerung im Bezirk sind an
Krankheiten des Kreislaufsystems14 und bösartigen Neubildungen gestorben (vgl. Abbildung
17). Hier lassen sich auch die größten Unterschiede zwischen den Geschlechtern
festmachen. Während deutlich mehr Frauen (656 Personen) als Männer (438 Personen) an
Krankheiten des Kreislaufsystems sterben, sind es bei bösartigen Neubildungen mehr
Männer (478 Männer zu 414 Frauen).

14

Darunter zählen u.a. akutes rheumatisches Fieber, chronische rheumatische Herzkrankheiten, Hypertonie, Ischämische

Herzkrankheiten, pulmonale Herzkrankheit und Krankheiten des Lungenkreislaufes, zerebrovaskuläre Krankheiten, Krankheiten
der Arterien, Arteriolen und Kapillaren, Krankheiten der Venen, der Lymphgefäße und der Lymphknoten, anderenorts nicht
klassifiziert

29

Gestorbene nach ausgewählten Todesursachen
341,3
284,2
394,2

450,0
278,3
310,2
248,8

400,0
350,0
300,0

insgesamt

200,0

Männer

81,4
83,7
79,3
23,4
22,1
24,6

43,1
49,3
37,3

50,0

29,6
29,2
30,0

100,0

61,8
59,1
64,3

150,0

32,1
37,0
27,6

250,0

18,7
18,2
19,2

je 100 000 EW der durchschnittlichen Bevölkerung

Bezirk (2012)

Frauen

–
Bestimmte Bösartige Endokrine, Krankheiten Krankheiten Krankheiten Krankheiten Symptome Verletzungen,
infektiöse und
NeubildungenErnährungsdes
des
des
des
u. abnorme Vergiftungen
parasitäre
und Stoff- Kreislauf- Atmungs- Verdauungs- Urogenital- klinische u. u. bestimmte
Krankheiten
wechselsystems
systems
systems
systems
Labor- andere Folgen
(C00-C97) krankheiten
befunde, die äußerer
(A00-B99)
(I00-I99)
(J00-J99) (K00-K93) (N00-N99) a. n. k. sind Ursachen
(E00-E90)
(R00-R99) (S00-T98)

Abbildung 17: Gestorbene nach ausgewählten Todesursachen in Tempelhof-Schöneberg je 100 000
Einwohner_innen

der

durchschnittlichen

Bevölkerung,

Stand

2012.

Quelle:

AfS

Berlin-Brandenburg,

Todesursachenstatistik. Eigene Darstellung.

Anhand der Zahlen des gemeinsamen Krebsregisters (2010-2012) lassen sich die Todesfälle
durch bösartige Neubildungen weiter differenzieren: Todesursache Nummer eins im Bezirk
sind bei beiden Geschlechtern bösartige Neubildungen der Lunge. Es folgen bei Männern
bösartige Neubildungen der Prostata, bei Frauen der Brustdrüse. An dritter Stelle stehen
bösartige Neubildungen des Darms, gefolgt von solchen der Bauchspeicheldrüse. An fünfter
Stelle der Todesursachen stehen bei Männern und Frauen Leukämien/Lymphome.
Im Bezirksvergleich der Krebstodesfälle liegen Männer in Tempelhof-Schöneberg auf Rang
9, die Frauen etwas schlechter auf Rang 6. Der Anteil an Krebs Gestorbener unter 65 Jahren
ist bei circa. einem Viertel angesiedelt. Der Anteil der Männer ist 26,3% und der Frauen 24%.
Bei 15% der verstorbenen Männer und 16,7% der Frauen lag keine ärztliche Diagnose der
Krebserkrankung vor. Das bedeutet, dass die Krebsneuerkrankung nur anhand des
Leichenschauscheins bekannt wurde.

30

b. Vorzeitige Sterbefälle
Zwischen 2011 und 2013 sind 1 666 Menschen unter 65 Jahren vorzeitig gestorben15. Je
100 000/Eurobevölkerung alt16 liegt der Wert für Männer bei 227,5 und für Frauen bei 117,9.
Damit liegen sie im Bezirksvergleich beide auf Rang 10. Vor allem bei den Männern sind
deutlich niedrigere Werte als in Gesamtberlin zu verzeichnen (-23,9). Nimmt man sich
allerdings die absoluten Zahlen vor, so liegt Tempelhof-Schöneberg auf Rang 4 und hat
damit die vierthäufigste Anzahl an vorzeitigen Sterbefällen vorzuweisen. Die zwei häufigsten
vorzeitigen

Todesursachen

bei

Männern

sind

ischämische

Herzkrankheiten

und

Lungenkrebs. Bei Frauen sind es Lungenkrebs und bösartige Neubildungen der Brustdrüse
(vgl. Abbildung 18).
Betrachtet man die standardisierten Werte für die vermeidbaren Sterbefälle von
ausgewählten Diagnosen fällt auf, dass die Werte für Männer immer höher als die der
Frauen liegen (mit Ausnahme der Diagnose Brustkrebs). Im Berlinvergleich liegen die Werte
der Männer dennoch zumeist unter dem Durchschnittwert. Einzige Ausnahme sind
vermeidbare Sterbefälle aufgrund von Lungenkrebs, bei denen sich die Werte über dem
Berliner Schnitt befinden. Bei Frauen liegen die bezirklichen Werte bei den Diagnosen
Lungenkrebs und bösartige Neubildungen der Brustdrüse über dem Berliner Schnitt.

15

„Den Sterbefällen unter 65 Jahren („Vorzeitige Sterblichkeit“) kommt hinsichtlich ihres kausalen Zusammenhangs zwischen

Sterbegeschehen und möglichen Gesundheitsrisiken besondere Aufmerksamkeit zu. Treten innerhalb dieser Altersgruppe und
insbesondere bei bestimmten Todesursachen vermehrt Todesfälle auf, besteht ein Verdacht auf erhöhte Gesundheitsrisiken.
Die vorzeitige Sterblichkeit wird im Gegensatz zur Sterblichkeit der über 65-Jährigen von nur wenigen Todesursachen
dominiert. Sie zählen etwa zur Hälfte zu den sogenannten „vermeidbaren Todesfällen“. Von diesen sind wiederum etwa drei
Viertel der registrierten Todesfälle (in Berlin etwa 2.400 pro Jahr) auf das individuelle Gesundheitsverhalten zurückzuführen.“
(Born 2011, S. 33)
16

„Euro(pa)bevölkerung alt“ ist eine Bezeichnung für eine epidemiologische altersstandardisierte (fiktive) Bevölkerung, die 1966

entwickelt wurde. Mit ihr wird sichergestellt, dass sich Daten von verschiedenen Regionen oder trotz unterschiedlichem
Altersaufbau der tatsächlichen Bevölkerung vergleichen lassen.

31

Vermeidbare Sterbefälle nach Geschlecht
45,2

50
45
40
35
30
25
20
15
10
5
0

32,8

Hypertonie und
zerebrovaskuläre
Krankheiten

Akuter
Myokardinfarkt

Ischämische
Herzkrankheiten

2,9

20,6

15,9
8

8,3

4,5

0
Bösartige
Neubildung der
Brustdrüse

14,7
10,5

Alkoholische
Leberkrankheit

11,1

12,4

Krankheiten der
leber

20,9

Lungenkrebs

je 100 000/Eurobevölkerung alt

Bezirk (2011-2013)

Männer
Frauen

Abbildung 18: Vermeidbare Sterbefälle nach ausgewählten Diagnosen und Geschlecht in Tempelhof-Schöneberg
je 100 000/Eurobevölkerung alt, Stand 2011-2013 (zusammengefasst). Quelle: SenGesSoz, Bezirksprofile 2015.
Eigene Darstellung.

i.

Suizid

In den Jahren 2011 bis 2013 haben sich in Tempelhof-Schöneberg 92 Personen das Leben
genommen. 61 Personen waren unter 65 Jahre alt und 31 Menschen über 65 Jahre. Männer
suizidieren sich häufiger als Frauen: in der Altersklasse 0 bis unter 65 Jahre gehören 12
Frauen und 42 Männer zu den Suizidsterbefällen. Ab 65 Jahren sind es 6 Frauen und 25
Männer. In beiden Altersgruppen haben mehr Männer als Frauen den Suizid mit
Medikamenten und Drogen herbeigeführt. Indirekt an der Berliner Bevölkerung standardisiert
liegt die Selbsttötungsrate bei Frauen bis unter 65 Jahren im Berliner Mittelfeld, über 65
Jahren ist die Rate die niedrigste in ganz Berlin. Bei Männern unter 65 Jahren ist die
Selbsttötungsrate im Berlinvergleich die drittniedrigste, bei Männern über 65 Jahren belegt
die Rate Rang 5.
ii.

Säuglingssterblichkeit

Die Säuglingssterblichkeit liegt zusammengefasst für die Jahre 2010-2012 bei 26
Säuglingen. Damit liegt Tempelhof-Schöneberg im Bezirksvergleich auf Rang 5 und mit 3,1
gestorbenen Säuglingen je 1 000 Lebendgeborenen 0,2 Punkte über dem Berliner
Durchschnitt. Eine Differenzierung nach Staatsangehörigkeit findet auf bezirklicher Ebene
nicht statt. Zahlen zur Totgeburtlichkeit und Perinatalsterblichkeit für Berlin weisen aber
darauf hin, dass die Werte (je 1 000 Geburten) für Mütter mit ausländischer
Staatsbürgerschaft teils deutlich über denen von Deutschen liegen.

32

4. Morbidität
Im Folgenden werden die Erkrankungen genauer betrachtet, die aus einer Public HealthPerspektive besondere Bedeutung haben. Gründe dafür können darin liegen, dass die
Erkrankungen weit verbreitet sind, in vielen Fällen zum Tod führen, eine erhebliche
individuelle Krankheitslast und –folgen bedeuten und/oder hohe gesellschaftlich zu tragende
Krankheitskosten verursachen.
Für

folgende

Aussagen

wird

die

Krankenhausstatistik

herangezogen

(Ausnahme:

Krebsregister). Da sie behandelte „Fälle“ und nicht „Personen“ erfasst, werden in den Zahlen
auch Menschen erfasst, die innerhalb eines Jahres mehrmals wegen den gleichen
Beschwerden behandelt werden sowie Personen, die im Krankenhaus versterben.
Dementsprechend sollten die folgenden Daten auch bewertet werden.
2013 wurden in Tempelhof-Schöneberg 66 886 Personen aus dem Krankenhaus entlassen,
die vollstationär behandelt wurden (inklusive Stunden- und Sterbefälle). Mehr als die Hälfte
davon waren Frauen (ca. 36 333 Personen). Wie in Abbildung 19 dargestellt wird, überwiegt
die Anzahl der weiblichen Fälle zwischen 15 und 49 Jahren. Unter einem Jahr und ab 50
Jahren überwiegen die der Männer.

Aus dem Krankenhaus entlassene vollstationäre Behandlungsfälle
80.000
70.000
60.000
50.000
40.000

männlich

30.000

weiblich

20.000
10.000
95 u. ä.

80 - 94

70 - 79

60 - 69

50 - 59

40 - 49

30 - 39

20 - 29

15 - 19

1 - 14

0
unter 1

je 100 000 der durchschnittlichen
Bevölkerung in der Altersgruppe

Bezirk (2011-2013)

Abbildung 19: Aus dem Krankenhaus entlassene vollstationäre Behandlungsfälle (inkl. Sterbefälle) in TempelhofSchöneberg je 100 000 Einwohner_innen der jeweiligen Altersgruppe, Stand 2011-2013 (zusammengefasst).
Quelle: AfS Berlin-Brandenburg, KHStatV. Berechnung SenGesSoz, eigene Darstellung.

Diagnosen, die häufig vollstationär im Krankenhaus behandelt werden, sind Abbildung 20
abzulesen. Die Unterschiede zu Berlin sind eher gering. Die deutlichste Differenz ist bei
33

bestimmten Zuständen, die ihren Ursprung in der Perinatalperiode (P00-P9617) haben zu
finden, bei denen die Werte des Bezirks um ca. 270 Fälle/100 000 Eurobevölkerung alt über
dem Berliner Durchschnitt liegen.

Vollstationär im Krankenhaus behandelte Fälle nach ausgewählten
Diagnosen
6.000,0
5.000,0
4.000,0
3.000,0
2.000,0
1.000,0
Verletzungen u. Vergiftungen u.
best. andere Folgen

Best. Zustände, die ihren Urspr.
in der Perinatalperiode haben

Schwangerschaft, Geburt und
Wochenbett

Krh. des Muskel-Skelett-Systems
u. d. Bindegewebes

Krh. des Verdauungssystems

Krh. des Atmungssystems

Krh. des Kreislaufsystems

Psychische u.
Verhaltensstörungen

Berlin

Bösartige Neubildungen

je 100 000/Eurobevölkerung alt

Berlin und Bezirk (2013)

TempelhofSchöneberg

Abbildung 20: Vollstationär im Krankenhaus behandelte Fälle nach ausgewählten Diagnosen in Berlin und
Tempelhof-Schöneberg je 100 000/Eurobevölkerung alt inklusive Sterbefälle, Stand 2013. Quelle: AfS BerlinBrandenburg. Berechnung SenGesSoz, eigene Darstellung.18

Differenziert nach Altersgruppen fällt auf, dass zumeist die gleichen Krankheitsgruppen zu
den am häufigsten behandelten Fällen gehören (vgl. Tabelle 2). Psychische und
Verhaltensstörungen fallen dagegen nur bei der jüngeren Altersgruppe unter die ersten fünf
Ränge, bösartige Neubildungen dagegen nur bei den über 65jährigen.

17

Diese Buchstaben/Ziffernkombination bezieht sich auf die International Classification of Diseases (ICD-10), einem

international verwendeten Instrument zur Klassifizierung von Krankheiten.
18

Bei der Diagnosegruppe „Schwangerschaft, …“ beziehen sich die Werte auf je 100 000 der 15- bis unter 50jährigen Frauen.

Die Werte der Diagnosegruppe „Bestimmte Zustände …“ beziehen sich auf je 100 000 der 0- bis unter 15jährigen.

34

Tabelle 2: Die am häufigsten vollstationär im Krankenhaus behandelten Fälle nach Altersgruppen in TempelhofSchöneberg, Stand 2013. Quelle: AfS Berlin-Brandenburg. Berechnung SenGesSoz, eigene Darstellung.
Die fünfthäufigsten Diagnosen von vollstationär im Krankenhaus behandelten Fällen unter und über 65 Jahren
unter 65 Jahre

über 65 Jahre

1. Krankheiten des Verdauungssystems (K00-K77)

1. bösartige Neubildungen (C00-C97)

2. psychische und Verhaltensstörungen (F00-F99)

2. Krankheiten des Verdauungssystems

3. Verletzungen und Vergiftungen und bestimmte

3. Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems und des

andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)

Bindegewebes

4. Krankheiten des Atmungssystems (J00-J99)

4. Verletzungen und Vergiftungen und bestimmte
andere Folgen äußerer Ursachen

5. Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems und des

5. Krankheiten des Atmungssystems

Bindegewebes (M00-M99)

In der Altersgruppe der über 65jährigen sind auch die größten Unterschiede zwischen
Männern und Frauen zu finden (vgl. Tabelle 3). Vergleicht man die altersstandardisierten
Behandlungsfälle,

werden

Männer

deutlich

häufiger

aufgrund

Krankheiten

des

Kreislaufsystems, bösartigen Neubildungen und ischämischen Herzkrankheiten behandelt.
Frauen dagegen werden deutlich häufiger wegen Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems
und Verletzungen, Vergiftungen und bestimmten anderen Folgen äußerer Ursachen ins
Krankenhaus eingeliefert.
Tabelle 3: Vollstationär im Krankenhaus behandelte Fälle (inkl. Stunden- und Sterbefälle) nach ausgewählten
Diagnosen der über 65jährigen nach Geschlecht in Tempelhof-Schöneberg je 100 000/Eurobevölkerung alt,
Stand 2013: Quelle: AfS Berlin-Brandenburg. Berechnung SenGesSoz und QPK, eigene Darstellung.
Vollstationäre

Behandlungsfälle

je

100

000

der

standardisierten Eurobevölkerung in der Altersgruppe der über
65jährigen
Diagnose

Männlich (m)

Weiblich (w)

Differenz (w-m)

Krankheiten des Kreislaufsystems (I00-I99)

12516

8345

-4171

Bösartige Neubildungen (C00-C97)

6879

4243

-2636

Ischämische Herzkrankheiten (I20-I25)

3671

1580

-2091

Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems und

3364

5055

1691

3116

4690

1574

Krankheiten des Atmungssystems (J00-J99)

3767

2447

-1320

Arthropatien (M00-M25)

1261

2506

1245

Krankheiten des Verdauungssystems (K00-K77)

5188

4061

-1127

des Bindegewebes (M00-M99)
Verletzungen,

Vergiftungen

und

bestimmte

andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)

35

a. Infektionskrankheiten
i.

Tuberkulose

Tuberkulose gehört zu den Infektionskrankheiten mit einer hohen Krankheitslast für die
einzelne Person sowie einem hohen Ansteckungsrisiko für die Gesamtbevölkerung. Die
Neuerkrankungsrate an dieser Krankheit ist ungleich verteilt und potentiell bei den Personen
höher, die im Ausland geboren sind oder zur älteren Bevölkerung gehören (RKI, 20151).
Im Jahr 2014 wurden im Bezirk 31 Tuberkulosefälle gemeldet, was dem fünfthöchsten Wert
in Berlin entspricht. Der Anteil von offener Tuberkulose lag dabei bei ca. einem Drittel. Der
Anteil von infizierten Personen mit ausländischem Pass liegt nur wenig über dem von
Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit. Seit 2005 schwankt die Anzahl von
Tuberkulosekranken nur leicht zwischen 22 Fällen im Jahr 2006 und 33 Fällen im Jahr 2005.
ii.

HIV

Der ansteckende HI-Virus kann unbehandelt zum Ausbruch von AIDS führen, einer
chronisch-degenerativen Erkrankung des Autoimmunsystems, die tödlich verlaufen kann.
Bestimmte Bevölkerungsgruppen sind zwar häufiger dem Risiko ausgesetzt, sich zu
infizieren, die Ansteckung findet aber über alle gesellschaftlichen und sozialen Schichten
hinweg statt.
2013 wurden im Bezirk 12 Fälle der HIV-Krankheit vollstationär im Krankenhaus behandelt.
Das entspricht einem Anteil von 18% an allen behandelten Fällen in ganz Berlin.
b. Chronische Erkrankungen
i.

Krebsneuerkrankungen

Krebserkrankungen gehören mit zu den häufigsten nicht ansteckenden Krankheiten.
Entwicklung, Verlauf, Therapie und Heilungschancen sind je nach Krebsart sehr
unterschiedlich.
Die häufigsten Krebsneuerkrankungen im Bezirk (nach absoluten Zahlen) sind bei den
Männern

in

der

Lunge,

Leukämien/Lymphome
Krebsneuerkrankung

der

lokalisiert.
der

Prostata,
Bei

Brustdrüse,

den

dem

Frauen

gefolgt

von

Leukämien/Lymphome und des Gebärmutterkörpers.

36

Darm,
steht
der

der

Harnblase

an
Lunge,

erster
des

und

Stelle
Darms,

als
eine
als

Im Bezirksvergleich der Krebsneuerkrankungen liegen Männer auf Rang 8, Frauen etwas
schlechter

auf

Rang

6

(d.h.

in

sechs

Bezirken

liegen

höhere

Werte

für

Krebsneuerkrankungen vor).
Tabelle 4 zeigt auf, inwiefern die jeweils lokalisierten Krebsneuerkrankungen im Bezirk im
Verhältnis zu denen Gesamtberlins stehen. Je nach Geschlecht ergeben sich sehr
unterschiedliche Zahlen. Die häufig auftretenden, aber meist nicht lebensbedrohlich
verlaufenden „weiße“ Krebserkrankungen der Haut (hier als „sonstige Haut“ benannt) werden
im Folgenden nicht mit berücksichtigt.
Bei Männern sind die Werte von bösartigen Neubildungen der Gallenblase, des Kehlkopfs,
der Speiseröhre und Leukämien zwischen 13% und 66% höher, als sie mit Gesamtberlin als
Referenzgebiet zu erwarten wären. Niedriger als erwartet liegen unter anderem die Werte für
Krebsneuerkrankungen der Brustdrüse, der Leber und der Hoden.
Bei Frauen befinden sich die Zahlen von Krebsneuerkrankungen des Kehlkopfs, als
Leukämien und als Melanom der Haut deutlich über den zu erwarteten Werten. Obwohl an
Kehlkopfkrebs nur fünf Frauen im Bezirk erkrankt sind, machen sie einen Anteil von über
einem Viertel aller daran Erkrankten in Berlin aus. Im Vergleich äußerst niedrige Werte sind
für bösartige Neubildungen der Gallenblase und als Morbus Hodgkin zu beobachten.
Der Anteil von Frauen an den Neuerkrankten unter 65 Jahren liegt etwas höher (38,9%) als
der der Männer (35%).
Männer erkranken deutlich häufiger als Frauen an Krebs insgesamt, des Mundes und
Rachens, der Speiseröhre, des Darms, der Lunge und der Harnblase. Frauen haben deutlich
mehr Krebsneuerkrankungen der Brustdrüse und der Schilddrüse.

37

Tabelle 4: Krebsneuerkrankungen nach Lokalisationen und Geschlecht in Tempelhof-Schöneberg und in
Abweichung zu Berlin je 100 000/Eurobevölkerung und Prozent, Stand 2010-2012 (zusammengefasst). Quelle:
Gemeinsames Krebsregister. Eigene Darstellung, teilweise eigene Berechnung.
Männer
jährliche

Eurobev.

Fallzahl (∅)

Frauen
Vergleich zu
Berlin

(%19)

jährliche

Eurobev.

Fallzahl (∅)

Vergleich zu
Berlin (%)

Krebs insgesamt

847

379,4

0

905

338,4

+2

Mund und Rachen

35

16,2

-13

15

5,8

-8

Speiseröhre

23

10,0

+22

7

2,5

+4

Magen

25

11,6

-8

20

7,0

-15

Dick-& Mastdarm

111

50,0

+4

101

31,0

-1

Leber

19

8,3

-20

12

3,9

+2

Gallenblase

9

3,9

+66

5

1,3

-38

Bauchspeicheldrüse

32

14,0

+2

32

10,4

-1

Kehlkopf

18

7,9

+31

5

1,6

+92

Lunge

160

69,5

+1

109

40,5

+8

Melanom der Haut

22

9,9

-12

29

11,3

+16

Sonstige Haut

130

55,9

-9

146

49,8

+2

Brustdrüse

1

0,6

-25

294

118,7

+7

Gebärmutterhals

/

/

/

20

8,7

-7

Gebärmutterkörper

/

/

/

41

15,4

+3

Eierstock

/

/

/

29

11,1

+1

Prostata

155

67,2

-2

/

/

/

Hoden

8

5,1

-20

/

/

/

Niere

24

10,7

-11

17

6,2

-5

Harnblase

68

29,8

+2

21

6,9

-19

Gehirn, Nervensystem

16

7,3

-4

13

5,9

+4

Schilddrüse

7

3,8

-14

25

12,3

+3

Morbus Hodgkin

3

1,8

-18

1

1,1

-50

Non-Hodgkin-

23

11,2

-17

27

9,5

+6

21

10,7

+13

21

7,3

+23

Lymphome
Leukämien

Tempelhof-Schöneberg weist eine Neuerkrankungsrate an tabakassoziierten bösartigen
Neubildungen von 94,2 Fällen je 100 000 Eurobevölkerung alt auf. Frauen im Bezirk
befinden sich auf Rang zwei, weisen also mit 64,9 Fällen/100 000 Eurobevölkerung alt recht

19

abgeleitet aus SIR (standardized incidence ratio): Quotient aus beobachteter und erwarteter Fallzahl mit Gesamtberlin als

Referenzwert.

38

hohe Werte im Berlinvergleich auf. Die männlichen Einwohner nehmen mit 136,7 Fällen je
100 000 Eurobevölkerung den sechsten Rang ein.
ii.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen,
Mellitus

Muskel-Skelett-Erkrankungen

und

Diabetes

Zu den somatischen Erkrankungen, die die größte Krankheitslast mit sich bringen, gehören
neben

Krebserkrankungen

auch

Herz-Kreislauf-

und

Muskel-Skelett-Erkrankungen.

Außerdem ist ein Anstieg der Typ-2-Diabetes-Erkrankungen zu beobachten, für den mitunter
lebensstilbezogene

Risikofaktoren

wie

ungesunde

Ernährung

und

Adipositas

mit

verantwortlich gemacht werden.
Tabelle 5: Aus dem Krankenhaus entlassene vollstationäre Behandlungsfälle (inkl. Sterbefälle) nach Diagnosen
mit größter Krankheitslast in Tempelhof-Schöneberg altersstandardisiert je 100 000 Eurobevölkerung alt, Stand
2011-2013 (zusammengefasst). Quelle: AfS Berlin-Brandenburg. Berechnung SenGesSoz, eigene Darstellung.
Vollstationäre Behandlungsfälle je 100 000 der
standardisierten Eurobevölkerung
Krankheitsgruppe/Diagnose

Tempelhof-Schöneberg

Berlin

Krankheiten des Kreislaufsystems (I00-I99)

1.898,8

1.932,9

Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems (M00-M99)

1.353,1

1238,6

Diabetes Mellitus (E10-E14)

144

164,7

Wie Tabelle 5 zeigt, liegt die Fallzahl vollstationär im Krankenhaus behandelter Fälle für
Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes Mellitus unter dem Berliner Schnitt, die für
Muskel-Skelett-Erkrankungen darüber.
iii.

Seelische Gesundheit

Psychische und Verhaltensstörungen sind neben den schon genannten Diagnosegruppen
ebenso erheblich an einem Großteil der Krankheitslast in der Bevölkerung beteiligt. In Berlin
sind sie mit großem Abstand Hauptgründe für einen (verfrühten) Rentenzugang aufgrund
verminderter Erwerbsfähigkeit.
Zur häufigsten Diagnosegruppe, die vollstationär im Krankenhaus behandelt wird, gehört
psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen (F10-F19) (430 Fälle je
100 000 Europabevölkerung alt). Der Großteil davon bezieht sich dabei auf psychische und
Verhaltensstörungen durch Alkohol (F10). Im Vergleich zu Berlin werden insgesamt weniger
Fälle (je 100 000) behandelt. Allerdings fällt auf, dass Frauen, die 65 Jahre oder älter sind,
häufiger als im Berliner Durchschnitt aufgrund dieser Diagnosegruppe behandelt werden.
Eine Behandlung kommt bei den unter 65jährigen fast drei Mal so häufig vor wie bei der
39

älteren Altersgruppe. Zudem werden Männer 2,5-mal häufiger wegen psychischen und
Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen als Frauen im Krankenhaus behandelt.
Die zweithäufigste vergebene Diagnosegruppe ist Schizophrenie, schizoide und wahnhafte
Störungen (F20-F29) (241 Fälle je 100 000 Europabevölkerung alt). Fälle mit Diagnose
Schizophrenie (F20) werden dabei am häufigsten behandelt. Im Bezirk werden insgesamt
sowie bei den unter 65jährigen mehr Fälle als in Berlin behandelt. Das gilt sowohl für Männer
als auch für Frauen. Personen unter 65 Jahren werden fast 3-mal häufiger als Personen im
Rentenalter behandelt. Außerdem gehören Männer häufiger als Frauen zu den
Patient_innen.
An dritter Stelle steht die Diagnosegruppe affektive Störungen (F30-39) mit 234 Fällen je 100
000 Europabevölkerung alt. Die Diagnose depressive Episode (F32) macht dabei die
meisten Fälle aus. Die Anzahl der Fälle (je 100 000) entspricht in etwa der Berlins. Während
Frauen über alle Altersgruppen hinweg etwas unter dem Berliner Schnitt liegen, werden im
Bezirk Männer unter 65 Jahren häufiger aufgrund affektiver Störungen im Krankenhaus
behandelt als in Berlin. Die Altersgruppe der 65jährigen und älteren ist 1,2-mal häufiger in
Behandlung als die jüngere Altersgruppe. Frauen sind häufiger betroffen als Männer.
iv.

Demenz

Dementielle Erkrankungen gehen mit kognitiven, sozialen und emotionalen Einschränkungen
einher und sind nicht heilbar. Mit zunehmendem Alter nimmt die Erkrankungshäufigkeit
deutlich zu. Das Robert-Koch-Institut führt aus, dass auf die Altersgruppe der 65 bis
69jährigen ca. 2% und auf die über 90jährigen 30% aller Demenzerkrankungen fallen. Mit
zunehmender Lebenserwartung und einem damit verbundenen Anstieg von Hochaltrigen
kann dementsprechend von einem Anstieg der Erkrankungen ausgegangen werden.
Die bezirklichen Daten speisen sich allein aus der Krankenhausstatistik, die die Verbreitung
von dementiellen Erkrankungen nur näherungsweise darstellen kann. Sie werden vor allem
im Anfangsstadium oder bei sehr leichten Ausprägungen oftmals unterschätzt und nicht
behandelt.
Nichtsdestotrotz fällt auf, dass es zwischen den Jahren 2004/2008 und 2009/2013 einen
deutlichen Anstieg der im Krankenhaus vollstationär behandelten Fälle der Alzheimer- (F00
und G30) und vaskulären Demenz (F01) sowie der nicht näher bezeichneten Demenz (F03)
40

gab. Von 420 hat sich die Fallzahl auf 531 erhöht. Der größte Anstieg ist bei den über
65jährigen zu verzeichnen.
Frauen werden zudem häufiger als Männer aufgrund dementieller Erkrankungen behandelt.
Interessanterweise haben sich aber vor allem die Behandlungsfälle von Männern über 65
Jahren zwischen den Zeiträumen deutlich erhöht, bei Frauen ist der Anstieg nicht so deutlich
ausgeprägt.
5. Pflegebedürftigkeit
In Tempelhof-Schöneberg sind im Jahr 2011 insgesamt 5 051 Personen pflegebedürftig20,
was einem Bevölkerungsanteil von 1,5% entspricht. Damit liegt der Bezirk deutlich unter dem
Berliner Durchschnitt von 3,4% und auf Rang 5 der Bezirke mit den geringsten Anteilen an
Pflegebedürftigen. Mit zunehmendem Alter steigt auch der Anteil von Pflegebedürftigen: ab
80 Jahren steigt der Anteil von zu pflegenden Personen an und macht über die Hälfte der
über 95jährigen aus (vgl. Abbildung 21).

Pflegebedürftige insgesamt und nach Geschlecht
100
90
80
70
60
50
40
30
20
10
0

männliche Pflegebedürftige
weibliche Pflegebedürftige

95 und älter

90 bis unter 95

85 bis unter 90

80 bis unter 85

75 bis unter 80

70 bis unter 75

65 bis unter 70

60 bis unter 65

15 bis unter 60

Pflegebedürftige insgesamt
unter 15

Anteil an allen EW (blau) bzw. an Pflegebedürftigen
insgesamt (rot und grün) in %

Bezirk (2011)

Abbildung 21: Anteil der Pflegebedürftigen an allen EW sowie Pflegebedürftige nach Geschlecht in TempelhofSchöneberg in Prozent, Stand 2011. Quelle: AfS Berlin-Brandenburg, Pflegestatistik. Eigene Berechnung, eigene
Darstellung.

20

Als pflegebedürftig gelten hier „Personen, die wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit oder

Behinderung voraussichtlich für mindestens sechs Monate der Hilfe bedürfen. […] Ausschlaggebend ist die Entscheidung der
Pflegekasse bzw. des privaten Versicherungsunternehmens über das Vorliegen von Pflegebedürftigkeit und die Zuordnung zu
den Pflegestufen I bis III.“ (AfS Berlin-Brandenburg)

41

Die Personengruppe, die Pflege bedarf, ist stark weiblich geprägt: knapp drei Viertel (72,4%)
sind weiblich und nur etwas mehr als ein Viertel ist männlich (27,6%). Wie Abbildung 21
zeigt, ist der Männeranteil einzig bei den 15- bis unter 60jährigen höher als der der Frauen.
6 von 10 Pflegebedürftigen werden von einer ambulanten Pflegeeinrichtung betreut, 4 von 10
in einer stationären. Der Anteil der stationär betreuten Personen ist in der Altersgruppe 60
bis unter 65 Jahre am niedrigsten (22,4%) und macht ab den 90jährigen mehr als die Hälfte
aus. 6 von 10 der über 95jährigen werden in einem Pflegeheim betreut.
Der Anteil von Personen, die Leistungen der Pflegestufe I erhalten, ist bis zur Altersgruppe
der 90jährigen am höchsten (vgl. Abbildung 22). Der Anteil an Personen mit Pflegestufe II
steigt ab 60 Jahren stetig an. Bei den 15- bis unter 60jährigen ist die Pflegestufe III die am
zweithäufigsten vergebene Kategorie. Obwohl ihr Anteil bei Personen ab 85 Jahren ansteigt,
ist sie –bis auf eben genannte Ausnahme – die am wenigsten vergebene Pflegestufe.

Pflegebedürftige nach Pflegestufe und Altersgruppen
60,0
50,0
40,0
30,0

95 und älter

90 bis unter 95

85 bis unter 90

80 bis unter 85

Pflegestufe III

75 bis unter 80

0,0
70 bis unter 75

Pflegestufe II
65 bis unter 70

10,0
60 bis unter 65

Pflegestufe I

15 bis unter 60

20,0

unter 15

Anteil an Pflegebedürftigen in %

Bezirk (2011)

Abbildung 22: Pflegebedürftige nach Pflegestufe und Altersgruppen in Tempelhof-Schöneberg in Prozent, Stand
2011. Quelle: AfS Berlin-Brandenburg, Pflegestatistik. Eigene Berechnung, eigene Darstellung.

6. Gesundheitsverhalten
Der Mikrozensus 2013 hat ergeben, dass 90% der Befragten sich als „nicht krank“ einstufen.
Der Anteil der „nicht kranken“ Frauen liegt minimal unter dem der Männer. In absoluten
Zahlen ausgedrückt heißt das, dass sich etwa 14 200 Frauen in den letzten vier Wochen vor
der Befragung als „krank“ einstufen (Männer: 10 900). Der Anteil der sich selbst als „krank“
einstufenden Männern und Frauen ist mit 10% der niedrigste in ganz Berlin. In Lichtenberg
beispielsweise liegt er um das Dreifache höher.
42

a. Body-Mass-Index
Der Body-Mass-Index (kurz: BMI) ist eine Maßzahl, die zur Klassifikation des Körpergewichts
und den damit einhergehenden möglichen gesundheitlichen Risiken herangezogen wird21.
Bei einem BMI von über 25 ist das Risiko für Begleiterkrankungen des Übergewichts leicht
erhöht, bei einem BMI ab 30 steigt das Risiko weiter an.
Frauen im Bezirk gehören deutlich häufiger zu den normalgewichtigen Personen als Männer
(vgl. Abbildung 23). Männer sind etwas häufiger übergewichtig als normalgewichtig. Der
Anteil von stark übergewichtigen Personen ist bei beiden Geschlechtern mit 11% ungefähr
gleich. Damit liegt der Bezirk sowohl bei stark übergewichtigen Männern als auch Frauen
unter den Vergleichswerten in Gesamtberlin (Männer: 13,4%, Frauen: 12,2%). Der Anteil von
Männern im Bezirk mit einem BMI zwischen 25 und 30 liegt 3,5% höher als der von Männern
in Berlin. Frauen im Bezirk sind dagegen um 0,7% weniger häufig übergewichtig als
diejenigen in Berlin.

Body-Mass-Index
Bezirk (2013)

weiblich

60,1

26,0

10,7

BMI 18,5 bis unter 25 (normal)
BMI 25 bis unter 30
(übergewichtig)

männlich

43,2

44,8

11,0

BMI 30 und mehr (stark
übergewichtig)

Abbildung 23: Body-Mass-Index (BMI) in Tempelhof-Schöneberg in Prozent, Stand 2013. Quelle: AfS BerlinBrandenburg, Mikrozensus 2013. Eigene Darstellung.

b. Rauchverhalten
Obwohl Lungenkrebs zu den häufigsten vermeidbaren Todesursachen im Bezirk gehört,
macht der Raucher_innenanteil in Tempelhof-Schöneberg mit 24%22 den zweitniedrigsten
Wert in ganz Berlin aus. Nur in Steglitz-Zehlendorf wird noch weniger geraucht. Das

21

Die Berechnung des BMI erfolgt aus dem Quotienten des Gewichts und Körpergröße im Quadrat (kg/m²).

22

Der Anteil bezieht sich auf die Personen, die die freiwillige Angabe zum Rauchverhalten im Mikrozensus beantwortet haben.

2013 haben das 77% der Befragten getan.

43

durchschnittliche Alter bei Rauchbeginn liegt bei 17,8 Jahren und damit 0,1 Jahre unter dem
Berliner Durchschnitt. Frauen rauchen nicht nur weniger oft, sondern fangen auch später als
Männer das Rauchen an. Die erste Zigarette wird von jungen Frauen durchschnittlich mit
18,4 Jahren geraucht, bei jungen Männern mit 17,3 Jahren. Der Großteil der Raucher_innen
raucht regelmäßig (vgl. Abbildung 24). Der Anteil der Nichtraucher_innen, die früher geraucht
haben, ist bei den Männern höher als bei den Frauen.

Rauchverhalten nach Geschlecht

25,7

37,8

31,1

79,4

72,4

76,1
24,2

20,4

17,0

insgesamt

3,6

3,5

3,4

27,6

20,6

23,9

darunter frühere
Raucher_innen

Nichtraucher_inne
n insgesamt

regelmäßig

männlich
gelegentlich

90,0
80,0
70,0
60,0
50,0
40,0
30,0
20,0
10,0
0,0

Raucher_innen
insgesamt

Anteil an Befragten mit Angaben über
das Rauchverhalten in %

Bezirk (2013)

weiblich

Abbildung 24: Rauchverhalten nach Geschlecht in Tempelhof-Schöneberg in Prozent, Stand 2013. Quelle: AfS
Berlin-Brandenburg, Mikrozensus 2013. Eigene Darstellung.

7. Kindergesundheit
Für die Auswertungen der im Rahmen der Schuleingangsuntersuchungen erhobenen
(Gesundheits-)Daten von einzuschulenden Kindern sei auf die Berichte des KJGD
verwiesen23.

Auf

Bezirks-

und

Bezirksregionenebene

sowie

zum

Teil

auch

auf

Planungsraumebene stehen hier Analysen zur sozialen Lage, Herkunft, Kernindikatoren,
Zahngesundheit, Impfquoten und mehr zum Download bereit.
8. Zusammenfassung
Sowohl

bei

den

Krankheits-

als

auch

Sterblichkeitsdaten

lassen

sich

deutliche

Geschlechtsunterschiede feststellen:
Im Berlinvergleich weist Tempelhof-Schöneberg mit 80,8 Jahren die vierthöchste
Lebenserwartung auf. Frauen haben nicht nur eine um 5,2 Jahre höhere Lebenserwartung

23

Download unter: https://www.berlin.de/ba-tempelhof-schoeneberg/politik-und-verwaltung/aemter/gesundheitsamt/kinder-und-

jugendgesundheitsdienst/artikel.405380.php

44

als Männer: Männer sterben im Schnitt auch knapp 9 Jahre früher als Frauen. Diese
Differenz ist die größte in Berlin. Insgesamt ist das durchschnittliche Sterbealter aber
angestiegen und liegt im Berliner Mittelfeld.
Die Anzahl der Lebendgeborenen insgesamt sinkt, was einem deutschlandweiten Trend
entspricht. Die Rate der Säuglingssterblichkeit liegt leicht über dem Berliner Durchschnitt.
Die Geburtenziffer ist in den letzten 20 Jahren gesunken und die Fruchtbarkeitsziffer leicht
gestiegen. Bei ausländischen Frauen sind beide Ziffern deutlich gesunken.
a. Mortalität
Die häufigsten Todesursachen sind Krankheiten des Kreislaufsystems und bösartige
Neubildungen. Unter den bösartigen Neubildungen zählt Lungenkrebs bei beiden
Geschlechtern zur häufigsten Todesursache, gefolgt von bösartigen Neubildungen der
Prostata (bei Männern) bzw. Brustdrüse (bei Frauen) und des Darms. Männer versterben
insgesamt häufiger als Frauen an bösartigen Neubildungen. Vergleicht man die weiblichen
Sterberaten aufgrund von Krebs der verschiedenen Bezirke miteinander fällt auf, dass
Frauen in Tempelhof-Schöneberg die zweithöchste Sterberate an Krebs aufweisen.
Im Bezirk sterben in Relation zu Gesamtberlin weniger Personen vor ihrem 65. Lebensjahr,
Männer sterben allerdings häufiger als Frauen vorzeitig. Im Vergleich zu Berlin sterben
Frauen im Bezirk häufiger vorzeitig an Lungen- und Brustkrebs, Männer häufiger an
Lungenkrebs.
Die vorzeitigen Todesursachen bei Männern werden von ischämischen Herzkrankheiten und
Lungenkrebs angeführt, bei Frauen sind es Lungen- und Brustkrebs. Obwohl Frauen
häufiger vorzeitig an Krebs erkranken, ist die vorzeitige Sterberate bei bösartigen
Neubildungen von Männern höher.
Die Selbsttötungsrate ist bei Männern sowohl unter als auch über 65 Jahren höher als die
der Frauen.
b. Morbidität
In Deutschland stehen Herz-Kreislauf-, Krebs- und Muskel-Skelett-Erkrankungen sowie
psychische und Verhaltensstörungen an oberster Stelle, wenn es um die Krankheitslast der
Bevölkerung geht. Dafür wird die Maßzahl „Disability-Adjusted Life Years“ (DALYs)
verwendet, die den Verlust von gesunden Lebensjahren aufgrund einer Erkrankung oder
45

eines Todesfall errechnet. Die genannten Erkrankungen sind für 65% der verlorenen
behinderungsfreien Lebensjahre verantwortlich.
Individuelle

Verhaltensweisen

wie

Tabakgebrauch,

körperliche

Inaktivität,

riskanter

Alkoholkonsum sowie ungesunde Ernährung erhöhen das Risiko solche Krankheiten zu
entwickeln. Insbesondere im Zusammenhang mit ungesunder Ernährung ist der Anstieg von
Typ-2-Diabeteserkrankungen zu beachten.
Im Vergleich zu den Berliner Werten werden im Bezirk etwas weniger Fälle an Krankheiten
des Kreislaufsystems, an psychischen und Verhaltensstörungen sowie an Diabetes Mellitus
vollstationär in Krankenhäusern behandelt. Fälle aufgrund von Krankheiten des MuskelSkelett-Systems und von bösartigen Neubildungen sind im Bezirk häufiger als in Berlin in
Behandlung. Vor allem bei Krankheiten des Kreislaufsystems, bei bösartigen Neubildungen
und ischämischen Herzkrankheiten werden deutlich mehr Männer als Frauen im
Krankenhaus behandelt.
Männer im Bezirk erkranken am häufigsten an Lungen-, Prostata- und Darmkrebs. Bei
Frauen sind es Brust-, Lungen- und Darmkrebs. Vergleicht man die Lokalisationen von
Krebserkrankungen fällt auf, dass Männer deutlich häufiger als Frauen an Krebs insgesamt,
des Mundes und Rachens, der Speiseröhre, des Darms, der Lunge und der Harnblase
erkranken. Frauen haben deutlich mehr Krebsneuerkrankungen der Brustdrüse und der
Schilddrüse als Männer.
Im Bezirksvergleich steht die Neuerkrankungsrate an Krebs von Frauen auf niedrigerem
Rang als die der Männer (Rang 6 und Rang 8). Stark auffällig ist die Quote für
tabakassoziierte bösartige Neuerkrankungen bei Frauen im Bezirk, die die zweithöchste in
ganz Berlin ist.
Zu den häufigsten psychischen und Verhaltensstörungen, die im Krankenhaus behandelt
werden, gehören im Bezirk psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope
Substanzen, Schizophrenie, schizoide und wahnhafte Störungen sowie affektive Störungen.
Bei erster Diagnosegruppe liegt die Behandlungsrate von Frauen über 65 Jahren höher als
der Berliner Durchschnitt. Bei Schizophrenie, schizoiden und wahnhaften Störungen werden
bei den unter 65jährigen mehr Fälle als in Berlin behandelt. Bei affektiven Störungen liegt die
Rate der unter 65jährigen Männer über dem Berliner Vergleichswert. Die Diagnosegruppe
46

der affektiven Störungen ist die einzige der drei genannten, bei der insgesamt mehr Frauen
als Männer im Krankenhaus behandelt werden.
Obwohl

die

Behandlungszahlen

von

dementiellen

Erkrankungen

die

tatsächliche

Erkrankungshäufigkeit nur vage widerspiegeln, wird deutlich, dass sich die Fallzahlen in den
letzten Jahren erhöht haben. Vor allem bei älteren Männern ist ein deutlicher Anstieg zu
verzeichnen.
Auf den Einfluss des individuellen Gesundheitsverhaltens auf die Entwicklung von
chronischen Krankheiten wurde hingewiesen. Es fällt auf, dass anteilig mehr Männer als
Frauen übergewichtig sind. Bei starkem Übergewicht sind die Werte zwischen den
Geschlechtern wiederum annähernd gleich hoch bei ca. 11%. Männer zählen zudem
häufiger zu den Raucher_innen und haben ein früheres Einstiegsalter als Frauen. Insgesamt
betrachtet, weist der Bezirk aber die zweitniedrigste Raucher_innenquote in ganz Berlin auf.
Der Anteil von Pflegebedürftigen in Tempelhof-Schöneberg liegt deutlich unter dem Berliner
Durchschnitt. Der Anteil an pflegebedürftigen Personen steigt mit dem Alter erheblich an und
macht bei den über 95jährigen ca. 90% aus. Pflegebedürftigkeit ist stark weiblich geprägt. Ab
der Altersgruppe 60 Jahren und älter wird der Anteil an pflegebedürftigen Frauen immer
größer.

47

5. Raumbezogene Analysen
Im Folgenden werden Bevölkerungs-, Sozial- und Gesundheitsdaten zunächst auf
Bezirksregionenebene und dann auf Planungsraumebene (PLR) ausgewertet. Dabei folgt
diese räumliche Zuordnung der LOR (Lebensweltlich orientierte Räume)-Systematik24, vgl.
auch Anhang 2. Ziel ist es, Daten zu liefern, um die Gesundheitsplanung- und förderung
noch zielgenauer auszurichten und näher an der tatsächlichen Lebenslage der
Einwohner_innen zu orientieren.
1. Bezirksregionen
a. Einwohner_innen
Marienfelde weist mit 9,3% den geringsten Bevölkerungsanteil der Bezirksregionen auf, was
31 090 Personen entspricht. In Tempelhof wohnen fast doppelt so viele EW und damit auch
die meisten EW des Bezirks, nämlich 61 860 Personen (18,4%). Marienfelde und Tempelhof
sind auch die Bezirksregionen mit dem deutlichsten Bevölkerungszuwachs in den letzten
Jahren: heute leben dort 4% bzw. 5% mehr Personen als noch 2010.
Der Anteil von EW mit Migrationsgeschichte - mit oder ohne deutschem Pass - ist in den
jeweiligen

Bezirksregionen

sehr

unterschiedlich

(vgl.

Abbildung

25).

Während

in

Schöneberg-Nord und Marienfelde anteilig am meisten Deutsche mit Migrationsgeschichte
leben, liegt der Ausländer_innenanteil in Schöneberg-Nord und Schöneberg-Süd über dem
bezirksweiten Durchschnitt. Deutlich unterdurchschnittlich sind Ausländer_innen in den
südlicheren Bezirksregionen Mariendorf, Marienfelde und Lichtenrade vertreten.

24

Mehr Informationen zur Entwicklung und Verwendung der LOR sind auf den Seiten der Senatsverwaltung für

Stadtentwicklung und Umwelt zu finden: http://www.stadtentwicklung.berlin.de/planen/basisdaten_stadtentwicklung/lor/

48

Migrationshintergrund

31,5

10,0

18,6

Personen mit MH
insgesamt

11,0
7,6

18,5
13,0

29,0
15,4
13,6

33,2
16,1
17,0

28,5
13,9
14,7

15,6
21,1

32,2

28,8
18,9

20,0

15,5
16,7

30,0

12,5
16,1

40,0

28,6

50,0

36,7

47,8

60,0

Deutsche mit MH
Ausländer_innen

Lichtenrade

Marienfelde

Mariendorf

Tempelhof

Friedenau

Schöneberg Süd

Schöneberg Nord

TempelhofSchöneberg

0,0
Berlin

Anteil an jeweilger Bevölkerungsgruppe in %

Berlin, Bezirk und Bezirksregionen (12/2014)

Abbildung 25: Migrationshintergrund der Einwohner_innen in Berlin, Tempelhof-Schöneberg und dessen
Bezirksregionen in Prozent, Stand 12/2014. Quelle: AfS Berlin-Brandenburg, Einwohnerregisterstatistik 2014.
Eigene Berechnung, eigene Grafik.

In Schöneberg-Nord bezieht sich der Migrationshintergrund der meisten Personen auf die
Türkei (10,4% der Bevölkerung). Das gleiche gilt für Schöneberg-Süd (7,6%) und Friedenau
(5,5%), wenngleich dort der Anteil der Personen mit türkischem MH an der Bevölkerung
kleiner ist. In Tempelhof, Mariendorf und Lichtenrade machen Personen mit MH aus Polen
und der Türkei zwischen 2,4% und 7,6% der jeweiligen Einwohner_innenschaft aus. In
Marienfelde leben neben Menschen mit polnischem (6,9%) und türkischem (3,4%)
Migrationshintergrund auch anteilig viele russischstämmige Einwohner_innen (3,2%).
Je nach Bezirksregion unterscheiden sich die Anteile von Menschen mit (Schwer-)
Behinderung (vgl. Abbildung 26). In den südlicheren Regionen steigt sowohl der Anteil von
Menschen

mit

Behinderung

insgesamt

als

Schwerbehinderung an.

49

auch

der

von

Menschen

mit

einer

Menschen mit Behinderung

14,1

21,5

22,9
15,3

22,4
15,2

12,5

13,9

18,9

10

9,4

13,7
9,6

15

16,1
11,7

18,3

20

12,5

25

GdB >50

Marienfelde

Mariendorf

Friedenau

Schöneberg-Nord

Lichtenrade

0
Tempelhof

GdB 20-100
Schöneberg-Süd

5
TempelhofSchöneberg

Anteil an allen EW in %

Bezirk und Bezirksregionen (12/2014)

Abbildung 26: Menschen mit Behinderung in Tempelhof-Schöneberg und dessen Bezirksregionen in Prozent,
Stand 12/2014. Quelle: Jahresstatistik Menschen mit Behinderung 2014. Berechnung: OE SPK, eigene
Darstellung.

Die südlichen Bezirksregionen Mariendorf, Marienfelde und Lichtenrade haben im Schnitt
deutlich ältere Einwohner_innen als der restliche Bezirk (vgl. Abbildung 27). Schöneberg-Süd
ist die jüngste Bezirksregion.

Durchschnittliches Alter
46,7
43,7

Abbildung

27:

Durchschnittliches

45,7

46,6

43

42,4

Alter der Einwohner_innen

in

Tempelhof-Schöneberg

Lichtenrade

Marienfelde

Mariendorf

Friedenau

Tempelhof

40,9

Schöneberg-Süd

41,9

Schöneberg-Nord

48
47
46
45
44
43
42
41
40
39
38

TempelhofSchöneberg

Alter in Jahren

Bezirk und Bezirksregionen (12/2014)

und

dessen

Bezirksregionen in Jahren, Stand 12/2014. Quelle: AfS Berlin-Brandenburg. Eigene Berechnung, eigene
Darstellung.

Dementsprechend liegt in den südlicheren Bezirksregionen Mariendorf, Marienfelde und
Lichtenrade der Anteil der über 65jährigen deutlich über dem Bezirksdurchschnitt (vgl.
Abbildung 28). Der Anteil der unter 18jährigen ist in Marienfelde und Lichtenrade wie auch in
50

Friedenau überdurchschnittlich hoch. Der höchste Anteil an Personen im Erwerbsalter lebt in
Schöneberg-Süd.

Altersstruktur

20,8

15,7

14,2

17,5

19,9

25,9

27,1

27,0

64,6

70,3

72,1

66,7

65,7

60,8

56,9

57,3
ü65

16,0

15,7
Lichtenrade

13,3

Marienfelde

14,4

Mariendorf

15,8

Tempelhof

13,7

Friedenau

14,0

Schöneberg-Süd

14,6

Schöneberg-Nord

100,0
90,0
80,0
70,0
60,0
50,0
40,0
30,0
20,0
10,0
0,0

Tempelhof-Schöneberg

Anteil an jeweiligen EW in %

Bezirk und Bezirksregionen (12/2014)

18 bis unter 65
u18

Abbildung 28: Altersstruktur in Tempelhof-Schöneberg und dessen Bezirksregionen in Prozent, Stand 12/2014.
Quelle: AfS Berlin-Brandenburg, Einwohnerregisterstatistik 2014. Eigene Berechnung, eigene Darstellung.

b. Transferleistungen
Der Anteil von Transferleistungsbezieher_innen nach SGB II ist über die Bezirksregionen
hinweg unterschiedlich verteilt (vgl. Abbildung 29). Den niedrigsten Wert weist Friedenau auf,
den höchsten Marienfelde. Im Vergleich zu den Daten des letzten Basisberichts sind die
Anteile an SGB II-Empfänger_innen in fast allen Bezirksregionen gesunken. Ausgenommen
von dieser Entwicklung sind Marienfelde und Lichtenrade, bei denen es einen leichten
Anstieg um jeweils 0,5% gegeben hat.
Die Bezirksregionen stehen in Bezug auf den SGB II-Leistungsbezug von unter 15jährigen in
einem ähnlichen Verhältnis zueinander: in Friedenau empfangen nur 16,5% aller unter
15jährigen Sozialgeld nach SGB II. Knapp doppelt so hoch oder höher sind die Anteile in
Schöneberg-Nord (35,9%), Tempelhof (35,6%), Mariendorf (32,3%)und Marienfelde (38,5%).

51

Empfänger_innen von Transferleistungen nach SGB II unter 65
Jahren
30
25
20

18,4

21,5

20,9

23,9
19,7
16,3

16,2

15

11,4

10
5
Lichtenrade

Marienfelde

Mariendorf

Tempelhof

Friedenau

Schöneberg-Süd

Schöneberg-Nord

0
TempelhofSchöneberg

Anteil an EW unter 65 Jahren in %

Bezirksregionen (12/2014)

Abbildung 29: Empfänger_innen von Transferleistungen nach SGB II an der Bevölkerung unter 65 Jahren in den
Bezirksregionen in Prozent, Stand 12/2014. Entspricht KID D4. Quelle: Bundesagentur für Arbeit/AfS BerlinBrandenburg, Abgestimmter Datenpool. Eigene Darstellung.

Im Bezirk nimmt der Anteil von Grundsicherungsempfänger_innen im Alter von 65 Jahren
und älter tendenziell mit größerer Distanz zur Innenstadt ab. In Schöneberg-Nord empfangen
mehr als 5-mal so viele Personen GruSi als in Lichtenrade. Es ist in den letzten Jahren ein
Anstieg der GruSi-Empfänger_innen zu beobachten. Das gilt nicht nur für den Bezirk,
sondern auch für Gesamtberlin. Der deutlichste Anstieg in den Bezirksregionen ist in
Schöneberg-Nord zu beobachten (+2,2% seit dem letzten Basisbericht).

52

Empfänger_innen von Grundsicherung nach SGB XII im Alter von 65
Jahren und älter
16,3

18
16
14
12
10
8
6
4
2
0

9,3
4,5

3,1

Lichtenrade

Tempelhof

Friedenau

Schöneberg-Süd

Schöneberg-Nord

4

Marienfelde

5,9

5,3

Mariendorf

6,6

TempelhofSchöneberg

Anteil an EW mit 65 Jahren und älter in %

Bezirksregionen (12/2014)

Abbildung 30: Empfänger_innen von Grundsicherung (außerhalb von Einrichtungen) nach SGB II im Alter von 65
Jahren und älter in den Bezirksregionen in Prozent, Stand 12/2014. Entspricht KID D6. Quelle: Abgestimmter
Datenpool, AfS Berlin-Brandenburg, bereitgestellt auf Basis der Daten von SenGesSoz. Eigene Darstellung.

c. Mortalität und Morbidität
In Friedenau sterben am wenigsten Menschen je 100 000 EW vor ihrem 65. Lebensjahr, in
Marienfeld am meisten (vgl. Abbildung 31). Friedenau ist auch die einzige Bezirksregion,
deren Werte unter dem bezirklichen Durchschnitt liegen. Die deutlichsten Veränderungen in
den vorzeitigen Sterberaten seit dem letzten Basisbericht gab es in den Bezirksregionen
Schöneberg-Nord (-33,9/100 000 EW), Schöneberg-Süd (-39,4) und Tempelhof (-52,5).

Vorzeitige Sterblichkeit unter 65 Jahren
je 100 000/ Eurobevölkerung alt

Bezirksregionen (2009-2011)
250,0
200,0

187,7

199,1
171,9

178,8

175,1

174,4

153,4

150,0
100,0
50,0
0,0
Schöneberg Schöneberg
Nord
Süd

Friedenau

Tempelhof Mariendorf Marienfelde Lichtenrade

Abbildung 31: Vorzeitige Sterblichkeit in den Bezirksregionen Tempelhof-Schönebergs je 100 000/
Eurobevölkerung alt, Stand 2009-2011. Quelle: SenGesSoz, Sozialstrukturatlas 2013. Eigene Darstellung.

53

Die Neuerkrankungsraten an bösartigen Neubildungen variieren zwischen den einzelnen
Bezirksregionen deutlich (vgl. Abbildung 32). Im Vergleich zu den Daten des letzten
Basisberichts 2011 sind die Neuerkrankungsraten der Regionen Schöneberg-Nord und
Marienfelde leicht gestiegen. In den restlichen Bezirksregionen haben sich die Werte
verringert. Am deutlichsten ist dies in Schöneberg-Süd zu beobachten, wo 39 Personen je
100 000 Eurobevölkerung alt weniger an bösartigen Neubildungen erkrankt sind als zum
letzten Basisbericht.

Neuerkrankungsrate an bösartigen Neubildungen

je 100 000/
Eurobevölkerung alt

Bezirksregionen (2006-2009)
420,0
410,0
400,0
390,0
380,0
370,0
360,0
350,0
340,0
330,0

409,9

410,1
393,6
382,0

372,2
365,0

362,5

Schöneberg Schöneberg Friedenau
Nord
Süd

Tempelhof Mariendorf Marienfelde Lichtenrade

Abbildung 32: Neuerkrankungsrate an bösartigen Neubildungen in den Bezirksregionen Tempelhof-Schönebergs
je 100 000/Eurobevölkerung alt, Stand 2006-2009 (zusammengefasst). Quelle: SenGesSoz, Sozialstrukturatlas
2013. Eigene Darstellung.

Die Neuerkrankungsraten an tabakassoziierten bösartigen Neubildungen unterscheiden sich
je nach Bezirksregion eher wenig um bis zu 21 Fälle/100 000 Eurobevölkerung alt. Die
niedrigsten Werte weist auch hier wieder Friedenau auf, die höchsten Werte die
Bezirksregion Tempelhof. Im Vergleich zu den Werten des letzten Basisberichts haben sich
die Neuerkrankungsraten in allen Bezirksregionen verringert.
2. Planungsräume
Wie schon an verschiedenen Stellen erläutert wurde, zählt die soziale Lage zu einem der
wichtigsten

Einflussfaktoren

von

Gesundheit.

Deshalb

werden

in

der

folgenden

tabellarischen Analyse sowohl soziale als auch gesundheitliche Indikatoren aufgegriffen.
Methodische Hinweise und eine Erklärung der Indikatoren sind im Anhang 3 zu finden.

54

Hintergrund der Analyse der PLR ist ein Klassifikationssystem, das in Anlehnung an den
letzten Basisbericht 2011 entwickelt wurde. Dieses setzt den Indikatorwert eines einzelnen
PLR in Bezug zu den Werten der restlichen PLR und bewertet ihn demensprechend.

55

Tabelle 6: Planungsraumanalyse Schöneberg-Nord. Eigene Darstellung.
PLR (LOR)
Wittenbergplatz/
Viktoria-Luise-Platz

EW
9397

Nollendorfplatz

15450

Barbarossaplatz

9956

Dennewitzplatz

13512

U18

Ü65

MH

10,5

23,0

42,8

MH

MH

eLb +

u18

ü65

nef

65,5

21,1

78,4

32,8

Bös

T bös

neu

neu

228,2

435,8

220,6

343,9

nef u15

G ü65

Sterb

13,4

19,4

10,8

23,7

43,0

19,6

Rauch

Zahn

Überg

103,8

28,1

6,5

10

94,4

38,8

14

13

-

-

24,8

6,1

6,5

17,1

15,2

14,2

15,3

51,6

14,3

14,9

34,8

48,8

15,6

12,8

18,5

8,4

124,7

404,9

87,4

+
15,9

+
11,7

56,4

77,5

49,9

28,2

47,7

26,5

165,8

318,2

90,3

43

-

+

MSS
2+/2+/2+/3+/-

Tabelle 7: Planungsraumanalyse Schöneberg-Süd. Eigene Darstellung.
PLR (LOR)

EW

Bayerischer Platz

10335

Volkspark (Rudolf-Wilde-Park)

9832

Kaiser-Wilhelm-Platz

17298

Schöneberger Insel

11395

U18

Ü65

MH

13,0

21,1

31,2

12,7

16,4

38,4

MH

MH

eLb +

u18

ü65

nef

52,4

13,8

12,1

60,1

17,3

16,5

nef u15

G ü65

Sterb

18,2

6,0

120,0

+

-

7,5

158,9

27,6

Bös.

T bös

neu

neu

353,5

79,2

375,2

98,8

14,7
13,7

12,2
9,1

40,9
33,6
-

60,5
52,5

25,3
24,1

18,6
15,7

-

29,7
26,7

13,4
10,7

188,7
221,7
+

56

Rauch

Zahn

Überg

27,7

6,3

8,4

+

-

12,5

10,2

35
+

369,4
370,0

99,5
108,6

+

31,3

13,5

+

+

10,8

34,8

11,3

10,8

+

--

MSS
2+/2+/2+/2+/-

Tabelle 8: Planungsraumanalyse Friedenau. Eigene Darstellung.
PLR (LOR)

EW

Friedenau

23870

Ceciliengärten

9151

Grazer Platz

12073

U18

Ü65

MH

15,7

18,6

23,0

MH

MH

eLb +

u18

ü65

nef

36,3

9,4

7,1

15,2

18,3

27,7

nef u15

G ü65

Sterb

9,4

4,7

138,4

+

-

4,9

180,2

+

+

7,1

170,2

40,9

13,5

9,4

12,0

16,6

14,6

40,0

62,5

19,8

20,9

33,1

Bös.

T bös

neu

neu

362,1
364,1

Rauch

Zahn

Überg

81,4

17,5

6,6

4,6

83,3

23,1

5,9

8,4

362,0

91,1

-

40,8

17,2

--

14,5
+

MSS
2+/2+/2+/-

Tabelle 9: Planungsraumanalyse Tempelhof. Eigene Darstellung.
PLR (LOR)

EW

Neu-Tempelhof

17126

Lindenhofsiedlung

2102

Manteuffelstraße

23418

Marienhöhe

5057

Rathaus Tempelhof

10567

Germaniagarten

3590

U18

Ü65

MH

16,2

20,3

33,8

MH

MH

eLb +

u18

ü65

nef

49,7

12,6

17,4

nef u15

G ü65

Sterb

24,1

5,5

181,9

Bös

T bös

neu

neu

391,9

100,7

10,3
14,1

32,4
17,9

17,2

38,7

+

-

33,0

57,9

12,6

29,7

-

-

14,7

19,1

3,5

37,0

41,1

12,6

21,3

12,2

45,4

+

-

+

44,3

8,9

+

+

64,0

12,8

70,0

194,1

Überg

34,8

13,3

8,8

+

+

-

370,2

106,5

27,3

9,9

8,6

38,2

6,0

186,4

420,4

103,6

40

16,4

9,1

17,2

28,2

21,6

5,4

101,3

+

455,6

112,9

46

14,8

10,1

381,8

104,6

42,4

15,9

9,8

-24,6

43,0

12,6

5,6

Zahn

-

+
22,0

23,1

Rauch

36,3

65,2

4,7

183,3

-

+

17,4

190,5
-

57

421,1

123,2

48,6

28,8

15,3

MSS
2+/22+/2+/2+/4+/-

Tabelle 10: Planungsraumanalyse Mariendorf. Eigene Darstellung.
PLR (LOR)

EW

Rathausstraße

15872

Fritz-Werner-Str.

7700

Eisenacher Straße

9106

Imbrosweg

5480

Hundsteinweg

10460

Birnhornweg

2209

U18

Ü65

MH

13,6

21,8

34,4

MH

MH

eLb +

u18

ü65

nef

63,6

11,5

23,4

nef u15

G ü65

Sterb

41,1

5,9

195,2

Bös

T bös

neu

neu

453,8

103,9

+
12,2

27,0

30,5

Rauch

Zahn

Überg

41,3

16

13,9

-58,1

6,6

22,9

35,8

3,3

174,0

427,5

85,4

46,6

27,3

11,8

11,5

27,1

27,4

52,4

8,7

19,5

32,7

4,3

157,6

382,9

85,0

41,7

18,5

9,9

21,2

29,2

4,6

239,1

365,2

98,0

44

16,6

10

378,4

81,8

34,2

18,4

11,6

+

+

++

23,5

10,4

6,9

Rauch

Zahn

Überg

41,8

22,6

10,6

3,8

9,4

+
14,9

25,8

28,0

47,8

8,3

14,2

29,9

++
23,5

14,6

44,8

6,4

13,4

22,7

2,6

+
28,1

19,7

37,9

130,9
-

6,9

6,0

9,5

k.A.

138,1

421,8

88,4

Bös

T bös

neu

neu

363,1

84,3

+

MSS
2+/2+/22+/2+/1+/-

Tabelle 11: Planungsraumanalyse Marienfelde. Eigene Darstellung.
PLR (LOR)
Marienfelder
Nordwest
Kirchstraße
Marienfelde Nordost
Marienfelde Süd

EW
Allee

9901
4606
2740
13843

U18

Ü65

MH

17,4

24,0

36,6

15,8

25,3

18,8

MH

MH

eLb +

u18

ü65

nef

60,1

11,8

27,7

+

-

29,8

6,2

nef u15

G ü65

Sterb

41,1

5,0

163,7
++

7,7

10,3

1,7

145,1

+
363,1

87,8

+
15,9

33,6

30,9

69,8

6,1

25,3

48,2

1,7

+
15,0
+

28,7

32,2

52,9

23,5
-

248,4

505,7

95,2

43,8

20,9

17,2

407,8

99,0

46,3

19,9

13,4

+

-

+
11,7

26,4
-

58

43,9

5,8

235,6
++

MSS
2+/1+/2+/2-

Tabelle 12: Planungsraumanalyse Lichtenrade. Eigene Darstellung.
PLR (LOR)

EW

Kettinger

Straße/

Schillerstraße
Alt-Lichtenrade/

Töpchiner

Weg
John-Locke-Straße
Nahariyastraße
Franziusweg/
Rohrbachstraße
Horstwalder
Straße/Paplitzer Straße
Wittelsbacherstraße

10408
10151
7480
8128
7008
3723
2823

U18

Ü65

MH

15,2

27,7

17,3

MH

MH

eLb +

u18

ü65

nef

34,6

4,6

10,1

nef u15

G ü65

Sterb

17,6

1,8

202,3

+

+++

2,6

152,9

+
14,5

26,0

-

+

13,5

30,9

16,0

31,2

11,5

17,1

+
20,6

35,1

19,7

4,6
6,7

30,4

49,9

10,2

T bös

neu

neu

397,7

105,2

Rauch

Zahn

Überg

29,2

9,1

8,7

-

-

400,6

97,3

33,3

7,6

5

235,9

385,5

123,9

49,2

17,3

12,3

181,7

352,1

112,1

53,6

23,6

13

++

+

25,6

42,4

24,2

Bös

5,2
+

36,3

59,5

7,2

+
16,5

24,1

14,2

25,4

3,5

7,0

10,2

1,1

15,6

28,8

12,8

28,2

3,9

103,6

366,8

78,1

28

5,8

6

381,9

71,6

26,6

7,9

6,9

352,5

79,8

23,8

8,8

8

8,9

12,8

1,6

162,0
+

14,6
+

30,7

11,4

22,5

5,0

5,7

+

9,8

k.A.

182,1
+

59

MSS
2+/2+/231+/2+/1+/-

3. Zusammenfassung
Aus

einer

gesundheitsfördernden

Perspektive,

die

auch

die

soziale

Lage

der

Einwohner_innen als einflussreich mitbedenkt, haben einige Planungsräume besondere
Aufmerksamkeit verdient.
a. Einwohner_innen
Kinder

und

Jugendliche

beziehungsweise

ältere

Menschen

werden

in

vielen

gesundheitsfördernden Angeboten aufgrund ihrer besonderen Bedarfe und Bedürfnisse mit
besonderer Aufmerksamkeit bedacht. In sehr wenigen Planungsräumen überwiegt der Anteil
der unter 18jährigen den der über 65jährigen. Namentlich sind das die PLR Dennewitzplatz
(Schöneberg-Nord), Kaiser-Wilhelm-Platz (Schöneberg-Süd), Grazer Platz (Friedenau) und
Germaniagarten (Tempelhof).
Einwohner_innen unter 18 Jahren in den PLR (12/2014)

Anteil an Gesamtbevölkerung in %

Abbildung 33: Einwohner_innen unter 18 Jahren in den PLR Tempelhof-Schönebergs in Prozent, Stand
12/2014. Entspricht KID B1. Quelle: AfS Berlin-Brandenburg. Grafik: SPK.

In den Planungsräumen Lindenhofsiedlung, Marienhöhe (beide Tempelhof), Hundsteinweg
(Mariendorf),

Marienfelde

Nordost

(Marienfelde),

John-Locke-Straße

und

Wittelsbacherstraße (beide Lichtenrade) beträgt der Anteil der über 65jährigen mindestens
30% der Gesamtbevölkerung.
60

Aus verschiedenen (schon genannten) Gründen kann die Erreichbarkeit von Migrant_innen
durch die Gesundheitsförderung erschwert sein. Die PLR mit den höchsten Anteilen an EW
mit Migrationshintergrund sind Nollendorfplatz, Dennewitzplatz (beide Schöneberg-Nord) und
Germaniagarten (Tempelhof).
EW mit Migrationshintergrund in den PLR (12/2014)

Anteil an Gesamtbevölkerung in %

Abbildung 34: Einwohner_innen mit Migrationshintergrund in den PLR Tempelhof-Schönebergs in Prozent.
Stand 12/2014. Quelle: AfS Berlin-Brandenburg. Eigene Berechnung, Grafik: SPK.

In keinem PLR übersteigt hier der Anteil der Minderjährigen den der Senior_innen.
Besonders hohe Anteile von unter 18jährigen EW mit Migrationsgeschichte sind in den eben
genannten PLR zu finden. Auch im PLR Marienfelde Nordost (Marienfelde) ist der Anteil an
minderjährigen EW mit MH im Vergleich besonders hoch. Besonders hohe Anteile an
Migrant_innen im Rentenalter wohnen in den PLR Nollendorfplatz, Dennewitzplatz sowie
Kaiser-Wilhelm-Platz (Schöneberg-Süd).
b. Arbeitslosigkeit und soziale Ungleichheit
Mit Arbeitslosigkeit wird ein erhöhtes Risiko an vorzeitiger Sterblichkeit assoziiert.
Verschlechterungen im Bereich der mentalen Gesundheit, der eigenen Einschätzung des
Gesundheitszustands sowie dem Vorkommen von Herzkrankheiten und von Risikofaktoren

61

für Herzkrankheiten können Folgen von Arbeitslosigkeit oder schlechten und unsicheren
Arbeitsverhältnissen sein.
In den PLR Dennewitzplatz (Schöneberg-Nord), Germaniagarten (Tempelhof) und
Nahariyastraße (Lichtenrade) ist der Anteil an Personen, die SGB II-Leistungen beziehen,
sehr viel höher als in den anderen PLR des Bezirks.
Arbeitslosigkeit hängt oftmals mit Armut, relativer Deprivation und sozialer Ausgrenzung
zusammen, die ebenso einen großen Einfluss auf den Gesundheitszustand insgesamt sowie
auf die vorzeitige Sterblichkeit haben. Der Indikator „soziale Ungleichheit“ kombiniert Werte
für Arbeitslosigkeit, Langzeitarbeitslosigkeit, Existenzsicherungsbezug von Nichtarbeitslosen
und Kinderarmut. In den PLR Dennewitzplatz und Nahariyastraße ist die soziale Ungleichheit
hoch, im PLR Germaniagarten sogar sehr hoch.
Einige Bevölkerungsgruppen sind besonders von den Auswirkungen sozialer Ungleichheit
betroffen. Weiter unten werden die Implikationen für Kinder und Jugendliche aufgeführt. Aber
auch ältere Menschen, die den Belastungen eines Lebens mit geringen materiellen
Verhältnissen ausgesetzt sind, haben ein erhöhtes Risiko, in sozialer Isolation zu leben, akut
zu erkranken, eine chronische Krankheit oder eine Sucht zu entwickeln. Dieser
Zusammenhang besteht in beide Richtungen.
Sozialräumlich betrachtet wird deutlich, dass in den PLR Nollendorfplatz, Dennewitzplatz
(beide Schöneberg-Nord) und Germaniagarten (Tempelhof) die Anteile von EW über 65
Jahren, die Grundsicherungsleistungen empfangen, besonders hoch sind. Gleichzeitig ist der
Gesamtanteil an über 65jährigen in diesen PLR niedrig oder sogar sehr niedrig. Der Anteil
von Personen über MH in dieser Altersgruppe ist wiederum hoch oder sogar sehr hoch.
c. Kindergesundheit
Studien haben gezeigt, dass der Grundstein für Gesundheit im Erwachsenenalter schon vor
der Geburt und in früher Kindheit gelegt wird. Schlechte Bedingungen für das Aufwachsen
schlagen sich in der Biologie des Entwicklungsprozesses eines Kindes nieder und nehmen
damit Einfluss auf das biologische und menschliche Kapital eines Menschen, das ein Leben
lang Auswirkungen auf die Gesundheit eines Individuums hat.
In den PLR Dennewitzplatz (Schöneberg-Nord) und Marienfelde Nordost (Marienfelde) liegt
der Anteil von Kinder und Jugendlichen, die in Bedarfsgemeinschaften mit ALG II-Bezug
62

leben sehr hoch. Fast die Hälfte aller Kinder unter 15 Jahren erhält hier Sozialgeld. Noch
prekärer sieht es in den PLR Germaniagarten (Tempelhof) und Nahariyastraße (Lichtenrade)
aus, wo mindestens 6 von 10 Kindern in einer solchen Bedarfsgemeinschaft wohnen.
Der konkrete Gesundheitszustand von einzuschulenden Kindern ist in den PLR
Dennewitzplatz,

Germaniagarten,

Fritz-Werner-Straße,

Marienfelder

Allee

Nordwest,

Marienfelde Nordost sowie im PLR Nahariyastraße problematisch.
Kinder mit Übergewicht an Einschüler_innen in den PLR (2009-2014)

Anteil an allen untersuchten Kindern in %

Abbildung 35: Kinder mit Übergewicht an Einschüler_innen in den PLR Tempelhof-Schönebergs in Prozent,
Stand: 2009-2014. Quelle: KJGD, Einschulungsuntersuchungen. Grafik: SPK.

In den PLR Germaniagarten, John-Locke-Straße und Nahariyastraße stammen 5 von 10
Kindern aus Raucher_innenhaushalten. Es muss allerdings berücksichtigt werden, dass die
Anzahl der untersuchten Kinder in den problematischen PLR 150 Personen nicht
überschreitet.
d. Morbidität und Mortalität25
Im Zusammenhang mit steigender Lebenserwartung erhöht sich auch die Anzahl der
Krebsneuerkrankungen. Sie sind die

25

zweithäufigste Todessache im

Bezirk.

Eine

Die aktuellsten Morbiditäts- und Mortalitätszahlen auf PLR-Ebene liegen aus den Jahren 2006-2009 bzw. 2009-2011 vor. Die

Interpretation der Daten sollte dementsprechend vorsichtig angestellt werden.

63

Verringerung der Krankheitslast der Bevölkerung an Krebs kann durch primär- (z.B.
Verringerung des Tabak- und Alkoholkonsums) und sekundärpräventive Maßnahmen
(Krebsfrüherkennung) angegangen werden.
Wie genau die teils sehr unterschiedlichen Morbiditäts- und Mortalitätsraten in den PLR
zustande kommen, kann nicht abschließend erklärt werden. Dementsprechend sollte die
Interpretation der Daten hinsichtlich möglicher nächster Handlungsschritte mit Bedacht
angegangen werden.
Neuerkrankungen an bösartigen Neubildungen

Neuerkrankungen je 100 000/Eurobevölkerung alt

Abbildung 36: Neuerkrankungen an bösartigen Neubildungen in den PLR Tempelhof-Schönebergs je 100 000/
Eurobevölkerung alt, Stand 2006-2009. Quelle: SenGesSoz, Sozialstrukturatlas 2013. Grafik: SPK.

Die Neuerkrankungsrate an bösartigen Neubildungen variiert über den Bezirk hinweg
erheblich. In den PLR Marienhöhe (Tempelhof), Rathausstraße (Mariendorf) und Marienfelde
Nordost (Marienfelde) gehören die Neuerkrankungsraten zu den höchsten des Bezirks.
Ein eigener Indikator führt die Krebsneuerkrankungen auf, die mit dem Konsum von Tabak in
Zusammenhang stehen. Die Neuerkrankungsrate dieser tabakassoziierter bösartiger
Neubildungen ist in den PLR Marienhöhe, Germaniagarten (beide Tempelhof), John-LockeStraße und Nahariyastraße (beide Lichtenrade) besonders hoch.

64

Die Rate an vorzeitiger Sterblichkeit, das heißt Todesfälle vor dem 65. Lebensjahr, sollte
immer im möglichen Zusammenhang mit gesundheitlichen Risikofaktoren betrachtet werden.
Hochrechnungen für Berlin haben gezeigt, dass die Hälfte dieser Todesfälle mit adäquater
Prävention, Diagnostik oder Therapie vermeidbar wäre. Etwa ein Viertel dieser vermeidbaren
Todesfälle hängen eng mit dem individuellen Gesundheitsverhalten zusammen (Born, 2011).
Vorzeitige Sterblichkeit

Vorzeitige Sterblichkeit je 100 000/Eurobevölkerung alt

Abbildung 37: Vorzeitige Sterblichkeit in den PLR Tempelhof-Schönebergs je 100 000/ Eurobevölkerung alt,
Stand 2009-2011. Quelle: SenGesSoz, Sozialstrukturatlas 2013. Grafik: SPK.

In den PLR Imbrosweg (Mariendorf), Marienfelde Nordost und Marienfelde Süd (beide
Marienfelde) sowie John-Locke-Straße (Lichtenrade) ist die frühzeitige Sterblichkeitsrate
äußerst hoch. Sie ist in den ersten drei genannten PLR seit dem letzten Basisbericht sehr
deutlich gestiegen.

65

6. Ausgewählte Handlungsfelder und -empfehlungen
Gemäß dem Motto „von Daten zu Taten“ stellt sich die Frage, welche Handlungsfelder sich
aus den vorliegenden Zahlen ableiten lassen und wie sie lokal bearbeitet werden können.
Wie wichtig lokal bezogenes Handeln im Bereich Gesundheit ist, greift das bundesweite
Gesunde-Städte-Netzwerk auf, in dem Tempelhof-Schöneberg seit 2009 Mitglied ist und zu
dessen 9-Punkte-Programm sich der Bezirk bekannt hat. Ziel ist unter anderem die
Entwicklung gesundheitsfördernder Rahmenbedingungen in der Kommune, die im
Austausch mit anderen Städten stetig weiterentwickelt werden sollen.
Im Folgenden werden nun einige Themenfelder, die eine wesentliche Rolle für
gesundheitsförderndes Handeln spielen, aufgeführt.
1. Demografischer Wandel
Der demografische Wandel ist ein wichtiges Thema, das auch in Bezug auf die
gesundheitliche Versorgung Herausforderungen stellt. Im Bezirk liegt das Verhältnis von jung
zu alt bei 1:1,4. Steigende Lebenserwartung und sinkende Geburtenziffern führen dazu, dass
der

Anteil

älterer

Menschen

den

der

Jüngeren

übersteigt.

Gesundheitliche

Herausforderungen liegen darin, dass mit steigendem Alter auch der Anteil von
Pflegebedürftigen und schwerbehinderten Personen ansteigt. Eine wesentliche Aufgabe, die
ebenfalls mit einer zunehmend älteren Bevölkerung verbunden ist, ist der Umgang mit
dementiellen Erkrankungen. Für das Jahr 2050 wird geschätzt, dass 2 Millionen Menschen in
Deutschland an Demenz erkrankt sein werden. Sie zählt zu den kostenintensivsten
Krankheiten des Alters (knapp 44 000 Euro pro Patient_in/Jahr). Es muss also diskutiert
werden, welche präventiven Maßnahmen ergriffen werden können, um im Alter
weitestgehend ohne (chronische) Krankheit zu leben.
Dabei

sind

die

gerontopsychiatrischen-geriatrischen

Verbünde

in

Tempelhof

und

Schöneberg bedeutsame Akteure, da sie einen Zusammenschluss von Einrichtungen bilden,
die sich mit der Versorgung und Beratung älterer Menschen beschäftigen. Die Mitarbeit in
Zusammenschlüssen wie „Nachbarschaft als Anker“, die zum Thema Demenz auf einer
sozialräumlichen Ebene arbeiten, ist ebenso wichtig, um für das Thema zu sensibilisieren.
Darüber hinaus bildet das Thema „Sucht im Alter“ einen Arbeitsschwerpunkt in den
bezirklichen Suchtberatungsstellen und im Kooperationsverbund Integrierter Regionaler
Suchthilfedienst Südwest.
66

Bezirkliche Angebote wie die Kiezspaziergänge zeigen Möglichkeiten auf, auch im Alter
einen (körperlich) aktiven Lebensstil zu führen. Projekte wie die Ausstellung „100-jährige in
Tempelhof-Schöneberg“,

eröffnen

die

Möglichkeit,

die

momentane

Lebenssituation

hochbetagter Menschen kennenzulernen und nach deren Bedürfnissen zu fragen.
2. Armut und Gesundheit
Der Zusammenhang zwischen Armut und Gesundheit ist an mehreren Stellen erläutert
worden. Die vorliegenden Daten erlauben es zwar nicht, direkte Zusammenhänge im Bezirk
darzustellen. Es können aber Bevölkerungsgruppen benannt werden, die sich häufiger in
einer schlechteren sozialen Position befinden und damit einem höheren Risiko ausgesetzt
sind, in Gesundheitsbelangen schlechter gestellt zu sein. Die deutliche Diskrepanz zwischen
armen und reichen Haushalten, die sich u.a. in der Verteilung der Äquivalenzeinkommen des
Bezirks zeigt, sollte ebenso den Blick für die sehr heterogene Einwohner_innenschaft des
Bezirks schärfen und Bemühungen um gesundheitliche Chancengleichheit befördern.
Frauen

über

65

Jahre,

Transferleistungsbezieher_innen

sowie

Personen

mit

Migrationsgeschichte sind dahingehend potentiell besonders vulnerabel. So sind Frauen
über 65 Jahre im Vergleich mit ihren männlichen Altersgenossen häufiger schulisch und
beruflich schlechter ausgebildet. Frauen sind generell weniger häufig erwerbstätig. Ungleiche
Bedingungen im Erwerbsleben reproduzieren sich somit in der Zeit nach dem Renteneintritt.
Deutschlandweit sind 84% der Hartz 4-Empfänger_innen von Armut betroffen. Im Bezirk
erhalten fast 9 von 10 Personen nach SGB II die Leistungen für 2 Jahre oder länger und
müssen somit für eine lange Zeit unter prekären Bedingungen leben. Neben materiellen
Einbußen kann (längere) Arbeitslosigkeit dazu führen, dass soziale Kontakte und die soziale
Anerkennung verloren gehen und das Selbstwertgefühl sinkt. All das bedeutet Stress, was
bewiesenermaßen (chronische) Krankheiten und ungesunde Verhaltensweisen befördert.
Ein schlechterer Gesundheitszustand bedeutet gleichzeitig ein großes Hemmnis, um wieder
in den Arbeitsmarkt zu gelangen. Präventionsprojekte wie die „Aktion Darmgesundheit“, die
mit Kund_innen des Jobcenters durchgeführt wurde, versuchen, Gesundheitsförderung auf
genau diese Zielgruppe auszurichten.
Der Anteil von Einwohner_innen mit MH an hohen Schul- und Ausbildungsabschlüssen ist
niedriger als der von Personen ohne Migrationsgeschichte. Vor allem junge Erwachsene mit
MH sind deutlich weniger erwerbstätig als diejenigen ohne MH. Es muss genauer betrachtet
67

werden, welche Schwierigkeiten in den Übergängen von Schule/Ausbildung zu Berufsleben
speziell für junge Menschen mit MH vorliegen und wie sie gelöst werden können. Eine
Zusammenarbeit mit den Schulen bzw. der Jugendberufsagentur bietet sich an.
Das

bezirkliche

Aktionsprogramm

„Präventionsketten“

könnte

solche

Bemühungen

zusammenführen. Ziel dieses Programmes ist es, gesundheitsfördernde und präventive
Strukturen und Angebote im Bezirk so auszubauen bzw. systematisch aufeinander
abzustimmen, dass Kinder und Jugendliche bestmöglich in einem gesunden Aufwachsen
unterstützt und Eltern in ihren Erziehungskompetenzen gestärkt werden. Perspektivisch ist
der Ausbau der Präventionskette auf alle Lebensphasen bis hin ins hohe Alter sinnvoll.
3. Interkulturelle Aspekte
Für Menschen mit Migrationsgeschichte bestehen unter Umständen besondere Risiken und
Herausforderungen im Zusammenhang mit ihrer Gesundheit. Gründe dafür können zum
einen eine schlechte sozioökonomische Lage sein, in der sich Personen mit MH häufiger als
Personen ohne Migrationsgeschichte befinden. Damit verbundene schlechtere Arbeits- und
Wohnbedingungen können in höheren Risiken für ihre Gesundheit münden. Außerdem kann
der Zugang zur Gesundheitsversorgung aufgrund von Sprachschwierigkeiten erschwert sein.
Aber

auch Informationslücken oder

kulturelle Unterschiede im Gesundheits-

und

Krankheitsverständnis können zu Defiziten führen.
Darüber hinaus kann offener oder verdeckter Rassismus einen deutlichen Einfluss auf den
gesundheitlichen Zustand von Personen ausüben: dies kann in Form von konkreten
körperlichen Gewalterfahrungen passieren, aber auch als psychische Belastung. Die
Registerstelle

zur

Erfassung

rassistischer,

antisemitischer,

rechtsextremer

und

diskriminierender Vorfälle im Bezirk Tempelhof-Schöneberg hat in den 13 Monaten seit ihrer
Einrichtung 21 gemeldete rassistische bzw. rechtsgerichtete Vorfälle erfasst.
Im Bezirk nehmen Menschen mit Migrationsgeschichte in bestimmten Zusammenhängen
eine besondere Rolle ein. So hat circa jede zweite Person unter 18 Jahren eine
Migrationsgeschichte. Einwohner_innen mit ausländischem Pass leben zudem öfter in einer
sozial schlechteren Lage: es wurde gezeigt, dass in Bezug auf Transferleistungen nach SGB
II und GruSi über 65 Jahren der Anteil an Ausländer_innen deutlich erhöht ist. Außerdem
leben momentan über 5 000 geflüchtete Menschen im Bezirk, deren Lebensbedingungen
momentan als sehr prekär beschrieben werden können.
68

Um den Bedarfen zumindest eines Teils der Gruppe von Menschen mit Migrationsgeschichte
gerecht zu werden, wurde die bezirkliche Arbeitsgemeinschaft „Migration und Sucht“
gegründet, die sich mit interkulturellen Aspekten in der Suchthilfe und –beratung beschäftigt.
Außerdem stellt die Mitarbeit bei den Runden Tischen der Einrichtungen für geflüchtete
Menschen sicher, dass gesundheitliche Thematiken in den Unterbringungen nachhaltig
verankert werden.
Überdies

muss

diskutiert

werden,

wie

interkulturelle

Aspekte

zum

einen

als

Querschnittsthema konsequent mit bedacht und umgesetzt werden können und zum
anderen Gesundheitsförderung gezielt auf Menschen mit Migrationsgeschichte ausgerichtet
werden kann.
In Bezug auf geflüchtete Menschen im Bezirk sind Maßnahmen zu entwickeln, die die
belastende Wohn-, Arbeits- und Freizeitsituation vor allem für (alleinstehende) Frauen,
schwangere Frauen und junge Mütter sowie für Kinder, Jugendliche und kranke Menschen
erträglicher

machen

können.

Die

Förderung

des

Zugangs

zu

adäquater

Gesundheitsversorgung und gesundheitsförderlichen Lebensbedingungen dient nicht nur
dazu, Gesundheitsressourcen zu stärken und das Gesundheitsverhalten zu verbessern,
sondern hat auch gesellschaftlich integrierendes Potential.
4. Gender
Es wurde deutlich, dass Gender26 ein maßgeblicher Einflussfaktor für Gesundheit ist. Dabei
gibt es für Männer und Frauen ganz eigene Ressourcen und Herausforderungen.
Die um fast 5 Jahre höhere Lebenserwartung von Frauen und die niedrige vorzeitige
Sterblichkeitsrate

führt

dazu,

dass

eine

zunehmende

Feminisierung

des

Alters

vonstattengeht. Gleichzeitig erkranken Frauen häufiger als Männer vorzeitig an Krebs. Die
Neuerkrankungsrate an tabakassoziierten bösartigen Neubildungen von Frauen ist die
zweithöchste in ganz Berlin. Außerdem ist zu beachten, dass im Berlinvergleich die Frauen
im Bezirk die zweithöchste Sterberate an Krebs aufweisen.
Männer sterben circa 5 Jahre vor ihrer statistisch errechneten Lebenserwartung und im
Schnitt 9 Jahre früher als Frauen. Dieser Unterschied ist der höchste in ganz Berlin. Sie

26

Gender beschreibt nicht das biologische, sondern das soziale Geschlecht einer Person. Grundlage dafür ist die Annahme,

dass Geschlecht nicht biologisch determiniert, sondern sozial konstruiert wird.

69

sterben auch häufiger vor ihrem 65. Lebensjahr. Die häufigsten Ursachen dafür sind
ischämische Herzkrankheiten und Lungenkrebs. Sowohl Männer als auch Frauen im Bezirk
sterben weniger häufig vorzeitig als Einwohner_innen Berlins. Insgesamt sterben Männer
häufiger an Krebs als Frauen, auch häufiger vor ihrem 65. Lebensjahr. Die Selbsttötungsrate
von Männern im Bezirk übersteigt über alle Altersgruppen hinweg die der Frauen.
Der Bezirk weist die zweitniedrigste Raucher_innenquote in Berlin auf. Trotzdem rauchen
Männer insgesamt deutlich öfter als Frauen. Männer sind außerdem häufiger übergewichtig
als Frauen.
Darüber hinaus stellt sich die Frage, inwiefern Gender einen Einfluss auf Krankheitserleben,
-diagnose und Therapieverlauf hat. So sind beispielsweise 75% aller Personen mit einer
Schwerbehinderung aufgrund Neurosen, Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen Frauen.
Erkranken Frauen tatsächlich öfter an diesen Störungen oder wird „Weiblichkeit“
grundsätzlich schneller psychologisiert? Der Umstand, dass obwohl Frauen häufiger
vorzeitig an Krebs erkranken, die vorzeitige Sterblichkeit von Männern an Krebs höher ist als
die der Frauen, lässt ebenso aufhorchen. Ist diese Tatsache der Art und der
Therapiemöglichkeiten des Krebses geschuldet oder spielen individuelle Verhaltensweisen,
wie zum Beispiel die Compliance, ebenfalls eine Rolle?
Mit Projekten wie „Genderaspekte in der Suchthilfe“ und „Aktion Darmgesundheit“ wurde der
Fokus darauf gelegt, diesen unterschiedlichen Gesundheitsrisiken zu begegnen und
Gesundheitsförderung geschlechtsspezifisch und gendergerecht auszurichten.
5. Ausgewählte Krankheitsbilder
Aus einer Public Health-Perspektive gehören chronische Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-,
Krebs- und Muskel-Skelett-Erkrankungen sowie psychische und Verhaltensstörungen zu den
momentan

größten

Herausforderungen.

Individuelles

Gesundheitsverhalten

und

sozioökonomische Bedingungen nehmen einen großen Einfluss auf die Entstehung und
Entwicklung dieser Krankheiten.
Im Vergleich zu Gesamtberlin weist der Bezirk weniger Behandlungsfälle an Herz-KreislaufErkrankungen und psychischen und Verhaltensstörungen auf. Bei Krebs- und MuskelSkelett-Erkrankungen liegen die Werte höher als der Berliner Durchschnitt.

70

Es ist zu erwarten, dass die Krebserkrankungsraten in den nächsten Jahren weiter
zunehmen. Der Grund dafür ist unter anderem im demografischen Wandel zu sehen (RKI,
2015²). Präventions- und Früherkennungsmaßnahmen gewinnen damit noch mehr an
Bedeutung, denn frühzeitige Prävention und Diagnostik können den Krankheitsverlauf positiv
beeinflussen bzw. eine Erkrankung verhindern. Die häufigsten bösartigen Neubildungen von
Frauen und Männern im Bezirk beziehen sich auf die Lunge, die Prostata/Brustdrüse und
den Darm. Sie gehören auch zu den häufigsten Todesursachen bei Krebs.
Neben bezirklichen Aktivitäten im Rahmen von „Berlin Qualmfrei“ sowie dem schon
erwähnten Projekt „Aktion Darmgesundheit“ sollte diskutiert werden, inwiefern im Bezirk
bevölkerungsbezogen Prävention geleistet werden kann.
6. Sozialräumliche Orientierung
Tempelhof-Schöneberg agiert im Vergleich zu den anderen Bezirken meist im Mittelfeld, es
stellt sich aber ein sehr heterogenes Bild dar, sobald man die einzelnen Planungsräume
betrachtet.
Die Planungsräume Dennewitzplatz (Schöneberg-Nord), Germaniagarten (Tempelhof) sowie
Nahariyastraße

(Lichtenrade)

gehören

zu

denjenigen,

die

eine

relativ

schlechte

sozialökonomische Struktur aufweisen. Das heißt, dass dort ein hoher Anteil an Menschen
lebt, die Transferleistungen beziehen und somit potentiell größerer Armut und sozialer
Ungleichheit ausgesetzt sind. Darüber hinaus sind in diesen PLR auffallend hohe Werte der
ESU-Indikatoren festzustellen. Es ist außerdem mit Sorge zu betrachten, dass der Anteil von
Kindern und Jugendlichen unter 15 Jahren, die SGB II-Leistungen beziehen, in diesen
Planungsräumen zu den höchsten des Bezirks zählt. In letzteren beiden PLR ist zudem der
Anteil an tabakassoziierten Krebsneuerkrankungen besonders hoch.
Aus diesen Daten ergeben sich mehrere Handlungsmöglichkeiten. Zum einen stellt sich die
Frage, wie Kinder und Jugendliche sowie deren Familien in gesundheitsrelevanten
Bereichen unterstützt werden können, damit ein schlechter ökonomischer Status nicht zum
Prädiktor eines ungünstigen Gesundheitszustandes wird. Die schon erwähnten bezirklichen
Präventionsketten können dazu einen wichtigen Beitrag leisten. Außerdem beschäftigt der
Bezirk momentan zwei Familienhebammen, die im Rahmen des Aktionsprogramms „Frühe
Hilfen“ junge Schwangere und Familien in schwieriger Lage medizinisch und psychosozial
unterstützen. Damit soll eine tragfähige Grundlage für die gesunde Entwicklung des Kindes
71

geschaffen werden. Darüber hinaus koordiniert der Bezirk das Programm „Fitte Kids“, bei
dem in Kooperation mit Sportvereinen übergewichtigen Kindern Freude an Bewegung
vermittelt wird.
Zum anderen wurde deutlich, dass in bestimmten Sozialräumen dringend Handlungsbedarf
besteht. Umfassende Maßnahmen, wie zum Beispiel die Netzwerkrunde Germaniagarten,
können eine Möglichkeit sein, Gesundheitsförderung auf mehreren Ebenen auszurichten.
Regionale Schwerpunktsetzungen von bevölkerungsbezogenen Präventionsmaßnahmen
können ein weiteres Mittel sein, Ungleichheiten zwischen den PLR und Bezirksregionen zu
verringern. Im PLR Nahariyastraße findet in Kooperation mit einer Grundschule das Projekt
„Mach dich fit, beweg dich mit“ statt, dessen Fokus auf gesunder Ernährung und Bewegung
liegt. Ebenfalls erwähnenswert ist hier das Projekt „Fit für den Alltag, fit für die Schule“, das
vom KJGD in der Bezirksregion Lichtenrade durchgeführt wird. Kinder werden dabei in ihren
Alltagskompetenzen gestärkt, um den schulischen Anforderungen besser gewachsen zu
sein. Außerdem wird eine Mutter-Baby-Gruppe im Gemeinschaftshaus Lichtenrade vom
KJGD betreut. Des Weiteren wird durch das Quartiersmanagementgebiet Schöneberger
Norden der Fokus auf sozialräumliche Unterstützungsbedarfe gelegt.

72

7. Quellen
Amt für Statistik [AfS] Berlin-Brandenburg (2014). Abgestimmter Datenpool Berlin. Arbeitsmarktdaten. Basis: Mikrodaten
2013.
AfS

Berlin-Brandenburg

(2015).

Regionaler

Sozialbericht

Berlin

und

Brandenburg

2015.

Verfügbar

unter

https://www.statistik-berlin-brandenburg.de/home/pdf/SP_Sozialbericht-000-000_DE_2015_BBB.pdf (10.02.2016).
Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen (2014). Die UN-Behindertenrechtskonvention.
Übereinkommen

über

die

Rechte

von

Menschen

mit

Behinderungen.

Verfügbar

unter

https://www.behindertenbeauftragter.de/SharedDocs/Publikationen/DE/Broschuere_UNKonvention_KK.pdf?__blob=publi
cationFile (12.01.2016).
Born,

M.

(2011).

Kernindikatorensatz

für

eine

nachhaltige

Entwicklung

Berlins.

Verfügbar

unter

http://www.stadtentwicklung.berlin.de/planen/foren_initiativen/nachhaltige_stadtentwicklung/download/SenStadt_Indikato
ren_Bericht_2011_10_31.pdf (03.09.2015).
Der paritätische Gesamtverband (2016). Zeit zu handeln. Bericht zur Armutsentwicklung in Deutschland 2016. Verfügbar
unter

http://www.der-

paritaetische.de/index.php?eID=tx_nawsecuredl&u=0&g=0&t=1459341008&hash=89d639e121c817c3998688038aecc9
d3cf3cd390&file=fileadmin/dokumente/2016_armutsbericht/ab2016_komplett_web.pdf (01.03.2016).
Gemeinsames Krebsregister der Länder Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und der
Freistaaten Sachsen und Thüringen [GKR] (2012). Bezirksdatenblätter Berlin 2012. Krebsneuerkrankungen und Trends
2003-2012. Verfügbar unter http://www.berlin.de/gkr/dienstleistungen/daten/#kreis (17.06.2015).
Landesamt für Gesundheit und Soziales [LaGeSo] 2014. Statistik der behinderten Menschen für das Jahr 2014.
RKI

(20151).

Epidemiologisches

Bulletin.

Nr.

11/12.

Verfügbar

unter

https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2015/Ausgaben/11_12_15.pdf?__blob=publicationFile (09.12.2015).
RKI (Hrsg.) (2015²). Gesundheit in Deutschland. Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Gemeinsam getragen von
RKI und Destatis. RKI: Berlin.
Robert

Koch-Institut

[RKI]

(2004).

Gesundheit

von

Kindern

und

Jugendlichen.

Verfügbar

unter

http://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/GBEDownloadsT/gesundheit_von_ki
nder_und_jugendlichen.pdf?__blob=publicationFile (07.04.2015).
Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales, Referat IA [SenGesSoz] (2014). Bezirksprofil Tempelhof-Schöneberg
2014. Verfügbar unter www.gsi-berlin.info (03.08.2015).
SenGesSoz (2013). Handlungsorientierter Sozialstrukturatlas Berlin 2013. Verfügbar unter www.gsi-berlin.info
(17.06.2015).
Weltgesundheitsorganisation [WHO] (2014). Soziale Determinanten von Gesundheit: die Fakten. Verfügbar unter
http://www.euro.who.int/__data/assets/pdf_file/0008/98441/e81384g.pdf (19.10.2015).

73

8. Anhang
1. Anhang 1: Sozialindikatoren
Die Sozialindikatoren, wie sie im Regionalen Sozialbericht 2015 aufgeführt werden,
definieren sich wie folgt (AfS Berlin-Brandenburg, 2015):


Armut (A1a): Anteil der Bevölkerung mit einem bedarfsgewichteten Einkommen
unterhalb der landesspezifischen Armutsgefährdungsschwelle. Gilt als Hauptindikator
für Einkommensarmut.



Niedriges Einkommen (A4): Anteil der Bevölkerung mit einem Äquivalenzeinkommen
unterhalb von 70% des landessspezifischen Medians des Äquivalenzeinkommens.
Beschreibt die Armutsnähe.



(Relative) Armutsgefährdungslücke (B1): Abstand des Medianäquivalenzeinkommens
der armutsgefährdeten Bevölkerung von der Armutsgefährdungsschwelle in Prozent.
Indikator für den Schwerpunkt und die Verteilung der Äquivalenzeinkommen der
armutsgefährdeten Bevölkerung.



Einkommen alt zu jung (B3): Verhältnis des Medians der Äquivalenzeinkommen von
Personen im Alter ab 65 Jahren zum Median der Äquivalenzeinkommen von
Personen

unter

65

Jahren.

Beschreibt

die

einkommensbezogene

Generationengerechtigkeit.


Gini-Koeffizient (der Äquivalenzeinkommen) (B4): Maß für die Verteilung der
Äquivalenzeinkommen. Ein Koeffizient von 1 bedeutet vollständige Ungleichheit, ein
Wert von 0 bedeutet vollkommene Gleichheit.



S80/S20-Quote (B5): Verhältnis der Summe der Äquivalenzeinkommen des obersten
Fünftels der Verteilung zu Summe des untersten Fünftels. Indikator für die Verteilung
der Äquivalenzeinkommen.



Mindestsicherungsquote (C1): Anteil der Bevölkerung, der Leistungen aus den
sozialen Mindestsicherungssystemen bezieht (ALG II/Sozialgeld nach SGB II,
laufende Hilfe zum Lebensunterhalt und Grundsicherung nach SGB XII sowie
Regelleistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz). Bezeichnet das Ausmaß
bekämpfter Armut.



Niedrige Bildung (D1): Anteil der Personen mit niedrigem Bildungsstand in der
Bevölkerung ab 25 Jahren (keine Hochschulreife und keine Berufsausbildung).

74

Indikator für Teilhabechancen am Arbeitsmarkt und im weiteren Sinne die
Zukunftsfähigkeit einer Region.


Haushalte ohne Erwerbstätige (E4): Anteil der Bevölkerung, der in Haushalten ohne
Erwerbstätige lebt. Indikator für soziale Exklusion der Bevölkerung im erwerbsfähigen
Alter und der betroffenen Kinder bezogen auf den Arbeitsmarkt.



Geringe Wohnfläche (G1): Anteil der Bevölkerung, dem weniger als die Hälfte der
landesdurchschnittlichen Pro-Kopf-Wohnfläche zur Verfügung steht. Indikator für
„Wohnarmut“, die häufig eine Einschränkung des täglichen Lebens und der
gesellschaftlichen Teilhabe darstellt.

75

2. Anhang 2: Lebensweltlich orientierte Räume (LOR) in Tempelhof-Schöneberg
Bezeichnung des LOR

LOR Identifikationsnummer

Schöneberg-Nord

070101

Wittenbergplatz/Viktoria-Luise-Platz

07010101

Nollendorfplatz

07010102

Barbarossaplatz

07010103

Dennewitzplatz

07010104

Schöneberg-Süd

070202

Bayerischer Platz

07020201

Volkspark (Rudolf-Wilde-Park)

07020202

Kaiser-Wilhelm-Platz

07020203

Schöneberger Insel

07020204

Friedenau

070303

Friedenau

07030301

Ceciliengärten

07030302

Grazer Platz

07030303

Tempelhof

070404

Neu-Tempelhof

07040401

Lindenhofsiedlung

07040402

Manteuffelstraße

07040403

Marienhöhe

07040404

Rathaus Tempelhof

07040405

Germaniagarten

07040406

Mariendorf

070505

Rathausstraße

07050501

Fritz-Werner-Straße

07050502

Eisenacher Straße

07050503

Imbrosweg

07050504

Hundsteinweg

07050505

Birnhornweg

07050506

Marienfelde

070606

Marienfelder Allee Nordwest

07060601

Kirchstraße

07060602

Marienfelde Nordost

07060603

Marienfelde Süd

07060604

Lichtenrade

070707

Kettinger Straße/Schillerstraße

07070701

Alt-Lichtenrade/Töpchiner Weg

07070702

John-Locke-Straße

07070703

Nahariyastraße

07070704

Franziusweg/Rohrbachstraße

07070705

Horstwalder Straße/Paplitzer Straße

07070706

Wittelsbacherstraße

07070707

76

3. Anhang 3a: Vorgehensweise der raumbezogenen Analyse
Folgende Indikatoren werden für die Analyse verwendet:
Indikator

Kürzel

Einwohner_innen insgesamt

EW

Einwohner_innen unter 18 Jahre

U18

KID27
B1

Maßzahl

Stand

Absolute Anzahl

12/2014

Anteil an Gesamtbevölkerung des

12/2014

PLR in %
Einwohner_innen über 65 Jahre

Ü65

B2

Anteil an Gesamtbevölkerung des

12/2014

PLR in %
Einwohner_innen

mit

MH

Anteil an Gesamtbevölkerung des

Migrationshintergrund28
Einwohner_innen

mit

MH u18

B3

Migrationshintergrund unter 18 Jahre
Einwohner_innen

mit
Hilfebedürftige

Anteil an Bevölkerung des PLR

12/2014

unter 18 Jahren in %
MH ü65

B4

Migrationshintergrund über 65 Jahre
Erwerbsfähige

12/2014

PLR in %

Anteil an Bevölkerung des PLR

12/2014

über 65 Jahren in %

und

eLb nef

D4

Empfänger_innen von Sozialgeld nach

Anteil an Bevölkerung des PLR

12/2014

unter 65 Jahren in %

SGB II
Nicht

erwerbsfähige

nef u15

D5

Leistungsberechtigte unter 15 Jahren
Empfänger_innen von Grundsicherung

Anteil an Bevölkerung des PLR

12/2014

unter 15 Jahren in %
G ü65

D6

im Alter (außerhalb von Einrichtungen)

Anteil an Bevölkerung des PLR

12/2014

über 65 Jahren in %

nach SGB XII über 65 Jahren
Vorzeitige Sterblichkeit

Je 100 000 EW unter 65 Jahren

2009-2011

(Eurobevölkerung alt)

(gepoolt)

Bös

Je 100 000 EW (Eurobevölkerung

2006-2009

Neubildungen

Neu

alt)

(gepoolt)

Neuerkrankungen an tabakassoziierten

T

Je 100 000 EW (Eurobevölkerung

2006-2009

bösartigen Neubildungen

Neu

alt)

(gepoolt)

Kinder mit min. einem/r Raucher_in im

Rauch

Anteil an allen untersuchten Kindern

2009-2014

in %

(gepoolt)

Anteil an allen untersuchten Kindern

2009-2014

in %

(gepoolt)

Anteil an allen untersuchten Kindern

2009-2014

in %

(gepoolt)

Einteilung in Kategorien 1-4 sowie

12/2012

Neuerkrankungen

an

Sterb
bösartigen

bös

Haushalt an Einschüler_innen
Kinder mit unversorgten Zahnschäden

Zahn

an Einschüler_innen
Kinder

mit

Übergewicht

an

Überg

E3

Einschüler_innen
Gesamtindex soziale Ungleichheit

MSS

F5

+, - oder +/-29

27

Die Indikatoren entsprechen den Kernindikatoren [KID], wie sie von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt

und des Amts für Statistik Berlin-Brandenburg 2012 entwickelt wurden. Sie wurden innerhalb des abgestimmten Sets der KID
für integrierte Stadtteilentwicklung und Bezirksregionenprofile benannt.
28

Die Vergleichbarkeit der Daten zum MH mit dem Stand vor 2014 ist methodisch bedingt nur eingeschränkt möglich.

77

Um eine Aussage darüber zu treffen, wie sich die einzelnen Indikatorenwerte der jeweiligen
PLR zueinander verhalten, wird eine Klassifikation zur Hilfe genommen, die auch schon im
letzten Basisbericht 2011 verwendet wurde. Es wird jeder einzelner Wert eines PLR in seiner
Stellung innerhalb aller PLR bewertet. Ein Indikatorenwert X, der als „gering“ eingestuft wird,
ist also als niedrig im Vergleich zu den Indikatorenwerten X der restlichen PLR zu verstehen.
Auffallend hoch



Hoch

Neutral

Gering

Auffallend gering

auffallend hoch (dunkelblau): die 10% der Planungsräume mit den höchsten Werten
unter allen PLR (zwischen 3 und 4 PLR, je nach Verteilung)



hoch (blau): sind 25% der Planungsräume, die über dem neutralen Bereich liegen (8
bis 9 PLR, je nach Verteilung)



neutral (türkis): sind die 30% der Planungsräume, deren Werte um den
Bezirksmittelwert, das arithmetische Mittel und dem Median der PLR liegen
(zwischen 10 und 11 PLR, je nach Verteilung)



gering (hellgrün): sind die 25% der Planungsräume, die unter dem neutralen Bereich
liegen (8 bis 9 PLR, je nach Verteilung)



auffallend gering (weiß): die 10% der Planungsräume mit den niedrigsten Werten
unter allen PLR (zwischen 3 und 4 PLR, je nach Verteilung)

Zudem werden die Werte markiert, die sich innerhalb der eben vorgestellten Klassifikationen
seit dem letzten Basisbericht 2011 verschoben haben. Ist also von einer einem Rückgang
bzw. einem Anstieg der Werte die Rede, bezieht es sich auf die Einordnung des PLR
innerhalb der Klassifikation (relative Veränderung) und nicht zwangsläufig auf einen

absolute/n Rückgang/Steigerung der Werte.


Minus (-): relativer Rückgang (z.B. von hellgrün zu weiß)  Verbesserung



Doppeltes Minus (--): deutlicher relativer Rückgang (z.B. von dunkelblau auf türkis) 
deutliche Verbesserung

29

Im Bericht Monitoring Soziale Stadtentwicklung (MSS) werden Status- und Dynamikindex kombiniert zum Gesamtindex

soziale Ungleichheit. Es existieren die Kategorien:
1 – hoher Statusindex, 2 – mittlerer Statusindex, 3 – niedriger Statusindex, 4 – sehr niedriger Statusindex
sowie die Dynamikindizes positiv (+), stabil (+/-) und negativ (-).

78



Plus (+): relativer Anstieg (z.B. von weiß zu hellgrün)  Verschlechterung



Doppeltes Plus (++): deutlicher relativer Anstieg (z.B. von hellgrün zu blau) 
deutliche Verschlechterung



Dreifaches Plus (+++): sehr deutlicher relativer Anstieg (z.B. von hellgrün zu
dunkelblau)  äußerst starke Verschlechterung

Die Indikatoren nef unter 15 Jahren sowie Neuerkrankungen von bösartigen und bösartigen

tabakassoziierten Neubildungen wurden für diesen Bericht neu hinzugefügt bzw. berechnet.
Ein Vergleich mit Werten des letzten Jahres ist deshalb nicht möglich.
Die Klassifizierung und Farbgebung ist nur begrenzt auch als qualitative Bewertung zu
verstehen (im Sinne von geringe Werte = favorisierter Zustand). Für gesundheitliche Daten
und Sozialleistungen kann eine solche inhaltliche Wertung für sinnvoll erachtet werden, für
direkt bevölkerungsbezogene Werte selbstverständlich nicht. In diesen Fällen bezieht sich
die Klassifizierung ausschließlich auf die rein statistischen Ausprägungen.
Die jeweiligen Cut-off-Werte der Klassifikationen sowie eine Zusammenstellung der
Mittelwerte, Mediane und Minimal- und Maximalwerte finden sich im Anhang 3b.

79

4. Anhang 3b: Cut-Off-Werte der raumbezogenen Analyse
In folgender Tabelle sind die Cut-off Werte für jeden Indikator, der in der Planungsraumanalyse verwendet wurde, aufgelistet30.
Ab-

Auffallend

kürzung

gering

Unter 18 J.

U18

Über 65 J.
EW mit MH

gering

neutral

hoch

<12%

12-14%

14-15%

15-16,5%

Ü65

<13%

13-20%

20-26%

MH

<16%

16-24%

EW mit MH unter 18 J.

MH u18

<29%

EW mit MH über 65 J.

MH ü65

ELb und nef nach SGB II

Auffallend

Min.

Max.

MW

Median

T-S

Stand

<16,5%

10,3%

19,7%

14,5%

14,6%

14,6%

12/2014

26-30%

>30%

9,1%

33,7%

22,7%

24,1%

20,8%

12/2014

24-34%

34-43%

>45%

11,4%

56,4%

29,8%

30,7%

32,2%

12/2014

29-41%

41-53%

53-66%

>66%

22,5%

78,4%

50,1%

51,1%

52,4%

12/2014

<4%

4-7%

7-13%

13-25%

>25%

3,5%

49,9%

12,9%

10,9%

12,7%

12/2014

eLb nef

<7,7%

7,7-15,7%

15,7-23,1%

23,1-28,2%

>28,2%

5,7%

36,3%

18,1%

18,0%

18,4%

12/2014

Nef unter 15 J.

nef u15

<10,2%

10,2-22,7%

22,7-38,2%

38,2-47,7%

>47,7%

9,4%

65,2%

29,7%

28,7%

30,1%

12/2014

GruSi über 65 J.

G ü65

<1,7%

1,7-4,7%

4,7-6,0%

6,0-17,4%

>17,4%

1,1%

26,5%

6,8%

5,4%

6,6%

12/2014

Vorzeitige Sterblichkeit

Sterb

<124

124-162

162-186

186-235

>235

101,3

248,4

176,6

180,9

171,2

2009-2011

Bös Neu

<353

353-369

369-397

397-453

>453

318,2

505,7

388,4

380,1

386,9

2006-2009

Neuerkr. tab. bös. Neub.

T bös Neu

<81

81-88

88-100

100-112

>112

71,6

123,9

95,5

86,2

94,2

2006-2009

Raucher_innenhaushalt

Rauch

<23,8

23,8-31

31-41,7

41,7-48

>48

17,5

53,6

35,7

34,9

35,5

2009-2014

Zahnschäden

Zahn

<6

6-9,9

9,9-16,6

16,6-22

>22

3,8

28,8

13,8

13,8

13,6

2009-2014

Übergewicht

Überg

<6,5

6,5-9

9-11

11-15

>15

4,6

17,2

10,3

10,0

10,1

2009-2014

Neuerkr. bös. Neub.

30

hoch

Darüber hinaus ist jeder Indikator mit seiner minimalen und maximalen Ausprägung benannt. Blau hinterlegte Felder zeigen an, dass es im Vergleich zum letzten Basisbericht 2011 einen Rückgang der Werte um mind. 5% gab.

Violett hinterlegte Felder bedeuten, dass eine Zunahme der Werte von mind. 5% seit 2010 beobachtet werden können. Der Mittelwert –auch als „Durchschnitt“ bezeichnet – ist der Wert, der errechnet wird, wenn die Anteile aller
PLR durch deren Anzahl (also 34) geteilt wird. Der Median beschreibt den Wert, der genau in der Mitte aller Werte liegt. Ein Beispiel: Der Medianwert von 24,1% beim Indikator ü65 bedeutet, dass bei genau der Hälfte der PLR –
also bei 17 PLR – der Anteil von über 65jährigen an der Bevölkerung bei unter 24,1% liegt. Die restlichen 17 PLR haben einen u65-Anteil von über 24,1% an der Bevölkerung. Der Mittelwert dagegen liegt bei den unter 65jährigen
bei 22,7% und damit niedriger als der Median. Das gibt einen Hinweis darauf, dass es PLR gibt, in denen der Anteil von über 65jährigen äußerst niedrig ist.

80
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.