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Full text: Workshop - Dokumentation: Digitalisierung der Berliner Kulturlandschaft

Workshop Dokumentation
Digitalisierung der
Berliner
Kulturlandschaft

15. Juli 2015
Palais Podewil, Berlin

Inhalt
1. Kontext
2. Ziele und Ablauf
3. Ergebnisse
4. Ausblick

Workshop - Dokumentation: Digitalisierung der Berliner Kulturlandschaft

1. Kontext
Die technologischen und gesellschaftlichen Entwicklungen im Zuge der Digitalisierung
verändern auch die Arbeit von Künstlerinnen, Künstlern und Kultureinrichtungen. Als
Produzenten und Inhaberinnen der Inhalte („content“) sind sie in hohem Maß vom
Wandel kultureller Praktiken durch das Internet betroffen. Dabei erweitert die
Digitalisierung die künstlerischen Ausdrucksformen, bietet große Chancen für die
kulturelle Teilhabe breiter Bevölkerungsschichten und eröffnet neue Perspektiven in
Besucherforschung, Marketing und Vermittlung.
Auch für die Kulturpolitik ergeben sich hieraus Handlungsnotwendigkeiten. Da die
Vernetzung zum Wesen des Digitalen gehört, ist ein gemeinsamer Ansatz auf
übergeordneter Ebene sinnvoll, um gemeinsame Standards zu definieren, Synergien
zu nutzen und die für einige Projekte notwendige kritische Masse zu erreichen. Diesen
Prozess kann Kulturpolitik moderieren und Foren sowie Mittel für die Entwicklung von
Ideen bereitstellen.
Die Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten hat 2015 einen partizipativen Prozess
mit Kultureinrichtungen und Kulturschaffenden durchgeführt, um gemeinsame
Herausforderungen und Handlungsbedarfe zu identifizieren. Zugleich sollten die
vielfältigen Aktivitäten und Ideen, die bereits bestehen, wahrgenommen und ggf. auch
gebündelt werden.
An zwei Workshops und einem Ideenaufruf beteiligten sich insgesamt ca. 160
Akteurinnen und Akteure, darunter nahezu alle großen Kultureinrichtungen des
Landes Berlin, Vertreterinnen und Vertreter der freien Szene, der Wissenschaft,
Zivilgesellschaft und Kreativwirtschaft.

Call for ideas – Digitalisierung der Berliner Kulturlandschaft
Um den Förderbedarf für Digitalisierung erfassen zu können, waren Akteurinnen und
Akteure der Berliner Kulturlandschaft in einem offenen Call for ideas aufgerufen, bis
zum 15.5.15 Projektideen einzureichen, die
-

durch die Möglichkeiten der Digitalisierung Zugang zu und Teilhabe an Kultur
erleichtern und verbreitern,

-

Kultureinrichtungen sowie Künstlerinnen und Künstler durch digitale
Technologien bei ihren Aufgaben unterstützen bzw. ihre Ausdrucksformen
erweitern und

-

die Netzwerkbildung zwischen Kultur, Bildung, Forschung, Wirtschaft und
Zivilgesellschaft zu digitalen Themen fördern.

136 Ideen wurden eingereicht, die sich thematisch größtenteils zu folgenden Clustern
zusammenfassen lassen:

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Workshop - Dokumentation: Digitalisierung der Berliner Kulturlandschaft

Cluster
Digitalisierung i. e. S.

Erschließung, Digitalisierung und Veröffentlichung von Dokumenten,
Bildern, Audio, Video, 3D-Objekten, teilweise auch 3D-Digitalisierung,
AV-Digitalisierung, VR-Digitalisierung

Ticketing / Marketing

Umfassende Berliner Veranstaltungsdatenbank mit offenen
Schnittstellen
Anwendungen, die Besuchsinformationen und TicketBuchungsmöglichkeiten mit unterschiedlichen Funktionalitäten
verbinden, z.B. Filter, Promotion-Tools für Kultureinrichtungen, PushNachrichten etc., Content

Geolokalisierte Inhalte

Geolokalisierung von unterschiedlichen Inhalten (z.B. zur Berliner
Mauer, Jüdischem Leben in Berlin, Theatergeschichte, Kiezgeschichte,
Kunst im Stadtraum, etc.)
Angebot von zusätzlichen Features, z.B. Audio-Walks,
Augmented/Virtual Reality, Schnitzeljagden/Gaming, User Engagement

Angebotserweiterung

Apps, die in der Kultureinrichtung genutzt werden, z.B. Audio-

vor Ort

Kommentarapp für Sehbehinderte in der Oper, Zusätzliche
Informationsschichten in Ausstellungen durch AV/ AR/ VR/ Text/ Bild,
Buchempfehlungsapp für Bibliotheken

Community-Plattform /

Plattform für verschiedene Communitys (Freie Szene, Bildende Künstler,

Ressourcen-Sharing

Tanz, Hip Hop…) die enthalten: wichtige Informationen, Termine,
Forenfunktion, redaktionelle Inhalte, Webinare, Sichtbarkeit
Ressourcen-Sharing-Plattform zur Unterstützung der Arbeit von
KünstlerInnen/ Kultureinrichtungen, z.B. Online-Kostümdatenbank,
Probenraumdatenbank, Technikdatenbank, Künstlervermittlung,
Crowdfunding, Sponsoring

Analoge Vernetzung /

Veranstaltungsreihen/ Messen/ Konferenzen zur Vernetzung von Kultur

Weiterbildung

und Digital, teilweise mit kleinem integrierten Förderprogramm
Coaching für KünstlerInnen/MitarbeiterInnen von Kultureinrichtungen

Kunst-Projekt

z.B. Whatsapp-Roman; Performance-Kunst-Streaming; onlineAusstellung

Offene Bildungs-

Nutzung von Digitalisaten für Unterrichtsmaterial für Schulen sowie

ressourcen (OER)

Produktion von Lectures/Videos/Podcasts, z.B. zu Theateraufführungen

Streaming

Livestream /OnDemand-Stream von Konzerten, Aufführungen und
Performances , Teilweise 360°-VR-Streaming

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2. Ziele und Ablauf
Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Call for ideas wurden am 15.7.2015 zu
einem Workshop ins Palais Podewil eingeladen. Bei diesem Workshop sollte eine
Übersicht über die Bandbreite der eingereichten Ideen gegeben und die Vernetzung
insbesondere innerhalb der Cluster befördert werden, um Partnerschaften zu
ermöglichen und Projektideen zu verbinden. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer
wurden gebeten, über ihr eigenes Projekt hinaus zu denken und Ansätze für
konsolidierte Projektideen zu entwickeln. Darüber hinaus sollten Kriterien für ein
zukünftiges Förderprogramm definiert werden. Neben den IdeengeberInnen des Calls
for ideas nahmen auch ExpertInnen von der Servicestelle digiS, dem Google Cultural
Institute, der Wiener Staatsoper und dem Musicboard an der Veranstaltung teil.

Ablauf
14:00

Begrüßung und Einführung

14:15

Vernetzung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach verschiedenen Dimensionen (Projektphase, Fördernutzen, Anwendernutzen,
etc.) und Austausch über gemeinsame Projektideen

15:30

Pause

16:00

Vernetzung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach
verschiedenen Clustern und Sammlung von Förderkriterien

17:20

Zusammenfassung und Ausblick

18:00

Ende der Veranstaltung

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3. Ergebnisse
Viele Akteurinnen und Akteure arbeiten an ähnlichen Themen. Technische und
prozessbezogene Fragen gleichen sich, weshalb eine Bündelung sinnvoll ist; einige
Gruppen haben vereinbart, sich nach dem Workshop wieder zu treffen.
Sowohl in den Ideenskizzen des Call for ideas als auch während des Workshops
spiegelte sich ein großes Bedürfnis nach dauerhafter Förderung wegen neuer
Daueraufgaben: z.B. Langzeitarchivierung und -verfügbarkeit, kontinuierliche
Digitalisierung zeitgenössischer Aufführungen, dauerhafte Pflege von Datenbanken.
Es besteht ein großer Lernbedarf: Eine öffentliche Förderung sollte stets zu einem
Lerneffekt für die gesamte Berliner Kulturlandschaft führen, nicht nur für einzelne
Akteurinnen und Akteure. Eine wesentliche Frage bei der Schaffung eines
Förderprogramms für Modellprojekte ist daher, wie der entstehende Wissenszuwachs
auch für andere nutzbar gemacht werden kann.
Hierzu genannte Vorschläge:
 Ansprechpartner/ Beratungsstelle
 Website/ Kommunikationsportal
 Veranstaltungsreihe / regelmäßige Treffen
Lernbedarf bezieht sich auf:
 Technologische Fragen
 Rechtliche Fragen
 Prozesse
 Erlebnisgestaltung
 Partizipative Kommunikation
Ergebnisdarstellungen, die jedes geförderte Projekt anschließend zur Verfügung
stellen soll:
 Projekt- und Prozessdokumentation
 bei Software: Quellcode und offene Schnittstellen
 Kontaktdaten einer Ansprechpartnerin bzw. eines Ansprechpartners
 Präsentation im Rahmen einer Veranstaltung
Es besteht der Bedarf nach einer diskursiven Begleitung des Förderprogramms.
Das Förderprogramm sollte nicht nach Clustern aufgeteilt sein, um den Spielraum für
Innovationen nicht zu verkleinern.
Die Jury sollte u.a. besetzt sein mit Experten von der Schnittstelle von Kunst und
Technik, Künstlerinnen, Vertreterinnen von Kultureinrichtungen, Theoretikern
(Philopsophie/Soziologie), Nutzerinnen/Zielgruppenvertretern, CommunityManagerinnen
Der Förderzeitraum sollte in Abhängigkeit des jeweiligen Projekts bestimmt werden,
dabei sollte eine überjährige Förderung in jedem Fall möglich sein. Die Nachhaltigkeit
von neuen Plattformen ohne langfristige Förderung muss berücksichtigt, potenzielle
Geschäftsmodelle müssen mitgedacht werden.

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Zur Förderung digitaler Kunstprojekte sollten in erster Linie die bestehenden
Förderprogramme genutzt werden, die teilweise hierfür bereits offen sind

Aggregierte Projektideen
Während die beim Call for ideas eingereichten Ideenskizzen überwiegend auf die
Bedürfnisse einzelner Einrichtungen oder Initiativen zugeschnitten waren, wurden die
TeilnehmerInnen während des Workshops gebeten, aus ihren Einzelideen
übergeordnete Projekte zu definieren, von denen große Teile der Berliner
Kulturlandschaft profitieren würden. Ergebnisse waren u.a.:
White Label-Lösung für geolokalisierte Inhalte, mit der Museen, Archive, Universitäten,
Vereine, Historiker etc. per App oder Website geolokalisierte Inhalte (Texte, Bilder,
Audio, Video, VR) anbieten können. Bestandteile: Datenbank-Lösung,
benutzerfreundliches CMS, Auswahl von Templates zur Einbettung in die eigene
Website/App, ggf. gemeinsames Übersichtsportal
Rechteklärung auf übergeordneter Ebene/ Förderung einer Art „Gema“-Freipass für
Streaming-Projekte
Veranstaltungsdatenbank mit offener Schnittstellen und Anschlussfähigkeit für
Anwendungen zum Audience Development
Open cultural data-Datenbank auf der Digitalisate unter freien Lizenzen und mit
offenen Schnittstellen zur Weiternutzung bereitgestellt werden
Lösung zur Langzeitarchivierung und -verfügbarkeit von Digitalisaten, mittels derer
sowohl Kultureinrichtungen des Landes Berlin, als auch z.B. Akteurinnen und Akteure
der freien Szene ihre Daten langfristig und nachhaltig sichern können
investive Infrastrukturförderung, z.B. WLAN-Ausrüstung für Kultureinrichtungen /
Kulturorte (Ergebnis aus Workshop im Januar)

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4. Ausblick
Die Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten nimmt folgende Aufgaben aus der
Veranstaltung mit:
Vernetzung: als kurzfristige Lösung wird eine Online-Liste erstellt, in die sich die
Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit Kontaktdaten und Kurzvorstellung ihrer
Projektskizze
eintragen
können;
mittelfristig
soll
eine
Anlaufstelle/
Kommunikationsplattform zur Vernetzung bereitgestellt werden
Fördermittel: die Projektideen sind in den meisten Fällen qualitativ und umsetzbar;
die Senatskanzlei wird im Fall einer Mittelverfügbarkeit basierend auf den Ergebnissen
des Call for ideas und des Workshops eine Förderrichtlinie entwickeln und Projekte
fördern
Daueraufgaben: bezüglich der durch Digitalisierung neu entstehenden Daueraufgaben
(z.B. Langzeitarchivierung /-verfügbarkeit) beginnt sie den Diskurs mit anderen
Verwaltungen (etwa SenBJW) und der Politik, so dass die Finanzierung dieser
Aufgaben mittelfristig geklärt werden kann
Information: alle Teilnehmer und Ideengeberinnen werden über weitere
Entwicklungen informiert

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Workshop - Dokumentation: Digitalisierung der Berliner Kulturlandschaft

Credits
Workshopdesign und Moderation
Christoph Brosius
Die Hobrechts
Weigandufer 45
12059 Berlin
info@diehobrechts.de
Internet: www.diehobrechts.de
Fotografien und Video
Ruben Silberling
Akazienweg 10a
32457 Porta Westfalica
e-Mail: mail@rubensilberling.de
Internet: www.rubensilberling.de
Veranstalter

Senatskanzlei, Kulturelle Angelegenheiten:
Brunnenstraße 188-190
10119 Berlin
Tel. (030) 90228-251
www.berlin.de/sen/kultur
amelie.mueller@kultur.berlin.de

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